anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 12. Mai 2020
Ärgern muss sein
Irgendwie hatte ich heute ein starkes Wochenendegefühl und war ganz erschrocken, als ich vorhin realisierte, dass wir erst Dienstag haben.
Ich meine Dienstag, das ist ja nun wirklich noch ungehörig früh in der Woche, das ist ja sogar noch vor Wochenmitte, wie tragisch. Dabei ist mir wirklich sehr nach Wochenende, von mir aus wäre ich morgen bereit für einen Home-Office-Freitag, aber auch der ist noch in weiter Ferne.

Ich fühle mich ganz ungemein verhohnepipelt von meinem eigenen Wochenbiorhythmus. Ich stelle mir vor, dass mein Biorhythmus sich grade schadenfroh die Hände reibt und sich darüber freut, wie gut er mich ärgern konnte.
Dabei bin ich sicher, dass mein Westfalenmann dahinter steckt, dessen größtest Glück ist es nämlich wenn es ihm wieder gelungen ist, mich zu ärgern.
Ich glaube, wenn er mich nicht regelmäßig so gut ärgern könnte, würde er mich auch nicht so mögen, wie er mich mag.

Es ist allerdings auch sehr einfach, mich zu ärgern, ich rege mich grade über völlig lächerlichen Kleinkram ganz besonders gut auf, bspw. über Maikäfer und Bauchnäbel - ist das der Plural? egal, ich möchte mich schon mit dem Wort nicht beschäftigen, weil ich es einfach gänsehautig finde. Jede leise Andeutung, die sich auch nur im entferntesten mit diesem unsäglichen Körperteil beschäftigt oder davon erzählt, löst bei mir ein Gefühl von Fingernagel auf Schiefertafel aus, ganz schrecklich. Und K macht natürlich grundsätzlich nichts, aber in echt ist er halt ständig mit Andeutungen beschäftigt, weil das schon reicht, um bei mir eine Gänsehaut zu produzieren, die dann seine große Freude ist.
Außer diesen beiden Triggerthemen bin ich zusätzlich noch ungewöhnlich sehr schreckhaft. Ich erschrecke mich auch, wenn ich vorher weiß, was passiert, es hilft nichts, ich erschrecke mich. Und wenn es ein dolles Erschrecken ist, was leider gar nicht so selten vorkommt, dann schreie ich dabei auch, was man eben so macht, wenn man sich doll erschreckt.
Wenn ich zB alleine in einem Raum bin und mich mit irgendetwas beschäftige und deshalb nicht mitbekomme, dass jemand anderes auch den Raum betreten hat, dann kriege ich jedesmal einen Mordsschreck, wenn ich plötzlich wie aus dem Nichts einen anderen Menschen direkt neben mir sehe. Und Mordsschreck => also Mordsschrei => also Mordsschreck auch für den anderen, weil er natürlich nicht auf den Gedanken kommt, dass er selber der Grund für meinen irren Schreckensschrei ist, sondern davon ausgeht, dass ich irgendetwas wirklich Schreckliches grade gesehen haben muss. Es gab hier schon einige sehr peinliche Situationen, weil es kompliziert ist, jemand anderem zu erklären, dass man sich vor ihm erschrocken hat, nur weil man ihn nicht gehört hat, wenn er doch tatsächlich einfach nur ganz normal ins Zimmer gekommen ist.
Die Kinder haben sich schon lange angewöhnt, immer laut zu rufen und zu singen, bevor sie einen Raum betreten, in dem ich mich aufhalte. Führt aber auch zu verwunderten Blicken, je nachdem, wer grade zu Besuch ist wurde ich schon mehrfach auf das ungewöhnliche Verhalten der Kinder angesprochen - nur wie erklärt man dann, dass die Kinder sich nicht seltsam, sondern sehr vernünftig verhalten?

Es ist halt so, ich bin etwas schreckhaft, das gebe ich ja auch zu, ich kann es nur nicht abstellen. War ich schon als Kind und deshalb schaue ich auch so ungern spannende Filme. Wenn es brenzlig wird, verstecke ich mich immer hinterm Sofa, was, je nach Film, nachhaltig unbequem sein kann. Als Kind konnte ich zB solche Thriller wie Lassie, Flipper oder Fury nie ohne mehrere Kopfsprünge hinters Sofa überleben, da gab es nämlich immer ganz schreckliche Szenen in diesen Filmen.

Und mein Westfalenmann hat einen ausgesprochen großen Spaß daran, mich damit zu ärgern.

Vor einigen Jahren hat er mir hinter die Räder meines Autos diese großen, luftgefüllten Plastikpolstertüten gelegt. Als ich rückwärts aus meinem Stellplatz fuhr, bin ich also über diese Plastiktüten gefahren, die mit lautem Knall zerplatzten. Vier Stück, nacheinander. In der Tiefgarage, wo so ein Knall auch noch mit Hall und Echo besonders gut rüberkommt, hört sich das an als ob die Russen kommen, vor denen meine Großmutter immer Angst hatte.
Dass ich nicht stante pede an einem Herzinfarkt verstorben bin, ist reiner Zufall - und K ärgert sich bis heute, dass er nicht live dabei war und es mitbekommen hat.

Heute hat er es also irgendwie geschafft, meinem Zeitgefühl einzureden, es wäre Wochenende, nur um mir dann eine lange Nase zu drehen und "ätschibätsch, reingefallen, ist erst Dienstag" zu rufen, als ich es mir in meiner Wochenendvorfreude schon so richtig bequem gemacht hatte.

So ist er, dieser Westfalenmann, ohne Ärgern fehlt ihm was
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