anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 22. September 2019
Sonntagshandel und städtisch geprägte Widerlinge
Sonntag.
Für den späten Nachmittag wurde der Besuch erwartet, bis dahin hatten wir frei. Das Haus war ja gerüstet, sprich angemessen geputzt, es gab also nichts mehr vorzubereiten, ich wollte deshalb gerne auf den Sonntagsflohmarkt fahren, weil sich mittlerweile drei Uhren angesammelt hatten, die ich alle dem Uhrendoktor übergeben wollte, den ich grundsätzlich nur auf dem Sonntagsflohmarkt antreffen kann.
Ganz grundsätzlich mag ich die Sonntagsflohmärkte sonst nicht so besonders, denn es sind eigentlich kaum echte Flohmärkte, sondern zu 90% normale, orientalische Einkaufsbazare, es sind also überwiegend Händler mit Neuware da und nur sehr wenige Menschen mit gebrauchten Dingen, aber der Uhrendoktor ist halt nur auf diesen Sonntagsflohmärkten zu finden und deshalb hilft das nichts.
Heute war nicht nur Sonntag mit dem entsprechenden bazarähnlichen Markttrubel, heute war auch noch extrem perfektes Marktwetter, heute war also voll. Übervoll. Rappelvoll. Es war schon wirklich nicht mehr schön, aber - hilft ja nichts, ich sagte es bereits.

Für einen derart großen Flohmarkt habe ich die Gänge in Rekordzeit absolviert, es gab auch nur fünf Stände mit Gebrauchtwaren, der Rest war normaler Billigkram an Neuware, hier merke ich die Auswirkungen meines "ichbinreich" Mantras, hier habe ich noch nicht mal Lust zu gucken, aus den Zeiten des zwanghaften Geldsparens bin ich also eindeutig raus.

Gleichzeitig wurde mir aber auch noch mal deutlich bewusst, was ich an Flohmärkten wirklich mag, das sind nämlich nur die Gebrauchtwarenstände, weil es dort komplett andere Dinge zu kaufen gibt als bei den Neuwarenständen, die im Zweifel nur irgendwelche Restanten billig verramschen, oder, und das fällt mir immer mehr auf, gar nicht preiswerter anbieten als normale Ladengeschäfte, dafür aber am Sonntag geöffnet haben. Dieses unselige Ladenöffnungsgesetz mit zwangsvorgeschriebenen Ladenschlusszeiten, die von Kirchen und Gewerkschaften aus den unterschiedlichsten Gründen hartnäckig durchgesetzt werden, diesem unseligen Ladenöffnungsgesetz stehen die sich immer weiter ausdehnenden Sonntagsflohmärkte mit 90% Neuware natürlich extrem entgegen.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich finde es völlig in Ordnung, dass es diese Sonntagsflohmärkte gibt, ich finde es nur bescheuert an dieser völlig überholten "Sonntagsruhe" festzuhalten, wenn die Zahl der "Nichtchristen" (und dazu gehören Kirchenaustrittler genauso wie Moslems und andere Religionen), wenn also die Zahl der Menschen, die aus religiösen Grunden die Sonntagsruhe einhält, kontinuierlich sinkt.
Ich fände es völlig okay, wenn man die, die Sonntags nicht arbeiten wollen, auch nicht dazu zwingt, Sonntags zu arbeiten, aber ich finde es seltsam, dass man deshalb die, für die der Sonntag ein normaler Werktag ist, auch zu einer seltsamen Sonntagsruhe zwingt.
Wenn ein Ladenbesitzer seinen Laden an irgendeinem Tag der Woche nicht öffnen will, so ist das seine Sache, aber weshalb muss der Gesetzgeber ihm vorschreiben, zu welchen Zeiten er seinen Laden nicht öffnen darf???
Ich habe das noch nie verstanden - und je multikultureller unsere Gesellschaft wird, um so weniger verstehe ich es.
Diese Sonntagsflohmärkte nutzen also nur eine Lücke im Verbotsirrsinn, der gewaltige Zulauf an Menschen, die dort mit Begeisterung einkaufen, zeigt, wie irrsinnig dieses Sonntagsverbot per Saldo wirklich ist.

Wo war ich? - Ach ja, alles eigentlich nicht mein Thema, außer dem Uhrendoktor interessierte mich kein Neuwarenhändler, nächste Woche kann ich meine Uhren wieder abholen, nächste Woche also noch mal Sonntagsflohmarkt.

Unter den wenigen Gebrauchtwarenhändlern war kaum was Gescheites dabei, es ging mir heute aber auch schwerpunktmäßig um die fachgerechte Versorgung für die Uhren und die hat funktioniert.

Auf dem Rückweg haben wir in Münster noch an der Eisdiele in der Innenstadt gehalten und uns ein großes Eis gekauft - von allen Eisdielen, die ich überhaupt so kenne, ist diese in Münster wirklich die beste, die ich kenne, dafür fahre ich sogar in die Innenstadt und stürze mich in die Parkplatzsuche. (Okay, Sonntags geht's.)
Gegenüber stehen mehrere öffentliche (städtische) Bänke - und die Außenbestuhlung von Vapiano.
Heute war perfektes Eisdielenwetter, dafür ist sonntags um 16h bei Vapiano eher weniger los, weshalb sich jede Menge "Eis-zum-Mitnehmen-Kunden" auf die leeren Bänke bei Vapiano setzten, um in Ruhe ihr Eis zu verspeisen, die öffentlichen Bänke waren halt schon besetzt bzw. standen nicht in der Sonne.
Ich weiß nicht, wie andere Leute das sehen, aber ich finde, es ist unmöglich, sich mit einem "billigen" Mitnehmeeis (die Eisdiele selber hat auch Tische zum Draußensitzen, aber dann ist das Eis halt teurer) in einem Restaurant an die Draußentische zu setzen und sich dann auch noch aufzuregen, wenn irgendwann ein Kellner von Vapiano kommt und die "Nichtgäste" dort verscheucht. Ich saß für den Verzehr meines Eis ca. 15 Minuten auf einer der öffentlichen, städtischen Bänke direkt gegenüber und habe mich 15 Minuten fremdgeschämt für die Menschen, die sich immer wieder ohne mit der Wimper zu zucken mit einem dicken Mitnehmeis an einer Vapiano-Bank niedergelassen haben.
Wie stumpf können Menschen eigentlich sein?

Auf dem Rückweg nach Hause habe ich diese Beobachtung noch mal Revue passieren lassen und festgestellt, dass das einer der Hauptgründe ist, weshalb ich Städte nicht mag: In Städten sind grundsätzlich so viele Menschen unterwegs, dass die Wahrscheinlichkeit einer gehobenen Arschlochdichte rein statistisch schon deutlich größer ist als auf dem Land. Und ganz ehrlich? - Am allerliebsten möchte ich so ein Arschlochverhalten gar nicht erst sehen
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