anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 25. April 2020
Der letzte Einkauf ohne Maske
Heute war der letzte Tag, an dem man noch ohne Mundschutz einkaufen gehen durfte, den habe ich natürlich genutzt, sowie ungefähr 250.000 andere Einwohner hier im Umfeld auch.
Die Läden waren ziemlich voll, gefühlt trugen aber höchstens 5 % aller Einkaufenden einen Mundschutz.
Ich hatte eine Maske in der Handtasche, weil ich den heute noch geltenden Dresscode vorab nicht einschätzen konnte.
Wenn das Verhältnis von maskiert zu unmaskiert genau umgekehrt gewesen wäre, dann hätte ich natürlich auch heute schon die Maske angezogen, deshalb hatte ich ja extra eine eingesteckt, denn underdressed rumzulaufen wollte ich auch nicht riskieren*, es zeigte sich aber, dass ich mit Maske eher overdressed gewesen wäre, was mir die Menschen hier in der Umgebung durchaus sympathisch machte.
*Ich habe es ja grundsätzlich nicht so mit Styling und so Schickimickioutfits, aber wenn alle anderen Abendgarderobe tragen, dann komme ich mir in Jeans auch wieder fehl am Platz vor. Weil aber manchmal Jeans doch geht, bin ich schon mehrfach auf Empfängen/Einladungen/Bällen gewesen, wo ich unter dem Abendkleid eine Jeans anhatte und wenn ich dann feststellte, dass es ausreichend Jeansträger gab, um nicht unangenehm aufzufallen, brauchte ich nur eben das Kleid abzuwerfen und konnte den Abend in bequemer Kleidung deutlich mehr genießen. Irgendwie kam ich mir heute mit der Maske in der Tasche auch so doppelt ausgerüstet vor, Vorbereitung ist alles, wenn man den Schnittpunkt zwischen gesellschaftlich akzeptierter Kleidung und eigener Bequemlichkeit treffen will.

Ich bleibe dabei, ich halte einfach gar nichts von diesem Maskenkram, eine völlig blödsinnige, unnötige Schikane, die keinerlei Vorteil bringt, außer der Tatsache, dass sie für diejenigen, die sie vorschreiben, die Erleichterung bringt, etwas vorgeschrieben zu haben, was immerhin die Wirtschaft nicht schädigt und sich angenehm nach echtem Aktivismus anfühlt.

Ausgehend von der Tatsache, dass offensichtlich nur die allerwenigsten Menschen freiwillig so eine Maske tragen, denn sonst wären ja heute schon deutlich mehr Menschen damit unterwegs gewesen, wage ich zu behaupten, dass auch die allerwenigsten Leute eine echte Notwendigkeit für so eine Maske sehen, d.h. ihren Eigenschutz sehen sie damit nicht verbessert, den Fremdschutz im Zweifel aber auch nicht, weil sich ja die Leute, die in der Gegend rumlaufen, jeweils einzeln und subjektiv betrachtet wahrscheinlich ziemlich gesund fühlen.
Geht mir ja auch so.
Ich bin ziemlich sicher, dass ich mir das Virus in den letzten 14 Tagen nicht eingefangen habe, weil ich fast durchgängig zu Hause war und wenn ich aus dem Haus gegangen bin, so habe ich tatsächlich sehr streng auf Abstand geachtet. Wo also hätte ich mich anstecken sollen? Symptome habe ich auch gar keine, also halte ich mich für gesund.
Da ich also recht sicher davon ausgehe, dass ich niemanden anstecken kann und mir selber so eine alberne, selbst gebastelte Maske ganz bestimmt keinen Schutz verschafft, der besser ist als Abstand halten, finde ich diese Maske einfach nur lästig und überflüssig und nach meinen Beobachtungen heute bin ich mit der Einstellung ganz sicher nicht alleine.
Aber selten war der Spruch passender: Hilft ja nix, ab Montag ist es Vorschrift. Also lasset die Spiele beginnen.

Um dieser blöden Maskenpflicht wenigstens in den ersten Tagen noch zu entgehen, haben wir also heute noch mal richtig gründlich eingekauft. Jetzt dürften die Vorräte eine ganze Weile halten und damit man auch gerne drinnen bleibt, habe ich noch viele frische Blumensträuße besorgt.



Der Flieder duftet ganz wunderbar (haben wir eben in den Rieselfeldern geschnitten), die Lilien hat K schon heute Nachmittag ausgesucht und die Tulpen gab es eben kurz vor Ladenschluss zum halben Preis.
Kurz vor Ladenschluss ist übrigens meine Lieblingseinkaufszeit, hat sich auch heute wieder gelohnt.
Eigentlich waren wir heute Nachmittag einkaufen, unter anderem in Telgte bei Lidl. Die Notwendigkeit des Einkaufens haben wir gleich mit einem Cabrio Ausflug verbunden und der Lidl in Telgte ist ganz neu und ganz groß und es macht sowieso Spaß, dort einzukaufen.
Dort gab es die Lilien und außerdem gab es dort Stehtische.
K wollte keinen Stehtisch kaufen, weil er meinte, wir brauchen keinen. Wir können uns auf der Terrasse direkt an den Tisch setzen, ist doch viel bequemer als stehen.
Ich wollte aber unbedingt einen Stehtisch haben, weil ich stehen toll finde und Stehtische auch. Stehtische auf der Terrasse sehen so nach Party und lockeren Zusammenkünften aus, finde ich viel schöner als biedere Terrassentische, an denen man sehr wohlsortiert und sehr spießbürgerlich Platz nimmt.
Also habe ich so lange gequengelt, bis er einknickte und auch einen Stehtisch kaufen wollte. Lieber einen Stehtisch in der Terrassenecke als eine quengelnde Anje an der Backe, Westfalenmänner sind sehr pragmatisch orientiert.

Als wir wieder zu Hause waren und der Stehtisch aufgebaut auf der Terrasse stand, musste er zugeben, dass so ein Stehtisch wirklich was Feines ist.
Das bedeutet natürlich, dass ich sofort noch einen Stehtisch haben wollte, wir haben ja auch zwei Terrassen und irgendwann darf auch K wieder nach Borkum.

Also sind wir nochmal losgefahren, diesmal aber nach Münster und mit Ks Auto, weil er sein Auto noch waschen wollte und das geht in Münster am besten. Wenn wir Einkaufsausfahrten machen, sind das immer Koppelgeschäfte.
Getankt hat er dort übrigens auch, Super für 1,00€ den Liter. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass der Sprit so preiswert war.

Nach dem Autowaschen sind wir noch ein bisschen in Münster rumgefahren, ich wollte noch in einen Drogeriemarkt und bei Aldi war ich auch schon lange nicht mehr. Wo auch immer wir waren, der Prozentsatz der Menschen mit Masken war auffallend gering.
Allerdings fanden wir keinen Lidl mit Stehtischen.

Deshalb sind wir vorhin hier in Greven noch mal zu unserem örtlichen Lidl gefahren, da waren wir jetzt schon länger nicht mehr, weil seit einiger Zeit Einkaufen ja immer irgendwie ein Ausflug und etwas Besonderes geworden ist, wenn wir das gleich hier vor der Haustür erledigen, nimmt man sich ja die Hälfte vom Spaß.
Jetzt ging es aber um den Stehtisch und außerdem war mittlerweile schon kurz vor Ladenschluss.

So kam es, dass wir jetzt ganz viele Blumensträuße und zwei Stehtische haben, insgesamt ein rundum erfolgreicher und angenehmer Tag, und das Beste von allem: Komplett maskenfrei
.

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