anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 7. April 2020
Macken und Warzen
N möchte ja seinen Facharzt in Psychiatrie machen, was ich aus rein egoistischen Gründen echt überflüssig finde, weil ich davon ausgehe, dass ich diese Sorte Arzt (hoffentlich) nie brauchen werde bzw. dass, wenn ich sie doch brauche, es sich um eine geriatrische Psychostörung handelt und N sich dann an sein gegebenes Versprechen hält, also dass er sich darum kümmert, dass ich irgendwie an Zeug komme, um dieses Elend abzukürzen.
Natürlich gäbe es darüberhinaus reichlich Einsatzmöglichkeiten für Psychobehandlungen, ich ziehe es aber vor, mich einfach mit meinen Macken zu arrangieren und verspüre überhaupt keinen Bedarf, sie mir wegtherapieren zu lassen. Mir fällt es zumindest deutlich leichter, mich mit meinen stellenweise wirklich abstrus bekloppten Psychostörungen abzufinden, als mit den immer verstärkter sprießenden Alterswarzen, die überall auf meiner Haut wachsen und die ich schrecklich, eklig, widerlich und eben überhaupt nur dringend wegmachbedürftig finde. Dermatologe wäre also ein Facharzt, den ich sehr viel lieber in der Familie hätte, als einen Psychiater. Bekloppt finde ich nicht so schlimm wie voller Warzen.
Aber nun ja, ich habe da wohl nur wenig Mitsprachedurchschlagskraft, von allen medizinischen Fächern findet N ausgerechnet Derma das schrecklichste. Mein Pech.

Deshalb wird er irgendwann Psychiater sein und ich voller Warzen. Meine Macken werde ich übrigens trotzdem behalten, wenn er mir die Warzen nicht wegmacht, kann er mir die Macken auch lassen, weil mir ohne meine Macken wahrscheinlich mit mir selber langweilig würde, hätte ich ja gar nichts mehr, über das ich mich in meinen Selbstgesprächen wundern könnte.

Das ist nämlich ein großer Spaß von mir: Dass ich mich regelmäßig über mich selber wundere, weil ich natürlich mitbekomme, dass ich sehr häufig sehr irrational reagiere, aber wenn ich dann ausführlich darüber nachdenke, endet es meistens damit, dass ich mich über mich selber kaputtlache. Ich kann wirklich herrlich bescheuert sein.
Heute zum Beispiel habe ich den gesamten Tag am Schreibtisch vorm Rechner gesessen, an zwei sehr langen Telefonkonferenzen teilgenommen und eine große Exceltabelle bearbeitet.
Natürlich habe ich Urlaub - aber im Urlaub finde ich arbeiten nicht schlimm, da muss ich es ja schließlich nicht.
Wenn mir jetzt so ein Psychoexperte diese Macke wegbehandeln würde, also mich darauf konditionierte, dass ich im Urlaub nicht arbeite, sondern irgendwas anderes mache, dann hätte ich anschließend im Urlaub nichts mehr zu tun, würde mich langweilen, bekäme reichlich schlechte Laune und wäre gründlich gestresst. Schlechte Laune stresst immer und außerdem verhindert sie die Erholung.
Am Ende von Urlaub wäre ich urlaubsreifer als vorher, und wenn ich dann nach einem Urlaub ohne Arbeit wieder ins Büro käme, läge da ein dreimal so hoher Berg an nicht erledigter Arbeit wie sonst nach dem Urlaub, weil ich ja zwischendurch nichts weggearbeitet habe. Diesen Arbeitsberg müsste ich dann komplett unerholt und vorgestresst abarbeiten - ist doch klar wie das endet: Herzinfarkt, Schlaganfall, Hörsturz oder wenigstens Burn Out, den dann allerdings wieder der Psychodoktor behandeln dürfte. In Excel nennt man so etwas einen Zirkelbezug - und für mich ist das ein Grund, weshalb ich keinen Psychodoktor an meine Macken lasse - außer er kann Warzen wegmachen
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