anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 19. August 2016
Funkanekdoten
Weil K. Privatpilot ist und wir deshalb häufiger mal mit dem Flugzeug unterwegs sind, habe ich mir auch eine Beschäftigung beim Fliegen gesucht und die Funkausbildung absolviert.
Beim Funken ist es natürlich so wie überall im Leben, es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie ist alles sehr sorgfältig geregelt und genau vorgeschrieben, so dass es oft arg lustig ist, die Abweichungen in der Praxis zu belauschen. Es gibt sehr viele Piloten, die entweder erst ganz frisch dabei sind oder generell wenig fliegen und deshalb wenig Übung haben, weshalb sie noch viel Stress beim Fliegen haben und natürlich lieber Fehler beim Funken als beim Fliegen machen. Außer Piloten in Motorflugzeugen gibt es aber auch Segelflieger, die schon fast aus Prinzip keine Ordnung beim Funken halten, weil sie alles, was mit Motorflug zu tun hat, zutiefst verachten, und die Funkerei ist natürlich eigentlich eine reine Motorflugsache, die Segelflieger müssen nur dann mal Funken, wenn sie sich in einem Luftraum bewegen, der speziell für Motorflieger vorgesehen ist (zB rund um größere Flugplätze)
Ansonsten ist es so, dass es immer eine Bodenstation gibt, die den Flugverkehr genau beobachtet, kontrolliert und regelt und dafür sorgt, dass sich die Flieger in der Luft nicht zu nahe kommen, weshalb den Anweisungen des Fluglotsen grundsätzlich und immer zu folgen ist.
Der Funkverkehr ist also ein ganz wichtiges Sicherheitselement für Flieger und deshalb natürlich besonders ausführlich mit Regeln und Vorschriften gespickt.
§1 ist die Funkdisziplin. "Eigentlich" ist es streng verboten irgendwelche überflüssigen Dinge im Funk zu sagen. Da auf einer Funkfrequenz immer nur einer reden kann, blockiert eine fröhliche Plaudertasche natürlich die Frequenz auch für alle Not- oder Hilferufe, deshalb Grundsatzvorschrift: Nur das Nötigste sagen und das so knapp wie möglich. Dafür gibt es spezielle "Sprechgruppen", mit denen die notwendigen Informationen zu übermitteln sind. In echt klappt das natürlich selten und auch die wirklich topausgebildeten Funklotsen können sich nicht immer eines persönlichen Kommentars enthalten.
So fragte neulich ein Lotse einen Flieger: "Report your heading." Der Pilot sollte also den Kurs angeben, den er grade flog. Dafür guckt man dann auf seinen Kompass, (wenn man kein modernes Navi dabei hat) und liest den Kurs ab. Mehr als 360° ist logischerweise nicht möglich.
Der Pilot gab aber stattdessen seine Höhe durch, die immer in Fuß gemessen wird und antwortete also: "5700", was der Lotse dann spontan mit: "Wow, that's a lot of heading." kommentierte.
Über diese Antwort kichere ich seit einem halben Jahr immer wieder neu, wenn sie mir einfällt. Manchmal können die sonst oft griesgrämigen Lotsen richtig witzig sein
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