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Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 17. März 2021
Handwerkerglück
Ich muss versuchen, mich kurz zu fassen, denn ich habe getrunken (Rotwein), bin müde und muss morgen früh raus. Schau'n wir mal, wie weit ich komme:

Bin wieder in Greven und habe Ks Rekord gebrochen. Haustür-Haustür in 93 Minuten (Ks Rekord stand auf 94 Minuten), das hat aber auch nur funktioniert, weil ich daran dachte, die Landegebühr auf Borkum schon mal im Vorhinein zu bezahlen, so dass zwischen Landung K, Einsteigen AnJe und wieder Abflug nur exakt fünf Minuten lagen und mit so einem rasanten Start spart man dann genau die eine Minute für den neuen Rekord. Okay, der Schiebewind auf dem Rückweg hat natürlich auch unterstützend mitgewirkt.

Der Rückflug funktionierte damit organisatorisch wie der Hinflug: K hat mich abgeholt, damit ich nicht Fähre/Zug fahren muss und ich weiß das sehr zu schätzen.
Das Wetter war heute deutlich besser als am Sonntag, es waren aber trotzdem kaum Flieger unterwegs, auf Borkum war exakt gar keiner da, trotzdem ist der Zugang zum Flugplatz natürlich verboten. Streng verboten sogar und mich erinnert das jedesmal an Räuber Hotzenplotz


Nach dem Start zog K die Maschine gleich in einen relativ steilen Steigflug, er meinte, auf dem Hinweg wäre unter den Wolken hergeflogen, jetzt wolle er lieber oben drüber fliegen.
Ich fand das okay, über den Wolken gibt es meist die hübscheren Fotos.


Im Münsterland mussten wir allerdings wieder runter, denn dort türmten sich die Gewitterwolken so hoch, dass wir bis Mallorca hätten durchfliegen müssen, um ein passendes Loch für den Abstieg zu finden, und wer will mitten in einer Pandemie schon nach Mallorca?

Wir sanken also auf 2000 Fuß und ich machte Fotos vom Abendhimmel

Die nach oben steigenden Wölkchen im Hintergrund kommen aus dem Atomkraftwerk im Emsland.

Die Handwerker auf Borkum meinten, sie würden heute Richtfest vom neuen Fahrradschuppen feiern wollen - leider waren sie noch nicht so weit als ich weg musste. Was sie bisher dort abgeliefert haben, macht mir aber sehr gute Laune, ich bin fest davon überzeugt, dass das sehr gut wird.

Ich habe darüber nachgedacht, was für einen Hauseigentümer eigentlich die wirklich echten Probleme sind, wenn er sein Haus renovieren oder (um)bauen will, und ich glaube, es ist erst in zweiter oder dritter Stelle eine Frage des Geldes, das Hauptproblem ist ganz bestimmt, dass man die richtigen Handwerker finden muss, die bereit sind, sich in so ein Projekt auch wirklich mit ihrer gesamten Kompetenz reinzuwerfen.
Der Schreiner, der jetzt grade mit einem Gesellen auf der Insel ist und den Fahrradschuppen neu baut, im November die Türen eingebaut hat und auch noch für die Fenster zuständig sein wird, der ist ein echter Glücksgriff. Alles, was er macht, ist wirklich erstklassige, hochwertige, 1A Handwerksarbeit. Er denkt selber aktiv mit und sein Hauptbestreben ist, ein gutes Endergebnis abzuliefern, an dem die Kunden dann auch lange Freude haben. Ich habe viel mit Handwerkern zu tun, aber so eine intrinsisch/altruistische Arbeitseinstellung findet sich wirklich selten. Ich bin sehr, sehr froh, genau diesen Schreiner nicht nur gefunden zu haben, sondern ihn auch überredet zu haben, dass er aus Hessen extra nach Borkum fährt, um dort dieses Projekt durchzuziehen. Bei solchen Menschen habe ich auch überhaupt kein schlechtes Gefühl, wenn sie alleine in meinem Haus wohnen. Das wird alles ganz prächtig, davon bin ich fest überzeugt.
Was ich übrigens am meisten bewundere, ist seine planerische Leistung. Er war ja im August schon mal da und hat alles ausgemessen, auf Basis dieser Maße hat er dann vollkommen selbständig einen kompletten Fahrradschuppen konstruiert, mit unendlich vielen Einzelteilen, die alle passend zurechtgeschnitten und gesägt werden müssen und die er vorher schon alle überlegt und bestellt hatte und dann auch noch irgendwie in seinem Auto untergebracht hat. Da 5m lange Balken nicht in sein Auto passen, hat er sie vorher alle geteilt und so zurechtgesägt, dass sie vor Ort auch wieder stabil zusammengesetzt werden können. Aber auch an alle sonstigen Einzelteilchen musste er denken, genug Schrauben und Nägel vorab zu bestellen und mitzubringen, jede Sorte Werkzeug, das nötig ist einzupacken, dabei in einem dauernden Abwägeprozess zwischen "was ist wichtig" und "es ist nicht für alles Platz im Auto" zu pendeln. Eine 3/4 Tonne Zement hat er gestern als Fundament verbaut, erzählte er heute, auch das war alles im Auto. Zumindest die Trockenversion davon.
Heute fiel auf, dass ein 27er Maulschlüsssel fehlt, er hat nur Nüsse eingepackt, aber er braucht ein Werkzeug mit offenem Zugriff. Kurze Ratlosigkeit, bis uns der Onkel einfiel. Der hat zum Glück auch noch Werkzeug, eine telefonische Rückfrage ergab, dass das Problem zu lösen ist.
Aber 99% aller Materialien und Werkzeuge hat er ansonsten vorher geplant und mitgebracht, das finde ich schon ziemlich bemerkenswert.

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Nach der Landung fuhren wir nach Hause, so kam ich zu meinem 93 Minuten Rekord (die Kameras beweisen es), wir waren aber noch nicht ganz im Haus als K auffiel, was er mal wieder vergessen hatte: Sein Handy lag noch im Flieger.
K liebt es, sein Handy im Flieger zu vergessen, ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft er nach der Ankunft im Haus noch mal zum Flugplatz zurückfahren musste, um sein Handy zu holen. Heute also auch.
K drehte also spontan wieder um und ich checkte die Post und was soll ich sagen: CHACKA!
Der Steuerbescheid für den Verkauf der Fabrik ist da und es wurde alles genau so veranlagt, wie ich es erklärt hatte. Ich habe wegen diesem Sachverhalt ja wirklich sehr lange nachgedacht, dann immer noch sehr gezögert und sehr geschwitzt, bis ich mich schließlich dazu durchgerungen habe, die Steuererklärung so abzugeben, wie ich sie abgegeben habe. Es gab nämlich eine Menge Leichen im Keller und wenn ich die komplett verschwiegen hätte, dann hätte mich das Leichengift noch in den nächsten 10 Jahren einholen können. Deshalb habe ich in der Erklärung alles offengelegt, aber für jede Leiche auch sofort eine gute Erklärung für einen natürlichen Tod mitgeliefert. Vor drei Wochen rief mich die zuständige Sachbearbeiterin dann an und wollte einige Details noch mal ganz genau wissen, die habe ich ihr dann passend erklärt - und heute lag der Bescheid im Briefkasten, endgültig ergangen und ohne Abweichungen und damit auch ohne eine Nachzahlung.
Ich weiß, dass Eigenlob stinkt, aber in diesem Fall bin ich wirklich ganz ungemein stolz auf mich selber.

Am Abend war dann noch Massage und das war sehr passend, denn die letzten drei Nächte auf der Ausklappcouch waren nicht ganz so gemütlich wie die Woche zuvor. Die Physiodame hat aber sehr ausdrücklich alle verspannten Muskeln wieder plattgedrückt, das tat richtig gut. ich hoffe, den Rest erledigt das hiesige (gemütliche) Wasserbett heute Nacht
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