anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 30. Juli 2019
Johannisbeerenernte und verbrühte Hand
Pünktlich um 9h stand heute morgen der örtliche Bauunternehmungsmensch vor der Tür und hatte ein sichtlich schlechtes Gewissen. Ich hatte die geplanten Umbaumaßnahmen für dieses Haus ja wirklich schon vor über einem Jahr mit ihm durchgesprochen und nur vorher um einen Kostenvoranschlag gebeten.
Der dann nie kam.

Andere Menschen auf der Insel berichteten ähnliches, hier sind alle Handwerker komplett und vollständig überlastet und man wartet Ewigkeiten, bis man überhaupt mal mit einem reden kann, bis er Zeit hat, einen Bauauftrag auszuführen, dauert dann noch mal zwei weitere Ewigkeiten.
Ich nahm ihm das Nichtmelden also gar nicht übel, aber ich scheine immer noch einen recht förderlichen Insulanerbonusstatus zu haben, denn mein Onkel war lange Vorsitzender der örtlichen Handwerkerinnung und mein Vater ist mit seinem Inselverlag eh bekannt, deshalb fand ich das alles sehr positiv und gedachte der alten Regel: "Beziehungen schaden nur dem, der keine hat."
Wenn das also dazu führt, dass meine geplante Baumaßnahme jetzt bevorzugt behandelt wird, soll mir das recht sein, insgesamt waren wir fast zwei Stunden damit beschäftigt, noch mal alle Details genau zu besprechen, jetzt will er mir als erstes Kataloge (neues Gartenhaus Blockhaus), Muster (Klinker für neue Pflasterung) und weitere Informationen (Photovoltaik auf den Fahrradschuppen) vorbeibringen und dann natürlich endlich einen Kostenvoranschlag.
Ich bin schon sehr gespannt, aber wenn das alles so umgesetzt wird, wie wir das jetzt besprochen haben, dann wird das hier ein echtes kleines Schmuckkästchen, was die Außenanlagen angeht und ich fände es schon alles sehr schön, wenn das auch so klappt, wie heute überlegt, manches wird allerdings auch wirklich Zeit. Die Gartenmauer zur Straße ist komplett gar und muss neu, in dem Zusammenhang werden wir jetzt gleich einen Stellplatz im Vorgarten schaffen, weil davon auszugehen ist, dass demnächst Parkverbot auf der Straße sein wird. Ich unterstütze das übrigens ausdrücklich, den völlig ausufernden Autoverkehr in den Sommermonaten kann man nur damit in Griff bekommen, dass man einfach keine Parkplätze mehr auf den Straßen zulässt.

Und ja, ich habe an dieser Stelle auch überhaupt kein Verständnis für soziale Rücksichtnahmen. Ich würde viele "Luxusartikel", die nicht zwingend existenznotwendig sind (und dazu gehört, dass man als Urlauber sein Auto mit auf die Insel nimmt, weil es halt deutlich bequemer ist) derart abstrus verteuern, dass Ottonormalverdiener sich das eben nicht mehr leisten kann, über den Preis regeln sich viele Dinge ganz schnell und völlig problemlos von ganz alleine.
Verbieten provoziert Widerstand, einfach nur verteuern, halte ich für eine ausgesprochen regulierende Maßnahme. Ich würde deshalb zB auch die KfZ-Steuer für SUVs (in meinen Augen die überflüssigsten Autos der Welt, wenn man nicht grade im Busch wohnt, was hier in Deutschland nur sehr wenige Menschen für sich als Ausrede in Anspruch nehmen können), also ich würde die KfZ-Steuer für SUVs sofort verfünfzigfachen, wenn ich König von Deutschland wäre, ewig schade, dass ich das nicht bin.

Nachdem wir also den Vormittag gut mit den geplanten Umbaumaßnahmen im Außenbereich verbracht haben, schmiss ich noch eine Maschine Wäsche an und dann fuhren wir anschließend kurz einkaufen (Brot, Bier und Eis war alle).
Am Nachmittag fuhren wir mit einem angenehmen Umweg über die Promenade zum Onkel, sein PC verlangte nach Updateaufmerksamkeit und außerdem hatte er soviele Johannisbeeren, dass er sie alleine gar nicht alle nutzen konnte, ich hatte also einen Pflückeimer dabei.

Am Abend fuhren wir nach einem halb upgedateten PC und 2,5 kg roten Johannisbeeren wieder nach Hause, J war heute den ersten Tag in der Milchbude arbeiten, ich wollte also ein vernünftiges Abendessen kochen und die Johannisbeeren entsaften.

Gelang fast.
Obwohl eigentlich gelang alles, wenn auch anders als geplant, ich habe mir nämlich ungeplant einen Liter kochendes Nudelwasser über die Hand gegossen und fiel danach erst mal aus.
Ich stand danach also mit anderhalb Händen im Eiswassereimer am Spülbecken und habe J und K erklärt, wie ich mir das mit dem Essen denke - die zwei haben einen sehr leckeren Nudeltopf mit Filetspitzen und Pilzen hinbekommen, es gab nix zu Meckern.

Symbolbild für meine Trotteligkeit, was den Umgang mit heißen Nudeltöpfen angeht:

Ein Riesenlauch - heute beim Onkel im Garten geknipst.

Die Johannisbeeren waren zum Glück schon alle fertig geputzt und zum Entsaften aufgesetzt, als Abschlusshandlung musste K sie nur in den Entsafterstrumpf umfüllen, die Konstruktion mit Galgen und Doppeltopf habe ich letztes Jahr schon entwickelt, funktioniert immer noch bestens


Aus dem Saft koche ich morgen Johannisbeergelee, bis dahin wird auch hoffentlich meine Hand wieder soweit geheilt sein, dass ich das problemlos alleine hinbekomme
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... ¿hierzu was sagen?

 
In Gelegenheiten, in denen Sie gute Ideen haben, die sich mit Steuern, Luxus und (hier: entbehrlichen) sozialen Rücksichten befassen (oder vielleicht allgemein gesagt: mit dem Geld anderer Leute), würden Sie in diese Überlegungen weitere Dinge einbeziehen, die sie bisher nicht erwähnt haben, wie Cabrios, Privatflugzeuge, mehrere Wohnsitze, exzessives Pendeln, Immobilien? Na, Sie wissen schon.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Ja selbstverständlich.
Dass ich ganz gewaltig von einem System profitiere, dass ich in dieser Form schon im Kern nicht gut finde, ist mir durchaus bewusst, ändert aber nichts daran, dass ich jederzeit dafür wäre, es zu verändern, das System meine ich.
Und natürlich würde das mein Leben ganz massiv beeinflussen, aber eben nicht nur meins, sondern das von allen Menschen, die derzeit von diesem System profitieren.
Ich habe übrigens jede Menge radikale Überzeugungen, die alle zu meinen persönlichen Ungunsten sind, ich käme aber nie auf die Idee, sie nur für mich schon mal umzusetzen.
Denn genau das ist das für mich entscheidende: Dass es wenn, dann eben alle trifft und nicht nur einzelne, die vor allem von ethischen, ideologischen, moralischen, religiösen, sozialen oder sonstwie glaubensabhängigen Gründen getrieben werden.

Ich war schon vor dreißig Jahren dafür, den Spritpreis auf 10 DM pro Liter zu erhöhen und ich profitiere mit meiner exzessiven Pendelei schon seit dreißig Jahren davon, dass das noch nicht passiert ist - und ich finde es überhaupt nicht widersprüchlich.

Ich bin durchaus und sofort bereit, mich einzuschränken und auch meinen Lebensstil komplett zu verändern und enorm zurückzufahren, aber eben nur, wenn es sein muss und es allen so geht.

Dinge nur aus Überzeugung nicht zu tun, eben weil es klug ist oder richtig oder besser oder aus welchen vernunftgesteuerten Gründen auch immer sinnvoll, das funktioniert nicht bei mir.
Ich habe fast 30 Jahre geraucht - und habe jeden Tag dabei gewusst, dass es viel klüger wäre, es nicht zu tun, aber tja nun. Ich hätte in diesen 30 Jahren übrigens auch jederzeit zugestimmt, dass Zigaretten einen ähnlich illegalen Status bekommen wie Heroin oder so, dann wäre mir das nicht mehr rauchen deutlich leichter gefallen.