anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 16. November 2021
Podcasts
Früher, d.h. also rund 38 Jahre lang, habe ich beim Autofahren üblicherweise Radio gehört. Ich hatte zwar immer, nein, falsch, die ersten vier Jahre nicht, aber danach immer, ein Autoradio mit Cassettendeck bzw. als Cassetten aus der Mode kamen, hatte ich erst einen CD-Wechsler und heute einen SD-Karten-Schacht und eine sehr große Festplatte sowie einen iPhone-Anschluss, der ja erst recht das fast unlimitierte Abspielen von Musik oder anderen persönlich kuratierten Audioinhalten ermöglicht - aber genutzt habe ich diese Möglichkeiten nur, wenn ich das Sendegebiet von NDR oder WDR verlassen habe.

Natürlich besaß ich selbstgemachte Cassetten und später auch in großen Mengen selbst zusammengestellte CDs, und natürlich hatte ich diese Musiksammlungen auch immer im Auto dabei - gehört habe ich sie aber selten, weil halt üblicherweise das Radio lief.

Interessanterweise fällt mir erst jetzt, wo ich so darüber nachdenke, auf, dass ich außer NDR und WDR keinen Radiosender je so attraktiv fand (und finde), dass ich ihn länger beim Autofahren ertragen konnte. Wenn ich bei überregionalen Autofahrten das lokale Sendegebiet verließ, war Radiohören sofort nicht mehr die Nummer 1 meiner Hörvorlieben.

Bei den WDR-Sendern hat da übrigens eine Verlagerung stattgefunden. Früher habe ich ausschließlich WDR2 gehört, WDR4 war dagegen das Rentnerprogramm, da liefen ausgesprochen uncoole deutsche Schlager oder - noch schlimmer - Volksmusik.

WDR1 mochte ich noch nie, und weil ich es nie mochte, habe ich auch immer sofort weitergedreht, wenn es durch Zufall doch mal eingestellt war, ich weiß deshalb gar nicht, was für ein Programm da läuft, ich habe es ja nie gehört.

Irgendwann habe ich dann WDR5 entdeckt, da laufen interessante Wortbeiträge und Radiosendungen, die auch durchaus als Podcast durchgehen würden, aber manchmal wurden da auch Themen besprochen, die mich gar nicht interessierten oder es kamen reichlich schräge Menschen zu Wort, was mich dann auch wieder nervte, so dass ich meistens immer noch WDR2 als "Hauptprogramm" hörte.
Immerhin wurde ich dort auch regelmäßig mit aktuellen Nachrichten aus aller Welt versorgt und die Musik war okay.

Bis ich schon vor einigen Jahren feststellte, dass ich mittlerweile alt genug für WDR4 bin. Vor allem die Musik gefällt mir dort inzwischen sehr viel besser als das Mainstreamchartgedudel auf WDR2, die heutige Rentnergeneration hört halt weder Volksmusik noch deutsche Schlager, die aktuelle Zielgruppe hört offensichtlich lieber Oldies - also genau die Musik, die ich auch mag.
Gleichzeitig habe ich mich aber auch immer ein wenig geschämt, wenn ich WDR4 hörte, sooo alt bin ich jetzt schon, soweit ist es mit mir gekommen, aber die heutigen Rentner stehen halt auf die Musik ihrer Jugend und da hilft das alles nichts, das ist eben auch meine Musik.

Nun ja, vielleicht fiel es mir auch deshalb im Grunde recht leicht, von Radio auf Podcasts umzusteigen, WDR5 mochte ich ja schon lange und Podcast sind die optimierte Variante, ich wähle meine bevorzugten Redebeiträge einfach selber aus.

Hörbücher finde ich auch gut für lange Autofahrten, aber Hörbücher haben den Nachteil, dass man wirklich hintereinanderweg aufmerksam zuhören muss, was mir beim Autofahren oft schwerfällt.

Aus diesem Grund höre ich schon seit längerem grundsätzlich einen Podcast, wenn ich alleine mit dem Auto unterwegs bin.
Üblicherweise bin ich das jeden Tag zweimal je 20 Minuten, einen Podcast, der knapp anderthalb Stunden läuft, habe ich also nach zwei Tagen durchgehört.
Ab und zu fahre ich auch mal längere Strecken alleine, wenn ich zB den Vater in Leer besuche, dann habe ich mehr als drei Stunden "Hörzeit", die ich mich Podcasts fülle.

Meine Podcastvorlieben wechseln dabei immer mal.
Fast anderthalb Jahre lang habe ich alle Folgen des Coronavirus-Updates mit Christian Drosten gehört, inzwischen bin ich aber aller Infos über Corona so überdrüssig, dass ich mir sogar Mühe gebe, aktiv nichts mehr zu diesem Thema mitzubekommen, ich kann es einfach nicht mehr hören und es interessiert mich auch nicht mehr.
Ich denke, ich weiß inzwischen alles, was es für Nichtfachleute dazu zu wissen gibt, ich lasse mich in drei Monatsabständen immer wieder neu impfen, der Vorteil von zwei Adressen sind halt auch zwei zeitlich versetzte Impfzertifikate, das passt also sehr gut, denn seitdem ich verstanden habe, dass zuviel geimpft so schädlich ist wie zuviel Vitamin C, im schlimmsten Fall kriegt man Dünnpfiff oder so, aber der Körper organisiert sich selber, was er von der Impfspritze braucht und was nicht, so dass mich alle anderen Infos nicht mehr interessieren. In meiner radikal antisozialen, vollkommen empathiefreien und autismusnahen Universalmeinung fehlt mir jedes Verständnis für Menschen, die nicht gegen die Seuche geimpft sind. Gleichzeitig würde ich aber auch niemanden zwingen, sich impfen zu lassen, ich würde nur für erkrankte Ungeimpfte wieder sowas wie früher die Pesthäuser neu erfinden, da können sie dann liegen und mitsamt ihrer Überzeugung und ihrem freien Willen entspannt unter Ihresgleichen vor sich hin coronieren, chacun à son goût, aber dass sie wegen ihrem freien Willen und ihrer freien Entscheidung anderen zusätzlich Arbeit machen und für unfreiwillig Erkrankte die Intensivbetten blockieren - nun, das finde ich halt genauso wenig okay, wie die Einführung einer Impfpflicht.

Da solche radikalen und menschenverachtenden Vorschläge aber eh nicht zur Debatte stehen, habe ich auch keine Lust, mich überhaupt in irgendeiner Form weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Ich gebe mir einfach nur maximal viel Mühe, mich selber nicht zu infizieren und einer Ansteckung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorzubeugen. Wenn das jeder täte, wäre die Seuche sicherlich ein deutlich kleineres Thema für die Gesellschaft. Und damit ist für mich auch alles gesagt, was es zu diesem Thema zu sagen gibt.

Weil ich für den Drosten-Podcast also einen Ersatz finden musste, war ich vor ein paar Wochen sehr begeistert, als ich erfuhr, dass Markus Lanz und Richard David Precht gemeinsam einen neuen Podcast gestartet haben.

Richard David Precht ist einer der Menschen, denen ich sehr, sehr gerne zuhöre, weil ich finde, dass er viele Themen genau so aufbereitet, dass ich mich in seiner Argumentation komplett wiederfinde, gleichzeitig bewundere ich ihn für seine klaren Begründungen und Schlussfolgerungen sehr, kurz also: Ich bin ein echter Precht-Fan.

Ich kann sehr gut verstehen, wenn Menschen ihn ablehnen, weil seine Haltung oft ziemlich kalt und rational ist, aber genau diese mangelnde Gefühlsduseligkeit ist das, was ich bei ihm so besonders schätze. Ich bin der festen Überzeugung, dass die heute so modernen moralischen Befindlichkeiten weder in der Natur noch in der Realität eine stabile Mehrheit haben, sondern schlicht nur dekadente Auswüchse einer extrem realitätsfernen intellektuellen Schickeria sind, die sich von den tatsächlichen Alltagsproblemen der Mehrheit der Menschen soweit entfernt haben, dass es schon fast an die Naivität einer Marie-Antoinette heranreicht.

Aber, um mich zu wiederholen, jeder wie er mag, mir persönlich sind nur die allermeisten Themen, die heutzutage gerne als Aufregungstrigger hochgejazzt werden, komplett wurscht und ich mag es, wie Herr Precht diese Themen als belanglosen Kinderkram abkanzelt und einfach unbeeindruckt weitermacht.

Und deswegen mag ich diesen Podcast, der seit einigen Wochen jeden Freitag gesendet wird, sehr und denke, es finden sich dort viele interessante Nachdenkanregungen
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