anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 12. August 2019
missratener Montag
Montag.
Lustig, gibt es auch im Urlaub, fühlen sich im Urlaub aber anders an, nämlich genau umgekehrt.
Aufgewacht bin ich mit einer großen Lust heute viele produktive Dinge zu tun, die am Sonntag alle nicht möglich waren.
Rasenmähen, Fahrkarte kaufen, Glasmüll wegbringen, Bretter sägen, aufräumen, sauber machen. Ich hatte viel vor - und geschafft habe ich exakt: Fahrkarte kaufen.
Naja, immerhin. Hier schließt sich dann der Montagskreis wieder, insgesamt war das heute ein reichlich missratener Tag.
Rasenmähen entfiel wegen zu feucht und so nahm die Schlunzerei ihren Lauf.
J erschien schon um 14h wieder zurück von der Arbeit, es gab wohl noch Schüler, die erst morgen wieder im Internat sein müssen, weil Mittwoch erster Schultag hier in Niedersachsen, und die wollten noch schnell den letzten Tage nutzen, um sich etwas dazu zu verdienen. J war's zufrieden, solange seine Schwester auch da ist, ist er gar nicht so scharf darauf, ständig zu arbeiten.

C schrieb an einer Anzeige für "WG gesucht", sie geht das halbe nächste Semester nach Schottland und braucht dort eine Unterkunft, dabei fiel ihr auf, dass in den meisten WG-Anzeigen die sexuelle Ausrichtung abgefragt oder erwähnt wird und sie fände es viel wichtiger, zu wissen, ob jemand Vegetarier ist oder nicht, weil ihr die sexuellen Vorlieben ihrer potentiellen Mitbewohner deutlich egaler sind als ihre Essvorlieben.
Daraus entspann sich dann ein unangenehmes Wortgeplänkel, weil ich es mir nicht verkneifen konnte, eine von ihr als abfällig empfundene Bemerkung über Vegetarier zu machen, die meiner Meinung nach halt einfach auch nur eine alternative Glaubensrichtung sind und von mir großzügig in einen Topf geworfen werden mit allen sonstigen sich selbst einschränkenden Weltanschauungen.
Mich erinnerte das an frühere, mit viel Wut geführte Diskussionen einer neuapostolischen Freundin, die sich dagegen wehrte, als "Sekte" bezeichnet zu werden.

Wie auch immer, die Stimmung war im Keller, ich zog es also vor, das Haus zu verlassen. Immerhin schaffte ich es so, mir wenigstens die Fahrkarte zu kaufen, bevor die Fähre ausgebucht war, damit wenigstens ein erfolgreich abzuhakendes to do für heute.

Etwas anderes habe ich aber auch noch geschafft, wobei das mehr Ks als meine Leistung war: Ich habe mich beim Barcamp Dangast angemeldet, weil K so klug war, daran zu denken UND auch schon ein Hotel reserviert hat.
Im Unterschied zu letztem Jahr werde ich dieses Mal allerdings nicht bereits am Donnerstag anreisen, weil ich Donnerstagabend noch eine Veranstaltung in Georgsmarienhütte habe, aber dafür ist das mit der Übernachtung dieses Jahr schon mal organisiert. (Letztes Jahr haben wir etwas improvisiert, es ging dann irgendwie, aber so wie jetzt, mit fest gebuchtem Hotelzimmer, ist es mir doch entschieden lieber.)

Nach dem Fahrkartenkauf schlenderte ich noch etwas durchs Dorf und spielte mein privates Spiel "Badegäste-Safari", was darin besteht, dass ich mir einen "Trupp" besonders skurriler Badegäste aussuche und ihnen hinterhergehe. Pärchen, Familie, Gruppe, egal, Hauptsache mehr als einer, damit ich ihre Gespräche belauschen kann, was oft stilblütenreife Dialoge liefert.

Meine heutige Safari-Familie


Die beiden lang- und grauhaarigen Menschen waren Oma und Opa der drei schwarzhaarigen Kinder daneben und ihre Gespräche waren herzallerliebst.

In meiner Welt waren die Hippies=68er eigentlich immer irgendwelche Intellektuellen, weil ich das fest mit einer Studentenbewegung verknüpft habe, aber ganz offensichtlich gab es auch Hippies, die ihr Studium nicht geschmissen haben, weil sie schon vorher am Abitur gescheitert waren.
Außerdem sind Hippies für mich familienfrei.
Dass sie genauso liebevolle Eltern bzw. heute eben Großeltern sein können, wie irgendwelche typischen Borkumrentner, die ständig mit Sonnenhut, Barfußsandalen und Sandeimerchen hinter ihren freidrehenden Enkeln herrasen, um ihnen eine wunderbare Kindheit zu bieten, auf diese Idee bin ich auch bisher nicht gekommen.

Bis ich dann heute hinter dieser Familie herlief und ihre Gespräche belauschte.
Eigentlich waren es ganz normale Gespräche, die Kinder erzählten ganz normales dummes Zeug und die Großeltern reagierten darauf, wie eben Großeltern auf so etwas reagieren
K1: Da ist eine Eisdiele. Können wir Eis?
Opa: Jetzt wird kein Eis mehr gegessen.
Oma: Ihr hattet heute schon zwei Eis.
K2: Ich will aber auch Eis. Warum können wir kein Eis?
Opa: Weil ich Nein gesagt habe.
Oma: Weil ihr davon Bauchweh bekommt.
K3: Ich kriech nie Bauchweh von Eis. Ich kann noch ein Eis.
K1: Man Opa, jetzt sei nicht so gemein.


usw. usw.

Mich hat halt die optische vs. akustische Diskrepanz schwer fasziniert. Aber dafür sind Badegäste ja auch da.

Auf dem Rückweg bin ich über die Promenade gefahren und habe die großartigen Sichten bewundert.
Eemshaven war zum Greifen nah, obwohl der Himmel insgesamt trüb und bedeckt war.


Dann bin ich noch beim Onkel vorbeigefahren, habe für C ein paar Tomaten geerntet und die Erbsen kontrolliert. Der Onkel hat ja extra für mich dieses Jahr Zuckererbsen gepflanzt und die sind wirklich sehr gut gekommen, ich denke, spätestens übermorgen können wir die große Ernte starten.

Am Abend, wieder zu Hause, gab es das nächste Missverständnis mit C. Sie hat das Bücherregal zweimal mit blau gestrichen, weil sie meint, ich hätte gesagt, dass ich das so haben will. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, im Gegenteil, als ich das Bücherregal das letzte Mal sah, hatte sie grade erst die obere Hälfte mit dem ersten Anstrich fertig, danach habe ich es nicht mehr gesehen, bis es plötzlich doppelt gestrichen war. Unterhalten haben wir uns nur über einen Einlegeboden und den sah ich als Experiment, um die Farbe zu testen und mal auszuprobieren, wie es nachher aussieht, wenn alles fertig ist. Das hat sie aber nicht so verstanden, sondern sofort das gesamte Regal zweifach gestrichen. Grundsätzlich ist das nicht so schlimm, jetzt ist es nur mehr Arbeit, die Farbe stellenweise wieder abzuschleifen, weil ich ja diesen shabby chic Effekt haben will, man hätte es nur vermeiden können, wenn man präziser miteinander geredet hätte.
Ich denke, genau das ist meine große Schwäche: Ich habe immer nicht genug Fantasie, mir auszudenken, was Leute noch selber in Gespräche reininterpretieren, um dann zu Handlungen zu gelangen, die sie nur machen, weil sie meinen, ich hätte es doch genau so gewollt - und ich stehe dann fassungslos davor und frage mich, wieso Menschen auf solche Ideen kommen.
Ich hätte es vermeiden können, wenn ich engmaschiger kontrolliert hätte, aber ich finde es schrecklich, Leute ständig zu kontrollieren.

Nun ja, morgen wird bestimmt ein besserer Tag, und vielleicht kommt der Onkel vorbei und wir verfugen endlich die letzte Wand
.

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