anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 3. Juni 2020
Videokonferenzen, Umziehen und laufende Maskennase
Der Bürotag verlief erwartungsgemäß.
Außer dem sehr langwierigen Rumbasteln an diversen Corona-Prognose-Ergänzungen in allerlei Jahresabschlüssen habe ich einen größeren Poststapel abgearbeitet, mehrere Mietverträge unterschrieben und an zwei Videokonferenzen teilgenommen.

Ich finde, man kann sehr gut weiter Videokonferenzen abhalten, auch wenn ein Teil der Mitarbeiter schon wieder im Büro arbeitet. Was spricht dagegen, dass sich jeder von seinem Büroraum aus in dieser Videokonferenz einloggt? Nur weil man tatsächlich vielleicht nur wenige Meter voneinander entfernt ist, kann man doch trotzdem per Videochat miteinander reden? Man muss sich dafür doch nicht zwingend in einen analogen Besprechungsraum setzen, um unter ungeklärter Aerosolbestäubung genau das gleiche zu besprechen?
Gibt Kollegen, die finden das seltsam, ich finde das ausdrücklich nicht seltsam.
Ich gehöre aber auch zu den Menschen, die schon vor Jahren die Kinder per SMS "Essen ist fertig" aufgefordert hat, sich bitte an den Tisch zu setzen. Ich hätte auch durchs Haus brüllen können oder von Zimmer zu Zimmer laufen können, um die Kinder einzeln zu Tisch zu bitten, ich machte es per SMS im Familienchat und fand das enorm praktisch.

Beim Unterschreiben der Mietverträge fiel mir auf, dass es ja doch eine Menge Dinge gibt, die in so einer Kontaktbeschränkungszeit extra kompliziert sind, die man aber auch nicht so problemlos einfach bleiben lassen kann.
Ich meine, spontan nicht in Urlaub zu fahren oder einfach mal nicht auf Konzerte oder zum Sport zu gehen, das ist leicht, aber nicht Umziehen, wenn die entsprechenden Verträge dazu schon vor der Krise geschlossen und vor allem gekündigt wurden, das ist eben nicht so einfach möglich und dann ergeben sich dadurch noch zusätzlich zu dem Umstand, den ein Umzug immer bedeutet, noch mal jede Menge andere Probleme.
Ich glaube, ich bin sehr froh, dass ich mich aktuell nicht mit Umziehen beschäftigen muss.

Dabei bin ich in der Vergangenheit eigentlich immer sehr gerne und vor allem auch häufig umgezogen, trotz (oder wegen? - ich bin mir gar nicht sicher, welche Konjunktion hier passender ist) der Riesenmengen an Krempel, die ich schon immer besessen habe, bzw. die im Laufe der Jahre auch noch immer mehr wurden.
Aber jeder Umzug bot die Riesenchance des Neuanfangs, der ganze alte Schrott muss raus und neuer Schrott muss rein, besser kann man es nicht zusammenfassen.
Da ich neuen Schrott aber am allerliebsten zu Sonderpreisen erwerbe und eine ausgesprochen tiefsitzende Abneigung gegen das Bezahlen des regulären Listenpreises habe, kaufe ich die Neueinrichtung für einen geplanten Umzug sehr gerne gebraucht oder in Sonderverkäufen. Beides ist nicht kompatibel mit "ich nehme mir einen Tag frei und kaufe dann alles, was ich brauche", sondern ist sehr stark von Zufall und Gelegenheit abhängig und das braucht Zeit und Platz.
Beides hatte ich in der Vergangenheit aber auch regelmäßig, denn kaum ein Umzug passierte mit einer Vorlaufzeit von weniger als sechs Monaten, meist mehr, und in dieser Zeit habe ich so nach und nach alles zusammengesammelt, was ich meinte, "neu" zu benötigen und habe das entweder in der alten Wohnung, die groß genug war oder in der neuen Wohnung, die schon frei aber noch nicht bezogen war, zwischengelagert.
Natürlich gab es dann immer einen Tag "X", an dem der eigentliche Umzug stattfand, aber in der Regel bedeutete das nur, dass die Familie ab dem Tag "X" dann im neuen Heim schlief, was wiederum bedeutete, dass die allermeisten Gegenstände schon vor dem Tag "X" in das neue Domizil verbracht worden waren.
Aber in der aktuellen Situation, wo es keine Flohmärkte gibt (übrigens seltsam, dass alle Flohmärkte noch bis 31.8. abgesagt sind, aber Wochenmärkte ganz normal stattfinden, andererseits ist es aber auch müßig, die aktuellen Regelungen nach Sinn und Logik zu hinterfragen, denn für Sinn und Logik sind sie nicht gemacht worden.), also, da es zur Zeit eben keine Flohmärkte gibt und auch sonst keinem der Sinn nach größeren Unternehmungen steht (bei Bekannten stöbern, was die gerne abgeben würden o.ä.), ist das Schnäppchenbeschaffen eindeutig erschwert - und dann macht Umziehen ja nun wirklich keinen Spaß mehr. Ich bin zumindest froh, dass ich mich damit zur Zeit nicht beschäftigen muss.

Überhaupt macht Einkaufen keinen Spaß mehr, die Maske ist nervig, die Leute sind alle auf "schnell durch und raus" bedacht und wenn man zu zweit geht, wird man wie ein Asi-Pärchen beäugt, weil wirklich, das muss ja nun nicht auch noch sein, dass man zu zweit Kartoffeln kauft, wenn das genauso gut auch einer alleine machen kann. Außerdem weiß man nie, in welchen Wagen man die Einkäufe denn nun legen soll. Packen wir's zu Dir oder zu mir? - Beziehungen werden noch mal ganz neu verhandelt.
Und ich habe festgestellt, dass ich wohl eine ganz spezielle Maskenallergie haben muss, die sich nicht auf den Stoff oder das Material an sich bezieht, sondern einfach nur auf die Tatsache, dass ich mir da so ein Teil vors Gesicht hänge, denn knapp setze ich mir eine Maske auf, beginnt meine Nase zu laufen. Zuverlässig und ausdauernd. Bis ich die Maske wieder abnehme. Da ich im Laden Maske tragen muss, gerate ich also sehr schnell in einen dringenden Naseputzen-Zustand, und eine laufende, aber unputzbare Nase ist unangenehmer als eine juckende Nase, die man jucken lassen muss, weil man sich ja nicht ins Gesicht fassen soll. Deshalb putze ich meine Nase eben, auch oder besser nur im Geschäft (denn außerhalb läuft sie ja nicht), was mit Maske eigentlich nicht möglich ist und jedesmal seltsame artistische Übungen verlangt. Mittlerweile habe ich aber Masken mit sehr dehnbaren Gummibändern, die man soweit dehnen kann, dass man dahinter noch Nase putzen kann. Geht alles. Ob das nun das ist, weshalb man eine Maske tragen soll, wage ich zu bezweifeln, aber ich erwähnte ja schon neulich den Weihwasservergleich und da es mehr um den Glauben daran als um die Wirkung davon geht, ist das wohl auch egal. Wo das Weihwasser konkret herkommt oder wer da so alles reingespuckt oder gepinkelt hat*, sollte man ja auch nicht hinterfragt. Besser ist das zumindest.

*ich glaube niemand hier möchte wirklich wissen, was die Rabauken aus meiner Klasse so zwischen Jahrgang 7 bis 9 regelmäßig mit dem Weihwasser anstellten, wenn wir auf Klassenreise eine Kirche besichtigten. Das Highlight war der mit zermatschten Erdbeeren getränkte Tampon, der in der Weihwasserschale im Kölner Dom landete, allerdings hatten sie damit wohl den schmalen Grat der "na, pubertierende Jungs halt, da machste nix"-Großzügigkeit der verantwortlichen Lehrer überschritten und dafür gab es dann wirklich gewaltig Ärger, das war aber auch offensichtlich deutlich zu auffällig


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