anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 17. November 2018
Ziemlich matsche
Ich habe ja keine Ahnung, wie krank ich jetzt grade wäre, wenn ich nicht diese Riesenmengen an Vitamin C, Echinacea und was mir sonst noch in die Finger fiel, in mich reingeschüttet hätte, aber ich bilde mir für mich selber sehr überzeugend fest ein, dass diese Aktion, die ich da gestern gefahren habe, doch noch etwas geholfen hat und dass ich heute viel kränker wäre, wenn ich mich willenlos in mein Schicksal gefügt hätte.
Ich habe mit diesen "Immunstimulanzien" seit vielen Jahren extrem gute Erfahrungen gemacht, der Trick dabei ist nur, dass man sie rechtzeitig genug nehmen muss, damit die hauseigene Körperfeuerwehr so früh und so rechtzeitig gepuscht wird, dass sie eine aufziehende Erkältgung gleich im Kern niedermachen.

Das hat diesmal nicht komplett geklappt, ich habe mir schon eine dicke Erkältung eingefangen, mit der ich mich jetzt auch recht matsche grade ins Bett verzogen habe - aber bis dahin habe ich heute noch halbwegs brauchbar funktioniert und hoffe, dass ich morgen auch wieder einsatzfähig bin.

Ich bin heute nach Borkum gefahren und habe unterwegs den Vater im Krankenhaus besucht, der ist so schwer krank, dass er wohl nicht mehr in sein Haus zurückkehren wird, deshalb werde ich da morgen erst mal saubermachen und dann alles absperren.

Kam alles ganz plötzlich, am Dienstag wurde er notfallmäßig ausgeflogen, jetzt ist er zwar stabilisiert, liegt aber noch auf der Intensiv und keiner weiß genau, wie es weitergeht.

Wenn solche Sachen passieren, ist eine Erkältung das letzte, was man gebrauchen kann, aber typischerweise fängt man sich so einen Infekt grade dann ein, wenn es am ungünstigsten ist, meine alter Spruch: Krankheit kommt aus dem Kopf.

Heute Abend habe ich allerdings mit großer Überzeugung das beste Antierkältungsmittel überhaupt ausgiebig angewendet: Sanddorngrog. Wirkt mit 54%, und das ist mehr als die Hälfze
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Freitag, 16. November 2018
Apotheken
Apotheken sind doch auch irgendwo irgendwie doof. Bestimmt gibt es ganz viele kranke Leute, die davon profitieren, dass ein Fachmann ihre Medikamenten Wechsel- und Nebenwirkungen bewertet, aber für die allermeisten Menschen sind Apotheken nur teuer, langsam, umständlich, überflüssig.
Heute war ich (also nicht ich) in einer Apotheke und wollte einen Immunbooster kaufen. Allerdings hatte die Apotheke keinen Immunbooster. Und die nächste auch nicht. Und die nächste auch nicht. Am Ende musste es eine Packung Vitamin C Pulver aus dem Supermarkt richten.
Und zum Thema Nahrungsergänzungsmittel: Apotheker haben ja, wie jede größere Statusgruppe, ihre Lobbyarbeit und Zeitschriften. Hier ist beides ausgesprochen erbärmlich ausgeprägt. Neulich hat die Apotheker Zeitung jubelnd die Resultate eines Tests geteilt, in welchem Fall ein „unabhängiges“ Institut „Arznei“-Nahrungsergänzungsmittel und „Supermarkt“-Nahrungsergänzungsmittel verglichen hat. Eindeutiges Ergebnis: alle nicht-Apothekenpflichtigen Mittel sind mit mangelhaft durchgefallen. Alle.
Für knapp die Hälfte war der Grund: überdosiert. Das heißt es ist ein Ausschlusskriterium, wenn man für sein Geld mehr Produkt erhält unter der einzigen Maßgabe, die Tablette durchzubrechen. Stattdessen sollte man sich für mindestens den 10x Preis weniger Produkt kaufen.

So kann das weitergehen. Apotheker finden das Rx-Versandverbot auch sehr wichtig, denn die bösen Online-Apotheken sind des Teufels Lakaien. Verständlich, die nehmen denen ja auch Geld weg und erbringen im Gegenzug nicht einmal Leistung, nochmal vorzulesen, dass man Morgens eine und abends zwei Pillen einnehmen soll und das auf nüchternen Magen. Eindeutig, Versandapotheken sind einfach fahrlässig.

Klar, keiner will Verhältnisse wie in den USA, aber umgekehrt muss man sich auch verdeutlichen, dass die Arbeit wirklich mittelfristig durch Computer ersetzbar ist (gegeben, man hat Frau Meier auch wirklich gefragt, was für Medikamente sie nimmt. Das kann natürlich nur ein Approbierter mit 5 Jahren Studium) und, viel schlimmer als alles bisher genannte, bis dahin den Steuerzahlern Geld. Entweder direkt durch die Krankenkassen (zählt als Steuern, wenn man nicht pingelig ist) oder indirekt dadurch, dass der Staat den Stand durch irgendwelche Regelungen künstlich am Leben erhält (wobei da Versandapotheken wirklich den größten Problemteil beseitigt haben).

Aber das schlimmste, das allerschlimmste ist ja eigentlich:
Ich studiere Pharmazie

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Donnerstag, 15. November 2018
Ich höre Stimmen
Seitdem es mir gelungen ist, das Hören von Podcasts technisch so in meinem Alltag unterzubringen, dass es keine extra Zeit verlangt, sondern während anderer Tätigkeiten dazu geschaltet werden kann, bin ich echter Podcast-Fan geworden. Mittlerweile mag ich Podcasts fast lieber als Hörbücher, kein Wunder, ich lese ja auch lieber Blogs als Bücher.
Ich glaube, das kurze, abschnittsweise Konsumieren von Texten/Themen/Beiträgen etc. ist mir deshalb lieber, weil ich mich nicht gleich für so eine lange Zeit binde. Bis man so ein Buch komplett gelesen oder gehört hat, das dauert ja schon, und ich merke, dass ich es anstrengend finde, zwischen den einzelnen Kapiteln zu viel Zeit verstreichen zu lassen, weil ich den bereits gelesenen oder gehörten Inhalt wieder vergesse, also versuche ich Bücher auch in einer angemessenen Zeit hintereinanderweg durchzulesen oder zu hören, aber genau das bindet dann halt sehr viel Zeit.
Und das will ich oft nicht, weil ich mich dann in meiner Freiheit eingeschränkt fühle.

"Ich kann jetzt nicht, ich muss lesen" - war zwar viele Jahre lang einer meiner Lieblingssätze, aber das war zu Zeiten, als mich nervige Menschen dadurch vom Lesen abhalten wollten, weil sie meinten, ich solle den Tisch decken, mein Zimmer aufräumen, den Müll rausbringen - oder was man sonst so für Arbeiten in einem Haushalt zugewiesen bekommt, für den man nicht selber verantwortlich ist.

Aber je älter ich wurde, umso weniger Spaß machte es, Dinge, die getan werden mussten, zugunsten einer spannenden Lektüre zu ignorieren, denn die Dinge, die getan werden mussten, mussten vor allem deshalb getan werden, weil ich jetzt selber dafür verantwortlich war und das eben selber so wollte.

So ist das mit dem Älterwerden, Erwachsene bilden sich seltsame Dinge ein, von denen sie meinen, dass sie getan werden müssen und wenn die nicht erledigt werden, dann fühlen sich Erwachsene schlecht, werden gestresst und bekommen ganz miese Laune.

Es hilft übrigens nichts, das zu wissen, mir zumindest nicht, ich lasse mich trotzdem von den nicht erledigten Dingen stressen, obwohl ich das ja einfach dadurch abstellen könnte, dass es mir schnurzepiepeegal sein könnte, ob die Dinge getan sind oder nicht, war ja früher auch nie ein Problem. Aber hier schließt sich der Kreis: ich kann es nicht vermeiden, dass ich älter werde und mir immer mehr Kram einbilde. Plötzlich ist es eben wichtig, dass das Haus gestaubsaugt, der Müll rausgestellt und der Kühlschrank gefüllt ist. Es ist ein Elend, aber je älter man wird, umso weniger Zeit hat man, weil man sich immer mehr Dinge einbildet, die getan werden müssen. Besser, wir sprechen nicht weiter darüber, ich werde schon ganz kribbelig, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, was im Moment alles so getan werden müsste...

Eigentlich ging es da ja auch gar nicht drum, eigentlich wollte ich nur begründen, warum ich nicht genug Zeit habe, lange Bücher zu lesen oder zu hören und dass ich deshalb Blogs ganz prima finde - und seit neuestem eben auch Podcasts.

Bei dieser ganzen Podcasthörerei bin ich auf vielerlei interessante Dinge gestoßen, über die ich dann so zwischendurch immer mal nachdenke. Die Stimmen der Menschen zum Beispiel - ein ganz faszinierendes Kapitel.
Stimmen sind ja mindestens so viel Optik wie das Aussehen, also für den ersten Eindruck, äh, ich meine, wenn man einen Podcast hört, dann hängt eben alles an der Stimme. Ich glaube, ich habe den Satz verfuddelt, aber ich hoffe, man versteht, was ich sagen will. Man hat ja immer so eine Vorstellung von einem Menschen, die im Zweifel nichts mit dem Menschen selber zu tun hat (alle Promis klagen darüber), die aber aus den Begegnungen, die man selber mit diesem Menschen hatte, entsteht.
Und ich stelle für mich fest, dass es Menschen gibt, auf die reagiere ich seltsam ablehnend, viel ablehnender übrigens als ich es auf die reine Optik beim Angucken täte, nur weil ich plötzlich ihre Stimme in einem Podcast höre und eben genau diese Stimme oder auch eine bestimmte Art zu reden, überhaupt nicht mag.

Ich zB mag keine piepsigen Kinderstimmen. Ich habe neulich eine Frau reden hören, von der ich weiß, dass sie ungefähr 40 ist, ihre Stimme hört sich aber an wie 12 und ich fand das ganz schrecklich.
Ich mag auch keine "Tüdelüt-Stimmen", also so in etwa die Tonlage, in die viele Frauen verfallen, wenn sie ein Baby sehen. Es scheint Frauen zu geben, die reden immer so. Ganz gruselig, schauder.

Und dann gibt es Menschen, die haben eine Art zu reden, die weckt in mir jede Sorte Widerstand, einfach weil sie einerseits so bestimmt und so ungemein selbstverständlich reden, gleichzeitig aber ungemein (vorgespielt) verständnisvoll reden. Das "vorgespielt" habe ich da jetzt reininterpretiert, aber genau darauf reagiere ich mit Widerstand. Und dann können diese Menschen ganz kluge Dinge sagen: Ich reagiere bockig.

Andere Menschen dagegen habe eine Stimme, die finde ich so angenehm, dass ich ihnen stundenlang einfach so zuhören könnte, und sofort finde ich diese Menschen unglaublich klug und toll und überhaupt prima. Judith Holofernes gehört dazu und Juli Zeh.

Ich glaube, Stimme ist etwas ungemein wichtiges und ich wundere mich, dass darüber so wenig geredet wird
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Mittwoch, 14. November 2018
Trivial
Ich höre immer noch den Podcast von "Durch die Gegend", aktuell die letzte, frisch herausgekommene Folge mit Jens Friebe. Auch wenn mir diese Folge vor allem deshalb nicht gefällt, weil ich mit Menschen wie Jens Friebe nichts anfangen kann, fallen mir doch immer wieder interessante Wörter oder auch Ausdrücke auf, die dieser Jens Friebe benutzt, die mir dann gleichzeitig viel Spaß machen. Heute auf dem Hinweg (also auf meinem Hinweg zur Arbeit) sagte Jens Friebe mehrfach "trivial" und plötzlich fiel mir auf, wie gut das Wort zu mir passt.
Ich finde, ich bin auch trivial, in ganz vielen Hinsichten.

In der Wikipedia steht dazu:
....Daneben kann trivial im Sinne von „alltäglich“ oder „unbedeutend“ auch eine Bewertung oder ein Geschmacksurteil ausdrücken, zum Beispiel bei der Beurteilung von Literatur, die nur der Unterhaltung dient.....

Ich finde, ich habe einen trivialen Geschmack und ich lebe auch trivial, weil ich in den allermeisten Fällen alltägliche und unbedeutende Dinge viel besser finde als herausgeputzte oder besonders bemerkenswerte.

Geht schon mit Essen los, das ganze Schickimicki Shishi Essen, was ich rein beruflich häufiger zu essen bekomme, finde ich absolut betrachtet sehr langweilig. Letzten Monat war ich ja hintereinander auf zwei Bankveranstaltungen, erst auf einer für "Spezialkunden", ganz oben in der Vorstandsebene der Bank, dementsprechend vornehm war das Essen. Das Essen war gut, es gab wirklich nichts zu meckern, aber es war halt auch sichtbar "gehoben", insbesondere das Dinner bei der Abendveranstaltung.
Im Anschluss daran war ich auf dem Finanzbarcamp, wo sehr sichtbar eine komplett andere Zielgruppe angesprochen wurde. Hier gab es Chili con Carne und Nudeln - und das hat mir einfach viel besser gefallen.

Oder nehmen wir Kleidung: ich mag zwar sehr hochwertige Kleidung extrem gerne, aber noch wichtiger ist mir, dass das Hochwertige sich nur auf den Tragecomfort auswirkt, sehen muss man das nicht. Pelz nach innen finde ich okay, weil warm und kuschelig, aber protzig nach außen: nein danke.

Das gilt auch für Bildung: wenn es wirklich akademisch wird, so mit Imponiervokabeln und quotation dropping - dann bin ich raus und langweile mich. Ich finde eine sichere Grammatik und einen abstellbaren Dialekt zwar wichtig, aber das reicht mir dann auch gleichzeitig schon wieder, ab da bevorzuge ich einfach Sprache.

Styling: Ja, mache ich auch, aber alles, was länger als 10 Minuten dauert, ist mir dann schon wieder zu viel.

Das waren jetzt eine Menge verschiedene Dinge, die vielen Menschen wichtig sind und wo ich automatisch oder am liebsten zu der trivialen Einfachversion greife, eben weil sie mir besser gefällt.

So einfach ist das, oder so trivial
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Dienstag, 13. November 2018
Twitterzusammenfassung
So ein Twitteracount ist tatsächlich sehr praktisch, stelle ich grade fest, denn wenn man tagsüber schon kurz etwas zu den Dingen sagt, die einem so begegnen oder über die man nachdenkt, dann hat man abends den Inhalt für das Blog schon fertig vorbereitet in der eigenen Timeline und muss im Grunde nur noch abschreiben. Okay, beim Blog dürfen es ein paar Zeichen mehr sein, aber es gibt die Themen schon, man hat kein Problem mehr mit Vergessen. Genau das ist nämlich das schwierigste, finde ich, sich den Tag über zu merken, über was man am Abend bloggen will.

Heute deshalb kein Problem, ich habe da mal etwas vorbereitet:


Diesem Wagen bin ich heute Nachmittag auf der Fahrt nach Düsseldorf begegnet, ich finde die Aufschrift ganz prima, toppt ja wohl jedes blöde Abi-Motto.

Und weil ich es schon grade erwähnt habe, ja ich war heute mal wieder in Düsseldorf, und ja, ich habe mich auch wieder auf dem Mannesmannufer festgefahren, passiert mir seit neuestem jedes Mal, wenn ich dort zu tun habe. Blöde Straßenführung, komplett anders als früher, dafür heute aber auch viel hübscher als früher


Außerdem ist mir während des Tages mal wieder aufgefallen, worüber ich mich schon seit längerer Zeit und zunehmend genervt immer wieder aufrege: Für Mobiltelefone optimierte Webseiten. Das muss ja heute alles so gemacht werden, responsiv oder so heißt der Quatsch und bedeutet in den meisten Fällen, dass man auf dem Mobiltelefon einfach weniger angezeigt bekommt als auf dem Desktop. Ich kotze dann jedes Mal leise vor mich hin, weil ich das so bescheuert finde, denn diese angeblich "optimierte" Ansicht macht es alles viel schlimmer. Und nein, "Desktop Site anfordern" hilft auch nicht, es wird auf dem Handy einfach nicht angezeigt. Fertig. Leb damit User oder verreck doch.
Ich wünsche mir jetzt eine Browser-App, die dem Internet erzählt, dass mein iPhone ein normaler Desktop ist mit einem gaaaanz großen Bildschirm, damit mir alles, was die Website zu bieten hat, angezeigt wird, auf der Website dann hin und her und hoch und runter zu scrollen, schaffe ich problemlos selber.

Und schließlich hatte ich noch ein sprachliches Thema zur Begriffsverwendung. Mir fiel nämlich auf, dass es keine lahmen, lauwarmen, langweiligen, durchschnittlichen Standpunkte/Verhaltensweisen/Charakterzüge mehr gibt, sondern dass heutzutage alles immer entsetzlich überspitzt und ins äußerste Extrem gesteigert benannt wird. Wenn ich mich für jemanden interessiere und nach ihm google, dann bin ich gleich ein Stalker, wenn mir etwas nicht gefällt, bin ich Hater und wenn ich eine andere Meinung habe und ein Gegenargument bringe, dann bin ich ein Basher.
Ich finde, es könnte auch ruhig noch ein paar moderate Zwischentöne geben, sonst nimmt man sich so viel Varianz in der Beschreibung
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Montag, 12. November 2018
SM Gemuckel
Diese Überschrift wollte ich schon lange benutzen, es hat aber bis jetzt gedauert, bis ich einen neuen Anlauf genommen habe, um nun tatsächlich ein wenig aufgeräumter mit meinen Socialmedia-Aktivitäten umzugehen als bisher.
Eine meiner Uraltklagen ist ja, dass ich die Sache mit Twitter irgendwie nie so richtig in Griff bekommen habe.
Zwar habe ich schon seit sehr vielen Jahren ein Konto, dass ich dann gemeinsam mit meinem ersten Blog irgendwann löschte, um anschließend alles wieder neu zu starten, dieses "Zwischenblog" kam aber genausowenig je ans Laufen wie mein zweiter Twitteraccount.
Aber jetzt - ich habe mir Großes vorgenommen - siehe unten.

Ich habe mich ja stets bei allen neuen Socialmedia-Kanälen, die im Laufe der Jahre so aufkamen, angemeldet, bisher war mein Anspruch, wenigstens zu begreifen, wie die Technik funktioniert und mir zumindest rudimentär einen eigenen Eindruck zu verschaffen.
Die erste SM-Plattform (neben den diversen Yahooforen, in denen ich mich ja schon ewig rumtrieb), die ich noch zu alten Blogzeiten sogar recht regelmäßig nutzte, war Xing, damals noch OpenBC. Mir erschien das einigermaßen seriös und ich dachte, es kann ja nicht schaden, wenn ich neben meinem sehr privaten Auftritt in den Yahoo-Foren und im Blog auch noch einen formalen, rein beruflich orientierten Internetauftritt habe und ich bildete mir damals tatsächlich ein, ich könne privat und beruflich im Internet trennen.
Nun, bekanntlich funktionierte das nicht, in der Folge löschte ich alle privaten Internetspuren (soweit ich sie löschen konnte) und zog mich privat fast vollkommen aus dem Internet zurück. Dafür war ich dann bei Xing relativ aktiv unterwegs. Ich war Mitglied in allen möglichen beruflichen Gruppen und lernte so eine Menge Kollegen kennen, die sich teilweise dann auch wieder zur beruflich initiierten, tatsächlich aber eher privat gelebten "Sondergruppen" zusammenschlossen, zu denen man nur auf persönliche Einladung und mit mindestens zwei Referenzen/Bürgen Zutritt hatte, die Situation der "versteckten" Gruppen bei Xing kam mir sehr gelegen, ich war ja sowieso grade nicht so heiß auf öffentliche Auftritte im Internet.

Privat war ich dann noch bei Plattformen wie Stayfriends, werkenntwen, und ach, bestimmt noch vielen anderen angemeldet, deren Namen ich inzwischen alle schon wieder vergessen habe, weil ich sie nach kurzem Ausprobieren nie benutzt habe. Mails bekomme ich von dort auch schon lange nicht mehr, weil ich längst sehr scharf eingestellte Spamfilterregeln habe, das meiste kommt gar nicht mehr bei mir an.

Bei Facebook habe ich mich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, erst sehr spät angemeldet, ich habe grade mal nachgeschaut - seit 2011 habe ich meinen "offiziellen" Facebookaccount. Ich hatte vorher einen "anonymen", das Hin- und Herschalten fand ich aber schnell zu lästig und habe den anonymen Zugang nach meiner offiziellen Anmeldung komplett deaktiviert. Google+ hatte ich natürlich auch, da war aber nie was los.
Die privateste der beruflichen Xing-Gruppen zog 2012 von Xing zu Facebook um, zu dem Zeitpunkt schliefen auch meine Xing-Aktivitäten fast komplett ein. Ich verlor auch das Interesse am Ausbau eines beruflichen Netzwerkes, ich hatte einen Job, den ich sowieso nicht mehr wechseln wollte und hatte über den Job Zugriff auf jede Menge jobinterne Netzwerke, Xing war einfach nicht mehr wichtig und tatsächlich fand ich Facebook ausreichend spannend.

Das ging natürlich auch nur eine gewisse Zeit gut, denn die Verknüpfung von privat und beruflich begann mich wieder zu stören, so dass ich bei Facebook schon seit längerem im Wesentlichen inaktiv bin. Ich nutze die Marketplace-Gruppe speziell um auf Borkum Dinge zu kaufen oder zu verkaufen und auch die anderen lokalen Gruppen bieten manchmal ganz interessante Informationen, aber als Blogersatz taugt Facebook für mich absolut nicht - viel zu viel Verbindung zwischen beruflich und privat und überhaupt bin ich nicht gut in dieser "Daueronlineverpflichtung", die Facebook quasi verlangt, weil man sonst das allermeiste nicht mitbekommt, was Menschen, für deren Tun und Lassen man sich durchaus interessiert, so posten.

Und ich glaube, damit habe ich genau das erwähnt, was mich bei den meisten SM-Kanälen so entsetzlich stört: Das Gefühl, nicht Herr der Entscheidung zu sein, was ich sehe und was nicht.

Eine gewisse Regelmäßigkeit braucht natürlich jeder SM-Kanal, sowohl von dem, der konsumiert als auch von dem, der produziert, aber grade Facebook ist mir eindeutig zu durcheinander geworden und ich finde es eben einfach blöd, wenn ich Informationen, die ich irgendwann mal gesehen habe oder Texte, die ich irgendwann man gelesen habe, nicht mehr wiederfinde, wenn ich sie suche und nach dem mir das bei Facebook mehrfach passiert ist, habe ich mich immer mehr darüber aufgeregt und beschlossen, das einfachste, um derartige Aufreger zu vermeiden, ist, dort einfach nicht mehr zu lesen.
Und so kam es, dass ich meine Facebook-App auf dem Handy gelöscht habe und auch niemals über den Browser gehe, weil ich keine Lust auf die Cookies habe, mit denen Facebook dann zwanghaft um sich wirft.

Neben Xing und Facebook gibt es natürlich noch reichlich andere SM-Plattformen, die mich aber überwiegend auch alle nicht dauerhaft interessieren. Mein Schwerpunkt ist eindeutig die Sprache. Bilder sind ganz nett, aber bitte als Ergänzung zur Sprache. Nur Bilder bzw. Bilder als Schwerpunkt, wie bei Instagram, sind mir ehrlich gesagt zu langweilig. Es gibt bei Instagram dann auch einige Leute, die schreiben irre viel Text zu ihren Bildern, aber auch wenn da welche bei sind, die ganz interessante Dinge schreiben - praktischer finde ich dann tatsächlich Blogs. Und da ich eh nicht genug Zeit habe, um überall mitzulesen, habe ich Instagram inzwischen auch eher zur Seite geschoben.
Zwischendurch hatte ich auch Snapchat installiert und war dort eine Zeitlang sehr von Juli von Heimatpott(ential) fasziniert. Die postete täglich irgendeine lange Folge von Snapchat-Videos, in denen sie hauptsächlich Dinge erzählte und eben so vor sich hin redete. Das war wie ein Podcast-Blog mit Film, das hat mir sehr gefallen, aber irgendwann war sie verschwunden, tauchte einige Monate später dann bei Instagram wieder auf und machte dort mit Instastories weiter, wo sie vorher bei Snapchat aufgehört hatte, aber dort ist sie jetzt auch schon seit längerem wieder abgetaucht und wo bzw. ob sie aktuell im Internet aktiv ist, weiß ich nicht. Sie hat 2016 gleich in zwei Kategorien beim Blogger des Jahres gewonnen, aber außer dieser Juli habe ich ansonsten nie jemand vergleichbar interessanten bei Snapchat oder Instagram entdeckt - und Snapchat deshalb irgendwann komplett gelöscht (die Albereien der Leute da sind vielleicht ganz witzig, aber wenn man drei-fünf davon gesehen hat, hat man eigentlich auch alle gesehen und Leuten, die einigermaßen stolperig irgendeinen Unsinn in ihre Selfiekamera quatschen, muss ich weiß Gott nun auch nicht regelmäßig zusehen.)

Um auf diesen Kanälen selber Content zu produzieren, fehlt mir ganz klar das Interesse und - soweit es Video-Podcasts angeht, auch die Begabung. Ich bewundere es sehr, wenn Leute stand by einfach so interessant und zuhörenswert losquatschen können, ich kann das nicht, ich muss jeden Satz erst dreimal umdrehen, bevor er brauchbar klingt und wenn ich dann dazu auch noch ein halbwegs anguckbares Gesicht machen soll, dann reduziert sich der Content, den ich produzieren könnte, auf ca. genau Null.

Dann gibt es natürlich noch so etwas wie Pinterest, da muss ich zugeben, habe ich bis heute das System nicht wirklich begriffen, aber auch hier geht es ja nur um Bilder - und schließlich gibt es YouTube, aber da sind wir bei dem, was ich grade über Snapchat sagte: Content liefern könnte ich selber exakt Null und Musikvideos finde ich extrem langweilig, Musik ist für mich zum Hören und nicht zum Gucken da, ich mag aber auch kein Multitasking. Und sonstige Filme treffen eben auch nicht mein Interesse. Überhaupt fand ich Filme ja schon seit jeher nur so mittel- bis kaum interessant.

Nach dem ich mal so einzeln und mit Abstand über die verschiedenen SM-Plattformen nachgedacht habe und was mich selber eigentlich wirklich interessiert und was nicht, kam ich genau zu dem oben genannten Schwerpunkt: Sprache ist mir deutlich wichtiger als Bilder, Buchstaben finde ich am einfachsten, aber Podcast mag ich auch, Filme haben schon wieder zu viele Bilder und Musik höre ich sowieso am allerliebsten alleine, das fällt als SM-Kanal für mich völlig raus.
Und ich möchte gerne selber bestimmen, was ich konsumiere und in welcher Reihenfolge.

Deshalb mag ich Blogs und mag Blogs und mag Blogs.

Wenn man einen Schritt mehr darüber nachdenkt, fällt allerdings auf, dass es ausgesprochen seltsam ist, dass ich mit Twitter bisher nicht klargekommen bin und genau deshalb habe ich beschlossen, Twitter eine neue, eine dritte Chance zu geben und es diesmal wirklich ernsthaft und nachhaltig auszuprobieren.
Das mit dem Blog klappt ja inzwischen auch seit über drei Jahren recht zuverlässig.

Zu dem Zweck habe ich mir ein neues Twitterhandle zugelegt, das heißt jetzt - Überraschung - @anjesagt und ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit diesem Account die Sache mit Twitter jetzt endlich mal in Griff bekomme.

Gestern habe ich schon mal rund 60 Followeranfragen verschickt, mit ein bisschen Glück erkennt mich ja der eine oder andere und folgt zurück.
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Sonntag, 11. November 2018
St. Martin
1992 habe ich das erste Mal im Kindergarten am Laternenbasteln teilgenommen, 2007 habe ich das letzte Mal ein Kind zum Martinsumzug begleitet, die 15 Jahre dazwischen fühlten sich an wie eine komplette Ewigkeit, die 11 Jahre seitdem sind in einem Vorbeihuschen verflogen. Jetzt überlege ich, ob St. Martin grundsätzlich lebensverlängernd wirkt, nicht nur für frierende Bettler.
Bei K dagegen hat St. Martin so wenig Erinnerung hinterlassen, dass er die Kinder- und Elternmassen, an denen wir heute unterwegs vorbeikamen, überhaupt nicht einordnen konnte und sich wunderte, was das wohl für eine Veranstaltung sein könnte, die so viele Leute mobilisiert.
Kann auch daran liegen, dass St. Martin in Westfalen nicht so einen hohen Stellenwert hat wie im Rheinland, die Gegend, in der ich bis 2007 die Kinder bei diesem Ereignis begleitet habe.
Aufgefallen ist mir vor allem, dass eines der ganz wesentlichen Accessoires für dieses Fest in Westfalen nicht existiert: Hier gibt es keine Weckmänner. Die Bäckereien verkaufen zwar ein Gebäck, was sie Stutenkerl nennen und behaupten, das wäre das gleiche, was sich aber tatsächlich zu einem echten Weckmann so verhält wie amerikanischer Kaffee zu italienischem Kaffee. So ein Stutenkerl ist schon eine ziemliche Plörre, wenn man an richtige Weckmänner gewöhnt ist.

Sonst noch: Am Abend waren wir in Bielefeld zu einem Giora Feidman Konzert.
Ich mag diese Musik ja sehr, habe mich aber genau wie bei dem Element of Crime Konzert, bei dem wir im Mai waren, am Durchschnittsalter des Publikums gestört. Es ist natürlich richtig, dass ich auch genau zu dieser Zielgruppe gehöre, es aber so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, schmerzt halt schon. Eigentlich würde ich wahrscheinlich freiwillig lieber weiter Laternen basteln, als mich gemeinsam mit diesem Rentnerclub im Takt zu einer Musik zu wiegen, die ich sowieso lieber nicht teilen möchte.
Aber wahrscheinlich bin ich auch einfach nur nicht Konzertkompatibel, ging mir bei Musik aber schon immer so
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