anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 21. Juli 2017
#zumerstenmal
Je älter man wird, umso seltener passiert es, dass man irgendetwas zum ersten Mal macht.
Kinder machen alle naselang irgendwas zum ersten Mal, logisch, die müssen ja auch noch die gesamte Welt entdecken.
Aber je älter man wird, umso mehr hat man schon entdeckt, umso mehr hat man bereits ausprobiert, umso mehr hat man gelernt, Erfahrungen gemacht, eben Dinge getan.
So werden schon die absoluten Auswahlmöglichkeiten für erste Male immer rarer.
Dabei sind erste Male so wichtig im Leben, sie setzen "Zeitmarken", Erinnerungspunkte.
Ohne diese Zeitmarken rauscht die Zeit nur so durch. Ungebremst und unerinnert. Deshalb kommt es einem ja auch so vor als ob die Zeit fliegt je älter man wird. Liegt nur daran, dass man keine Zeitmarken mehr setzt, keine Erinnerungspunkte mehr schafft - und dann muss man sich nicht wundern.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, mich aktiv um erste Male zu kümmern, mir Dinge zu überlegen, die in meinem Leben bisher noch nicht vorkamen und die dann einfach mal zu tun.

Da ich schon immer die Einstellung hatte, man muss alles mal ausprobieren, gibt es nicht sehr viele spektakuläre Dinge, die ich heute noch zum ersten Mal tun könnte. Von den wilden oder schrägen Sachen habe ich sehr vieles längst schon getan. Ich bin schon Autorennen gefahren und Fallschirm gesprungen, habe Krokodil-, Kamel- und Walfleisch gegessen, bin quer durch die Weltgeschichte gereist, alleine durch arabische Souks marschiert und völlig abgedrehte Höhlen erforscht. Bin auf allen möglichen Tieren geritten, durch den Urwald gelaufen und in der Wüste mit dem Auto liegen geblieben. (als es noch kein Handy gab und eigentlich gab es dort dann tatsächlich gar nichts, außer der Aussicht, an Ort und Stelle zu versterben, wenn nicht ein Wunder geschieht. Was dann geschah, weshalb ich es heute überhaupt erzählen kann.)

An spektakulären ersten Malen mangelt es bei mir also wirklich nicht, weshalb ich beschlossen habe, mich mehr auf "normale", alltägliche Dinge zu konzentrieren, denn hier gibt es noch so einiges an ersten Malen für mich zu entdecken.

Fahrradputzen zum Beispiel - habe ich heute das erste Mal in meinem Leben wirklich vernünftig und sorgfältig getan. Als Gesamtergebnis stelle ich fest, dass ich bisher nichts verpasst habe, es war also gar nicht schlimm, dass ich um Fahrradputzen bisher immer einen großen Bogen gemacht habe, aber jetzt weiß ich das auch wirklich selber aus eigener Erfahrung.
Es gibt ja Leute, die wienern ständig an ihrem Fahrrad
(oder Motorrad oder Auto) herum und scheinen es als großes Glück zu empfinden, nach erfolgreicher Putzerei mit einem blitzenden und blinkenden Gefährt durch die Gegend zu cruisen, diesen Leuten gönne ich das auch aus tiefstem Herzen, verabschiede mich aber nach meinem heutigen, ersten Fahrradputzerlebnis wieder aus diesem Kreis, mir ist ein sauberes Fahrrad einfach viel zu egal.
Ich hatte heute hauptsächlich Spaß an dem weiteren Häkchen auf meiner Liste: Fahrrad putzen, ja klar, habe ich auch schon gemacht.
Nu reicht es damit aber auch
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Lustig. Es wird vielleicht überraschen, wenn ich sage, dass ich da auch keinen Kult drum mache, meine diversen Drahtesel auf Hochglanz zu polieren. Da käme ich bei etwa einem Dutzend Fahrrädern im Haushalt auch zu wenig anderem, denn in Keller und Hinterhof staubts ja immer irgendwie. Und das Rad, mit dem ich zweimal im Jahr in der Toskana rumschottere, wird ja selbst mit dem Dampfstrahler an der Tanke kaum noch richtig sauber.

Ansonsten besteht meine Strategie darin, möglichst wieder zuhause zu sein, bevor das Wetter richtig eklig wird, es sei denn, ich nehm von vornherein das Schlechtwetterrad, bei dem es mir ziemlich egal ist, wenn es verkrustet vor Dreck.

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Ein Dutzend Fahrräder -
das ist beeindruckend. Vor allem, wenn die sich alle in einem Haushalt für drei Personen befinden.

Ich hab gerade mal nachgezählt und stelle fest, dass wir auf zehn Fahrräder kommen, allerdings in zwei Haushalten für fünf Personen, (oder zumindest ehemals fünf Personen und die überzähligen Fahrräder der ausgezogenen Personen als Besuchsfahrräder weiter verwendet werden, was meine Begründung dafür ist, dass ich mich immer noch nicht darum gekümmert habe, sie irgendwie angemessen loszuwerden.)

Aber so sammelt halt jeder was anderes. Ich habe dafür mehr als ein Dutzend Schuhe (sogar in jedem der beiden Haushalte)

 
Zwei ausrangierte Kinderräder, die noch auf ihre zukünftige Destination warten, habe ich nicht mitgezählt. ;-)

Aber auch damit bin ich von Don Alphonso und seinen mehr als 120 Rädern immer noch ein gutes Stück entfernt. Ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass drei der Räder mehr oder weniger geschenkt waren und eines im Auftrag meines Nachbarn angeschafft wurde, der dann doch nicht so recht damit klarkam. Da bin ich noch unschlüssig, ob ich es behalte oder inseriere. Ebenso beim Tourenrad meiner Frau. Die Art von längeren Radtouren mit Gepäck, für die es mal angeschafft wurde, machen wir nicht, und für unsere Biergartentouren und sonstigen Runden ist es einfach zu schwer und zu behäbig. Das gilt auch für das Hollandrad von Töchterlein, mit dem sie zur Schule fährt, weswegen ich ihr als Zweitrad den sehr leichten Damenrenner von Bianchi besorgt habe. Auf den schmalen Reifen halten Frau und Tochter mittlerweile ganz gut mit mir mit, was den Spaß an der Sache nochmal enorm erhöht.

 
Das Thema Fahrradputzen
hatte ich ja schon in früher Jugend abgeschlossen. Hat mich wohl nicht sehr beeindruckt. Sollte ich mich jetzt also um anderes kümmern, um auf der Liste vorwärts zu kommen. "In der Wüste fast verdursten" fehlt mir absolut, aber damit kann ich ja leben. Von anderen Dingen, die ich kaum auszusprechen wage, schweige ich aber. Die Idee mit der Liste ist jedenfalls sehr gut! Muss ja nicht gleich so abgedreht sein wie in dem Film "Das Beste kommt zum Schluss".

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