anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 30. November 2017
Mutter i.R.
Ich muss heute noch einen Eintrag hinterher schieben, denn mir fällt jetzt erst auf, dass wir heute den 30. November haben und ich hier tiefenentspannt auf meinem Sofa sitze.
Denn ich muss keine Adventskalendergeschenke einpacken und anschließend ganze Adventskalender Horden aufhängen, ich muss einfach gar nichts tun, außer nur meinen Abend genießen.
Ich finde, das ist schon ziemlich geil.
Ich weiß nicht genau, wie viele Jahre oder Jahrzehnte ich am 30. November regelmäßig in hektische Betriebsamkeit verfiel, weil ja die Adventskalender gefüllt und aufgehangen werden mussten,
Aber so cirka 20 Jahre lang war das sicher ein fester Termin.
Bei drei Kindern heißt das, 72 Geschenke einwickeln und in Tüten stecken. Das größte Problem ist allerdings, sie vorher überhaupt besorgt zu haben.
Bei kleinen Kindern ist man als Mutter ja noch sehr engagiert und die Geschenke sind auch einfach zu finden. Kleine Kinder freuen sich auch über bunte Radiergummi und Glitzerbilder.
Aber je älter die Kinder werden, umso anspruchsvoller wird das mit den Geschenken, irgendwann war ich ernsthaft versucht, einfach jeden Tag einen fünf Euro Schein in so ein Tütchen zu stecken, aber das hätte bei drei Kindern dann auch 360 € bedeutet, und das fand ich dann wieder viel.
Und so quälte sich diese Adventskalendermacherei so durch die Jahre, ich habe regelmäßig schon im Januar angefangen, für die Adventskalender Geschenke zu sammeln und die Kinder haben es tapfer ertragen, dass sie jedes Jahr im Dezember mit irgend einem Krimskrams Müll überhäuft wurden. (Süßigkeiten waren nur maximal jeden 5. Tag drin, irgendwie fand ich Süßigkeiten im Adventskalender immer einfallslos.)
Bis dann irgendwann, so ungefähr vor drei Jahren, der erste (in diesem Fall = der Jüngste) die Eier hatte, zu sagen, er bräuchte keinen Adventskalender mehr.

Dass der Jüngste als erster in die Adventskalenderverweigerungshaltung gegangen ist, fand ich perfekt, denn grundsätzlich hätte ich sonst die Sorge gehabt, dass er mir vorwirft, er hätte absolut am wenigsten Adventskalender bekommen. (was ja grundsätzlich stimmt) Da aber ausgerechnet der Jüngste als erster sagte, er wäre mit dem Kram jetzt durch, konnte ich mit gutem Gewissen gleich bei allen dreien die Adventskalenderverteilerei einstellen.

Und heute jährt sich zum dritten Mal der 30. November, an dem ich entspannt auf dem Sofa chillen kann, ohne mit hektisch roten Wangenflecken in die Massenproduktion der Adventskalendervöllereifüllerei einsteigen zu müssen.

Ich kann es nur immer wieder wiederholen: es geht nichts über erwachsene Kinder,
.

245 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


MWM#12
Es gibt Tage, da wacht mein Westfalenmann morgens auf und hat gute Laune.
Heute war die so ausgeprägt, dass er sogar um 8h freiwillig ans Telefon ging, ohne vorher irgendeine Bemerkung à la "Unverschämtheit um diese Uhrzeit anzurufen." zu murmeln oder den Anrufer einfach nur wegzudrücken (was er sonst standardmäßig um diese Uhrzeit macht).
Nach dem (auch noch längeren) Telefonat stand er auf und war dann pfeifend und fröhlich hintereinanderweg damit beschäftigt, mich zu ärgern.
Zugegeben, es ist leicht, mich zu ärgern, weil ich so ein paar besonders dämliche Macken habe, bei denen die Trefferquote bei nahezu 90% liegt, dass man mich damit ärgern kann. Erstens bin ich derart schreckhaft, dass es schon wirklich lächerlich ist, aber für meinen Westfalenmann ist es bis heute die allergrößte Freude, mich zu erschrecken in dem er z.B. unerwartet mit der Hand wedelt und ich dann spontan verstört losquietsche.
Für ihn ist es jedesmal aufs Neue ein ganz erfüllender Glücksmoment, wenn ich zitternd zusammenbreche und versuche, den drohenden Herzinfarkt durch bewusstes Atmen noch einmal zu verdrängen.
Eine zweite Macke ist meine Bauchnabelphobie. Die ist so akut, dass ich schon beim Tippen des Wortes eine Gänsehaut bekomme. So wie manche Leute nicht über den Tod nachdenken (geschweige denn tatsächlich damit umgehen) können, verursacht mir schon der Gedanke an Bauchnabel ein unbehagliches Gefühl und angucken oder gar mit Horrorszenarien konfrontiert zu sein (ich sag nur Flusen oder drin rumporkeln, uuuuhhhhhuuuuuu, schüttel) geht gar nicht. Logisch, dass mein Westfalenmann diese Macke ausführlich benutzt, um immer wieder zu versuchen, mich im Rahmen von psychologisch wertvoller Konfrontationstherapie davon zu heilen. Zu seiner großen Freude gelingt das nie, sondern ich schüttel mich immer nur mit einer dicken Gänsehaut und brauche Minuten, bis sich alle Härchen am Arm wieder gelegt haben, während er sich zufrieden grinsend versucht in Sicherheit zu bringen, denn wenn der akute Schock verdaut ist, wehre ich mich natürlich.

Ich glaube, wenn er ganz ehrlich beantworten müsste, was er am meisten an mir liebt, dann ist es die Tatsache, dass man mich so wunderbar einfach ärgern kann
.

248 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?