anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 14. Juni 2019
Fachsprache, Gesundheit, geistige und technische Begrenzung und Klopapier
Vor meinem Besuch beim Arzt hatte N mich ja ausführlich gebrieft und mir aufgetragen, darauf zu bestehen, dass bei der Blutuntersuchung auf alle Fälle auch der PNB Wert bestimmt werden soll und auf EBV solle auch getestet werden - und wofür auch immer diese Abkürzungen stehen, keine Ahnung, aber ich habe sie mir brav gemerkt und als die MFA mit dem Blutsaugergeschirr erschien, auftragsgemäß nachgefragt, ob sie prüfen könne, dass auch PNB und EBV auf der Liste stehen. Statt einfach nur zu sagen, ja, wird alles geprüft, stellte sie Gegenfragen und benutzte dabei andere Abkürzungen, ob ich diesen oder jenen Wert auch schon mal hätte untersuchen lassen und ob ich meinen XYZ Befund kenne - und ich verstand kein Wort und konnte deshalb nur antworten "keine Ahnung." Sowas passiert, wenn man Professionalität vortäuschen möchte, dumm stellen ist einfach, klug stellen dagegen ziemlich kompliziert.

Ich kam mir dabei vor wie damals in Spanien, wo ich grottenstolz nach einem halben Jahr Spanischunterricht einen Einheimischen in fließendem Spanisch nach dem Weg zum botanischen Garten befragte und außerdem auch noch die Öffnungszeiten wissen wollte ¿Qué días está abierto el Jardín Botanico? - ich hatte den Satz vorher extra noch mal nachgeschlagen - und dann hat mir der Typ doch tatsächlich auf Spanisch geantwortet.
Das war blöd, denn natürlich habe ich von der Antwort keine Silbe verstanden.
Aus diesem Grund war ich auf Teneriffa nicht im botanischen Garten - und welche Blutwerte nun wirklich untersucht wurden und ob etwas wichtiges vergessen wurde, das weiß ich auch nicht, aber ich habe heute meine Ergebnisse bekommen.

Bluttechnisch bin ich quietschgesund, keine Entzündungswerte, kein Eisenmangel und einen Herzinfarkt hatte ich auch nicht. Nur die Werte für BSE oder EBV oder irgend so eine abgedrehte Sondererkrankung, die waren noch nicht da, die erfahre ich erst am Montag, aber bis dahin bin ich auf alle Fälle enorm gesund. Wenn man mal davon absieht, dass ich mich völlig scheiße fühle und mich nach dem Weg vom Sessel zum Klo erstmal eine halbe Stunde ausruhen muss.

Nun, dann wissen wir das jetzt auch, ich weiß übrigens mal wieder, weshalb ich so ungern zum Arzt gehe, es ist einfach rausgeschmissene Zeit.
Es ändert sich ja eh nix, weil ich entweder keine Diagnose bekomme, denn ich bin ja gesund, dann ärgere ich mich über den versteckten Anstellereivorwurf, oder ich bekomme eine Diagnose, allerdings mit dem Zusatz: Aber machen kann man nix dagegen.

Im Büro habe ich mich dann gleich weitergeärgert. Ein Kollege zeigte zur Erheiterung der Runde ein Video, wo sich jemand über Leute aufregte, die grün wählen und selber nach einer Veranstaltung Dreck hinterlassen - und ich regte mich über diese völlig schwachsinnige Koppelung in der Erwartungshaltung auf. Menschen, die Umweltthemen wichtig finden, müssen also sofort zu einem asketischen Übermenschleben wechseln, wenn sie sich ihr ganz normales Alltagsleben nicht ständig vorwerfen lassen wollen. Ja, geht's noch? Wenn ich für Steuererhöhungen bin, zahle ich doch auch nicht freiwillig vorher schon mehr, bevor der neue Steuersatz für alle gilt.
Ich finde, es ist ein ganz entscheidender Unterschied, ob ich dafür bin, dass Regeln für alle durchgesetzt werden, an die ich mich, wenn sie gelten, dann natürlich auch halte, oder ob ich mich ohne jede Allgemeingültigkeit schon im Vorgriff an diese Regeln halten soll, nur weil ich dafür bin, dass sie eingeführt werden. Seit wann muss man als Wähler exakt so leben, wie die Parteirichtlinien der Partei, die ich wähle, sich wünschen, dass alle leben? Dürfen dann nur überzeugte Christen die CDU wählen? Und müssen alle AFD Wähler Flüchtlinge erschlagen?

Ich habe mich wirklich sehr gründlich geärgert, weil ich so eine Haltung kindisch, unreflektiert und vor allem unglaublich blöd finde.
Grundsätzlich stehe ich gar nicht so auf Grüne, weil mir da viel zu viele komplett verpeilte Ideologiejünger rumrennen, die ihr Hirn schon aus Prinzip nicht einschalten, wenn es um Prinzipien geht, aber dieser Vorwurf, der war mir dann doch eine Nummer zu viel.
Und ich fürchte, ich habe das dem Kollegen auch SEHR deutlich gesagt. Aber vielleicht hilft es ja, dass er dann doch mal selber drüber nachdenkt. Und wenn nicht, dann hält er mich jetzt für übertrieben hysterisch, das macht aber auch nichts, ich habe zum Glück nicht sehr häufig mit ihm zu tun.

Nächster Ärgerstopp waren dann die schwachsinnigen Limitbegrenzungen im Online Banking der Commerzbank. Ich war die mühselige Klickerei für Sparpläne über 2 T€ leid und wollte ein paar Fonds direkt kaufen. 20T€ konnte ich raushauen, dann teilte mir die Bank mit, ich hätte mein Tageslimit an Wertpapieraufträgen erreicht. Ja, spinnen die? Ich habe ein reines online Konto, ich kann gar nicht mehr anders als online Wertpapiere kaufen - und dann begrenzen die das auf 20T€ pro Tag? Was haben die für eine Zielgruppe als Kundschaft? Echt mal.

Lichtblick des Tages: Im Supermarkt gab es wieder Klopapier als Zugabe zu einer Getränkekiste, wir kauften zwei Kisten Wasser und eine Kiste Bier, so dass wir jetzt 3x8 Rollen Hakle 4lagig superflausch im Vorratskeller haben, was ein perfektes Timing ist, denn just gestern stellte ich fest, dass wir dringend neues Klopapier bräuchten und überlegte schon, wie es diesmal ausgehen wird.
Denn bisher war es so, dass stets exakt an dem Tag, an dem ich Klopapier einzeln (also ohne Bierkiste dazu) erwarb, die Getränkekistenzugabe zu Klopapier wechselte und wir dann plötzlich Riesenvorratsmengen im Haus hatten. Kaufte ich aber kein Klopapier, wenn die Vorräte alle waren, weil ich darauf spekulierte, dass wir ja demnächst welches als Zugabe bekommen, gab es das natürlich nicht als Zugabe und ich musste irgendwann Zewarollen ins Klo stellen.
Dass es so perfekt läuft wie heute, das hat es nach meiner Erinnerung noch nie gegeben
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