anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 25. Juli 2016
Meinungsabgründe
Manche Blogeinträge haben ja etwas von "Handtuch auf der Liege" - , dieser zum Beispiel, das gebe ich zu.
Denn eigentlich ist jetzt schon morgen, weil ich aber als Datum noch unbedingt den 25.7. erwischen wollte, musste ich um 23.56h blitzschnell einen "under construction"-Beitrag offline speichern, an dem ich jetzt nachträglich noch etwas rumschreiben kann.
In solchen Situationen ist ein Handy, in dem alle Passwörter und Zugangsdaten schon fest gespeichert sind, sehr praktisch, denn dann lassen sich solche Handtuch-Beiträge auch während eines Gesprächs ganz unauffällig nebenbei schon mal im Blog platzieren - die Feinheiten kann man dann ja später nachpolieren.
Wir hatten heute nämlich ein Gespräch.
Ein sehr langes Gespräch, ein sehr ausführliches Gespräch, ein sehr intensives Gespräch.
Es ging um Missverständnisse und unterschiedlich interpretiertes Rollenverhalten. Diskrepanzen auf der Sender- und Empfängerebene (Das habe ich doch gar nicht so gemeint. - Es kommt aber anders an.) und um die Frage wie lange "nie" und "für immer" dauert.

Es gibt viele Dinge, zu denen habe ich gar keine endgültige, persönliche und überzeugte Meinung, trotzdem kann ich da wunderbar drüber diskutieren, nehme dabei aber jede gewünschte (oder freie) Meinungsposition an, denn Hauptsache ist doch, es gibt überhaupt verschiedene Meinungen, sonst kann man ja nicht diskutieren, sondern sich nur in Übereinstimmung suhlen.
Beim Diskutieren wiederum ist nicht nur die objektive Qualität eines Argumentes von Bedeutung, sondern auch die rhetorische und emotionale Überzeugungskraft des jeweils Vortragenden. Und wenn ich dann eine Meinung übernommen habe (d.h. also, ich habe die Rolle übernommen, eine bestimmte Meinung zu vertreten), dann vertrete ich sie auch so gut es geht, schließlich ist das ja der Sinn des Spiels, zumindest so wie ich das Spiel verstehe und betreibe.
Dass es dann einzelne Mitspieler irritiert, wenn ich nächste Woche, an einem anderen Spieltisch Diskussionstisch, eine komplett andere Meinung vertrete, vielleicht weil die zufällig grade frei war und noch einen Vertreter brauchte, dann kann ich das verstehen, aber nicht ändern.
Für mich ist es weder ein Zeichen von Unzuverlässigkeit, wenn ich regelmäßig meine Meinung ändere, noch empfinde ich mich als flatterhaft oder promiskuitiv. Ich finde, jeder darf mal jede Meinung benutzen, das übt, hält wach und flexibel.

Zu anderen Dinge habe ich aber durchaus eine sehr dezidierte und individuelle Meinung, nur die entspricht sehr häufig nicht den gängigen, gesellschaftspolitisch korrekten "das denkt man heute so" Vorgaben.
Da ich "Meinung haben" aber schon von klein auf immer intensiv trainiert habe, kann ich natürlich meine ganz eigene und individuelle Meinung in aller Regel sehr eloquent, wortgewaltig und für manchen einschüchternd und brutal ausschließend vortragen.
Das macht mir mancher gern zum Vorwurf, was mich dann tatsächlich jedes Mal einigermaßen sprachlos macht.

Was dieses Blog betrifft, so habe ich hierzu eine sehr lange überlegte und inzwischen fast abgeschlossene, persönliche Meinung:
Ich finde, ich darf mich über Dinge, die ich irgendwo beobachtet habe, hier an dieser Stelle so oft und solange lustig machen, wie ich das will. Und genausogut darf ich mich auch über Dinge/Menschen/Sachverhalte oder Umstände aufregen und auch das so oft und so lange wie ich das will.
Denn das hier ist mein Blog und ich verweigere jede Sorte Zensur, die sich auf hinterhältig leisen Pfoten durch die Hintertür versucht einzuschleichen.

Ich weiß, dass es Leute gibt, die lesen hier nur mit, um sich über mich aufzuregen.
Ich finde das grundsätzlich sehr praktisch, denn so gelingt es mir, Leuten etwas mitzuteilen, die ansonsten nicht mit mir reden wollen.
Worte machen Dinge wahr - und genau deshalb sage und schreibe ich Sachen, über die sich andere Leute aufregen, denn ich glaube an die Macht des Faktischen, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, ich muss dafür ein Einhorn bluten lassen.
Ich gehe bewusst das Risiko ein, dass mein Leben dadurch verflucht ist, aber vielleicht auch nur deshalb, weil ich denke, ich habe doch sowieso nichts zu verlieren. Denn hey, was kann im schlimmsten Fall passieren? Dass mich Leute, die sich über mich aufregen, nicht leiden können? Und dass diese Leute dann zu anderen Leuten gehen und denen intensiv versuchen klarzumachen, was ich für ein schlechter Mensch bin? Was ich für schlechte Meinungen habe, was ich für böse Dinge schreibe und dass eshalb jeder.... - ja, was eigentlich? Nicht mehr mit reden sollte?
Hmmm, ganz ehrlich? Dann soll das so sein. Wer nicht mit mir reden will, der muss das nicht.
Das Risiko, dass ich am Ende aller Tage komplett vereinsamt, frierend und depressiv in einer Mansarde mit Loch im Dach sitze und auf den trommelnden Regen lausche, weil sich mir sonst niemand anderes mehr zuwendet - dieses Risiko gehe ich dann eben sehr bewusst ein

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