anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 18. September 2019
Schlüssel
Ich gebe es zu, es kann sein, dass ich unter Umständen eine leicht übertriebene Schlüsselhysterie habe, aber auch wenn ich mir viel Mühe gebe und versuche, den Umgang mit Schlüsseln so locker wie möglich zu sehen, so stehe ich doch immer wieder ratlos vor der fröhlichen Unbekümmertheit, die insbesondere ein mir persönlich bekannter, westfälischer Mann kultiviert, wenn es um Schlüssel geht.
"Der Schlüssel ist ja nicht weg. Er ist nur grade woanders." pflegt er regelmäßig zu antworten, wenn er mal wieder irgendwo nicht rein kommt, weil er seinen eigenen Schlüssel grade nicht zur Hand hat.
Weil er theoretisch :-) Zugang zu sehr vielen verschiedenen Gebäuden, Räumen und/oder Fahrzeugen hat, besitzt er natürlich auch sehr viele Schlüssel. Ich kann verstehen, dass man nicht immer alle Schlüssel, die man besitzt, an einem großen Schlüsselbund mit sich rum schleppt, denn erstens wird dadurch die Gefahr größer, auf einen Schlag ganz viele Schlüssel zu verlieren - "nie alle Eier in einen Korb legen" halte ich auch für einen klugen Ratschlag, und zweitens ist so ein Riesenschlüsselbund natürlich auch viel zu lästig.
Mein Westfalenmann hat aber fast nur Einzelschlüssel, was ich als solches mindestens so lästig fände, wie ein zu großes Schlüsselbund, er schleppt zudem aber auch viele dieser Einzelschlüssel oft an völlig überflüssigen Orten mit sich rum, einfach deshalb, weil er vergessen hat, sie wieder aus der Tasche zu räumen, wenn er sie nicht mehr braucht, weil er tatsächlich überhaupt gar keine, also NULL Disziplin bzw. Standardroutinen hat, was das Aufbewahren von Schlüsseln angeht.
Deshalb passiert es ihm ja auch sehr häufig, dass ein Schlüssel dann, wenn er ihn benutzen möchte, grade nicht da ist, wo er ihn sucht. Es gibt natürlich einen mehrere Plätze, wo er seine Schlüssel theoretisch ausbewahrt, praktisch sind sie, wenn er sie dort sucht, aber entweder noch in irgendeiner Hosen- oder Jackentasche (das ist der einfache Fall) oder aus eben dieser Hosen- oder Jackentasche irgendwann rausgefallen und dann sind sie gar nicht mehr spontan lokalisierbar, weil er ja nicht weiß, wann das passiert ist und wo er sich seitdem überall aufgehalten hat.

Was mich dabei regelmäßig komplett strubbelig macht, ist die Sorglosigkeit, mit der er jede zügige und vor allem konsequente Schlüsselsuche verwirft. "Der taucht schon wieder auf." ist sein Credo, denn schließlich ist der Schlüssel ja nicht weg, sondern nur grade nicht da…..

Ich verlange ja gar nicht, dass er meine Hysterie übernimmt und jedesmal sofort komplett panisch wird, wenn ein Schlüssel nicht da ist, wo er sein sollte. Wenn ich einen Schlüssel nicht sauber lokalisieren kann, starte ich jedesmal SOFORT eine großangelegte Gefahrensuche und bin zu keiner anderen Aktivität bereit, bevor der vermisste Schlüssel nicht wieder aufgetaucht ist. Und ja, ich gebe zu, dass ich es damit ab und zu auch übertreibe, wenn ich mitten auf dem Prinzipalmarkt in Münster plötzlich panisch meine Handtasche komplett ausleere, weil ich meinen Schlüssel nicht spontan in der Tasche orten konnte. Da ich nicht zu kleinen Handtaschen neige (K sagt immer, meine Handtaschen sind unterkellert), sind so übergroße Handtaschen ein doppeltes Problem: Erstens ist halt viel drin und dann ist es nicht sehr leicht, ein Schlüsselbund sofort zu finden und zweitens ist halt viel drin und das kann schon mal skurril wirken, wenn man das alles auf den Prinzipalmarkt entleert. Aber hey - besser sofort zu bemerken, dass man den Schlüssel im letzten Geschäft verloren hat, wo man ihn mit Glück noch sofort wiederfinden kann, als das erst drei Stunden später zuhause vor der verschlossenen Haustür zu merken, oder?

Weil ich ständig Sorge habe, dass mir ein Schlüssel wegkommt, achte ich auch ständig darauf, dass alle an ihrem FESTEN Platz sind. Ich habe in jedem Haus neben der Eingangstür ein Schlüsselbrett und das erste, was ich beim Betreten des Hauses mache, ist, meinen Schlüssel dort aufzuhängen. Wenn ich nämlich sonst an diesem Brett vorbeigehe und bemerke, dass mein Schlüssel nicht da ist, werde ich sofort panisch und das versuche ich soweit es geht zu vermeiden.

Außer der Sorge, einen Schlüssel zu verlieren, habe ich auch eine Dauerangst, mich selber auszusperren.
Zum Glück verlasse ich das Haus in Greven fast immer durch die Kellertür - und die muss ich abschließen, die kann also nicht einfach so ins Schloss fallen oder zugezogen werden. Wenn ich wirklich mal oben durch die offizielle Haustür rausgehe, kontrolliere ich jedesmal mindestens fünfmal, ob ich auch wirklich einen Schlüssel dabei habe. Zur Sicherheit habe ich aber im Keller noch einen Schlüssel versteckt und mit Hilfe der Nachbar käme ich zur Not immer in den Keller.
Auf Borkum gehen wir fast immer durch eine normale Haustür, die halt zu ist, wenn man sie zuzieht, deshalb habe ich dort einen Schlüssel bei den Nachbarn und einen Schlüssel beim Onkel und einen Schlüssel gut versteckt im Fahrradschuppen. Ich wünsche mir sehr, dass wir bald eine neue Haustür bekommen, es gibt jetzt welche mit Fingerprintsensor. Fände ich prima.

Ansonsten habe ich ein Schlüsselbund zum An- und Abklipsen einzelner Schlüssel und finde das extrem praktisch.


Das zusätzliche Gebömmel an meinem Schlüsselbund habe ich zur besseren Auffindbarkeit in meiner Handtasche und höchstpraktisch finde ich den rausziehbaren Einkaufswagenchiplöser. Damit kann ich einen Einkaufswagen freischalten, ohne einen Euro oder einen Chip als Pfand drin zu lassen, sondern ich ziehe das ganze Teil einfach wieder raus, wenn der Wagen frei ist. Ich bringe den Wagen nach dem Einkauf trotzdem wieder zurück, dazu ist man mittlerweile viel zu gut konditioniert, um das nicht zu tun, ich erspare mir aber das mühsame wieder zurückfummeln loser Einkaufswagenchips. Zur Not habe ich auch lose Chips an meinem Schlüsselbund, denn nicht alle Einkaufswägen akzeptieren die Rein- raussteckvariante, was für mich aber sogar ein Grund ist, bestimmte Supermärkte zu meiden, wenn ich weiß, dass die bloß die blöden Einkaufswägen haben.

Wenn ich das Haus verlasse, gibt es genau drei Möglichkeiten: Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto - deshalb habe ich drei Haustürschlüssel, einen einzelnen, einen zusammen mit dem Fahrradschlüssel und einen zusammen mit dem Autoschlüssel.

Das da oben ist mein Autoschlüssel, an dem ist ein Haustürschlüssel (der für alle meine Haustüren passt) und mein Büroschlüssel. Dass ich ohne Auto ins Büro fahre ist so gut wie ausgeschlossen, deshalb ist der Büroschlüssel als Anhängsel am Autoschlüssel. Wenn ich aber weiß, dass ich längere Zeit nicht ins Büro gehe, dann mache ich den Büroschlüssel ab und hänge ihn einzeln ans Schlüsselbrett, weil ich ungern Schlüssel mit mir rumschleppe, die ich nicht brauche.

Wenn ich zuhause bin, hängen alle drei Schlüssel am Schlüsselbrett (bzw. steckt der Einzelschlüssel von innen in der Tür), wenn ich das Haus verlasse, nehme ich genau den Schlüssel mit, der zur Fortbewegungsart gehört, und weil ich ohne Auto- oder Fahrradschlüssel ja nicht mehr zurückkomme, ist sichergestellt, dass ich meinen Haustürschlüssel nicht irgendwo weit weg liegen lasse und vergesse zu suchen.

Jetzt ist es manchmal so, dass wir gemeinsam mit meinem Auto fahren und dass K mein Auto fährt. Der steigt dann zuhause aus, zieht den Schlüssel ab und steckt ihn in die Hosentasche oder wirft ihn drinnen irgendwohin. Er hat ja schließlich keine feste Routine. Ich kriege dann jedesmal einen Herzanfall, wenn ich am Schlüsselbrett vorbeilaufe und bemerke, dass mein Autoschlüssel fehlt.

Außer diesen Standardschlüsseln gibt es natürlich noch Einzelschlüssel, die werden aber nur dann mitgenommen, wenn sie unbedingt nötig sind und bei Rückkehr zuhause SOFORT wieder zurückgelegt. Sagte ich schon, dass ich eine leichte Schlüsselhysterie habe? Ich habe zB einen Schlüssel zum Vaterhaus, einen zum Onkelhaus und einen Generalschlüssel für das Mietshaus, die liegen in der Schreibtischschublade, weil ich sie viel zu selten brauche, um sie jederzeit griffbereit ans Schlüsselbrett zu hängen. Am Schlüsselbrett hängt noch der Briefkastenschlüssel - und es macht mich sehr nervös, wenn er da nicht hängt…..

Weshalb ich jetzt grade so ausführlich über Schlüssel schreibe? Nun, weil mein Westfalenmann in der letzten Woche gleich zwei Haustürschlüssel verkramt hat. Jaja, sie sind nicht weg, aber im Moment hat er grade keinen mehr zur Hand um zuhause ins Haus zu kommen und mich macht das so wuschig, dass ich ihm leider auch nicht suchen helfen kann, weil, er sucht ja nicht…
.
(Abgelegt in Westfalenmann und bisher 50 x anjeklickt)

... ¿hierzu was sagen?

 
Update
Mittlerweile sind übrigens beide Schlüssel wieder da, der eine steckte in see Kameratasche in einem Seitenfach, den habe ich schon letzte Woche gefunden als ich dachte, ich gucke einfach mal in der Kameratasche nach....
Auf den zweiten Schlüssel kann seit gestern wieder zugegriffen werden (da die Schlüssel ja offiziell nicht weg waren, können sie ja eigentlich auch nicht wieder da sein), also, der zweite Schlüssel ist seit gestern wieder Teil des normalen Alltagslebens, er befand sich in einer Jackentasche einer Jacke, die K nur hier auf Borkum trägt.
K kommentierte meinen Fund nur lapidar mit: „Ja, da wollte ich auch noch mal gucken.“

... ¿noch mehr sagen?