anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 31. Juli 2016
Der Gasherd
Der Herd ist wieder refurbished.
Renoviert trifft es nicht ganz, im englischen Wort to refurbish steckt auch "fur" und ich finde, das trifft es in diesem Fall viel besser: Das Fell des Herdes wurde aufpoliert.
Denn: es war weggeputzt.

Ich gebe zu, ich habe eine Gasherdmanie. Das äußert sich vor allem darin, dass ich finde, so ein Gasherd muss regelmäßig geputzt werden, denn nichts dreckt schneller und bösartiger ein als ein Gasherd. Und nichts ist ätzender sauber zu machen, als ein lange nicht geputzter Gasherd.
An vielen Stellen im Haushalt winke ich den blitzblanken Vorzeigeputzwahn einer guten Hausfrau ganz entspannt durch. Fensterputzen zB finde ich gar nicht wichtig und habe immer wieder die Erfahrung gemacht, wenn man Fensterputzen einfach ausfallen lässt, ist es beim nächsten Mal nicht doppelt so viel Mühe, sondern gleich viel, so dass ein ignorierter Fensterputztermin keinerlei negative Folgen hat außer, dass man halt ein paar Wochen länger keine sauberen Fenster hat.
Dasselbe gilt für Staubsaugen und (eingeschränkt) auch für Badputzen und viele andere Putzaufgaben.
Wenn man so einen Gasherd aber länger nicht saubermacht, dann brennt der Dreck richtig ein und es wird immer komplizierter, ihn überhaupt noch zu lösen.
Deshalb putze ich meinen Gasherd regelmäßig und verlange auch von allen fremden Hausbenutzern, dass sie den Gasherd sauber hinterlassen, wenn sie wieder fahren.
Da fast alle Menschen, die mich kennen, meinen Zorn fürchten, denn ich kann mich schon über Kleinigkeiten, die nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle, sehr aufregen und starte gewaltige Niedermachtiraden, weil ich halt immer denke, ich habe doch gesagt, wie ich es haben will, wenn es jemand dann trotzdem anders macht, dann soll er das in seinem eigenen Leben machen, aber nicht meines damit belasten.
Ich habe zu sehr vielen lästigen Dingen genausowenig Lust wie die meisten anderen Leuten auch, aber weil ich mich unterm Strich für bestimmte Sachen eben grundsätzlich verantwortlich fühle, fühle ich mich oft genötigt, Dinge zu tun, über die ich mich ärgere, dass ich sie überhaupt tun muss, da ich sie nur deshalb mache, weil ich nicht in der Lage bin, mit den Schultern zu zucken und sagen "ist mir doch egal".
Mein Gasherd ist eines dieser Dinge, die mir wichtig sind, ich möchte gerne einen sauberen Gasherd haben und ärgere mich über schwarze Flecken, die nur deshalb nicht mehr weggehen, weil sie jemand nicht rechtzeitig genug weggeputzt hat.
Ich rege mich also auf, wenn jemand meinen Gasherd benutzt und nicht ordentlich sauber macht.
Da das alle Leute, die mein Haus ohne mich benutzen, wissen, wischen, wienern, polieren und schrubben alle Leute diesen Gasherd wie irre - und haben dabei leider auch die gesamte Beschriftung der Drehknebel weggeputzt.
Ich gebe zu, das wird sicher daran gelegen haben, dass es mir alle Leute, die diesen Herd geputzt haben, besonders recht machen wollten, nur gibt es halt diesen blöden Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht.

Wie auch immer - die gesamt Beschriftung um die Drehknöpfe herum war eines Tages weggeputzt und ich habe geflucht und getobt und geschimpft wie irre, denn ich konnte den Backofen nicht mehr bedienen, weil ich ja gar nicht wusste, welche Einstellung welche Folgen hatte.
Damals lebte CW noch und ich habe ihn dafür natürlich besonders angeschimpft, CW war immer ein idealer Anschimpfpartner, der hat wenigstens korrekt zurückgeschimpft und ich konnte meine Wut über die fehlenden Beschriftungen wenigstens in einem gepflegten Streit wunderbar abbauen.

Dann wollte ich den Herd erst mal gar nicht benutzen, dann wollte ich einen neuen und dann habe ich festgestellt, dass die nicht funktionierende Heißluftfunktion nicht daran lag, dass ich die richtige Einstellung nicht mehr fand, sondern dass schlicht die Heißluftfunktion kaputt war. Nachdem mein Onkel dann irgendwann einen neuen Heißluftquirl eingebaut hatte, tat es der Ofen auch wieder in allen Einstellungen und ich habe die Gelegenheit genutzt, als der Ofen in Einzelteile zerlegt war, die abgebaute Frontblende mal eben komplett zu putzen und dann alle fehlenden Zeichen durch eine mit Edding selbstgemalte Beschriftung zu ersetzen, so dass ich künftig wenigstens erkennen konnte, welche Schalterstellung welche Hitze auslöst.
Das war nicht hübsch, aber praktikabel:



Danach wurde der Ofen aber wieder benutzt und wieder geputzt und Edding ist halt auch nicht so wirklich haltbar, auf alle Fälle war wieder alles ab und zusätzlich auch ziemlich fettig, weil sich zwar jeder bemühte, so gut es geht zu putzen, sich aber niemand mehr traute, wirklich vernünftig zu putzen, so dass das Gesamtergebnis ziemlich miserabel war.

Bis meine Schwester sich anbot, den Herd einmal komplett und ganz ordentlich zu putzen und meine Tochter sich bereit erklärte, alle fehlenden Symbole wieder nachzuzeichnen.

Und jetzt sieht es so aus und ich bin ziemlich begeistert:



Nun fehlt nur noch eine Idee, wie man das dauerhaft haltbar machen kann
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Das ist aber wirklich sehr gut gelungen.

Zum haltbar machen - vielleicht kann man eine neue Familientradition schaffen, den jährlichen Refurbationstag, an dem Tochter und Schwägerin sich dem Herd widmen und es (davor oder danach) besonders gutes Essen und Getränke gibt?

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Refurbationstag
finde ich ja spontan eine wirklich wunderbare, künftige Familientradition.
Gute Getränke gehören dann ganz unbedingt dazu, wenn wir den Tag alljährlich im Sommer abhalten, steht auch die Minze im Kräutergarten immer gut im Kraut, Mojito zur Refurbation hört sich für mich deshalb wie ein perfektes Paar an. Jetzt muss ich nur noch die beteiligten Künstler von dieser Idee überzeugen. Und vielleicht mit Gambas al ajillo locken, ich glaube, da geht was.

 
Kann man da nicht eine Art Schutzschickt drüber machen ... analog einer Lackschickt bei Holz?

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ich fürchte
es gibt keinen Klarlack, der die Temperaturen aushält

 
Dremel
Das sieht gut aus, ich würde die Beschriftungen mit einem Dremel Glasritzaufsatz in den Edelstahl reinfräsen, die Rillen kannst du dann nach belieben füllen, aber auch gut putzen. Nur nicht zu stark polieren:-)

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das hört sich nach einer guten Idee an. Ich glaube, einen Dremel habe ich sogar, d.h. dass ich einen Dremel habe, weiß ich genau, aber ich glaube, ich habe auch einen Glasritzaufsatz. Man könnte sich ja mal ein Stück Edelstahlblech besorgen und es daran ausprobieren.
Wobei mir die Idee mit dem Refurbartionstag auch sehr gefällt, aber den könnte man dann ja jährlich zum Auffrischen der Rillen benutzen. Ich glaube, so machen wir das.