anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 22. Dezember 2018
Zuhause
Ja, ich weiß, es ist natürlich etwas schwer zu erklären, dass ich mich ernsthaft an einem optisch derart präsentablem Ort wie einer echten Nordseeinsel aufhalte, d.h. also dass ich ohne Ende Meer und Strand und Dünen und Leuchttürme und überhaupt all das hachz der meisten Menschen direkt vor der Nase habe und nicht nur, poste ich kaum Bilder davon, sondern, noch schlimmer, ich gucke es selber zwischendurch tagelang nicht an, weil ich nicht vor die Tür gehe bzw. wenn ich vor die Tür gehe, dann pendel ich zwischen meinem eigenen Haus, dem Onkelhaus, dem Vaterhaus und Lidl und/oder Markant. Viel mehr passiert hier grade nicht.
Aber vielleicht ist genau das auch grade der Unterschied, zwischen einem Urlaub am Meer und dem simplen, aber enorm alltagstauglich geerdetem "Zuhausesein". Ich mache hier keinen Urlaub im Sinne von "ich fahre an Orte, wo ich leider nicht dauerhaft sein kann", sondern ich fahre hier hin, wenn ich nach Hause fahre.

Dass ich per Saldo vielleicht weniger Zeit zu Hause verbringe als ein Arbeiter mit 10km Pendelstrecke zu seiner Arbeit, das ist vor allem der Insellage geschuldet, denn Pendeln geht hier eben gar nicht, noch nicht mal 10km. Wer mehr als 10km Entfernung zu seiner Arbeit hat, der braucht einen Zweitwohnsitz zum Arbeiten, der kann also unter der Woche nur auf dem Festland wohnen, das heißt aber nicht, dass er automatisch auch an seinem Zweitwohnsitz zu Hause ist.
Ich z.B. habe zwar noch einen Zweitwohnsitz in Greven, dort kenne ich aber außer der Kassierin bei Lidl so gut wie niemanden, und die Lidl-Kassiererin kenne ich auch nur vom Einkaufen, näher sind wir uns ansonsten bis heute nicht gekommen.

Auch wenn ich mich lange Zeiten in Greven aufhalte, so fühle ich mich dort doch nie zuhause.
Zuhause ist, wo das Leben beginnt - und das ist unbestritten immer nur hier, auf der Insel der Fall. Die Insel, die ich schon kenne, seit dem ich ein Baby war, wo die Silberpappeln wachsen, die dem Zuhause einen Geruch geben und wo das Meer an den Strand klatscht, was dem Zuhause eine Musik gibt.

Um zuhause anzukommen, muss ich nach der Ankunft am Hafen nicht mehr vor die Tür gehen, ich weiß ja, dass das Meer da ist, dass der Strand da ist und dass direkt vor der Tür alles ist wie immer, dafür muss ich es nicht persönlich kontrollieren.

Und genau deshalb gibt es hier deutlich weniger Bilder als ich machen könnte, wäre ich ein normaler Tourist, der Herzflattern und einen Zitterfinger am Auslöser bekommt, wenn er nach langer Urlaubsplanung und anschließender, tatsächlicher Urlaubsumsetzung endlich das perfekte Romantikmotiv vor die Kamera bekokmmt.

Aber vielleicht gehe ich ja morgen mal an Strand, wenn es morgen nicht genauso dauerhaft regenet wie heute und mir nach allen möglichen Aktivitäten ist, aber nicht nach einem durchnässenden Strandspaziergang.
Und wenn ich gehe, dann bringe ich auch Bilder mit, versprochen
.

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