anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 9. August 2020
Gleich
ich schreibe noch
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... ¿hierzu was sagen?

 
Und fertig
So, es sind alle abgefahren, aktuell ist nur noch N mit mir hier im Haus - und ich bin sehr zufrieden.
Es war ein sehr erfolgreiches Wochenende, weil wir richtig viele Details mit dem Schreiner besprochen haben und weil er vor allem auch immer wieder nach neuen Details gefragt hat und eigene Vorschläge gemacht hat, die mir in den meisten Fällen sehr gut gefielen. Wenn man einen Handwerker hat, dem man grob und laienhaft erklärt, was man sich so vorstellt und was einem wichtig ist und der einem dann Vorschläge macht, die einem selber gar nicht ein- oder aufgefallen wären, die man aber spontan prima findet, gibt das ein sehr gutes Gefühl. Ich bin sehr sicher, dass das Gesamtwerk nachher sehr gut werden wird, dass ich damit ganz bestimmt zufrieden sein werde und ich freue mich jetzt wirklich darauf.

Die örtliche Handwerkerschaft hat bisher vor allem durch komplett überhöhte Preise in Kombination mit wenig durchdachter Arbeit geglänzt, weshalb wir die seit fünf Jahren geplanten Instandhaltungmaßnahmen ja immer noch nicht bzw. nur zu einem sehr kleinen Teil beauftragt haben, alle bisherigen Baubesprechungen mit einem der örtlichen Handwerker hinterließen ein ungutes Gefühl.

Der Schreiner, den wir jetzt gefunden haben, ist ein Fliegerkumpel, so haben wir ihn kennengelernt. Er ist nicht nur Schreiner, sondern auch Fluglehrer und wenn K ihn in Hessen abholt, wo er wohnt, bekommt K jedesmal noch unentgeltliche Flugstunden mit wirklich wertvollen Tipps, denn selbst als erfahrener Pilot kann man ja von einem noch erfahreneren Piloten immer noch dazulernen und K hat mittlerweile von ihm schon wirklich gute Dinge gelernt. Es ist also sozusagen eine winwin Situation und ich bin sehr, sehr glücklich, dass er bereit ist, die Arbeiten hier an unserem Haus zu übernehmen, denn ich bin sehr sicher, dass er ganz bestimmt keinen Pfusch abliefern wird.

Seine Frau ist ebenfalls supernett, ich habe mich sehr gut mit ihr verstanden. Wir haben viele gemeinsame Interessen, können über dieselben Dinge grinsen und haben beide denselben Ansatz einen Haushalt zu führen, so dass es nicht nur Null Reibungspunkte gab, sondern ein intuitives Verstehen, wie der andere es wohl gerne gemacht haben möchte und wir gestern Abend gemeinsam in Rekordzeit ein richtig großes, oppulentes Grillmenue für acht Personen gezaubert haben.

Dieses Haushaltsthema hat mich die letzten Tage sehr beschäftigt. Ich hatte mit der Schwester diverse längere Auseinandersetzungen zum Thema "Mithilfe im Haushalt", die sich darum drehten, dass man es mir nie recht machen kann, dass sie das Gefühl hat, dass sie immer alles nur falsch macht, dass ich ungemein rechthaberisch bin und sozusagen schon aus Prinzip nichts so akzeptiere, wie sie es macht und dass ich eben permanent an ihr rummeckere.
Ich habe über ihre Vorwürfe nachgedacht und festgestellt, dass sie das aus ihrer Sicht wahrscheinlich auch gar nicht anders wahrnehmen kann, denn die Art, wie sie Dinge im Haushalt erledigt, hat sozusagen gar keine Schnittmenge, mit der Methode, die ich mir im Laufe meines Lebens zurecht gelegt habe, dass es aber gleichzeitig auch keine Lösung gibt, das Problem zu beseitigen, außer dass ich während ihrer Anwesenheit in meinem Haushalt mir einfach selber aktiv jeden Kommentar, jede Bemerkung, jeden Hinweis und auch jeden Wunsch verkneifen muss. Das wiederum fällt mir sehr schwer, das gebe ich zu, weil es eben wieder was mit Rücksichtnahme auf die (aus meiner Sicht irrationalen) Befindlichkeiten eines anderen zu tun hat, ein Verhalten, was ich im Berufsleben, wenn ich dafür bezahlt werde, akzeptiere, was ich privat aber enorm anstrengend finde.

Wenn sie dann begann all die vielen, vielen Situationen aufzuzählen, wo ich nicht mit dem einverstanden war, was oder wie sie Dinge erledigte und sie mir anschließend auch noch genau so viele Sachverhalte aufzählte, wo sie findet, dass ich das komplett anders mache als sie, sie da aber noch nie etwas zu gesagt hat, dann hörte sich das zunächst mal so an, als sei sie der Mensch, der akzeptiert, dass ich eben anders bin als sie, aber umgekehrt ist das überhaupt nicht der Fall.
Mich machte das sehr nachdenklich und natürlich traurig. Es ist nicht schön, wenn einem solche Vorwürfe gemacht werden, weil sie kurz zusammengefasst ja lauten: Du bist ein egoistischer und rücksichtsloser Mensch mit keinerlei Empathie für andere.
Das mit der Empathie ist sowieso mein Schwachpunkt, das weiß ich, deshalb bin ich da grundsätzlich sehr vorsichtig und nehme im Zweifel alle Vorwürfe ernst.

Die Gesamtsituation wurde nicht einfacher als mir dann auch noch meine Tochter ähnliche Vorwürfe machte und mir mein Sohn versuchte zu erklären, ich sei da eben einfach nur ein Versager.

Was Empathie angeht nehme ich jeden Vorwurf sofort an, blöderweise kann ich es nicht ändern, denn mir fehlt einfach die intuitive Reaktion, die Grundlage jedes empathischen Mitfühlens ist. Ich kann Einzelsituationen lernen und dann üben, mich in genau diesen Situationen genau so zu verhalten, wie es formal korrekt wäre, damit niemand merkt, dass ich so unempathisch bin, aber in neuen Situationen fällt es halt sofort auf und ich benehme mich wieder wie der Elefant im Porzellanladen.

Über die Haushaltsdinge habe ich dann aber noch mal aus einem anderen Blickwinkel nachgedacht.
Meine Schwester hatte mir gesagt, dass sie schon bei vielen Freundinnen zu Besuch war und dort im Haushalt natürlich genauso selbstverständlich mitgeholfen hat, wie sie es auch bei mir gerne tun würde, denn schließlich will sie sich ja nicht einfach aufs Sofa setzen und bedienen lassen - Besuch, der sich so benimmt, den kann sie überhaupt nicht leiden.
Und weil sie so viel und oft schon in anderen Haushalten mitgeholfen hat, kann sie von sich sagen, dass sie noch nie mit irgendjemanden deshalb ein Problem hatte, im Gegenteil, es waren alle immer nur froh und dankbar, dass sie so freiwillig mitgeholfen hat und sie selber ist auch immer nur dankbar, wenn ihr in ihrem Haushalt jemand Arbeit abnimmt, da würde sie doch nie meckern und ständig an allem rumkritisieren, das könnte sie einfach überhaupt nicht verstehen, weshalb man das macht, denn dann hat der andere doch sehr schnell gar keine Lust mehr noch mehr zu helfen, damit schadet man sich doch nur selber.

Das ist auf den ersten Blick eine sehr schlüssige Argumentation und ich musste lange nachdenken, bis mir auffiel, wo der Unterschied ist.
Nämlich der Unterschied zwischen ihrem Haushalt und meinem und der Unterschied zwischen dem Haushalt ihrer Freundinnen und meinem, denn genau das ist der Knackpunkt.

Mein Haushalt ist extrem auf Effizienz getrimmt.
Ich führe meinen Haushalt nicht, weil das meine Aufgabe ist, weil ich mich als "Hausfrau" auch nur im entferntesten in irgendeiner Art und Weise dafür verantwortlich fühle, sondern weil ich unendlich bequem und faul und komfortsüchtig bin und gleichzeitig schrecklich gerne leckere Dinge esse, die eben genau so lecker sein sollen, dass sie mir gut schmecken. Dabei ist es mir gelungen, wenigstens bei meinen Söhnen ähnliche Geschmacksvorlieben zu legen, mein Westfalenmann hat die durch Zufall von ganz alleine gleich selber mitgebracht (Liebe geht durch den Magen) und so ergibt sich im Gesamtbild die Situation, dass ich es sinnvoller finde einen Haushalt (selber) zu führen, in dem auch regelmäßig gekocht und gegessen wird, als sich durch Zukauf von Fremdleistungen "extern" zu ernähren.
Ich mag mein selbstgemachtes Essen meistens lieber als gekauftes und ich finde es in vielen Fällen auch tatsächlich bequemer, selber zu kochen und dann zu Hause zu essen, als sich die Mühe zu machen, auswärts essen zu gehen, denn ganz objektiv betrachtet, dauert auswärts essen gehen meistens länger als zu Hause kochen, essen und wieder saubermachen zusammen.
Weil ich aber nicht nur gerne lecker esse, sondern eben auch wirklich bekennend faul und bequem bin, habe ich alle Produktionsabläufe in meinem Haushalt auf Effizienz getrimmt und zwar auf eine Effizienz, die genau auf meine persönlichen Eigenheiten und Fähigkeiten abgestimmt ist. Von untergeordneter Bedeutung sind dabei Komponenten wie Optik und formale Sauberkeit. "Formale Sauberkeit" ist für mich eine Sauberkeit, die nur aus optischen Gründen gepflegt wird, aber keinerlei zusätzlichen Hygienevorteil hat. Hygiene ist mir sehr wichtig, optische Sauberkeit ist mir eher egal.
Außerdem führe ich diesen Haushalt, weil ich ein persönliches Interesse an dem Output habe - und das heißt, ich möchte mit so wenig Aufwand wie möglich so viel leckeres Essen wie nur geht produzieren und dabei auch noch eine maximale Flexibilität und Spontaneität was Auswahl und plötzliche Heißhungerattacken angeht ermöglichen.
Alle anderen Aspekte, also vor allem die Optik, aber auch alle sonstigen irgendwie theoretisch "ernährungsbiologisch" begründeten Aspekte sind mir relativ wurscht. Ich verfolge keinerlei ideologische Aspekte (vegan oder vegetarisch), ich kümmere mich nicht um irgendwelche Allergien oder Unverträglichkeiten (Laktose oder Gluten oder was weiß ich), und ich lebe keinen bewusst ethischen Ansatz (nur Bio oder nur regional oder so). In meinem Haushalt gibt es einfach nur Dinge, die ich gerne mag, die dafür aber in großer Auswahl, damit ich jederzeit eine maximale Flexibilität ausleben kann, wenn es darum geht, was ich jetzt grade und diesen Moment gerne essen möchte.
Die Ausstattung meines Haushaltes folgt dem Grundsatz eines Handwerkers "das wichtigste ist gutes Geschirr", wobei ein Handwerker mit Geschirr nicht das Porzellan meint, sondern die Werkzeuge und Maschinen.
Ich habe also ausgesprochen viele (und gute) Maschinen und sonstiges technisches Shishi, extrem gute Messer und eben ansonsten auch von allen "Zutaten", die ein Haushalt so haben kann, wahrscheinlich alles, was man sonst auch in Gastronomieküchen findet. Da es so unendliche viele Dinge sind, die es in meinem Haushalt gibt, mag ich keine geschlossenen Schränke, weil ich mir dann nie merken könnte, was wo ist. Ich habe überwiegend offene Regale, die komplett vollgestellt sind. K sagte neulich, meine Küche sieht aus wie ein Wimmelbild und ich denke, das ist eine gute Beschreibung.
Das Entscheidende ist vor allem, dass meine Küche nicht aussieht wie eine normale "Durchschnittsküche", sondern dass bei mir so gut wie alles anders ist, was nur anders sein kann - wenn man "anders" als Abgrenzung zu einer typischen Durchschnittsküche in einem deutschen Haushalt definiert.
Das bedeutet aber auch, dass sich jemand, der an eine "normale" Küche gewöhnt ist, in meinem Haushalt niemals intuitiv zurechtfinden kann, denn es ist ja alles anders. Und es müssen Dinge beachtet werden, die in normalen Küchen nicht beachtet werden müssen.
Unter anderem ist es mir enorm wichtig, dass Dinge immer am selben Platz stehen. Was auf andere Menschen wie ein Wimmelbild wirkt, ist für mich eine feste Ordnung, die meinen, persönlichen Logiken folgt. Wenn jemand in meiner Küche Dinge auf eine Art benutzt, für die sie nicht vorgesehen sind, greife ich ein, genauso wie ich meckere, wenn jemand in meiner Küche Dinge an eine Stelle verräumt, wo sie nicht hingehören.
Meine Küche funktioniert für mich nur, wenn sie nicht verändert wird. Und weil mir Effizienz so wichtig ist, achte ich sehr darauf, dass nichts verändert wird.

Nur sind genau dies leider Situationen, die häufig vorkommen, wenn also meine Schwester in meiner Küche "mithilft", benutzt sie Dinge so, wie es nicht vorgesehen ist oder räumt Dinge an falsche Stellen, weil sich meine Küchenabläufe wahrscheinlich vollständig von dem unterscheiden, was für sie intuitiv gewohnt und damit richtig ist.
Das alles liegt daran, dass die Grundidee, die die Organisation meiner Küchenabläufe bestimmt, wahrscheinlich überhaupt keine Gemeinsamkeiten hat mit der Grundidee, die ihre Küche bestimmt. Und dann kann es nicht gutgehen, wenn man aus derart verschiedenen Welten kommt, dass man dann meint, trotzdem störungsfrei zusammenarbeiten zu können.

Mir persönlich ist die Außenwirkung meines Haushaltes vollkommen egal. Bei mir muss es weder besonders sauber noch besonders dekorativ aussehen. Tischdecken zB finde ich enorm überflüssig, weil die nur schmutzig werden. Wenn sie bekleckert wurden muss man sie waschen, dann bügeln, was für ein Aufwand, schneller geht es, wenn man einen bekleckerten Tisch einfach nur abwischt - und fertig.
Mir persönlich ist auch vollkommen egal, was andere Leute von meinem Haushalt halten. Da ich kein Interesse an Repräsentation habe, muss ich mich auch nicht um optischen Firlefanz kümmern. Sehr bequem.
Und natürlich muss ich all die ideologischen, ethischen, ökologischen, überzeugt gesundheitlichen Aspekte nicht beachten, eben genau deshalb, weil es mich nicht interessiert.

Das alles ist nicht kompatibel mit der Vorstellung eines Haushaltes, wie ihn meine Schwester pflegt.
Für sie ist Haushalt hauptsächlich eine Belastung und sie hasst Hausarbeit. Mit der Grundhaltung ist es verständlich, dass sie meint, ich müsse mich freuen, wenn sie mir hilft und deshalb kann sie gar nicht verstehen, wenn ich an dieser großzügigen Hilfe rumkritisiere.

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