anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 20. Mai 2019
Lebensleistung
In letzter Zeit ist wieder ein Wort verstärkt im Umlauf, bei dem ich mich jedesmal aufrege, wenn ich nur daran denke.

Lebensleistung


Was für ein bescheuertes Wort, denn es hat, wenn man es konkret hinterfragt, überhaupt keine Bedeutung.
Es gibt genau deshalb keine Lebensleistung, weil es völliger Blödsinn wäre, so etwas zu definieren.
Es gibt vielleicht eine Überlebensleistung - die hat jeder vollbracht, der noch nicht tot ist, aber was soll eine Lebensleistung sein?

Wenn es eine Lebensleistung gäbe, müsste es ja auch eine Definition dafür geben. Das wiederum bedeutet, es müssten darin Kriterien aufgestellt werden, die erfüllt sein müssen, damit man von Lebensleistung sprechen kann - und automatisch würden dadurch dann Menschen ausgegrenzt, die diese Kriterien nicht oder schlecht erfüllen und das will sich ja wohl hoffentlich niemand anmaßen. Ich meine, festzulegen, wann jemand sein Leben gut oder schlecht verbracht hat.

Das Widerliche an diesem Wort ist vor allem, dass man spontan meint, es hätte eine Bedeutung. Deshalb wird es ja grade von Politikern so gerne verwendet.
"Aus Respekt vor der Lebensleistung" fordert die SPD eine bedingungslose Grundrente. Es ist eine echte Volksverdummung.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich habe nichts gegen eine bedingungslose Grundrente (obwohl ich die Form, in der die SPD sie grade einführen möchte, für entsetzlich ungerecht erachte, aber das ist ein anderes Thema), im Gegenteil, ich finde eine Mindestrente ausgesprochen vernünftig, sinnvoll und begrüßenswert.
Ich habe nur etwas gegen diese schwachsinnige Begründung, die in diesem Zusammenhang immer verwendet wird, denn die ist eine Unverschämtheit.

Da es eine Lebensleistung gar nicht gibt, könnte man den Werbeslogan der SPD auch "Aus Respekt vor Nix" nennen, aber das hört sich dann ja wieder respektlos an, obwohl es genau darum geht.
Jeder soll im Alter angemessen und in Würde sein Auskommen haben, völlig egal, wie er sein Leben vorher verbracht hat.
Aus Respekt vor der Menschenwürde - das wäre eine gute und richtige Aussage.
Aus Respekt vor der Intelligenz der Bürger fände ich so eine Darstellung positiv, unterstützenswert und vor allem durchdacht.

Die Politiker schwurbeln aber lieber von Lebensleistung - und wundern sich über Politikverdrossenheit.

Und ich wundere mich, warum sich nicht viel mehr Menschen darüber aufregen, dass die Politik hier ein Wort verwendet, was im Grunde nichts anderes ist als "Vorspiegelung falscher Tatsachen".

Ich habe mir in der letzten Zeit mal den Spaß gemacht und verschiedene Leute gefragt, was sie unter "Lebensleistung" verstehen und dann ein bisschen schadenfroh gegrinst, als sie alle in diese böse Falle getappst sind, nämlich zu meinen, man könnte eine Definition für dieses Wort finden.

Das Problem bei Definitionen ist, dass ein Beispiel halt nicht ausreicht.
Was ist ein Säugetier? Zum Beispiel ein Esel.

Das Problem bei positiven Beispielen für "Lebensleistung" ist, dass man schlecht sagen kann, dass das Gegenteil so eines Lebens, KEINE Lebensleistung ist.

Das Problem bei Lebensleistung ist eben, dass es niemanden gibt, dem man eine Lebensleistung absprechen kann.
Ein Mensch zB der schwer behindert geboren wurde und in seinem Leben nie etwas anderes gemacht hat als nur zu existieren und sich pflegen zu lassen - auch dieser Mensch hat eine Lebensleistung vollbracht, nämlich erstens überhaupt bis heute am Leben geblieben zu sein und zweitens hat er den Menschen, die ihn pflegen, ganz sicher ganz viele gute Gefühle und Liebe beschert und das reicht doch schon, oder nicht?

Was also soll der Quatsch mit "Respekt vor der Lebensleistung"? Man könnte auch "Respekt vor der täglichen Verdauung" sagen oder "Respekt vorm Bauchnabel", es ist einfach nur komplett trivial.

Und es regt mich auf
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Sonntag, 19. Mai 2019
Ab sofort wieder zu dritt
Heute bin ich zwei Stunden früher als gestern aufgestanden, bereits um 16h war ich fertig angezogen und habe mich an den PC gesetzt, um noch ein paar Dinge zu erledigen, außerdem Ablage, Buchhaltung und sonstiges Aufräumen, ruck zuck war es 19h und N kam mitsamt einem vollen Sprinter und einem Freund, um den letzten Teil seiner Umsiedlung abzuschließen.
In sechseinhalb Jahren hat sich sein Hausstand deutlich vergrößert, wenn alle drei Kinder gleichzeitig wieder zurückziehen würden, wäre das Haus definitiv zu klein.
So verteilt es sich aber ganz gut, vor allem weil mehrere Kisten unausgepackt im Keller warten können, bis er nächstes Jahr endgültig fertig ist mit seiner Ausbildung, vorher macht eine eigene Wohnung ja keinen Sinn.

Zusammen mit seinem Freund hatte N. den Sprinter relativ schnell ausgeräumt, erst stand alles unten im Wohnzimmer und ich war ernsthaft beeindruckt von der Menge Zeug, die N. ja vorher auch nur in einem WG-Zimmer untergebracht hatte - und in Hamburg waren noch Bett, Schrank, Schreibtisch und Kommode dabei, die er aber gar nicht mitgebracht, sondern gleich in HH weiterverkauft hatte.
K. meinte lapidar, Kinder kämen nicht auf andere Leute, und ich fürchte, da ist was dran. (Hat er natürlich überwiegend vom Vater, diese Sammelwut).

Während die Jungs Kisten und Kram die Treppen hoch und runter schleppten, schmiss K den Grill an, so bekam auch der Freund noch rasch etwas zu essen, bevor er aufbrach, um wieder zurück nach HH zu fahren.

Nun ist N also für die nächsten vier Monate wieder hier eingezogen, ich freu mich aber drauf, ich denke, wir werden gut klarkommen, wobei ich im Sommer ja vier Wochen auf Borkum sein werde, aber so steht dieses Haus hier nicht komplett leer, auch sehr praktisch.

Ab morgen dann für alle Bewohner wieder geregelte Arbeitszeiten mit frühem Aufstehen, N muss pünktlich in seiner Klinik erscheinen und solange sein Auto noch nicht wieder repariert ist, müssen wir eine rechtzeitig losfahrende Mitfahrgelegenheit für ihn sicherstellen, wird schon klappen
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Samstag, 18. Mai 2019
Wunderbar fauler Samstag
Jetzt war ich ja zwei Tage auf, jetzt wurde es Zeit, dass ich mal wieder einen Tag überwiegend im Bett verbringe.
Heute habe ich allerdings nur bis 10h geschlafen, ab da war ich wach und habe lesend im Bett gesessen, auch wenn ich gründlich nachdenke, gibt es keine Beschäftigung, die ich lieber mache. Zum Lesen habe ich mich schon immer am allerliebsten ins Bett gelegt, wenn kein Bett da ist, eben irgendeine andere Stelle, an der ich liegen kann, Sofa, Heuboden, Liegestuhl, ungefähr in der Reihenfolge, wenn ich nicht liegen kann, wird mir beim Lesen schnell unbequem.

K hustet und schnupft auch noch hartnäckig vor sich hin, der war ebenfalls froh, dass ich keine anderweitigen Aktivitäten anleierte, so lagen wir gemeinsam bis ca. 18h im Bett, dann übermannte uns ein Aktivitätsschub, im wesentlichen ausgelöst durch Hunger.
Die Kühlschrankkontrolle ergab, dass einiges nachbeschafft werden musste, aber vorher zogen wir noch schnell das Bett ab, das hatte es eindeutig nötig. Wenn wir einmal dabei sind, kann man auch gleich die große Frühjahrsputznummer starten, also auch die oberen Schutzbezüge der Wasserbettmatratze abnehmen und durch die Kochwäsche jagen, sie waren schon sichtbar angegilbt und sind jetzt wieder wunderbar schneeweiß. Außerdem rund um und so weit es geht unter der Wasserbettmatratze staubsaugen, da sammeln sich sehr gern größere Mengen an Haut-Staub-Schuppen-Milbenleichen, ein bisschen eklig, aber nur, weil man die beim Wasserbett so deutlich sieht.
Seitdem ich ein Wasserbett habe und weiß, welche Mengen an Dreck sich in kurzer Zeit in so einem Bett sammeln, finde ich das Schlafen auf normalen Matratzen richtig gruselig eklig, denn auch wenn ich sonst sehr gut mit der Devise fahre "Dreck, den man nicht sieht, ist kein Dreck", so ist das mit diesem unzweifelhaft vorhandenen Dreck, der in normalen Matratzen steckt, doch noch mal etwas anderes. Den könnte ich ja noch nicht mal entfernen, selbst wenn ich es gerne wollte - und das macht das Problem aus. Ich glaube, ich würde vor lauter nicht zu verdrängenden Bildern im Kopf jedes Jahr neue Matratzen kaufen.
In unserem Bett ist er jetzt auf alle Fälle wieder gründlich entfernt, sehr schönes Gefühl, wenn alles wieder frisch ist.

Dann Einkaufen, dann Kochen und Essen und Warten, dass der Trockner fertig wird, um das Bett wieder beziehen zu können.
Derweil habe ich ein wenig gebügelt, K hat weiter iPad gelesen und im Fernseher kam ein äußerst seltsamer Krimi aus München, den keiner von uns wirklich verfolgte, weil er schlicht zu blöd war, das Fernsehprogramm aber nichts anbot außer ESC, was ich noch blöder gefunden hätte.

N. hat sich jetzt für morgen einen Sprinter als Oneway-Mietwagen organisiert, was mit seinem Auto ist, wissen wir noch nicht, die Werkstatt hatte gestern keine Zeit, sich darum zu kümmern.

Insgesamt also ein wunderbar fauler Samstag, der durch die Bettaktion aber trotzdem ein Gefühl angemessener Produktivität vermittelt, solche Tage liebe ich
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Freitag, 17. Mai 2019
Bundespräsident und Brot
Heute habe ich den Bundespräsidenten gesehen und das Brot fertig gebacken.
Aus organisatorischen Gründen und auch um die Tagesstruktur einigermaßen zu erhalten, habe ich zuerst das Brot gebacken.
Der Teig steht ja seit gestern zum Gehen in der Ecke, heute morgen folgte also Teil 2 des Rezeptes: "Schiebe den aufgegangenen Teig aus der Schüssel auf ein Backpapier und forme irgendwie eine Kugel ohne zu kneten".
Nunja, hört sich nicht kompliziert an, ist aber eine ziemliche Matscherei, denn der Teig klebt schon arg und er klebt auch an allem, also an der Schüssel, aus der er nicht rauswill, an den Händen, von denen er nicht mehr abgeht und am Backpapier, auf dem er sich viel lieber kuhfladenartig ausbreitet als sich als "irgendwie kugelförmig" disziplinieren zu lassen.
Ich habe ihn dann einfach dadurch zu einer Kugel gezwungen, dass ich einen kleinen Bräter gewählt habe, in den ein großer Kuhfladen gar nicht reinpasste, denn letztlich wird der Teig ja samt Backpapier im Bräter im Ofen gebacken. Das klingt jetzt alles ein wenig wirr, aber wenn man sich die Rezeptanweisungen durchliest, dann versteht man, was ich meine.
Ich gebe zu, ich war skeptisch. Sehr skeptisch. Denn ich backe schon seit vielen, vielen Jahren Brot und diese Variante kannte ich noch gar nicht, sie machte aber beim Machen keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Eigentlich geht Brotbacken anders, dachte ich.
Aber nun war es einmal angefangen, jetzt wurde es auch durchgezogen.
Als es fertig gebacken aus dem Ofen kam, habe ich mir zunächst mal schrecklich die Finger verbrannt, weil der Bräter doch tatsächlich 230°C heiß ist, wenn man ihn stundenlang in einem 230°C heißen Backofen als Brotbackform benutzt. Habe ich jetzt auch gelernt.
Außerdem habe ich gelernt, dass auch Methoden, die einem sehr seltsam vorkommen, weil man meint, man hätte schon alles gesehen und kenne die Welt und so ginge es doch bestimmt nicht, dass auch solche Methoden ein Recht auf eine Testversion haben, denn manchmal (okay, ich glaube wirklich nur manchmal, aber immerhin), denn manchmal funktionieren auch Methoden, denen man es nicht zugetraut hätte.
Diese Brotbackmethode funktioniert tatsächlich. Sehr faszinierend.
So sah es nachher aus:


und es schmeckt prima, soweit ich das aktuell beurteilen kann*, die Konsistenz ist perfekt, Superkruste und superfluffiges Innenleben.
Mein Mittagessen:


*Die Erkältung hat nicht nur meine Nebenhöhlen, sondern auch meinen Geruchs- und damit auch meinen Geschmackssinn fast vollständig lahmgelegt. Ich komme mir vor wie die Mutter von Hape Kerkeling, die hat auch erst ihren Geschmackssinn - und anschließend den Spaß am Leben verloren. Wobei, ich bin noch bei Stufe 1 und das mit dem Spaß am Leben werde ich hartnäckig verteidigen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es hart wird, wenn man wirklich gar nichts mehr schmeckt. Ich kenne das jetzt erst seit zwei Tagen, bin aber schon gründlich genervt.

Ich halte auf alle Fälle schon mal fest, dass ich diese Methode, Brot zu backen, noch häufiger wiederholen werde, ich habe allerdings sogar noch Verbesserungsideen im Sinn. Wir werden sehen.

Am Nachmittag ging es dann zu der Ausstellungseröffnung mit dem Bundespräsidenten.
Die Ausstellung ging um Verschwörungstheorien und eigentlich finde ich das Thema sehr interessant.
Das Interessanteste an diesem Nachmittag war aber nicht die Ausstellung, denn die kann man sich auch einfach als Buch kaufen und dann in Ruhe auf dem Sofa lesen, weil man Theorien eben auch wirklich nur schlecht in einer Ausstellung zeigen kann. Eigentlich bestand die Ausstellung aus einzelnen (Faksimiles) von Postern, Briefen, Schriften, Buchauszügen oder Zeitungsartikeln mit sehr viel Erklärtext dazu, in der Summe enorm viel interessante Informationen, aber wie gesagt, als Buch deutlich besser und vor allem sinnvoller aufzunehmen.
Das Interessanteste heute war die Inszenierung des Bundespräsidenten.
Ich habe bisher nur einen abgedankten Bundespräsidenten live erlebt, das war aber ein tolles Erlebnis, weil ich sowohl die Rede als auch den Menschen als etwas ganz Besonderes wahrgenommen habe. Es gab zwar noch Security, aber die war dezent im Hintergrund. Er war halt nicht mehr im Amt.

Heute kam aber der amtierende Bundespräsident und es war wirklich beeindruckend grotesk, welches Tamtam deshalb veranstaltet wurde.
Das gesamte Securitygewusel - geschenkt, es gibt mittlerweile an so vielen Stellen derart alberne (und gefühlt völlig nutzlose, weil lächerlich einfach zu umgehende) Sicherheitskontrollen, dass ich längst aufgehört habe, mich darüber aufzuregen. Irgendjemand braucht diese Farce, um sich prophylaktisch reinzuwaschen, dass er nicht Schuld ist, wenn etwas passiert. DASS etwas passieren kann, ändert sich durch dieses Securitypossentheater nicht, aber immerhin wurde ja etwas getan.

Nein, was ich tatsächlich völlig schräg fand, war die Gesamtinszenierung des Auftritts. Ich kam mir vor wie in einem oppulenten Kostümfilm, wo sich alle Gäste bereits im Saal befinden und sich fröhlich miteinander unterhalten, als der Herold (oder wie auch immer die richtige Bezeichnung für den Ausrufer ist) seinen Stab dreimal kräftig aufs Parkett knallt (aka: mit dem Kuli ans Mikrofon klopft), alle Gäste komplett verstummen, so dass die Stimme mit Echo durch den Raum schallt: "Seine Majestät, der König von Deutschland!" und der König dann gefolgt von einer großen Entourage von weiteren Höflingen und Günstlingen Einzug hält. Alle, die gesessen haben, erheben sich selbstverständlich und der König samt Gefolge schreitet unter Applaus durch den Saal und besetzt dann vorne die reservierten Plätze.
So war das heute, nur sagte der Herold der Moderator nicht "der König", sondern: "Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland." Alles andere war gleich.

Der König selber Der Bundespräsident selber war dann eine ziemliche Enttäuschung.
Er hielt eine unglaublich belanglose Rede, die im Wesentlichen aus Floskelsalat und Blabla bestand, vorgetragen mit einer beeindruckend teilnahmslosen Gleichgültigkeit, dafür aber mit unsauberer Aussprache. Ich hätte den Typ noch nicht mal in einem B-Movie als Komparse für die Rolle besetzt, aber nun ja, ich habe wahrscheinlich auch keine Ahnung, was ein Bundespräsident so können können sollte. Ich persönlich fände ja ein sauberes Hochdeutsch sowieso grundsätzlich nicht verkehrt, aber in Zeiten der Inklusion macht sich Bildung und Bedeutung wahrscheinlisch nischt mehr am sch fest.

Sei's drum, im Großen und Ganzen fand ich den Tag trotzdem ganz witzig, ich hatte ausreichend Gelegenheit über alles mögliche ausgiebig zu lästern und habe mehrere Fotos von Menschen gemacht, die sich nicht entblödeten, sich in Trauben und mit gezückten Handys um den Bundespräsidenten herumzudrängeln - wenn man bedenkt, dass auf dieser Veranstaltung nur "ausgewähltes Publikum" überhaupt eingeladen war, dann kann man sich vielleicht vorstellen, wie skurril ich das fand. Da drängeln sich CbisZ-Promis für ein Selfie mit einem A-Promi. Ich schüttele immer noch leicht angegruselt mit dem Kopf
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Donnerstag, 16. Mai 2019
Es wird
Ich scheine es überstanden zu haben, denn ich war heute den ganzen Tag wach und sogar außerhalb des Bettes unterwegs ohne weitere Tablettenunterstützung und ohne größere Beschwerden. Okay, wenn man fast fünf Tage nonstop geschlafen und so gut wie nichts gegessen hat, muss man sich nicht wundern, dass man zunächst noch etwas schlapp ist, ich habe deshalb auch langsam gemacht, aber ich war auf. Aufgestanden bin ich gegen 9h und bin erst einmal durchs Haus gewandert und mich gefreut, dass noch alles steht und gar nicht viel Durcheinander passiert ist. Okay, K. ist morgens verschwunden, hat irgendwas unterwegs zu essen bekommen und wenn er abends nach Hause kam, saß er nur vor seinem Rechner und ging dann auch ins Bett, viel Gelegenheit Unordnung zu machen hatte er also nicht - und ein Haushalt, der nicht bewegt wird, verändert sich auch nicht, auf gewisse Weise auch ganz praktisch. Der Inhalt der Kühlschranks hatte sich allerdings doch verändert, ich habe erstmal aussortiert, weggeworfen, saubergemacht und festgestellt, dass es heute dringend ganz viel mit Gemüse geben muss, oder ich muss noch mehr wegwerfen.
Beschlossen, dass es Backofengemüse und Gemüsesuppe geben wird, dabei kriege ich den Feta auch gleich mit weg, eigentlich fehlte also nur ein Brot und Milch.
Frau Zuckerzimtundliebe hat grade ein Brotrezept auf ihrem Blog, das sich interessant liest (angeblich wird es ganz fluffig mit Kruste aber ohne Teigkneten, das hört sich doch ausprobierenswürdig an, oder?), Zutaten nur einfaches Mehl, Trockenhefe, Wasser und Salz, habe ich alles im Haus, mache ich, Milch reicht bestimmt noch bis morgen, ich muss also gar nicht einkaufen. Sehr gut.

Dann habe ich mich an den Rechner gesetzt und die Mails der letzten fünf Tage abgerufen. Ohjeh.
Außerdem habe ich die Wiedervorlageliste von Montag nachgearbeitet und festgestellt, dass halt doch eine Menge liegengeblieben ist. Noch mehr jeh.
Gegen elf hatte ich einen Durchhänger und überlegte, ob es nicht doch klüger wäre, wieder ins Bett zu gehen, aber dann beschloss ich rigoros, das jetzt durchzuziehen, ich habe schließlich lange genug geschlafen und am besten gehe ich endlich mal unter die Dusche und wasche mir die Haare.
Schon spannend, wie neu man sich nach so einer Dusche/Wäsche fühlt, auch hier ist halt fünf Tage nichts passiert.
Danach habe ich mit Schwung drei Stunden lang erst mal den privaten Kram abgearbeitet, der regelmäßig erledigt werden muss, fühlt sich deutlich besser an, wenn man hier einigermaßen à jour ist. Es ist zwar noch ein bisschen was übrig geblieben, aber das Wochenende steht ja an, da wird dann kurzfristig auch der Rest noch erledigt.
Anschließénd eine Stunde berufliche E-Mails und Telefonate, plötzlich war es 15h und mir fiel mein Brot ein.
Aus Mehl, Wasser, Trockenhefe und Salz einen Teig nur durch Rühren herzustellen gelang, leider habe ich dann erst den zweiten Teil der Rezeptanweisung gelesen, denn dieser Teig muss jetzt 12-16 Stunden gehen.
Tja dumm, ich nehme dann die 16 Stunden und lege noch ein paar Minuten drauf, denn ich werde nicht heute Nacht um 3h den Backofen anheizen und die große Bäckerei beginnen, vor 8h morgen früh wird das nichts und gleichzeitig hieß das aber auch, wir brauchen für heute doch wieder Brot.

N. schrieb, er ist gegen 17.30h mit einem voll beladenen Auto hier in Greven, packt aus, montiert die Anhängerkupplung, die hier liegt und fährt dann weiter nach Hannover, da kann er sich günstig einen Anhänger leihen, von Hannover dann wieder nach Hamburg und am Wochenende dann mit Anhänger und Sack und Pack wieder nach Greven, dann ist sein Zimmer in Hamburg leer.
Sein Job an der Uniklinik Münster beginnt am Montag um 9h.
Geplante Punktlandung würde ich sagen.

Hieß aber auch, dass ich bestimmt noch Brot besorgen solle und überhaupt wurde es Zeit, sich ums Essen zu kümmern.
Also kurz Einkaufen, dann Gemüse schälen und schnibbeln, hat aber alles gut geklappt.
N. kam mit einem Freund so gegen 17.30h, sie packten größere Mengen Kisten aus, die N. irgendwo im Haus verteilte, dann war die Suppe fertig und wir konnten essen. K. war inzwischen auch nach Hause gekommen und nach dem Essen montierten die drei Männer dann die Anhängerkupplung, was sich als unerwartet einfach erwies, N. und sein Kumpel stiegen wieder ins Auto - und das Auto sprang nicht mehr an.
Durch* die Montage der Anhängerkupplung hatte sich die Benzinpumpe verabschiedet.
* Ob diese Kausalität richtig dargestellt ist, weiß keiner, aber es liegt so nahe, oder nicht?
Eine andere Erklärung fand sich auf alle Fälle nicht, es ist auch eindeutig die Benzinpumpe, wie ein kundiger Schraubernachbar feststellte. Er konnte sie aber durch mehrfaches, kräftiges Draufhauen noch mal Reanimieren, also fuhr N. dann mit seinem Kumpel leicht verspätet doch los, vorsichtshalber aber erst mal Tanken, um zu schauen, was die Benzinpumpe dazu sagt, wär ja blöd, wenn sie sich irgendwo weit weg von jeder Homebase endgültig verabschiedet, denn dass bis Hamburg noch mal getankt werden müsse, war klar. Beim Anlassen nach dem Tanken zickte die Benzinpumpe wieder, aber N. wusste ja jetzt, wo er hauen musste, nach ein paar Schlägen sprang der Wagen an und die zwei fuhren weiter Richtung Hannover, drehten aber nach 10km dann doch wieder um, weil der Wagen ständig bockte, hustete und spuckte und sie ernsthafte Zweifel hatten, ob er wirklich bis Hamburg durchhält.
Jetzt steht der Wagen vor der Werkstatt hier in Greven, ich habe die zwei dort wieder eingesammelt und dann nach Münster zum Bahnhof gebracht (für den Zug ab Greven waren wir genau 1 Minute zu spät), was N. sich jetzt für ein Umzugsgefährt organisiert, muss er noch überlegen, auf alle Fälle ist Plan A wohl nicht mehr umzusetzen.
Spannend wird es, was die Werkstatt morgen zu den Reparaturkosten sagt und ob sich das bei der alten Kiste überhaupt noch lohnt. N. ärgert sich vor allem, dass er sie auch noch voll getankt hat. Der uralte Witzklassiker.

Nun, wir werden sehen.

Ich habe heute erstaunlich gut durchgehalten, für morgen habe ich eine Stippvisite im Büro angekündigt, weil der Zahlungsverkehr dringend raus muss und weil am Abend eine große Ausstellungseröffnung ist, für die ich eine Zutrittsberechtigung habe. Jaha, nicht einfach nur Einladung, sondern richtig personalisiert erteilte Zutrittsberechtigung nach Kontrolle meiner gesamten Biographie, die ich in einem ausführlichen Fragebogen vorab mitteilen musste, weil der Bundespräsident Schirmherr dieser Ausstellung ist und deshalb die Eröffnungsrede hält und da gelten dann ganz andere Sicherheitsvorschriften. Ich frage mich, ob die DSGVO auch für das Bundeskriminalamt gilt, aber wahrscheinlich haben die irgendwelche guten Ausreden.
Naja, auf alle Fälle möchte ich dort gerne hingehen, weil ich ja vorab schon mit allen meinen Daten bezahlt habe und wenn ich dorthin gehen kann, dann muss ich auch ins Büro gehen können, denn erstens liegt dort meine Zutrittsberechtigung und zweitens sähe das ja sonst schon etwas seltsam aus, wenn ich nur feiern gehe, aber nicht arbeiten kann.
Aber ich bin ja auch wieder fit und morgen bestimmt noch viel mehr
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Mittwoch, 15. Mai 2019
Überalterte Wunderpillen
Obwohl ich auch heute noch überwiegend geschlafen habe, fühlt es sich doch so an, als ob es langsam besser wird. Hoffe ich zumindest und nicht, dass es nur besser wird, wenn ich Tabletten esse.

Ganz grundsätzlich habe ich es ja nicht so mit Medikamenten, vor allem nicht mit Schmerztabletten, keine Ahnung wodran das liegt, aber ich habe eine sehr tiefsitzende Panik vor Drogen, weil ich in der ständigen Angst lebe, ruckzuck in eine unkontrollierbare Abhängigkeit zu rutschen, wenn ich das Zeug auch nur anrühre.
Ich kenne ja meine quasi nichtexistente Selbstdisziplin, wenn es darum geht, mir etwas nicht zu gönnen, auf das ich grade Lust habe, nur weil mir der Kopf sagt, dass es klüger wäre, darauf zu verzichten, wenn gleichzeitig irgendwas im Körper quengelt "ich will aber". Besser, dem Körper gar nicht erst zu zeigen, was es für pharmazeutische Wunderdinge gibt, dann kann er auch nicht quengeln.
Auch wenn das gar nicht zu meiner sonst eher neugierigen Grundhaltung passt, denn normalerweise bin ich allem Neuen gegenüber aufgeschlossenen und "man muss alles wenigstens einmal ausprobiert haben" eine meiner Lebensmaximen ist, so gibt es doch ein paar Dinge, die ich wirklich noch nie ausprobiert habe und auch nicht vorhabe, das zu ändern. Dazu gehört jede Sorte Drogen außer Tabak und Alkohol, wobei ich das mit dem Tabak erst recht lange rausgezögert habe und es endete dann ja auch so, wie ich es befürchtet hatte: es fiel enorm schwer, es wieder bleiben zu lassen. Die Zigaretten bin ich also zum Glück, aber auch erst nach langer Zeit und nur mit viel Anstrengung wieder losgeworden, gleichzeitig bin ich aber auch heilfroh, dass ich außer normalem Tabak nie was anderes probiert habe, obwohl ich viele Jahre in Cliquen war, wo Kiffen quasi zum Alltag gehörte.
Nun, wie auch immer, ich habe einen Heidenrespekt vor jeder Sorte Substanz, die mit meinen Körper Dinge macht, die ich vom Kopf nicht steuern kann, und grundsätzlich gehören dazu eben auch Schmerzmittel.

Gleichzeitig finde ich Schmerzen natürlich auch blöde, weshalb ich da immer dann einen Zwiespalt habe, wenn ich wirklich mal Schmerzen habe, die länger als nur ein paar Stunden halten oder durch konsequentes Istnichtsoschlimm nicht einfach wegignoriert werden können.
Diese blöde Schleimbeutelentzündung in den Hüften ist so ein Schmerzauslöserding, das sich grundsätzlich wunderbar mit Tabletten in Griff bekommen ließe, was ich aber nur in ganz akuten Notfällen ausnutze, eben weil ich der Überzeugung bin, dass es nicht gut ist, wenn ich ständig Schmerzmittel nehme.

Die aktuelle Erkältung nun kommt dafür mit Kopfschmerzen aus der Hölle daher.
Ich habe sehr selten Kopfschmerzen, wenn, weiß ich meist, warum (wenn ich den Abend vorher dann von der einzig anderen Droge, die ich nicht ablehne, doch zu viel konsumiert habe), diese Kopfschmerzen gehen fast immer weg, wenn ich einfach noch ein paar Stunden schlafe - oder, wenn das nicht möglich ist, hilft bei mir Aspirin. Mit Migräne habe ich bisher, toitoitoi, noch nie zu tun gehabt.

Diesmal aber habe ich nicht ignorierbare, nicht alkoholindizierte Kopfschmerzen, sehr unangenehm, sie legen mich so komplett lahm, wie schon lange nicht mehr irgendwas. Ich schlafe verzweifelt dagegen an, aber immer wenn ich aufwache, ist da noch dieser stechende Schmerz in der linken Kopfhälfte. Mit so einem Kopfschmerz kann ich schlicht gar nichts, nicht lesen, nicht fernsehen, geschweige denn in der Gegend rumlaufen und Dinge tun. Ich kann wirklich nur schlafen und wenn ich nicht schlafe, kann ich nur mit Augen zu im Bett liegen und warten, dass die Zeit rumgeht und ich dann doch wieder schlafen kann. Kein sehr angenehmer Zustand, vor allem in den Zeiten, wo ich nicht schlafe. Also sehe ich ein, dass Tabletten aktuell eine sinnvolle Alternative sind. Wenn ich denn die Sorte finde, die wirkt.
Witzigerweise wirkten bisher weder ASS noch Ibuprofen so, dass ich die Wirkung bemerkt hätte. Bis ich gestern diese komplett überalterten Grippostadtabletten fand, eine aß und schwupp - kopfschmerzfrei war. Hauptwirkstoff bei diesen Tabletten ist Paracetamol, ein Schmerzmittel, von dem ich bisher behauptet hätte, es wirkt bei mir gar nicht.
Nach dem ich mich heute bis Nachmittags wieder mit Kopfschmerzen schlafend rumgeplagt habe, habe ich wieder eine dieser Wunderpillen genommen - und wieder zack, Spontanheilung.

Alles sehr seltsam. Aber wenn es wirkt.

Jetzt bin ich mal gespannt, wie es morgen früh ist
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Dienstag, 14. Mai 2019
Es geht voran
Ich werde wahrscheinlich doch nicht versterben, zumindest nicht durch Verzweiflungsselbstmord wegen der unerträglichen Kopfschmerzen.
Die sind seit heute nämlich besser. Nicht weg, aber erträglich.
Ich habe den Medikamentenschrank noch mal komplett durchsucht und dabei eine Packung Gripostad gefunden. Das Preisschild zeigte noch einen DM-Betrag, war mir aber völlig egal, schlimmer konnte es eh nicht mehr werden. Ich erinnerte mich dunkel, dass mir früher (muss nachweislich vor 2002 gewesen sein) Gripostad mal sehr gut geholfen hat, also rein damit. Außerdem fand ich noch ein Paket Soledum, kann auch nicht schaden, davon auch eine. Dann drei Stunden schlafen und tadaa, die Kopfschmerzen hatten sich auf ein sehr erträgliches Maß reduziert.
Geht doch.
Das Soledum scheint den Schnodder mit Macht zu lösen, denn jetzt läuft meine Nase wie ein tropfender Wasserhahn. Aber solche Symptome kenne ich, da muss ich jetzt nur warten, bis der Schnodder wieder etwas andickt und dann wird es auch langsam besser. Ich tippe mal noch zwei Tage. Krankgeschrieben bin ich bis Freitag, das sollte ausreichen
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