anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 17. März 2019
Sturmflug
Vor zwei Wochen war ich zwar auf Borkum, bin aber weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg beim Vater gewesen, weil es auf dem Hinweg zu früh gewesen wäre und auf dem Rückweg war er nicht da, da er an dem Tag einen (neuen) Shunt gelegt bekam und deshalb im Krankenhaus war.
Letztes Wochenende hat J. in Greven Zwischenstation gemacht, da war auch keine Zeit, den Vater zu besuchen, weshalb ich ihm für dieses Wochenende fest versprochen hatte, ihn zu besuchen.
Um nach Borkum zu fahren, reichte es nicht, da K ja gestern unbedingt an diesem Pflichtbriefing teilnehmen musste, also stand nur für heute einmal Leer und wieder zurück auf dem Plan.
Als wir gegen 9h aufwachten checkte K das Fliegerwetter und meinte, es wäre grundsätzlich fliegbar. Es war zwar arg windig, aber der Wind ist nur beim Starten und Landen ein Thema, ist man erst mal in der Luft, sind auch wilde Sturmböen eigentlich kein Problem. Die Luft wird dann zwar schon mal etwas bockig, das heißt der Flieger hüpft dann unkontrolliert hoch und runter und hin und her und flugunerfahrene Gäste fangen dann gerne an zu beten, gefährlich ist es aber nicht, nur etwas ungemütlich. Da der Wind heute ziemlich gleichmäßig direkt aus Westen kam, war aber auch Starten und Landen nicht kompliziert, da die Startbahn in Münster eine Ost-West-Ausrichtung hat und die Bahn in Leer auch, problematisch ist vor allem Starten und Landen mit starkem Seitenwind, aber das war heute zum Glück kein Thema.
Also beschlossen wir zu fliegen, K war schon seit vier Wochen nicht mehr in der Luft, dann kribbelt es bei ihm immer schon.

Ich mag es ja, bei diesem "besonderen" Wetter zu fliegen, weil mich die wilden Wolkenformationen immer wieder aufs Neue begeistern und heute war richtig viel zu gucken unterwegs. Eigentlich war richtig schönes Fliegerwetter, strahlendblauer Himmel und dicke Cumuluswolken, tolle Farben und beste Sichten. Nur zwischendurch gab es immer wieder vereinzelte, dicke Gewitterwolken und wenn die neben einem vorbeizogen, dann konnte man sehr präzise sehen, was Meteorologen unter "örtlichen Schauern" verstehen - denn es ist überall heller Sonnenschein, nur an einer einzigen, örtlich sehr begrenzten Stelle geht grade die Welt unter.
Hier habe ich mal so eine Wolkenwand, die grade örtlich begrenzten Starkregen abliefert, fotografiert, mich beeindruckt das immer wieder aufs Neue


Und hier sind noch mehr solcher "Wetterunterschiede", es war tatsächlich allerbestes Flugknipswetter.


Als wir in Münster gestartet waren, konnten wir sehr gut das aktuelle Emshochwasser bewundern. Meine Nina-App springt im Moment ja mindestens einmal täglich an und meldet eine amtliche Hochwasserwarnung, aber nicht für Borkum, sondern immer für diverse Orte in NRW, was ich jedes mal witzig finde. Beim Drüberfliegen heute wurde mir aber klar, dass die Ems mittlerweile wirklich reichlich Wasser hat.


Auf dem Hinweg konnten wir wegen der Wolken auch nur rund 1500 Fuß hoch fliegen, sonst wären wir in die dicken Gewitterwolken gebrettert, das muss ja nicht sein. Aber nur ca. 500m hoch ist halt nicht sehr hoch, was man vor allem bemerkt, wenn man gefühlt nur knapp über den Windrädern vorbeischrammt.

Dieses Foto ist nicht einen Millimeter rangezoomt, die Windräder waren tatsächlich sehr "nah", und erst wenn man so dicht an ihnen vorbeifliegt, fällt einem auf, welch unendliche Mengen an Windrädern mittlerweile in Norddeutschland aufgestellt sind.

Und dann war da noch das Rätsel um das orangene Feld.
Auf dem Hinweg fiel es schon auf, weil es so leuchtend orange aus der Landschaft herausstieß, dass man gar nicht umhin kam, sich zu wundern, was das wohl ist, auf dem Rückweg war es immer noch da (Überraschung) und mich würde wirklich interessieren, was es ist, dass dieses Feld so orange macht. Ich fliege ja nun schon seit vielen Jahren in der Gegend rum, aber ein derart oranges Feld habe ich noch nie gesehen.

Oben zwei Fotos vom Hinflug, unten von der anderen Seite vom Rückflug. Man sieht deutlich, wie auffällig die Farbe hervorsticht, auch auf dem Foto, wo ich noch von ziemlich weit weg ohne Zoom fotografiert habe, ist der minikleine orangene Fleck nicht zu übersehen.
Seltsam, oder? Aber gleichzeitig kann man auch hier sehen, wie viel Wasser in der letzten Zeit vom Himmel gefallen ist.

Und schließlich noch Landung und Start in Leer:

Vor der Ostseite der Bahn sind mehrere Seen, die ich schon oft fotografiert habe, weil es da meist wunderbare Spiegelungen gibt. Diesmal gab es Spiegelungen (und damit eine glatte Wasseroberfläche) nur auf dem einen See, auf dem anderen See direkt dahinter war die Wasseroberfläche dagegen so kribbelig, dass sich nix mehr spiegelte.
Als wir drei Stunden später wieder zurückflogen, lag der Platz grade in einem Sonnenloch, der Himmel war knalleblau, aber der See war immer noch so kräuselig, dass sich immer noch nichts spiegelte, schade. (Die unteren Fotos habe ich kurz vor dem Start gemacht, weil wir auf der Bahn ganz bis zum Anfang gerollt sind, um dann umzudrehen und gegen den Wind zu starten, so wie wir vorher ja auch gegen den Wind gelandet waren.)

Insgesamt hat der Ausflug viel Spaß gemacht, der Vater hat sich auch gefreut, also winwin für alle und dann habe ich noch erfahren, dass ich eine Karte bekommen kann für das Barcamp Ruhr in Essen nächstes Wochenende, das finde ich eine ganz prima Sache und freue mich sehr, dass das für mich so spontan noch klappt (ich hatte mich natürlich überhaupt nicht weiter mit anderen Barcamps beschäftigt, obwohl mir das Barcamp Dangast letztes Jahr sehr gut gefallen hat, aber ach, ich bin schon ein echter Planungsversager, umso besser, wenn dann tolle Dinge manchmal spontan klappen.) Jetzt bin ich sehr gespannt, was mich da erwartet
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