anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 23. Mai 2020
Pflasterarbeiten und Informationsaustausch
Wenn man sonst eher weite Bögen um Sport und körperliche Arbeit macht, ist es mit der eigenen Kraft und Kondition natürlich nicht so besonders gut bestellt, eine Tatsache, die ich aber gerne ignoriere, wenn ich dann doch mal dringend irgendetwas erledigt haben will, was nur mit körperlichem Einsatz zu erreichen ist.

Grade wegen der komplett fehlenden körperlichen Fitness gelange ich an meinen toten Punkt ungefähr fünf Minuten nach dem ich eine körperliche Aktivität begonnen habe. Da das derart albern, lächerlich und eben überhaupt nicht akzeptabel ist, beiße ich dann die Zähne zusammen - und wenn man den eigenen toten Punkt erst mal überwunden hat, funktioniert der Körper danach wie geschmiert.
Man darf nur keine Pause machen, dann ist alles vorbei, aber das weiß ich und wenn ich etwas wirklich erledigen will, mache ich einfach durch.

Heute haben K und ich die gesamte alte Pflasterung aufgenommen, jeden Stein einzeln mit einer Stahlbürste geschrubbt und gereinigt und anschließend fein ordentlich auf dem fertigen Pflasterteil gestapelt, damit die Handwerker, die jetzt ja noch mal wiederkommen müssen, das Anschlussstück mit den vorbereiteten Steinen fertig pflastern können.
Auf der Strecke geblieben ist dabei ein Spatenstiel, der hat die Belastung des Aufhebelns der alten Kantensteine nicht ausgehalten, aber zum Glück hatte der Nachbar noch einen Spaten zum Ausleihen, wir konnten also ohne Pause weitermachen.



Jetzt sieht es so aus:


Der örtliche Baumensch berechnet für sein Facharbeiter 65,50€ die Stunde, K und ich haben heute mindestens vier Stunden nonstop Vorarbeiten für die Pflasterarbeiten erledigt, die ja sonst die Facharbeiter hätten machen müssen, wir haben also über 500€ verdient, dafür kann man sich ja schon mal anstrengen.

Beim Spaten Ausleihen habe ich ein wenig mit dem Nachbarn geplaudert, der ja jetzt auch wieder auf die Insel darf, als Zweitwohnungsbesitzer war er fast zwei Monate ausgesperrt. Er ist Arzt und hat auf dem Festland eine Praxis für Allgemeinmedizin und natürlich haben wir uns über das Virus und die Krankheit und Ansteckungen und den behördlichen Umgang damit unterhalten - und waren uns dann sehr einig, dass das alles insgesamt ganz enorm skurril ist und dass die Hoffnung, das Virus mit Nachverfolgungen des Gesundheitsamtes unter Kontrolle zu halten, völlig absurd ist, weil es viel zu viel zu viele Leute gibt, die sich freiwillig niemals melden würden, wenn sie Symptome haben und die auch die Personen, mit denen sie Kontakt hatten, niemals freiwillig nennen würden, denn dann ist man ja schuld, wenn man selber als Virenschleuder identifiziert wird.
Er erzählte, dass er früher in seiner Ausbildung viel für bzw. in Kinderheimen gearbeitet hat und dass das erste, was ihm damals beigebracht wurde, war, dass er das Wort Scharlach aus seinem Diagnosevokabular streichen solle. Wenn, dann hat ein Kind halt eine Halsentzündung und wird entsprechend behandelt, aber Scharlach kommt nicht vor, denn der Behördenzirkus, der durch Scharlach ausgelöst wird, ist so ätzend, das will niemand freiwillig anstoßen.
Ich kann mir das sofort vorstellen und mir ging es grundsätzlich genauso mit Läusen. Läuse sind auch eine meldepflichtige Seuche - und ich habe exakt einmal den Fehler gemacht, das tatsächlich ehrlich zuzugeben. Danach hatten meine Kinder nie mehr Läuse. Ich hatte sie so fest darauf trainiert, dass das Thema Läuse vollkommen und ohne Diskussion niemals außerhalb der Familie vorkommt, dass sie sich aber gleichzeitig bei dem kleinsten verdächtigen Jucken sofort von mir inspizieren lassen, dass wir nachher ein ziemlich gut eingespieltes Familienteam waren. Bei drei Kindern in drei verschiedenen Schulen/Einrichtungen kann man Läuse gar nicht vermeiden - wir hatten nur ein einziges Mal welche, das war mir eine Lehre.

Der Nachbar erzählte dann noch ein paar Anekdötchen aus seiner Praxis und dem Umgang mit den Gesundheitsamt und nach meinen eigenen Erfahrungen mit Behörden glaube ich ihm jedes Wort, es ist insgesamt schon ziemlich ernüchternd.

Vielleicht ist es doch ganz klug, einfach an Mundschutz als neuen Heilsbringer zu glauben, weil, sehr viel mehr bleibt eh nicht als Glaube und Hoffnung, Liebe sollte aus Abstandsgründen vorerst in Quarantäne geschickt werden
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