anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 25. April 2017
Bargeld oder Karte?
Es gibt ja sone und sone, "2kindsofpeople" wie es ein Tumblrblog nennt und dort meisterhaft die Situationen skizziert, in denen sich Fraktionen bilden.
Klopapier zur Wand oder in Raum abrollen?
Senf/Ketchup im Zickzack oder in Kreiseln aufs Burgerbrötchen drücken?
Mayo neben oder auf die Pommes?
Klingelton an oder aus am Handy?
Alle Apps wirr und einzeln oder in Ordnern sortiert?
Bier aus der Flasche oder mit Glas?
Kennzeichenzähler an oder aus?

Ich muss immer sehr grinsen, wenn ich mich mal wieder selber dabei ertappe, in welchen Situationen es für mich so ohne jeden Zweifel und unverrückbar feststeht, wie dies oder jenes gemacht oder gehandhabt wird und wie wenig Spielraum ich habe, eine andere Methode auch nur zu dulden.
Klopapier, das sich zur Wand hin abrollt, ist so ein Ding. Das kann ich schlicht nicht ertragen und ich fühle mich zwanghaft getrieben, jede Klopapierrolle, die derart verkehrt installiert ist, auf der Stelle umzubauen. Nicht nur bei mir im Haus - auch bei anderen, das ist ja das schlimme.
Verständnis für einen Klopapierzurwandhinabroller habe ich exakt gleich Null. Geht doch gar nicht, wie kann man das nur gut finden? Ich kann noch nicht mal die Leute verstehen, denen dieses Thema ganz herzlich egal ist und die das Klopapier auch gefaltet vom Stapel nehmen würden, weil "ist doch wohl völlig egal". - Wie kann es einem egal sein, wie das Klopapier serviert wird? Das ist doch eine ganz entscheidend zur alltäglichen Lebensqualität beitragende Frage.

Heute war im Radio auch so eine "2kindsofpeople" Geschichte: Die Bargeldbezahler oder die Kartenjunkies.
Das Thema hat für mich vielleicht nicht eine ganz so hohe Priorität wie die Klopapierrichtung, als ich aber die Argumente der Bargeldbezahler hörte, konnte ich nur noch verständnislos den Kopf schütteln.
Die Sorge vor dem "gläsernen Mensch" finde ich ja nun wirklich völlig daneben und ungefähr so ernst zu nehmen, wie die Angst vorm schwarzen Mann. Wir hinterlassen jeden Tag solch eine immense Menge an Spuren, dass es auf das bisschen Barzahlen nun weiß Gott auch nicht mehr ankommt. Und vor allem: Vor wem genau fürchten sie sich denn? Wer soll denn ihre Daten missbrauchen? Zu viel Orwell und Huxley gelesen, damals in der Schule, als das für jeden 10er Jahrgang die Pflichtlektüre war? Immer noch Sorge vor dem Überwachungsstaat? Oder will man nur der bösen Industrie nicht noch mehr Daten liefern, weil die einen dann nur übern Tisch ziehen, mit ihrem gesammelten Wissen über uns? Sicher, habe ich Verständnis für, wenn sich jemand davor fürchtet, dann sollte er aber auch besser die Finger vom Internet lassen, denn nur mit Barzahlen alleine kann man sich da nicht rausretten.
Dann meinte jemand, Kartenzahlungen dauerten viel zu lange, die Leute wüssten erst nicht, wie sie die Karte in das Gerät stecken müssen, dann würde die Pin falsch eingegeben oder müsste erst umständlich auf einem Geheimpapier im Portemonnaie nachgeschaut werden.
Ich dagegen finde ja, Barzahlen dauert länger, denn regelmäßig steht jemand vor mir an der Kasse, der sagt: "Moment, ich hab's klein." - um dann ewig Cent um Cent zusammenzukramen, nur um nach fünf Minuten festzustellen: "Reicht leider doch nicht." und mit einem 50-Euro-Schein zu bezahlen.

Ich finde Bargeld nur lästig und bezahle in Geschäften schon seit Jahren nur mit Karte. Erleichtert auch die Buchführung ganz gewaltig, die modernen Onlinekontobankprogramme liefern einem da ganz von alleine eine sehr brauchbare Auswertung.
Und weil ich ja finde, dass Übersicht in Gelddingen nie schaden kann, habe ich einfach viele Bankkonten und damit auch viele Bankkarten und bin mir ziemlich sicher, dass ich damit jeden, der versucht, meine Einkaufswege zu tracken, ziemlich verwirre.
Seitdem es diese NFC-Karten gibt, bin ich ja erst recht Freund des Kartenbezahlens. Nix mehr Pin eingeben für Kleinbeträge und vor allem nix mehr Karte umständlich in Automat fuddeln. Kurz dranhalten, pieps und fertig, bezahlt und weiter. Absolut und unbestreitbar schneller als jede Barzahlung.
Meine Lieblingskarte für Alltag und alle Kleineinkäufe ist die Karte der N26 Bank. Ich überweise mir selber regelmäßig "Einkaufsgeld" auf dieses Konto (größere Beträge würde ich dort aber ungern bunkern und ich halte es auch für ratsam, immer noch mindestens ein Zweitkonto als Ausweichmöglichkeit zu haben, so 100% sicher und stabil, sprich also jederzeit erreichbar und zickenfrei, war das Konto bisher nicht. Aber das wird ja vielleicht noch.) Auf alle Fälle bezahle ich dann in allen Lidl, Aldi, Netto und Rewegeschäften mit dieser Karte (in andere Geschäfte gehe ich so gut wie nie, deshalb ist das eine überschaubare Liste und alle diese Läden haben auch schon NFC-Lesegeräte). Was mir so gut gefällt ist die Verbindung von Karte und Handy. Jedesmal, wenn es eine "Kontobewegung" gibt, gibt es eine Push-Nachricht aufs Handy. Ich finde das einen enormen Sicherheitsgewinn, denn so ist es fast ausgeschlossen, dass jemand diese Karte mehr als einmal ohne mein Wissen missbraucht, weil ich es ja sofort merke.
Und wo jezt wirklich der Vorteil von Bargeld sein sollte - das erschließt sich mir nicht. Außer natürlich ich bin Mafiaboss und kann meine Geschäfte eh nur mit Bargeld abwickeln
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