anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 24. Oktober 2017
Heimat ist was für zu Hause
Seit der Landtagswahl im Mai gibt es in NRW jetzt eine Ministerin für Heimat.
Okay, sie ist auch noch zuständig für Kommunales, Bau und Gleichstellung, wenn durch eine Wahl die Regierungspartei wechselt, kommt es immer wieder zu seltsamen Neumischungen der Zuständigkeitsbereiche von Ministerien. Aber "Heimat" ist neu. Für Heimat war bisher noch keiner zuständig.

Ich war heute Abend auf einer Veranstaltung, wo es um regionale Identität und damit gleichzeitig auch um den Begriff "Heimat" ging und die neue Ministerien war auch da und hat kluge Dinge gesagt.
Ihr gehe es vor allem darum, dass der Begriff "Heimat" niemanden ausschließe, sondern dass Heimat die Menschen vereinen soll. Oder wenigstens zusammenführen. Dass "Heimat" als etwas offenes, gleichzeitig aber auch Gemeinsamkeit schaffendes Gefühl beschrieben werden soll.

Ich drück ihr kräftig die Daumen, dass ihr das gelingt. Denn schön wär's ja. Unbestritten, keine Frage.
Und der richtige Ansatz ist es auch. Heimat verbindet und grenzt nicht aus, was für ein wunderbarer Ansatz.

Leider fürchte ich, dass dieser Satz nur stimmt, soweit es die Leute betrifft, die schon immer dazu gehört haben.
Wenn es um Heimat geht, gehört plötzlich auch der frühere Klassenaußenseiter dazu. Er war schließlich schon immer da. Aber Leute, die heute erst dazu kommen, die sind vielleicht später für meine Kinder ein Teil ihrer Heimat, aber nicht für mich, denn meine Heimat ist ja schon fertig - das ist ja grade das Besondere daran. Und gleichzeitig das Vertrackte.
Heimat hat was mit Vertrautheit zu tun.
Heimat hat auch was mit zu Hause zu tun.
Aber vor allem hat Heimat ganz viel mit Emotionen und verklärten Kindheitserinnerungen zu tun.

Für mich ganz persönlich hat Heimat vor allem was mit Gerüchen, Geräuschen und dem Gespür auf der Haut zu tun.
Ich wär wahrscheinlich nie in der Lage, irgendwo im Süden ein Gefühl von Heimat zu entwickeln. Falsche Gerüche, falsche Geräusche und viel zu warm.

Und weil bei Heimat so viel falsch werden kann, reagieren die Menschen sehr viel schneller ablehnend statt einladend auf Veränderungen.
Weil es so viele Dinge gibt, die sicherlich auch ganz nett sind und für andere Menschen ganz bestimmt einen Teil ihrer Heimat ausmachen, aber eben nicht für alle, sondern jeder hat seine eigenen, festen Bestandteile, die sich auch nicht so mir nix dir nix erweitern lassen, eben weil das alles so schrecklich kompliziert und noch viel schrecklicher emotional besetzt ist, ist Heimat meiner Meinung nach nur was für zu Hause - aber kein Thema, um sich politisch zu profilieren.

Andererseits ist es aber vielleicht auch der einzig richtige Schritt, den diffusen Angstgefühlen der Menschen, die ihre Heimat bedroht sehen durch all die Veränderungen, die in immer schnellerer Folge über uns und unsere Gesellschaft hereinbrechen, um diesen Angstgefühlen offen zu begegnen und ihnen zu vermitteln, dass Heimat unbedingt wichtig ist, dass Heimat aber keine starre, unveränderliche Grundumgebung ist, sondern dass sich Heimat auch verändern kann und trotzdem nichts von der notwendigen Vertrautheit verliert. Dafür muss man dann einfach nur offen sein.

Ich finde ja, Strandkörbe haben auf Borkum am Strand nichts zu suchen. Falscher, nordfriesischer Kram.
Erst waren es nur ein paar wenige, die so nach und nach zwischen den Strandzelten auftauchten, mittlerweile ist es mehr als die Hälfte. Ein Schande ist das, ehrlich. Und nur weil einige Strandzeltvermieter den Hals nicht voll genug kriegen können und die Schietdinger angeschafft haben, ist jetzt der gesamte Strand damit verseucht. Aber zum Glück weht der Wind noch so wie immer und das Rauschen des Meeres ist immer noch lauter als das Geplapper der Badegäste, da soll das mit den Strandkörben dann wohl auch nicht so schlimm sein, echte Heimat ist unverwüstlich
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