anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 5. Juli 2016
Zähneputzen
Das Zähneputzen heute morgen ist mal wieder daneben gegangen.
Nicht, dass ich vergessen hätte, meine Zähne zu putzen, nein, nein, das nicht, geputzt habe ich, denn dazu treibt mich schon der schale Mundgeschmack am Morgen, den ich nur mit Zahnpasta vertreiben kann, ich habe heute morgen nur meine Zähne mal wieder nicht richtig geputzt.
Richtiges Zähneputzen ist nämlich eine komplizierte Angelegenheit.
Wer je diese gemeinen Färbetabletten vom Zahnarzt bekommen hat, mit dem er nachweist, wo alles noch nicht weggeputzter Dreck auf und zwischen den Zähnen sitzt, der weiß, wovon ich rede.
Ganz früher habe ich ja immer behauptet, ich putze meine Zähne ordentlich, bis mich mein eigener Zahnarzt beim Wort nahm und mir mit diesen Färbedingern bewies, dass ich da wohl einer gewaltigen Selbstüberschätzung unterlag.
Nun denne, seitdem backe ich diesbezüglich kleine Brötchen und habe vor allem technisch aufgerüstet, damit ich wenigstens von dieser Seite die maximale Unterstützung bekomme.

Mit einer einfachen, mechanischen Zahnbürste wäre ich wahrscheinlich nie in der Lage, meine Zähne so zu putzen, dass der Zahnbelag entfernt ist und gleichzeitig das Zahnfleisch überlebt. Der Trick ist nämlich nicht das feste Rubbeln, sondern das gleichmäßige überall scheuern und das am besten mit wenig Druck (sonst nimmt das Zahnfleisch übel.)
Also besitze ich seit langem eine elektrische Zahnbürste, damit komme ich auf alle Fälle schon mal besser klar als mit einer mechanischen.
Ein weiteres Problem ist auch, dass man, um wirklich überall gescheuert zu haben, eine entsprechende Menge Zeit braucht.
Früher hieß es, man muss drei Minuten putzen, mit elektrischen Zahnbürsten reichen schon zwei Minuten. Sagt der Hersteller, und mein Zahnarzt meint, man kann ihm da glauben.

Allein aus diesem Grund lohnt sich ja schon der Umstieg auf eine elektrische Zahnbürste, spare ich mir damit doch täglich zwei Minuten Zähneputzzeit. Ich putze meine Zähne nur morgens und abends, das mittags Zähneputzen habe ich schon vor Jahren kurzerhand mitsamt dem Mittagessen einfach abgeschafft.
Zwei Minuten pro Tag hört sich zunächst mal nicht viel an, aber ich habe mal nachgerechnet:
Das sind pro Monat schon 60 Minuten und pro Jahr also 12 Stunden. In 10 Jahren sind das 120 Stunden oder fünf Tage 24h nonstop Zähneputzen, die man damit spart. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie gräßlich das wäre, müsste man diese gesparte Zähneputzzeit tatsächlich zähneputzenderweise auf einen Schlag nachholen.
Das muss man ja zum Glück nicht, die gesparte Zeit hat man einfach frei, aber man könnte sie ja zum Beispiel in Arbeitszeit umrechnen, und dann stelle ich fest, dass ich selbst bei Mindestlohnbedingungen eine elektrische Zahnbürste im Wert von 51,- € schon nach einem halben Jahr reingespart habe.

Ich habe deshalb schon sehr lange eine elektrische Zahnbürste und finde das eine kluge Entscheidung.
Und weil das Besitzen einer elektrischen Zahnbürste bereits nach einem halben Jahr zu einem kostenrechnerischen Überschussgeschäft wird, habe ich mir vor einiger Zeit sogar das Topmodell unter den elektrischen Zahnbürsten geleistet. Ich habe jetzt eine Zahnbürste, die alle 30 Sekunden einmal brummt und leicht extra ruckelt, damit ich die vorgeschriebenen zwei Minuten auch optimal auf die vier Zahnreihen aufteilen kann.
Ich putze, unter günstigen Bedingungen, jetzt 30 Sekunden die vordere linke Seite, dann 30 Sekunden die vordere rechte Seite, dann die untere Reihe komplett von hinten und als letztes die obere Reihe komplett von hinten. So ein festes System dabei zu entwickeln ist sehr wichtig, damit man nicht aus Versehen eine Reihe ganz vergisst und dafür eine andere Reihe doppelt putzt.
Und unter günstigen Bedingungen klappt das auch sehr gut.
Es gibt aber Tage, so wie heute morgen, da mache ich den Fehler, beim Zähneputzen noch gleichzeitig an irgendetwas zu denken. Heute morgen zB habe ich noch mal über den Schmetterling nachgedacht, den ich gestern gerettet habe und der so außergewöhnlich wunderhübsch war und gleichzeitig so einen einsamen, verfrorenen, aber auch schüchternen Eindruck machte. Ob Schmetterlinge Einsamkeit empfinden können? Können Schmetterlinge depressiv werden? Was kann man tun, um Schmetterlingen gute Laune zu machen, damit sie nicht nur lächeln, sondern auch lachen? Und während ich so über den Seelenzustand von Schmetterlingen nachdachte, habe ich das Brummen und Ruckeln der Zahnbürste nicht bemerkt, so dass ich die Zahnputzflächen nicht rechtzeitig genug gewechselt habe. Als die Zahnbürste dann nach zwei Minuten das sehr deutliche Abschlussbrummen und -ruckeln machte, putzte ich immer noch versonnen an der unteren, hinteren Zahnreihe rum - und das heißt, dass ich die obere hintere Reihe noch gar nicht geputzt habe, dass aber meine Zahnputzzeit rum ist und dass ich jetzt keinen Maßstab mehr habe, wie lange ich die obere hintere Reihe noch putzen muss, weil ich ja auch nicht von vorne anfangen will, denn noch mal zwei Minuten wäre ja viel zu viel und dass ich überhaupt grade ganz wertvolle Zahnputzzeit verschwendet habe und insgesamt finde ich es dann alles ganz blöd, weil der Tag gleich zu Beginn schon so unsortiert startet.
Das macht mir schlechte Laune und ich bin sauer mit mir selber, denn prinzipiell finde ich Multitasking eine erstrebenswerte Eigenschaft, aber ich kann noch nicht mal gleichzeitig nachdenken und Zähneputzen.
Echt blöd. CW sagte immer, dass es ernst wird, wenn man zum Kaugummikauen stehen bleiben muss.
Soweit kommt es mit mir aber nicht, ich kaue kein Kaugummi mehr, seitdem sich diese Zahnputzprobleme häufen
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