anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 28. Juli 2021
Über gute Präsentationen und mehrgeschlechtliche Planeten
Noch ein Drinnentag und ich gebe zu, ich habe es sehr genossen.

Ich habe meine Excel-Tabelle fertig gestellt und sie war nachher so schön, dass ich sie noch mindestens sieben Mal wieder geöffnet habe, nachdem sie fertig und abgespeichert war, weil ich mich immer wieder aufs Neue daran freuen wollte.
Auf einer Seite alle wesentlichen Informationen über die Entwicklung meiner privaten finanziellen Situation in den letzten 10 Jahren, das finde ich wirklich ganz prima und bin sehr zufrieden damit.

Aus meiner Sicht ist die Herausforderung bei Excel ja nicht das Verarbeiten komplizierter Formeln, das ist Pillepalle, die stehen alle im Internet, jeder der Googeln kann, kann auch komplizierte Formeln benutzen.
Nein, das wirklich Herausfordernde ist die Wahl und die Anordnung der wesentlichen Daten, damit ein fremder Dritter sofort genau das erfasst, was die Tabelle aussagen oder darstellen soll.
Eine richtig gute Excel-Tabelle hat nur ganz wenige Zahlen auf der Präsentationsseite. Alles mit Zahlen vollkleistern und sie - worst case - auch noch willkürlich nur irgendwie auf dem Blatt zu verteilen, das ist die leider weit verbreitete Methode von Stümpern, die eben genau kein Verständnis für Zahlen und damit auch kein Verständnis für das große Ganze haben.

Ähnlich katastrophal schlecht sind ja auch viele Powerpoint-Präsentationen: Komplett mit Text oder Zahlen überfrachtet, ständig wechselnde Formate, willkürlich hingerotzte Informationen ohne roten Faden, schlimm.

Viel hilft viel, denken sich dabei wahrscheinlich die Ersteller solcher Präsentationen und außerdem haben sie ihr eigenes Wissen meist noch gar nicht strukturiert und sortiert oder wollen zumindest auf keinen Fall das Ergebnis präsentieren.
Darüber, was die eigentliche Quintessenz dessen ist, was sie konkret aussagen wollen, haben sie in den meisten Fällen noch überhaupt nicht nachgedacht, sie knallen einfach ihr gesamtes, zusammengetragenes Wissen in eine Powerpoint Präsentation und diese dann dem Publikum um die Ohren.
"Jetzt weißte alles, was ich auch weiß, nu entscheide selber, was de willst."
Klassischer Fall von wenig meinungsstarken Mitarbeitern, die sich nicht trauen, sich festzulegen.

Sorry, ich bin etwas abgeschwoffen, weil ich mich immer wieder aufs Neue darüber aufregen kann, wie gedankenlos sowohl die meisten Excel-Tabellen als auch Powerpoint-Präsentationen gefertigt werden.

Ansonsten habe ich es genossen, hemmungslos durchs Internet zu surfen. Ich habe mir ein paar sehr interessante TED-Talks angehört und bin unter anderem dabei auf Lera Boroditsky gestoßen, deren Vortrag ich angenehm und erfrischend gut fand.
Ihren Ansatz, dass und vor allem wie Sprache Denken formt, finde ich komplett logisch, denn natürlich sind die Art zu sprechen und die Art zu denken eng miteinander verknüpft.
Wenn sie das Beispiel von Sonne und Mond bringt, die in südlichen, romanischen Ländern ein anderes Geschlecht haben als in nördlichen, germanischen Ländern und darauf hinweist, dass einer männlichen Sonne andere Eigenschaften zugewiesen werden als einer weiblichen, dann entspricht das aber auch exakt der Logik der passenden Rollen. In den nördlichen Ländern ist die Sonne männlich, weil sie oft sehr heiß und brennend und damit vernichtend sein kann, im Unterschied zur Wahrnehmung einer weiblichen Sonne in den eher kühleren Ländern, wo die Sonne vor allem wärmend und Wohligkeit spendend erlebt wird.

Ob wir bei Sonne und Mond im Rahmen der Klimaveränderung und vor allem in unserem großen Bemühen um geschlechtsneutrale Sprache demnächst auch gendern müssen?
Ich frag ja nur
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"Darüber, ... was sie konkret aussagen wollen, haben sie in den meisten Fällen noch überhaupt nicht nachgedacht"

Nietzsches Fritz schrob mal sinngemäß, "Den Stil verbessern, heißt den Gedanken verbessern. Sieh es ein oder du kriegst gescheuert." Ich finde, der Mann hat recht.

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ja, das Schwierige beim Schreiben ist halt nicht das Schreiben, sondern das Denken, deshalb mag ich ja auch Goethes Bemerkung so gern, der sagte: "Entschuldigen Sie den langen Text, ich hatte keine Zeit mich kurz zu fassen."

 
Goethe hat ja viel erzählt, wenn der Tag lang war, aber das schöne Bongmo haben wir wahrscheinlich jemand anderem zu verdanken.

Ich beacker gerade zum zweiten mal im Leben 'Eckermanns Gespräche mit Goethe'. Ob der gut Powerpoint könnte, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Nietzsches Fritz hielt ihn in der Geschichte der Deutschen für einen Zwischenfall ohne Folgen.

 
Goethe hat ja viel erzählt

Eben, und deshalb ist bei mir jeder Spruch und jedes Zitat, das ich irgendwo gehört oder gelesen habe, immer von Goethe, wenn ich nicht ausdrücklich ganz exakt den wahren Verfasser kenne.

Sie sehen daran, dass es mir grundsätzlich völlig wurscht ist, wer was gesagt hat, es kommt ja auf die Aussage an und nicht auf den Verfasser.

Um aber nicht den Eindruck zu erwecken, ich hätte mir so kluge Dinge selber ausgedacht, nenne ich gerne einen Verfasser dazu und Goethe scheint mir dafür die pauschal beste Eignung aufzuweisen.

 
Powerpoint?
? ist die Geißel der Bürokommunikation, Sie bringen es auf den Punkt. Letzte Woche las ich ein Fachkonzept in Word, ohne Bilder, grafischen Schnickschnack und sonstigen überflüssigen Kram, strukturiert und nachvollziehbar. Darüber habe ich mich so gefreut, dass ich mich anschließend bei der Verfasserin für den Lesegenuss bedankt habe.

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Eine wirklich gute gemachte Powerpoint ist ein perfektes Hilfsmittel, wenn man Menschen etwas erklären möchte, aber nur, wenn sie den verbalen Vortrag optisch passend ergänzt. Ihn zu kopieren oder gar zu ersetzen ist nicht Aufgabe einer Powerpoint-Präsentation, leider scheint da die Mehrheit der Powerpoint Verbrecher Produzenten anderer Meinung zu sein.

Gut strukturierte und nachvollziehbar geschriebene Texte sind in der deutschen Verwaltung so was wie ein vierblättriges Kleeblatt, sehr selten, aber sie bringen Glück, wenn man den Verfasser entsprechend würdigt und motiviert, so weiterzuschreiben.

Sie haben also alles richtig gemacht.