anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 22. September 2020
Musik früher und Tageskram
Als ich neulich im Bett lag und den Fußretterspitzwickel wirken ließ, habe ich mich durch die laufenden Fernsehprogramme geklickt und bin beim RBB hängengeblieben, die grade Hits aus den 70ern sendeten, was mich in eine richtig intensive Nostalgiewelle beförderte, denn: Ich kannte die alle.
Ich meine: ALLE.
ALLE Songs, die da gespielt wurden, kannte ich.
ICH!
Das ist für mich deshalb etwas so Besonderes, weil bei uns eigentlich nur mein Westfalenmann jede Musik kennt und wenn ich ihn als Benchmark nehme, dann liegt mein Musikwissen ungefähr bei 0,5% Prozent, was gerundet bedeutet, ich kenne nix von moderner Musik.
Ich kann dafür Bach von Chopin und Beethoven unterscheiden und kenne außerdem die parallele Molltonart zu Des-Dur, hilft mir aber nichts, wenn es um Musik des 20. Jahrhunderts geht, höchstens vielleicht noch bei Orff, aber der war auch wirklich sehr frühes 20. Jahrhundert.
K kennt natürlich auch immer noch den Sänger/die Gruppe von jedem Song, das Erscheinungsjahr, wer das Lied im Original gesungen hat und vom wem es gecovert wurde und was weiß ich, was es sonst noch für Details zu einem Song geben kann. K weiß immer alles und erkennt jeden Song auch nach spätestens zwei Takten, selbst die Songs, die gar keine Takte haben.
Ich bin dafür üblicherweise komplett inkompetent, was klassische Chartmusik angeht, weil die Musik, die ich mag, nur sehr selten mal in irgendwelchen Hitlisten auftaucht, Liedermachermusik ist eben Nischenmusik. Übrigens ein Grund, weshalb ich so viel Musik "im Original" (i.e. von CD über iTunes importiert) auf meinem Handy habe, weil es ganz viel meiner bevorzugten Musik weder bei Spotify noch bei You Tube gibt.
Aber bei den Liedern, die RBB da am Freitagabend spielte, hatte ich ein Flashback nach dem anderen, eben weil ich wirklich jedes Lied kannte. Natürlich hätte ich die jeweiligen Sänger oder Interpreten der Songs nicht nennen können, weil mich das wirklich noch nie interessiert hat, aber als die Songtitel samt Interpret eingeblendet wurden, kannte ich die meisten Interpreten wenigstens passiv. Ich weiß also, dass es die Dire Straits gibt, aber dass die "Sultans of Swing" gesungen haben, nun ja, das hätte ich natürlich nicht gewusst, aber immerhin habe ich das Lied erkannt und fühlte mich plötzlich in meine Jugend versetzt.
So wie ich mich bei jedem Lied, was da gespielt wurde, in meine Jugend versetzt fühlte, das war schon echt spooky.
Den Gipfel der Spookyheit erreichte die Sendung aber, als sie bei einem Titel nicht nur den Interpreten, sondern auch die begleitend tanzenden Fans aus der damaligen Originalzeit zeigten, weil, das sah aus wie meine eigene, damalige Klasse bei einem wilden Discobesuch während der Klassenfahrt 1978.
Es war nicht wirklich meine Klasse, es hätte aber meine Klasse sein können und ich war auch dabei. Nicht in echt, aber in Stellvertretung, denn es wurde ein Mädchen gezeigt, was total linkisch tanzte und ein langärmliges T-Shirt mit einer kurzärmeligen Bluse drüber trug. Es war mir so ungemein peinlich, aber genau so habe ich mich damals gekleidet und wahrscheinlich habe ich auch genau so damals getanzt.

Tja.

Sonst so zum Tag heute:
Fuß unverändert, heute war nichts Besonderes, also kein Physiotermin, ich war dafür den ganzen Tag im Büro und hatte den Aircastschuh an, der zuverlässig verhindert, dass mir der Fuß weh tut, der dafür gleichzeitig aber natürlich auch den Fuß "immobilisiert", ich kann mich nicht entscheiden, welchem Übel der Vorzug zu geben ist: Schmerzen und Beweglichkeit plus Schwellung (also kein Aircastschuh) oder keine Schmerzen und keine Schwellung, dafür unverändert steif. Arzt sagt Schuh tragen, Physiomensch sagt, Schuh ist des Teufels, ich glaube, ich glaube dem Arzt. Damit Punkt.

Büro: Ich habe einen Mitarbeiter ins Zwangshomeoffice geschickt, weil sein Sohn (17, wohnt bei den Eltern) als Kontaktperson (Lerngruppe) in Quarantäne geschickt wurde, meine Logik sagt mir: Wenn Sohn infiziert ist, dann sind es die Eltern auch, weshalb ich niemanden aus dieser Familie in meinem Büro haben möchte, solange der PCR-Test nicht Klarheit geschaffen hat. Ich stelle insgesamt fest: Die Einschläge kommen näher und werden häufiger.

Am Abend waren wir beim Griechen, der hat seinen Biergarten noch geöffnet, wir saßen also draußen und dort fühlte ich mich einigermaßen sicher. Der Wetterforecast sagt, das Wetter wird jetzt herbstlich, im Zweifel war das also der letzte Biergartenabend draußen, weshalb wir ihn grade eben noch mal bewusst zum Essen gehen genutzt haben. Für Essen gehen und im Restaurant drinnen sitzen, bin ich ganz klar nicht bereit, weshalb ich mich mit diesem Restaurant-Essen heute seelisch-moralisch für mindestens die nächsten acht Monate von diesem Vergnügen verabschiedet habe.

Ich gehe ganz fest davon aus, dass das noch eine deutlich längere Zeit dauern wird, bis ich bereit bin, mich genauso locker und vorbehaltlos in "Menschenmengen" (i.e. Restaurants drinnen und alles andere, wo sich mehr als drei Personen in einem geschlossenen Raum aufhalten) zu stürzen, so, wie ich das vor Februar 2020 getan hätte.
Aber auch diese Zeit wird vorbeigehen
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