anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 6. Oktober 2020
Bewerber, Klavierstimmer und Pesto
Heute noch mehr Vorstellungsgespräche, der eine war super, der andere eine Katastrophe, es ist faszinierend wie unterschiedlich Menschen sein können.
Der Katastrophenbewerber hat in 45 Minuten Vorstellungsgespräch ungefähr 90 Minuten geredet, zumindest hat er so viel geredet, dass ich nach den 45 Minuten ganz erschöpft war vom Zuhören, meiine Ohren waren total überlastet.
Dabei habe ich selber in dem gesamten Gespräch nur einen Satz gesagt, als ich nämlich mit meinem Fragepart dran gewesen wäre, habe ich nur gesagt, dass ich keine Fragen mehr hätten, der Bewerber hätte schon alles gesagt, was man überhaupt so sagen könne. Spätestens an der Stelle hatte dann auch der Chef erster Ordnung begriffen, dass die aktuelle Strategie in diesem Vorstellungsgespräch nur noch sein kann, den guten Menschen so schnell es geht wieder loszuwerden. Als er dann wirklich weg war, haben wir uns nur alle angeschaut und zur Erholung gemeinsam fünf Minuten geschwiegen.

Ich frage mich ja dann immer, was solche Menschen für eine Selbstwahrnehmung haben, aber wahrscheinlich ist das die falsche Frage und ich sollte mich eher fragen, weshalb ich den Typ nicht gut fand. Er selber fand sich ganz offensichtlich ganz enorm hervorragend.

Der andere dagegen war echt super und wenn der bereit ist, bei uns zu arbeiten, dann hat sich diese Ausschreibung auf alle Fälle gelohnt. Morgen kommen auch noch welche (sogar die beiden an 1 und 2 gesetzten Bewerber), aber ich habe mich heute schon ein wenig in diesen Kandidaten verguckt, weil der einen so ruhigen, souveränen, pragmatischen und gleichzeitig trotzdem trocken-lustigen Eindruck machte.
Nun, wir werden sehen.

Danach war Physio, bei dem guten, brutalen Physiomenschen, der heute an meinem Fuß zog, dass es knackte und ich vor Schreck und Schmerz fast bis unter die Decke sprang - aber danach war der Fuß eindeutig viel besser beweglich. Vielleicht habe ich unbemerkte masochistische Seiten, aber ich finde den Typ wirklich deutlich besser als die anthroposophische Streichelfrau aus der hochgelobten Edelpraxis.

Anschließend hatte ich eine halbe Stunde Zeit um fix etwas einzukaufen und die gröbste Unordnung im Erdgeschoss zu beseitigen, denn um 12.30h kam der Klavierstimmer und er kam pünktlich.
Mein alter Klavierstimmer, den ich sehr mochte und den ich auch für einen sehr guten Klavierstimmer hielt, ist leider vor fünf Jahren nach Ostdeutschland ausgewandert - und seitdem wurde der Flügel nicht mehr gestimmt, weil ich mich bei Klavierstimmern noch mehr anstelle als bei Friseuren und ich kannte halt keinen neuen, guten.
Nach fünf Jahren Nichtstimmen klingt ein Flügel so wie eine Frisur nach fünf Jahren friseurfrei aussieht, Honkytonky-Lieder und 12 Ton Musik funktionierte noch, weil das von Haus aus schief klingen muss, alles andere klang unangenehm. Dementsprechend wenig bis gar nicht habe ich noch auf dem Flügel gespielt.

Aber jetzt. Jetzt ist er wieder frisch und neu und hui, macht das Spaß, darauf zu spielen.

Während der Klavierstimmer im Erdgeschoss stimmte, nahm ich in der ersten Etage an einer Videokonferenz teil und hatte Spaß an der Tatsache, dass man allen Teilnehmern ansah, dass sie sich über die seltsamen Hintergrundgeräusche wunderten, aber keiner traute sich zu fragen, ich habe da wohl gründlich was richtig gemacht, was "Respekt haben" angeht, hihihi.


Als das alles erledigt war, der Klavierstimmer das Haus verlassen und ich noch eben die restliche Unordnung beseitigt hatte, war mir nach rotem Pesto und also begab ich mich ans Werk. Diesmal ist es wirklich ganz hervorragend geworden, der Trick ist, alle Zutaten tatsächlich genau in einigermaßen gleichwertigen Mengenverhältnissen zu verwenden. Auf 100g getrocknete Tomaten kommen 100g gegrillte, gehäutete Paprika und dazu braucht man genau 200g frische Paprika. Häuten und Grillen frisst 50% des Gewichts, ist ja auch gut zu wissen. Bei den Pinienkernen habe ich auch mehr als eine Packung genommen, die 100g Käse halbe/halbe zwischen Pecorino und Parmesan aufgeteilt und schließlich auch gut 100ml Olivenöl dazugegeben. Basilikum hatte ich tiefgefroren, da habe ich 30g genommen, das passte prima und außerdem ein ganz bisschen Chili, Salz, Pfeffer und drei Knoblauchzehen verarbeitet, das scheint insgesamt genau die passend ausgewogene Mischung zu sein.
Abendessen fiel heute aus, dafür ist die Hälfte von dem wirklichen großen Topf Pesto schon wieder alle - und zwei Packungen Tucs.
Lecker
!

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