anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 5. Oktober 2020
Anstrengend
Das war ein sehr anstrengender Montag heute und am liebsten möchte ich nicht mehr darüber reden, weil ich mich sonst nur aufrege oder schlechte Laune bekomme, wahrscheinlich sogar beides.
Nur soviel: Meine tiefsitzende Abneigung gegen Juristen ist noch mal um ca. 100 von 100 Punkten gewachsen, boah können die anstrengend sein.
In unserem großen Projekt, was wir Anfang des Jahres begonnen haben, sind wir jetzt in der Schlussphase der Vertragserstellung, d.h. die Rahmenbedingungen wie Kaufpreis und Gegenstand dessen, was überhaupt verkauft/erstellt werden soll, sind geklärt, jede Seite hat alle notwendigen Genehmigungen eingeholt, eigentlich ist also alles klar, nur die endgültigen Vertragsformulierungen müssen noch ausgefeilt werden. Und dann kommen die Juristen und bauen ohne Ende Rücktrittsklauseln ein, und Absicherungen gegen wirklich jede abstruse Unwahrscheinlichkeit und wenn die eine Seite Rücktritte will, dann will die andere das natürlich auch und wenn die eine Seite eine Absicherung meint haben zu müssen, dann braucht die andere das auch und die phantasierten Vertragsstörungen werden immer abstruser, die Rücktritts-, Schadensersatz- und Absicherungsklauseln immer bekloppter und wenn das mein Privatvertrag wäre, hätte ich schon längst erklärt, dass ich an dem Projekt kein Interesse mehr habe, denn bei all diesen völlig irren Juristenspinnereien entstehen ja nicht nur Kosten für die Beschäftigung von Juristen, die auch und das definitiv nicht zu knapp, sondern natürlich auch für die Absicherungen und Bürgschaftsgestellungen und Rücktrittspfandverwaltungen, es ist einfach nur gnadenlos bescheuert und mit rationalem Verstand nicht mehr zu fassen.
Und es macht ÜBERHAUPT KEINEN Spaß.
Gar keinen.
Nada.

Eine Welt, in der jeder vor jedem Angst hat und sich gegen jeden und alles absichert, die ist doch nicht mehr lebenswert.
Ich finde es auf alle Fälle gruselig.

Am Abend hatten wir dann noch das erste von mehreren Vorstellungsgesprächen der nächsten Zeit, auch das fand ich anstrengend, weil ich finde, man muss nicht auch noch ewig lange schnatternden Smalltalk mit einem Bewerber machen, wenn man insgeheim längst weiß, dass man ihn sicher nicht nehmen wird, weil er ganz offensichtlich überhaupt nicht ins Team passt.
Wenn sich bei mir ein mittelalter Mensch vorstellt und akzentfrei gendert, dann werde ich ihn nicht in ein Team gleichaltriger Realos stecken, die bei dem ganzen Genderthema nur regelmäßig genervt die Augen verdrehen. Wenn das ein 25jähriger Mensch macht, ist das etwas total anderes, eben weil es die aktuelle Sprache seiner Generation ist, den könnte ich mir sehr gut als Ergänzung in so einem gut durchgealterten Team alter Haudegen vorstellen, aber eben kein ebenfalls älterer Mensch, der total modern, fortschrittlich und aufgeschlossen seinen Mitarbeitern ständig das partizipative Ende der Mitarbeit verbal vor Augen führt.
Mitarbeit-Ende, was denken sich die Leute eigentlich dabei, wenn sie solche Wörter sagen? Haben die wirklich mal darüber nachgedacht, was Sprache aussagt
?

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