anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 16. Juli 2019
Politik
Normalerweise habe ich keine politische Meinung.
Ich gehe zwar brav wählen, wenn es was zu wählen gibt, aber ich gehöre eindeutig zur Klasse der Wechselwähler und entscheide mich meistens spontan nach dem Gefühl der geringsten Abneigung.
Dass ich die meisten Politiker nicht schätze, liegt im System der Sache begründet.
Ich habe eine hoch akute Abneigung gegen Netzwerken und Seilschaften - Menschen, die nach vorne geschoben werden, nur weil man sich kennt und weil man in derselben Partei ist oder weil es gilt, irgendeinen seltsamen, selbstausgedachten Proporz zu wahren oder weil zufällig jemand grade zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
So könnte man die Planstellen aus dem gehobenen Beamtendienst besetzen, aber Politiker, die wirklich die Führung für unsere Gesellschaft übernehmen sollen, da erwarte ich einfach mehr. Mehr Intelligenz, mehr Persönlichkeit, mehr Fachwissen und vor allem mehr Engagement für die Sache und weniger für seine eigene Karriere.
Wird aber nur sehr selten geliefert.

Politiker sind darauf angewiesen, gemocht zu werden, Mehrheiten und damit die Masse zu begeistern und zeigen deshalb selten eine wahrhaftige, kantige Persönlichkeit, sondern üblicherweise eine ausweichende, mit Beliebigkeitsfloskeln um sich werfende Öffentlichkeitsmaske, die mich in der Regel schon wegen ihrer vorsichtig taktierenden Phrasendrescherei nur mit Verachtung erfüllt.
Ab und zu rutscht einem Politiker aber mal was durch -und man erhascht einen Blick auf die Persönlichkeit, die wirklich dahinter stehen könnte - in aller Regel gruselt es mich dann allerdings erst recht, denn in den allermeisten Fällen erblickt man eine sehr oberflächliche Persönlichkeit, die alles tut, um nach oben zu kommen, durch ihre bisherigen Erfolge zudem längst gelernt hat, dass sie im Zweifel ein echt toller Typ sein muss, sonst wäre sie ja nicht so weit gekommen.

Frau AKK gehört in diese Kategorie, nach meßbaren IQ-Kriterien zwar nicht sehr helle, aber dafür randvoll mit Ehrgeiz und dem absoluten Willen, Dinge zu gestalten, in dem sie dafür sorgt, dass ohne sie nichts geht.

Sie ist damit sogar relativ erfolgreich, allerdings wird eine Partei, die solche Menschen an die Spitze stellt, für mich komplett uninteressant. Und wenn das stimmt, was die Medien da grade verkünden, dass sie jetzt Nachfolgerin von UvdL werden soll, in dem sie künftig die Kriegs Verteidigungsministerin mimt, nun, dann ist das ja wohl mehr als deutlich, dass man diese Partei wirklich nicht mehr ernst nehmen sollte.

Noch viel unmöglicher finde ich allerdings die andere, ehemalige Volkspartei. Was die SPD sich da jetzt bei der Wahl der EU-Kommissionspräsidentin geleistet hat, das geht so sehr gar nicht, dass mir komplett die Worte dafür fehlen. Ich kann verstehen, dass man empört darüber ist, dass Herr Macron und ein paar andere, ungeliebte Staatsfürsten die demokratische Macht des EU-Parlamentes dadurch ad absurdum führen, dass sie dem Parlament jetzt einfach mal eine selbsternannte Kandidatin vor die Nase setzen - aber wenn diese Kandidatin nun tatsächlich so viel besser ist als die drei Kandidaten, die das Parlament sich vorher selber ausgesucht hatte, ja Mensch, Leute, dann muss man auch zugeben können, wenn dem verhassten Gegner mal etwas besser gelingt.
Denn sorry, aber dieser Herr Weber, der da vorher im Spiel war, das ist ja wohl kein Match gegen UvdL.
Wahre Größe zeigt sich, wenn man erkennt, dass man verloren hat, weil der andere besser ist. Wenn man statt das anzuerkennen aber trotzig rumbockt und Zettel verteilt, auf denen steht, warum die neue Kandidatin auch nicht gut passt, nämlich weil sie das mit der Gorch Fuck verbockt hat, und weil sie nur eine Medizinerpromotion hat, die sowieso nichts gilt und weil es viel zu viele Berateraufträge bei der Bundeswehr gab, sorry, aber wer solche Schreiben verteilt, der gehört einfach rechtswirksam und für immer ignoriert.
Da hat nicht einfach nur jemand eine andere Meinung, da ist jemand komplett angepisst und beißt wütend wild um sich. Kann man machen - sollte man dann aber nicht mehr wählen.

Die Grünen verstricken sich mal wieder in ideologische Grabenkämpfen und die Liberalen überlegen, wie sie am meisten von der Gesamtsituation profitieren können.

So hat denn jeder seine Rolle im aktuellen politischen Sommertheater, ich bin schon sehr froh, dass ich neulich Herrn Sonneborn gewählt habe, der erscheint mir von allen noch mit am seriösesten, bei diesem Riesenspektakel
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