anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 13. Juli 2019
Wenn man einen BH kauft
Ich habe heute Unterwäsche eingekauft.

Ich habe mir letztes Jahr schon mal einen BH gekauft, damals habe ich das hier nur kurz erwähnt, weil es eigentlich eine längere Geschichte dazu zu erzählen gibt, die ich mal in Ruhe aufschreiben wollte, aber bisher bin ich nicht dazu gekommen, man kommt ja zu nix, wie Herr Buddenbohm regelmäßig so treffend feststellt. So ein Tagebuchblog hat den praktischen Zusatznutzen, dass man solche Aktionen genau nachschlagen kann, den letzten BH habe ich mir also am 6. September 2018 gekauft, als wir anlässlich unserer Probefahrt mit einem Elektroauto eine Zwangspause zum Nachladen einlegen mussten und zufällig ein Lingerieladen in der Nachbarschaft der Ladesäule war.

Die meisten Frauen, insbesondere Frauen in meinem Alter, werden den Kauf eines BHs nicht für wirklich bemerkenswert halten, weil es für die meisten Frauen ein Standardkleidungsstück ist, das sie tragen, seitdem sie 14 sind.
Vielleicht wäre es für mich auch einfacher gewesen, wenn ich in dem Alter meine Auseinandersetzung mit BHs und der Art* des BH-Tragens begonnen hätte, aber da ich bis vor wenigen Jahren maximal Körbchengröße A-minus hatte, fand ich es stets etwas albern, dafür einen BH zu tragen.
*schade, das Wortspiel sieht man nicht, aber BHs richtig zu tragen ist eigentlich eine Kunst, weshalb "the art of bra wearing" die englische Variante des obigen Satzes wäre.
Seitdem mein Körper aber beschlossen hat, keine Kinder mehr bekommen zu wollen, wurde er alternativ weiblich. Und zwar so richtig rubensweiblich.
Wenn man sein Leben lang wegen Untergewicht gehänselt wurde, ist es etwas merkwürdig, wenn man plötzlich, ohne seine Essensgewohnheiten geändert zu haben, dick wird, aber mein Stoffwechsel ist wohl einfach vorzeitig in Rente gegangen und seit der Zeit wachsen meine Rundungen und ich schaue leicht entsetzt zu.

Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, ich brauche einen BH, weil mein Busen absolut gesehen zwar noch sehr jung ist, aber die Jugendzeit gleich beim Wachsen übersprungen hat und deshalb sehr schnell sehr unangenehm auf dem Oberbauch auflag und das ist schwitzig und fies und ich sehnte mich freiwillig nach einem Kleidungsstück, was man zwischen Busen und Oberbauch trägt, um den direkten Haut auf Haut Kontakt der zwei Körperteile zu vermeiden.

Ich kaufe 99% meiner Kleidung auf dem Flohmarkt, selbstverständlich kaufte ich also auch BHs auf dem Flohmarkt. Blöd war nur, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, welche Größe ich brauche, aber auf dem Flohmarkt kosten die Dinger 1-2 Euro, da ist ein try and error kaufen nicht ganz so dramatisch.
Tatsächlich kaufte ich aber deutlich mehr errors als brauchbare trys, irgendwie saßen die alle nicht so perfekt, wie ich mir das vorstellte.

Dann sah ich irgendwann im Fernsehen einen Bericht über die Kunst des BH kaufens und dass man nur in einem Fachgeschäft die richtige Beratung bekommt und dass die BHs aus dem Fachgeschäft sich um Welten von den Billig-BHs unterscheiden und dass über 80% der Frauen eine falsche BH-Größe tragen, weil sie nie richtig beraten wurden.
Seit der Zeit träumte ich von einer richtig guten BH-Beratung und als ich letztes Jahr beim Zwangswarten dieses BH-Geschäft entdeckte, sah ich meine Chance gekommen.

Ich habe der Fachberaterin gleich als erstes gesagt, dass ich keinerlei Ahnung von BHs habe und dass sie mir jetzt bitte den perfekten BH verkaufen möge, ich würde ihr vollkommen vertrauen.
Die Dame sah mich etwas seltsam an, weil für eine BH-Jungfrau sah ich eindeutig zu alt und vor allem obenrum eindeutig zu gut bestückt aus, sie blieb aber höflich, sagte nichts, sondern holte ihr Maßband raus und nahm Maß. Sie meinte, ich hätte BH-Größe 85C, was ich ihr glaubte, weil, woher soll ich was anderes wissen?
Sie schleppte dann einen Stapel ihrer Meinung nach passende BHs an, die mir aber alle mindestens zwei Nummern zu klein waren. Fand ich. Fand sie aber nicht. Sie fand, die säßen ausgezeichnet.
Ich weigerte mich, so etwas zu tragen, weil es mir schier die Luft abdrückte, wenn sie hinten den BH-Verschluss schloss. Die Zeiten, wo einem beim Schnüren des Korsetts jemand das Knie in Rücken drückte, um noch enger schnüren zu können, sind ja wohl vorbei. Fand ich. Sie fand, ein BH muss eng sitzen, sonst sitzt er nicht richtig. Ich bestand auf mindestens zwei Nummern größer, es war ein sehr anstrengendes Beratungsgespräch (ich glaube, für uns beide, weil ich so entsetzlich uneinsichtig war), letztlich kaufte ich einen BH eine Nummer größer zu einem Preis eines handbestickten Brautkleides, es war aber noch ein günstiges Modell und sogar runtergesetzt.

Das war wie gesagt vor knapp einem Jahr, inzwischen habe ich mein Trauma aus diesem Beratungsgespräch etwas überwunden, denn ich brauche eindeutig noch ein paar BHs, wenn man so ein Kleidungsstück jeden Tag trägt, dann ist es ganz praktisch, wenn man ein paar zum Wechseln hat.

Heute war ich also wieder in einem Lingerie-Fachgeschäft, zwar in einem anderen, die Art der Beratung war aber sehr ähnlich.
Diesmal erklärte ich, gewitzt vom letzten Mal, gleich zu Anfang, ich hätte Größe 95D und suchte einen hübschen BH.
Was mir die Fachverkäuferin daraufhin als Auswahl anbot, erinnerte mich an die Riesenpanzer meiner Oma, erstens war das meiste höschenrosa, weil "haut" wohl die beliebteste BH-Farbe ist und meine Oma trug auch nur Unterwäsche in dieser seltsamen Barbie-Schweinefarbe, ich habe da ein Trauma, für mich bitte nix in rosa und zweitens waren die Dinger riesengroß. Gigantischgroß. Ich meine die Körbchen für die Hupen, die waren einfach irre groß. Ich musste etwas schlucken.
Sie brachte mir dann ein paar weiße BHs aus Spitze, die sahen schon wegen der Spitze zierlicher aus, aber bei dem Gedanken, ich habe da hauteng so eine kratzige Spitze auf der Brust, fing ich schon vor dem Anprobieren an, mich zu jucken, Spitze geht für mich leider auch nicht.
Aber ich habe dann brav erstmal was anprobiert, die Fachberaterin wollte die Größe kontrollieren. Und stellte sofort fest, dass die Größe natürlich völlig verkehrt ist, ich habe nicht 95D, sondern 85C.
Ich will aber nicht 85C haben, darin kriege ich keine Luft.
Ich erklärte der Dame also, ich hätte meinen BH gerne zwei Nummern größer, daraufhin erklärte sie mir, dann würde sie mir nichts verkaufen. Rumms.

Kein guter Einstieg in ein vertrauensvolles Beratungsgespräch über intime Damenunterbekleidung.
Wir einigten uns auf 90D, sie gab zähneknirschend nach und brachte mir diverse Exemplare in rosa Spitze.
Ich sagte, ich möchte nichts in rosa, sie sagte, das seit "Haut" und die beliebteste BH-Farbe. Ich sagte, ich möchte keinen Allerwelts-BH, sie war beleidigt, schleppte aber immerhin die rosa Teile alle wieder weg und brachte mir schwarze. aus Spitze. Ich sagte, ich möchte keine Spitze, die juckt. Sie sagte, die wäre ganz weich, die juckt nicht. Ich sagte, die juckt im Kopf, sie sagte, ich solle es probieren, die Spitze ist ganz weich. Ich zog den schwarzen Spitzen-BH an und kam mir vor wie in dem Witz "Ist was mit Oma?". Außerdem warf er Falten.
Die Verkäuferin sagte, das wäre klar, der wäre ja auch zu groß.
Wir einigten uns auf Größe 90C, und auf BHs mit extra Polster vorne im Körbchen, die werfen keine Falten und sie sind nicht aus Spitze. Ich finde ja, sie machen den Oberbau noch größer, weil ja extra gepolstert, aber um die Spitze zu vermeiden, nehme ich auch extra Polster.

Schließlich hatten wir zwei BHs gefunden, mit denen ich mich anfreunden konnte, sie kosteten diesmal so viel wie die gesamte Hochzeitsfeier zu dem handbestickten Hochzeitskleid, was ich letztes Mal ja schon gekauft hatte, aber was soll's, immerhin habe ich 35 Jahre sehr viel Geld gespart durch den Nichtkauf von BHs, da darf es jetzt dann auch mal etwas mehr sein.

Anschließend gingen wir dann noch in ein Bekleidungskaufhaus, weil K eigentlich Jeans haben wollte, die wir dort nicht fanden, also keinen passenden heißt das, dafür hatten die eine ganze Etage mit "Lingerie" und da wollte ich dann natürlich auch mal schauen.
Um es kurz zu machen: Dort habe ich meine Traum-BHs entdeckt. Komplett beratungsfrei, durchaus bezahlbar und zu 100% auf mein Problem zugeschnitten, sie tragen sich nämlich genau so wie sie heißen: Zero feel. Die Werbung zieht natürlich alle Wortspielchen durch, von unfeelable feeling, über 100% gefühlsecht bis "so leicht beim Tragen, dass es schwer zu beschreiben ist", aber es stimmt auch tatsächlich, der erste BH, der nicht drückt.
Unglaublich, aber die Dinger sind so bequem, dass ich sie gar nicht mehr ausziehen wollte. Außerdem haben sie keine albernen BH-Größen, sondern klassisch S, M, L und XL und das finde ich viel einfacher, ich bin sehr! zufrieden.
Ich kaufte gleich vier Stück in L, eines in jeder Farbe und außerdem gab es dort Unterhemden mit eingebautem BH, ebenfalls sehr bequem, habe ich auch gekauft und weil ich grade im Kaufrausch war, habe ich auch noch Socken gekauft, das war alles ganz wunderbar.

Zum Abschluss des Tages haben wir uns mit C beim Japaner getroffen, es war damit ein rundum gelungener Tag und Unterwäsche besitze ich jetzt erst mal in ausreichender Menge
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