anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 27. Mai 2020
Ich will, dass er geht
Obwohl ich ja schon seit anderthalb Jahren den Freitag wann immer möglich zu meinem Home-Office-Tag erkoren habe, ist mir für "richtiges" Arbeiten das echte Büro angenehmer.
Für einen Tag in der Woche ist Home-Office völlig okay, vor allem für den Freitag. Da schlürt man so langsam vor sich hin, kümmert sich um all die sonstigen Kleinigkeiten, die liegengeblieben sind, aber auch nicht viel Konzentration erfordern, kann sich auch mal wieder aufs Bett legen, um die aufgelaufene Fachliteratur zu lesen, räumt ein wenig sein E-Mail-Postfach auf und lässt ansonsten die Arbeitswoche langsam ins Wochenende gleiten. Einen Arbeitstag in der Woche mit allgemeinen Aufräum- und Nachlesearbeiten zu füllen finde ich sinnvoll, aber auch ausreichend.
Für die sonstigen Arbeitstage, wo auch immer mal wieder Aufgaben vorkommen, zu denen ich eigentlich gar keine Lust habe, die aber, hilft ja nix, eben auch getan werden müssen, für diese Tage ist mir eine echte Büroumgebung eindeutig lieber, weil sie nicht so viele Prokrastinationsmöglichkeiten bietet und ich deshalb mit deutlich weniger Selbstdisziplin meinen Kram effektiver erledigt bekomme.

Weil ja jeder gerne von sich auf andere schließt, gehe ich natürlich als erste Vermutung grundsätzlich davon aus, dass es genau so auch anderen Leuten im Home-Office geht, und unter denen sind dann auch sicherlich einige, die Home-Office aber auch als Dauerlösung tatsächlich genießen, weil sie sich dann im Büro nicht so ausführlich langweilen müssen.
Also alle, die sowieso nicht ausgelastet sind in ihrem Job und ihre Arbeitszeit zu einem Gutteil schlicht "absitzen", die profitieren sehr von der neuen Home-Office Situation, zumindest so lange, wie damit kein nachvollziehbares Zeiterfassungssystem verbunden ist.

In der allgemeinen Verwaltung, wo es in den meisten Fällen keine produktiven "billing times" gibt, gibt es dafür sehr häufig nicht ausgelastete Mitarbeiter, weil die Arbeitsbelastung natürlich ohne Produktivitätskennziffern nur sehr schwer zu kontrollieren ist und statt dessen jeder Mitarbeiter fast schon grundsätzlich über die hohe Arbeitsbelastung klagt.

Als wir bei uns im Büro die Arbeitsplatzwahl wieder freigestellt haben, als also jeder, der wollte auch wieder im Büro arbeiten durfte, habe ich ja vorher eine Wette mit mir selber gemacht, welche Kollegen lieber weiter im Home-Office bleiben wollen und wer sehr gerne wieder ins Büro kommt.

Meine Trefferquote war beachtlich, weshalb ich auch davon ausgehe, dass meine Einschätzung, wer wie viel zu tun hat und bei wem noch größere Kapazitäten frei sind, auch sehr passend ist - und ich denke, es wird Zeit, dass ich da mit dem Chef erster Ordnung mal drüber rede, damit das Projekt "wir feuern den Assistenten der Geschäftsleitung" endlich mal Formen annimmt.
Ich meine, dass er tiefbegabt ist und deshalb keine Arbeit fehlerfrei erledigen kann, dafür kann er im Zweifel nichts, das ist Schicksal. Aber wenn man ihn fair behandelt, dann sollte er auch fair bezahlt werden, was in diesem Fall bedeutet, dass er nur noch 1/3 seines Gehalts bekommt, das entspricht dann in etwa seiner Leistungsklasse.
Da ich davon ausgehe, dass er mit einer derart drastischen Gehaltskürzung nicht einverstanden ist, bleibt nichts anderes übrig, als dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen muss, das ist auch eine faire Alternative. Vielleicht findet er ja noch mal einen, der bereit ist, ihm ein knapp sechsstelliges Jahresgehalt für quasi nix als Gegenleistung zu zahlen, ich gönne es ihm, aber ich finde, von unserem Büro ist er jetzt lange genug für nix bezahlt worden.
Und vor allem brauche ich seine Stelle.
Ich brauche nämlich jemanden, der genau diesen Job wirklich macht, ich meine also damit, jemanden, der genau die Dinge erledigt, die dieser tiefbegabte Seniorassistent eben nicht erledigt.

Ich brauche jemanden, der für alle Firmen, die wir betreuen, die Geschäftsberichte schreibt und nicht nur aus dem Vorjahr copypasted, wobei oft noch die Jahreszahlen nicht sauber gewechselt wurden.
Ich brauche jemanden, der für die Depots, die wir verwalten, regelmäßig die Reportings erstellt und dabei selber bemerkt, dass manche Ergebnisse einfach nicht sein können, der mir also kein Reporting mit 7% Rendite aus festverzinslichen Wertpapieren vorlegt, einfach, weil es das schon seit Jahren nicht mehr gibt.
Ich brauche jemanden, der eine Liquiditätsplanung mit Sinn und Verstand erstellt und nicht einfach nur das vergangene Quartal stumpf nach vorne fortschreibt und deshalb die im Januar fälligen Versicherung im April gleich noch mal bezahlt.
Ich brauche jemanden, der Protokolle schreibt, die nach der Korrektur nicht zu 90% aus MarkUps bestehen.
Ich brauche jemanden, der einfach nicht ganz so grottendoof ist wie dieser unsägliche Assistent, der da seit 20 Jahren auf diesem Karrieresprungbrettjob sitzt und alles blockiert. Und das seit acht Wochen nun auch im 80%igen Home-Office, denn selbstverständlich gehört er zu genau den vorhersehbaren Mitarbeitern, die finden, es reicht, wenn er einmal die Woche im Büro körperlich anwesend ist.

Aktuell, also seit zwölf Jahren, erledige ich diesen Kram noch einfach so nebenbei mit, was aber per Saldo dazu führt, dass ich entweder völlig bekloppte Wochenstunden arbeite - oder die Dinge liegen lasse, die sich ohne Problem schieben lassen, die aber irgendwann auch mal getan werden müssen und dann ist plötzlich immer alles dringend und eilig und ich fühle mich ständig gehetzt und unter Strom.
Und ganz ehrlich: Ich habe auch keinen Bock mehr, Geschäftsberichte zu schreiben. Das ist was für Menschen am Anfang ihrer Karriere, die damit beweisen können, dass sie nicht nur gut schreiben können, sondern auch kreativ sind und die Aufgaben und Interessen der Firma umfassend verstanden haben.
Und ich habe auch keine Lust mehr, mühsam das Zahlenmaterial für Reportings zusammenzutragen. Auch das ist eine perfekte Aufgabe für einen Assistenten, der dabei lernt, wo überall Zahlen stecken können, was man alles mit Zahlen aussagen kann und wie man sinnvoll mit Zahlen die Wahrheit retuschiert, aber auch, wie man aufkippt, wenn man zu schlampig arbeitet.

Ich habe einfach überhaupt keinen Bock mehr auf diese gesamten Assistenten Aufgaben und ich will, dass dieser blöde Typ jetzt einfach nur noch gefeuert wird.
Jawoll
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