anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 4. Juni 2016
MWM #7
Dass mein WM in vielen Dingen ein sparsamer Mensch ist, habe ich ja schon beschrieben.
Seine Sparsamkeit konzentriert sich dabei nicht nur auf die sorgfältig überlegte Verwendung von Worten, ihm ist auch jede Art von Materialverschwendung zutiefst zuwider.

Im Unterschied zu CW kann er (zum Glück!!) sehr wohl Dinge weg werfen, aber alle Verbrauchsmaterialien werden bis zum letzten Milligramm "ausgenutzt", was bedeutet, dass zum Beispiel eine Zahnpastatube erst dann entsorgt werden darf, wenn sie so leer ist, dass sich im Inneren der Tube maximal noch ein Vakuum befindet.

Im Laufe der Jahre habe ich aufgehört, das mit spitzen Bemerkungen zu kommentieren, sondern frage jedes Mal erst sorgfältig um Erlaubnis, ob ich eine meiner Meinung nach leere Zahnpastatube wegwerfen darf. Üblicherweise schaut er dann die Tube an und antwortet: „Da ist doch mindestens noch für drei Wochen Zahnpasta drin."
Ab dem Moment ist er für die nächsten drei Wochen dafür zuständig, mir die Zahnpasta auf die Bürste zu quetschen.

Neulich war die Zahnpastatube wieder alle, ich habe sie ihm ordnungsgemäß gebracht und: Er hat sie einfach in den Müll geworfen, obwohl mindestens noch fünf Gramm Zahnpasta drin gewesen sind.

Wahrscheinlich werden täglich in Deutschland tausende von Zahnpastatuben weggeworfen, in denen noch viel mehr Restinhalt verblieben ist, aber eben nicht von meinem Westfalenmann. Das hat er noch nie getan.

Jetzt bin ich sehr besorgt, ob es ihm gut geht, ob alles in Ordnung ist oder ob ich mit ernsthaften weiteren Ausfällen rechnen muss.
Wär wirklich schade drum, ich hab mich inzwischen schon so gut an ihn gewöhnt, so wie er ist
.
(Abgelegt in Westfalenmann und bisher 490 x anjeklickt)

... ¿hierzu was sagen?

 
Das ist bei meiner Frau anders. Bis hundert Euro fragt sie mich zu Tode, bis tausend fragt sie für jeden Euro einzeln, fünf- und sechsstellig entscheidet sie aus dem Bauch ;-)

... ¿noch mehr sagen?  

 
das wiederum finde ich völlig normal.
Supermarkteinkäufe zB sollten auch sorgfältig vorbereitet werden, jeder weiß, wie viel unnützes Zeug man kauft, wenn man ohne Einkaufszettel und dann auch noch mit Hunger einkaufen geht. Wenn man sich aber schon darauf vorbereitet, kann man es auch gleich richtig machen und den Einkaufszettel sauber ausdiskutieren.
Größere Anschaffungen oder Ausgaben sind ja eher Einzelfälle, da lohnt sich das Entwickeln einer formalen Organisation gar nicht.
Ich habe zB mal auf dem Rückweg vom Kindergarten ein Auto gekauft. Einfach so. Weil der 3jährige Sohn damals Riesenautofan war, bin ich mit ihm regelmäßig statt Spielplatz in ein Autohaus gefahren, das fand er viel spannender. Und um ihm genug Zeit zum Autogucken zu geben, musste ich ja immer die Verkäufer in ein ernstes Gespräch verwickeln, damit die uns nicht sofort wieder rauskomplimentierten. Grundsätzlich finden Autoverkäufer es nämlich erstaunlicherweise gar nicht so toll, wenn 3jährige Jungs sich näher mit den ausgestellten Fahrzeugen befassen.
Und im Rahmen so eines Gesprächs machte mir ein Verkäufer ein ganz ausgezeichnetes Angebot. Daraufhin habe ich kurzerhand den Bestellschein unterschrieben - und fand das völlig normal. Anschließend sind Sohn und ich noch zu Aldi gefahren, wo wir die vorher mit dem Mann besprochene Einklaufsliste abgearbeitet haben.

 
Die Auto-Geschichte ist großartig ;-)

Meine Frau wäre mit ihrem Bagger-begeisterten Sohn zu einer Baustelle gefahren und hätte das Haus gekauft. Was heisst hätte? Hat. Ohne Sohn, ohne Bagger, ohne Anschauen... Halb so wild, sie ist hübsch, sie kriegt das hin.

Aber Supermarkteinkäufe? Diskutieren? Nicht in diesem Leben. Außerdem ist Kochen mein Job, wenn ich etwas nicht habe, weil vergessen, muss ich improvisieren.

Mir ging es um Handtücher und solches Zeug, das sowieso in Mengen herumliegt.

Autos würde ich trotzdem nicht im Autohaus kaufen. Die kommen von selbst, wenn man ihnen die Zeit dazu lässt.

 
Na, diese Auto kam ja auch von selbst, man kann halt nicht immer bestimmen, wo genau sie herkommen.
In diesem Fall geht es um mein heißgeliebtes, gelbes Puntochen, was ich über 18 Jahre gefahren bin und nur sehr widerwillig dann gegen einen silbernen Beetle abgegeben habe.
Ich habe schon sehr früh immer ein Cabrio gehabt. Als ich dann Mutter wurde, habe ich nach einiger Zeit mein Cabrio (auch sehr widerwillig) gegen einen sehr viel vernünftigeren Golf getauscht. (Als einziger Trost blieb, dass es die Straßenrallyeausfertigung des Golf war, also Allradantrieb mit über 200PS, aber eben kein Cabrio mehr). Aber vermisst habe ich mein Cabrio von dem Tag an dauernd.
Und dann bot mir dieser Autoverkäufer ein Puntocabrio mit allen Extras, die ich sowieso gerne haben wollte und auch noch in quietschegelb für mehr als 20% Rabatt vom Listenpreis an - da musste ich das Auto einfach bestellen. Als Zusatzextraspaßauto einfach nur für mich. Selten habe ich einen Kauf weniger bereut als diesen. Wenn alle Autos kaputt gingen, die Welt in Scherben vom Himmel fiel - mein Puntochen fuhr immer weiter. Und wenn man richtigt stapelt, steht so ein Puntocabrio einer Großraumlimousine in keiner Weise nach. Ich erinnere mich an eine Fahrt aus Holland zurück, wo ich bei Abfahrt übersehen hatte darüber nachzudenken, weshalb ich überhaupt losfuhr, nämlich um den Rest der Familie aus Holland abzuholen. Es wäre also besser gewesen, ich hätte weder den Hund noch das dritte Kind mitgenommen, aber nun ja, so wurde das Auto eben voll, als ich auf der Rückfahrt neben drei Kindern auch noch ein AuPair und einen Neufundländerhund verstauen musste. Ging aber problemlos: drei Kinder hinten auf Rückbank und Neufundländer oben drauf, dann friert niemand, wenn man im Winter das Dach aufmacht.

Was mir bei Ihrer Antwort sehr gut gefiel: Halb so wild, sie ist hübsch, sie kriegt das hin.

wie wahr, so ist das.