anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 8. April 2020
Am Ende wird alles gut
Und dann sind da zwischendurch so Tage, die mir in ihrer Quintessenz sehr deutlich ins Ohr raunen: Respice post te, hominem te esse memento
Das scheint meine Art der Psychohygiene zu sein, bevor ich ernsthaft durchdrehe, kippe ich einfach erst mal um.

So ein Tag war heute und mir ist jetzt wieder sehr bewusst, dass ich da wohl sehr viel Glück mit meinem Körper habe. Der passt einfach auf mich auf und wenn es zu viel wird, dann schlafe ich ein.

Der Tag bestand heute hauptsächlich aus Plänen, die nicht funktionierten. So war mein Hauptplan, dass ich gerne in aller Ruhe vor den Ostertagen einkaufen gehen wollte, vorzugsweise gleich am Vormittag, weil da angeblich am wenigstens los ist.
"Angeblich" weil ich das im Internet gelesen habe, ich habe da keine eigenen Erfahrungswerte, weil ich normalerweise tagsüber arbeite und wenn ich nicht tagsüber arbeite ist entweder Wochenende oder ich bin auf Borkum. Auf Borkum gelten für Stoßzeiten in Läden komplett andere Regeln.
Aber hier ist ja normales Festland und angeblich gilt hier auch zu Coronazeiten, dass hier am Vormittag am wenigsten los ist in den Läden.
Nun, ich weiß es immer noch nicht, denn ich habe es nicht geschafft, es herauszufinden.

Als ich um kurz vor 10h losfahren wollte, dingelte mein Terminkalender: TelKo mit einem Vermögensverwalter - das wöchentliche Corona-Update mit Donner und Reuschel, da die ganz kluge Zusammenfassungen haben, erschien es mir klug, daran teilzunehmen, Urlaub hin oder her.
Dann schellte das Telefon, der Leiter Rechnungswesen brauchte eine Freigabe für die Löhne und mir fiel ein, dass ich da ein paar Besonderheiten vorab klären muss.
Dann rief der Chef erster Ordnung an, der musste auch nur schnell ein paar Kleinigkeiten klären und brauchte vor allem ein paar griffige Formulierungen, währenddessen kamen Mails an, die mich an vergessene Rücksendungen diverser zugesagter Dinge erinnerten.

Zwischendurch habe ich einen Brotteig angesetzt, im Großmarkt gab es neulich Hefe nur pfundweise, davon habe ich jetzt also genug. Das Mehl war eine Backmischung aus 2018 (ich habe ja schon mein ganzes Leben lang gehamstert) , da habe ich vorsichtshalber noch mal ein gutes Stück frische Hefe dazugegeben, geplant war, dass ich den Teig nach dem Einkaufen weiter verarbeiten wollte.

Außerdem hatte sich J schon sehr früh am Morgen gemeldet, weil seine Freundin, die nicht seine Freundin ist, mit der er aber während der Coronazeit eine Wohngemeinschaft bildet, also weil die mit seinem Auto, das versicherungstechnisch mein Auto ist und bei dem es deshalb gewisse Einschränkungen für das Verleihen an Personen unter 25 Jahren gibt, weil also dieses Mädchen mit diesem Auto morgens um 7h auf einem Krankenhausmitarbeiterparkplatz in Potsdam ein anderes, geparktes Auto gerammt hat und dann wusste sie auch nicht weiter.
Ich ergoogelte mir die Versicherungsbedingungen, dann googelte ich "Fahrerflucht" und dann setzte ich J in Bewegung, damit der sich so schnell wie möglich in Bewegung setzt, um vor Ort zu erscheinen, die Polizei anzurufen und das Schlimmste zu verhüten. Das gelang auch alles, J fuhr mit Fahrrad und S-Bahn in einem Affenzahn von Berlin nach Potsdam, die Polizei nahm einen Unfallbericht auf und ich meldete das dann alles an die Versicherung, hier war dann um 10h schon alles geklärt.

Dann erschien N und wollte Dinge drucken, die er vorher gescannt hatte (die Home-Office-Variante von Kopieren), eigentlich ist es ein WLan-Drucker und eigentlich kann man den direkt aus dem Netz ansteuern, N hat aber einen Mac und mehr braucht man nicht zu wissen, um zu erkennen, dass das dann alles nicht so einfach geht. Macs sind ja sicher tolle Computer, aber sie leben halt in ihrer eigenen Mac Welt und lassen die gemeine Windows-Welt regelmäßig spüren, wie unbedeutend sie sie finden. Meistens äußert es sich dadurch, dass sie eine vernünftige Zusammenarbeit verweigern. Ist natürlich die Windowswelt schuld, ist klar, ne.

Aber irgendwann war auch das geregelt, alle Unterlagen waren gedruckt und N sortierte eifrig, was er an welche Uni für welche Unterschrift, Zulassung oder Bescheinigung schicken musste, da er sein PJ für zwei Tertiale an der Uni Wien gemacht hat, davon aber ein Tertial nicht in Wien, sondern in Bad Ischl, die ihm das vor Ort nicht unterstempeln konnten, weil die Stempel in Wien sind, die Wiener allerdings unterstempeln schon mal per se nichts Deutsches, sondern nur eigene Unterlagen, die müssen für das Hamburger Prüfungsamt dann wieder amtlich übersetzt oder beurkundet werden, ach, ich weiß es nicht, es ist auf Fälle ein Mordsumstand, weil er die Prüfungszulassung halt in Hamburg beantragen muss und dabei sind Fristen zu beachten, die sich in Coronazeiten, wenn man nicht mal einfach vor Ort alles persönlich erledigen kann, als leicht sportlich darstellen.

Während ich auf Ns Papierkram wartete, habe ich übrigens ein Parfum bei ebay zum zweiten Mal zum Verkauf wiedereingestellt, weil das beim letzten Versuch irgendein Trottel aus Bangladesh (ja, so habe ich auch geguckt) ersteigert hat, der es dann nicht haben wollte. Heute also wiedereingestellt, 1,-€ Startpreis mit Sofortkaufoption für 15,- €. Es handelte sich um ein Parfum, das ich gebraucht auf dem Flohmarkt gekauft habe, dann feststellte, dass ich den Geruch nicht mag, durch Googeln aber wusste, dass es grundsätzlich ein ziemlich teures Parfum ist, weshalb ich es nicht einfach wegwerfen wollte. Beim ersten Einstellen hatte es der Mensch aus Bangladesh für 13,50€ ersteigert oder eben nicht, ganz wie man es sieht, weshalb ich jetzt 15€ Sofortkauf für vernünftig hielt.
Es war ca. 15 Minuten hochgeladen, da erhielt ich eine Anfrage, ob ich das Parfum auch nach Bangladesh Ungarn verschicken würde. Ich ergoogelte die Portokosten und sagte ja, dann würde es aber 14€ Porto kosten, noch mal 10 Minuten später war das Teil verkauft und ein Mensch mit unaussprechlichem Namen schickte mir 29€ auf mein PayPal Konto. Sachen gibt's.
Während also N seine Unterlagen sortierte, verpackte ich das Parfum und druckte ein Versandetikett nach Ungarn. Hier ist ebay ja schon verdammt komfortabel, ich musste nichts selber eingeben, einfach nur immer auf "weiter" klicken und schwupp, konnte ich ein fertig ausgefülltes und bezahltes Versandetikett mit einer schrägen ungarischen Empfängeradresse ausdrucken, das gefiel mir alles sehr gut.

Mittlerweile war es halb vier, dann fuhren wir aber los, erst zur Post, dann zum Einkaufen, N staunte nicht schlecht, wie voll es hier in den Läden ist, in Österreich sei es überall deutlich leerer gewesen. Nun, es war ja auch nicht mehr Vormittag.....

Als wir gegen 17h wieder zurück waren, fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag über noch gar nichts gegessen hatte und auch meinen üblichen Bürotee nicht getrunken hatte, weil ich ja seit 10h quasi auf dem Sprung war, um mal eben schnell einkaufen zu gehen.

Als die Einkäufe verräumt waren, schmiss ich die Reste von gestern und vorgestern und vorvorgestern alle zusammen in eine Pfanne.
Dann fiel mir der Brotteig wieder ein und dass ich ja neulich im Großmarkt auch endlich einen gusseisernen Topf erworben habe, weil man darin angeblich so toll Brotbacken kann. Ich stellte also den gusseisernen Topf zum Vorheizen in den Backofen, drehte auf 300°C (ich hatte gehört man solle die maximale Hitze nehmen, die der Ofen hergibt, meiner kann 300°C), formte den Brotteig (der inzwischen mehr als fünf Stunden gangen war) zu einer hübschen Kugel und ließ ihn in einem anderen Topf in Backpapier gewickelt weiter gehen, stellte das Resteessen auf den Tisch, aß was und legte mich dann nur für fünf Minuten hin, weil ich plötzlich so müde war.

Um 22.30h weckte mich K, und fragte, was ich eigentlich mit dem Ofen vorhätte, es röche so aus der Küche.

So viel also zu meinem Tag, mittlerweile ist das Brot fertig gebacken, von außen sieht es ganz toll aus, der Ofen hat es auch überlebt, also alles gut, aber insgesamt fühlt sich der Tag an, als wäre mir da doch einiges aus dem Ruder gelaufen
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