anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 23. Juli 2016
Zurechtruckeln
In meiner Abwesenheit waren andere Menschen hier im Haus. Zwar aus meiner Familie, also keine Fremden, aber eben Menschen, die in diesem Haushalt nicht zuhause sind, die aber zehn Tage in diesem Haushalt wie in einem eigenen gelebt haben und dabei natürlich viele Dinge benutzt haben. Das hat zur Folge, dass die Dinge teilweise nicht mehr so stehen, wie sie vorher standen - und das bedeutet, dass ich heute den ganzen Tag geräumt habe. Weingläser nach rechts, Sektgläser nach links, standen leider andersrum. Kaffeebecher: die aus Steingut nach links, dann die weniger schönen in die hintere Reihe und die schönen, also die, die man (=ich und die Menschen, die mit mir leben) als erste benutzen, nach vorne. Die bunt glasierten schließlich ganz nach rechts, dabei nach groß und klein sortiert. Die Kaffeebecher waren alle durcheinander.
Ich glaube, ich wäre auch als Autist eine gute Besetzung. Es macht mich nämlich ganz unruhig, wenn Dinge nicht da stehen, wo sie hingehören, bzw. da, wo sie eben sonst immer stehen. Bei MIR sonst immer stehen.
"Hingehören" beinhaltet schon eigene Wertung und dann kann man sich trefflich darüber streiten, ob Tomaten in Kühlschrank oder in die Obstschale gehören. Bei mir stehen Tomaten einfach auf dem Küchentisch, weil ich im Grunde gar nicht weiß, wo sie hingehören, aber genau weiß, wo ich sie nicht haben will, nämlich weder im Kühlschrank noch in der Obstschale.
Und so geht es mir mit ganz vielen Dingen, die haben einfach irgendwann ihren Platz an einer bestimmten Stelle gefunden und dann will ich sie auch nicht an einer anderen Stelle haben. Den Zuckerstreuer habe ich heute ausführlich gesucht und schließlich J. gerufen, dass er mir suchen hilft, weil der Zuckerstreuer eben nicht da war, wo er (bei mir) hingehört, vor die Kochlöffel auf der Arbeitsplatte.
Wir haben den Zuckerstreuer schließlich gefunden: Er stand im Regal neben der großen Zuckerdose. Ich meine, hallo? Wer sucht den Zucker denn auch neben dem Zucker?
Gleichzeitig mag ich aber auch keine geschlossenen Schränke in der Küche, weil ich mir nie merken kann, wo die Sachen sind, wenn ich sie nicht sehe und ich bei geschlossenen Küchenschränken sofort dieses leidige Memory-Syndrom entwickele: achtmal an derselben Stellen nachgucken, ob die Maggiflasche nicht vielleicht doch hinter der zweiten Tür rechts oben ist und einfach nicht lernen, dass sie dort nicht steht.
Dass alle Dinge immer an derselben Stelle stehen müssen, ich aber keine geschlossenen Schränke mag, weil ich mir nicht merken kann, was wo steht, ist nur scheinbar ein Widerspruch.
Ich merke mir immer, wie etwas aussieht und bemerke dann natürlich sofort, wenn es nicht so aussieht, wie es aussehen sollte. Das heißt aber nicht, dass ich auch aktiv sagen kann, was wo ist. Das heißt nur, dass ich aktiv sagen kann, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Wenn ich bei einem Küchenschrank die Tür aufmache, dann sehe ich auch sofort wieder, ob da jemand Fremdes geräumt hat.
Ich sach ja - als Autist bin ich gut.

Um mich also in meinem eigenen Haus wieder zuhause zu fühlen, musste ich heute immer wieder umräumen. Das Blöde ist, dass ich ja eben nicht sagen kann, wie es sein muss, sondern nur sehe oder fühle, wenn es (noch) nicht richtig ist. Meine Töpfe stehen immer noch nicht richtig, da habe ich heute mehrfach dran rumgeräumt, aber irgendwas ist immer noch falsch.
Ich glaube, morgen räume ich einfach alle einmal aus und dann wieder ein, dann wird es von ganz alleine richtig ausgehen.

Und weil ich einmal so eifrig beim Räumen war, wollte J. auch was geräumt haben, nämlich das Regal in seinem Zimmer neu sortiert und alles raus, was nicht von ihm ist. Da in seinem Regal die Bettwäsche für das gesamte Haus lag, bedeutete das, dass ich jetzt für jedes Zimmer zwei Satz Bettwäsche ausgesucht habe - und alles, was übrig blieb in einen großen blauen Sack zur Altkleidersammlung gesteckt habe. In den anderen Zimmer musste ich dann noch die Schränke so umräumen, dass dort jetzt auch Bettwäsche reinpasst, was bei C. im Zimmer dazu führte, dass ich ihren Kleiderschrank kurzerhand komplett ausgeräumt, von innen gründlich ausgesaugt und dann mit Febre*e ausgesprüht habe, den Inhalt durchsortiert, ein Drittel aussortiert und den Rest komplett durchgewaschen habe, damit endlich wieder alles frisch riecht und der Muffgeruch (Duftmarke: unbewegter Kleiderschrank) verschwindet.
Ich finde ja, Wegwerfen ist immer wieder eine geniale Idee.
Jetzt nur noch ein bisschen hier und dort Räumen - und dann ist endlich wieder alles richtig und schön und zuhause
.

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