anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 16. Oktober 2017
Mein neuer Fotoapparat
Diesen Käfer habe ich gestern mit meinem neuen iPhone 8plus geknipst. (Wiedergabe ohne Filter, ohne Bearbeitung, ohne irgendeine zusätzliche Einstellung, sozusagen "geknipst wie gesehen")


Meine Begeisterung für die Kamera in diesem Telefon wächst täglich.

Ich weiß, ich weiß, es hört sich affig, großkotzig, überheblich und überhaupt nach jeder Art von verachtenswertem Charakter an, wenn jemand drei Wochen nach der Einführung eines neuen iPhone so selbstverständlich prahlerisch darüber rumtönt, wie toll das neue Teil sei und wie begeistert man sei und was man alles für wahnsinnige Dinge damit tun kann.

Geschenkt.
Ich habe solche Leute auch stets verachtet, ich verachte mich auch selber ein wenig ausreichend dafür, aber die Kamera von diesem iPhone 8plus ist derart geil, dass ich es nicht schaffe, nicht ständig aufs Neue davon begeistert zu sein.

Der Rest des Gerätes ist übrigens völlig normal, kein Unterschied zu meinem bisherigen iPhone. Wenn es nicht wegen der Kamera gewesen wäre (und wegen der Tatsache, dass sich mein Vertrag verlängerte und ich mir deshalb sowieso ein neues Telefon für ganz kleines Geld aussuchen konnte, das in meinem Fall auch noch von meinem Arbeitgeber bezahlt wird), sehe ich keinen Grund, sich das neue iPhone zu kaufen.

Aber diese Kamera, hach - ganz große Liebe. Die kann jetzt wirklich alles, vor allem alles alleine und ohne wilde Einstellerei.
Und weil sie zu meinem Telefon gehört, habe ich sie auch noch ständig dabei, für mich ist das jetzt das Gefühl von "besser geht nicht."

Es ist ja nun so, dass ich zu Fotoapparaten seit jeher ein leicht gestörtes Verhältnis pflege.
In der Schule habe ich mal an einer Foto AG teilgenommen, das hat auch sehr viel Spaß gemacht, aber ehrlich gesagt fand ich das Entwickeln der Fotos viel spannender als das Fotografieren selber.
Zu einem künstlerischen Fotografen, der seine Bilder komponiert und sich beim Fotografieren ohne Ende kluge Gedanken über Licht und Einfallwinkel, goldenen Schnitt, Perspektive, fallende Linien und Details im Hintergrund macht, um zu so einem Künstler zu werden, fehlt mir nicht nur die kreative Begabung und das richtige Auge, sondern auch die Geduld und die nötige Begeisterung fürs Fotografieren.

Bei mir muss alles schnell gehen, zack, knips, fertig und im Kasten, das finde ich toll.

Weil ich ja grundsätzlich aber immer Spaß am Fotografieren hatte und mein Vater selber auch gerne fotografierte (und im übrigen auch noch viel Geld mit seinen Diavorträgen verdiente) bekam ich schon früh einen eigenen Fotoapparat (Pocket) und zur Konfirmation dann eine richtig gute Spiegelreflexkamera. (Auf Helgoland gekauft, da waren die billiger weil zollfrei, aber es brauchte drei Butterfahrten, bis wir uns für eine entschieden haben.)

Diese Spiegelreflex stand fortan in Konkurrenz zu meiner einfachen Pocketkamera. Die Spiegelreflex machte unbestritten die künstlerisch wertvolleren Bildern, aber es war auch eindeutig mühsamer. Nicht nur war die Kamera viel größer und schwerer und man musste sich gut überlegen, ob man sie mitschleppte auf einem Ausflug, denn das hieß, dass man sie halt auch dann tragen musste, wenn es nichts zu knipsen gab oder der Film voll war, sondern auch das fotografieren war schwieriger, weil viel mehr eingestellt werden musste. Bei der kleinen Klickdoof drückte man auf den Auslöser und das Bild wurde wie das Bild eben wurde. Fertig. Da gab es nichts zu verbessern, aber man war auch nicht schuld, wenn es nicht schön war, die Kamera gab eben nicht mehr her.
Mit der Spiegelreflex war es dagegen ein elendiges Gehampel, bis man alles vernünftig bedacht und eingestellt hatte und wenn es dann nicht schön geworden war, bekam man zu hören, dass man das selber schuld sei, schließlich hätte man doch einfach eine andere Verschlusszeit oder Blende wählen können oder man bräuchte noch ein anderes Objektiv - irgendwas war auf alle Fälle immer.

Als die ersten vollautomatischen Kleinbildkameras aufkamen, hatte meine alte Spiegelreflex ausgedient, gegen das deutlich komfortablere Klick+Fertig dieser sich jetzt selbständig scharf einstellenden Kleinkameras kam die große, schwere, nur manuell einzustellende "gute Kamera" nicht an.

Im Jahr 2002 bekam ich dann die erste große Digitalkamera. Bei der "ernsthaften" digitalen Fotografiererei war ich also früh dabei (kein Wunder, CW hatte das Teil gekauft und mir geschenkt, weil er sich dann nicht rechtfertigen musste, was er sich selber für teure Spielzeuge kauft.) Aber wie bei jeder großen Kamera vorher auch, war ich mal wieder überfordert von den Möglichkeiten, die die Kamera mir bot, und schaute schnell neidisch auf die kleine Ixus, die eine Freundin besaß. Für meinen Geschmack eindeutig komfortabler.

Ich habe dann mit CW getauscht, bekam noch eine kleine Ixus und gab die große, schwere Kamera leichten Herzens wieder ab, aber ein entscheidender Nachteil aller Kameras blieb: Ich musste sie extra mitnehmen, wenn ich sie benutzen wollte.

Mit dem ersten iPhone begann dann die Phase der "Telefonkamera". Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich einen Fotoapparat immer dabei. Das änderte vieles, denn ich konnte auch dann Dinge oder in Situationen fotografieren, wenn ich gar nicht damit gerechnet hatte, dass sich für mich "Fotobedarf" ergeben würde. Das fand ich toll, musste aber zugeben, dass die "richtigen Fotoapparate", und sei es auch nur meine "einfachen Digitalkameras" à la Ixus oder Lumix immer noch deutlich bessere Fotos machte als das iPhone. Bei vorhersehbaren Fotografierwahrscheinlichkeiten (sprich: beim Fliegen), hatte ich deshalb immer noch eine richtige Kamera dabei und ärgerte mich in allen anderen Situationen, die unvorhergesehene Fotomotive boten, dass ich halt "nur" das iPhone dabei hatte.

Und mit diesem neuen iPhone ist auch das vorbei.
Wundert es jetzt, dass ich begeistert bin?

Ich halte Sie knipsend auf dem Laufenden
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