anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 12. Juni 2016
Nachwehen
Totgeschwiegen
Eingefroren
Versteinert
Kaputt

Es mag Menschen geben, die mit ihrem Leben zufrieden sind, wenn die äußere Hülle, also das Bild nach außen, eine heile Welt darstellt. Was dadrunter steckt, wie die Welt wirklich ist, das interessiert dann nicht.
Die schweigt man tot. Die friert man ein. Die negiert man.
"Darüber möchte ich nicht reden."
Klar, ist ja auch entschieden einfacher.
Probleme sind nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Nachher kommt noch jemand und macht die ganze, wunderbar rosa gepinselte Scheinrealität einfach kaputt, in dem er Sachen sagt wie "Das finde ich nicht in Ordnung."
oder noch schlimmer: "Du bist kein guter Mensch, du machst dir dein Leben einfach - auf Kosten anderer. Dich interessiert nicht, wie es den anderen geht, wenn du deine Welt nur rosa anpinseln kannst."

Ich habe diesen Satz im Ohr: "Wir sind auf der Welt, um anderen Menschen eine Freude zu machen." So oft gehört - und nie bedacht, wie der andere das lebt. Denn was eine Freude ist für mich, entscheidet natürlich derjenige, der mir diese Freude macht, und das ist grundsätzlich das, was er selber gut findet. Und ich habe mich dann selbstverständlich zu revanchieren, am liebsten auf die gleiche Art.

Mein Vater kaufte mir Sahnetorte. Er wollte mir eine Freude machen.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Sahnetorten gemocht. Genau genommen finde ich Sahnetorten sogar ziemlich eklig, ich mag einfach kein süßes Zeug.
Mein Vater dagegen liebt Sahnetorten, und er reißt sie sich vom Herzen, um mir eine Freude zu machen.

Ich kann dabei nur verlieren. Entweder würge ich mir diese widerliche Sahnetorte irgendwie rein und versuche, nicht sofort auf den Tisch zu kotzen - oder ich habe den schwarzen Peter, weil ich mich mal wieder anstelle.
"Ich wollte dir doch nur eine Freude machen."
Ja, schon klar, und ich bin diejenige, die sich mal wieder schlecht benimmt. Jeder liebt Sahnetorte, nur ich muss aus der Reihe scheren.
Wenn ich dann tatsächlich sage, ich möchte keine Sahnetorte, wird geseufzt.

Was für ein unfaires und ungleich gewichtetes Spiel das ist, merkt man erst, wenn man feststellt, dass man selber kaputt gegangen ist dabei.
Mir macht Sahnetorte Magengeschwüre.
Ich kann davon nicht schlafen und heule tagelang vor mich hin, weil mir so schlecht ist.

Es ist so entsetzlich verlogen.

Aber warum lasse ich mich immer wieder darauf ein und warum verdammt noch mal, fressen alle Leute ständig Sahnetorte?

Und noch was: Wenn ich diesen völlig schwachsinnigen Text "Wir haben überlebt" über die heldenhafte Kindheit der 60er/70er Jahrgänge noch einmal irgendwo vorgelegt bekomme, kotze ich mindestens fünf ganze Sahnetorten auf einen Schlag auf das Manuskript und stecke anschließend noch die Bude in Brand.
Ernsthaft.
Punkt
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