anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 3. Januar 2017
Der Spruches Tages
kam von Joscha, der einen aufkommenden Streit zwischen meinem Westfalenmann und mir kurzerhand dadurch abwürgte, indem er mir erklärt, dass ich nicht westfälisch genug sei, um K.s Bemerkung zu den Arbeitsgewohnheiten des L. überhaupt verstehen zu können. Der L. ist nämlich immer schon um 5h im Büro, weil er da so herrlich ungestört arbeiten kann.
Dass der L. immer schon um 5h im Büro ist, bemerkt mein Herr K. in recht regelmäßigen Abständen. So alle drei bis sechs Monate stellt er fest, dass der L. immer schon um 5h im Büro ist. Und immer, wenn ihm das einfällt, erzählt er mir das auch, mit einer ausführlichen Erklärung, warum der L. das macht. Okay, westfälisch ausführlich, aber es sind jedesmal mindestens drei bis vier Sätze, die er dazu erläutert, die bei mir natürlich den Eindruck erwecken, er will mir was wichtiges mitteilen. Denn so ein Redeschwall ist sonst ja eher ungewöhnlich.
Als mein Herr K. mir das erste Mal von den frühen Arbeitszeiten des L. erzählte, war ich deshalb sehr bemüht, das Thema ernsthaft aufzugreifen und tiefsinnig über die möglichen Gründe für diesen grundsätzlich doch eher ungewöhnlichen Arbeitsrhythmus zu disputieren. Ich lernte jedoch schnell, dass mein Herr K. da gar nicht weiter drüber reden will. Vielleicht ist er von dem langen Redeschwall erschöpft, das weiß ich nicht, denn drei bis vier Sätze an einem Stück sind ja schon viel, vielleicht gibt es aber auch andere Gründe, die mich seitdem durchaus interessieren. Ich reagiere deshalb jedesmal anders, wenn K. mal wieder die Arbeitszeiten des L. erwähnt, wobei ich bisher aber weder die richtige Reaktion gefunden habe, noch eine Erklärung, warum K. nach der Erzählung das Thema nicht weiter diskutieren möchte.
Heute also war es mal wieder soweit, K. berichtete ausführlich von L., der jeden Morgen schon um 5h im Büro ist und ich antwortete fröhlich: "Ja fein, dann mach das doch auch."
Erwartungsgemäß schnappte K. sofort ein, weil für ihn das Thema nach seiner Rede ja beendet war und erklärte mir knapp, dass er das damit gar nicht hätte sagen wollen. Solche Vorlagen lasse ich mir natürlich nicht entgehen und fragte neugierig zurück, was er denn sonst damit hätte sagen wollen und richtete mich schon amüsiert auf einen netten Streit ein, aber genau da ging J. dazwischen und bremste mich aus, indem er mir mangelndes Westfalenverständnis attestierte.
Westfalen sagen sowas eben manchmal so, sie wollen dann gar nichts damit sagen, weder damit noch dadurch oder danach oder irgendetwas anderes Kompliizertes.
Sie wollen es einfach nur so sagen und dann ist auch wieder gut. Sie sind eben so.
Aber vielleicht finde ich meinen Westfalenmann auch genau deshalb so ungemein witzig.
Er sagt es eben einfach so, er will schließlich auch mal was sagen. Damit das dann aber nicht zu anstrengend wird, benutzt er gern Altbewährtes. Wenn er sich tatsächlich mal die Mühe gemacht hat, vier bis fünf Sätze als ganze Geschichte auszuformulieren, wäre es doch Verschwendung, wenn er so einen Text dann nur einmal vorträgt. So alle drei bis sechs Monate ist so eine Geschichte doch so gut wie neu. Und dann ist ja auch erst mal wieder gut, mit dem Geplauder
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