anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 24. Januar 2016
Unterhosennotstand
Meinen Westfalenmann habe ich ja gebraucht übernommen.
Vorher lebte er in sehr gesitteten Verhältnissen mit Eigenheim, Kindern und Ehefrau.
Eigentlich hatte er dort alles, was ein Mann braucht, schließlich hatte er eine richtig echte, gute westfälische Hausfrau als Ehefrau. Die hielt den Haushalt pikobello und blitzblank in Schuss (selbstverständlich ohne Putzfrau, denn die putzen nicht sauber genug und außerdem hat man ja auch nicht gern Fremde im Haus), und übernahm überhaupt alle anfallenden Arbeiten im Haushalt selber und zuverlässig. Für ihn blieben nur noch die Männerarbeiten, wie Rasenmähen und Autos tanken - und weil er sich als mithelfender Ehemann aktiv einbringen wollte, erledigte er auch noch die Samstagseinkäufe. Und natürlich den gesamten Papierkram wie Geldgeschäfte, Steuererklärungen und Handwerker beauftragen. Sie hatte davon keine Ahnung, wollte die auch nicht haben - und konnte ihm deshalb auch nie reinreden.
Als moderne Frau hielt sie sich dafür fit, machte regelmäßig Sport, war immer sehr gepflegt und auch für ihr Alter noch eine echte Augenweide. Das Haus wurde jahreszeitlich passend dekoriert und zu den Nachbarn hatte man einen guten Kontakt.
Weshalb er diesen Luxus aufgegeben hat, um sich mit mir eine Frau auszusuchen, die ihm nicht nur ständig widerspricht und alles besser weiß, rotzefrech zu ihm ist und sich regelmäßig über ihn lustig macht, es außerdem als Selbstverständlichkeit betrachtet, dass er die Hälfte der Haushaltsarbeit übernimmt und wenn er das nicht tut, den Gesamthaushalt entspannt im Chaos versinken lässt, weil ich dann meine Hälfte natürlich auch nicht mache, was ihm an diesem Leben also besser gefällt, das wird mir wohl aus dieser Sicht betrachtet ein Rätsel bleiben.

Allerdings habe ich mich offiziell bereit erklärt, seine Wäsche mit zu waschen. Denn als wir vor vielen Jahren mal darüber diskutierten, wie wir unser gemeinsames Leben künftig gestalten, war seine größte Sorge, dass er ja niemanden hat, der seine Wäsche wäscht, wenn er seine Frau verlässt. Da ich es daran nicht scheitern lassen wollte, bin ich also grundsätzlich für die Wäsche zuständig.

Neulich hatte er nun ein Problem, weil er keine frischen Unterhosen mehr hatte.
Ich hatte nicht gewaschen, weil seine Schmutzwäsche zwischen allerlei anderen, noch nicht waschreifen Kleidungsstücken in dem Riesenstapel auf dem Kleiderständer steckte, den er als Kleiderschrankersatz benutzt und ich zwar freiwillig die Wäsche mache, dafür aber erwarte, dass er die Schmutzwäsche selbstständig bis in die Wäschekiste befördert. Daran ist er aber ja so gar nicht gewöhnt, schließlich hatte er dafür immer eine Ehefrau.
Ich habe ihn mal gefragt, wie das so war früher, und er sagte, er hätte sich halt abends ausgezogen, seine Sachen auf den Stuhl gelegt - und seine Frau hätte sie am nächsten Tag weggeräumt.
Ich meine, ich finde das toll. Ich hätte auch gerne so eine Ehefrau, irgendwie musste ich das immer selber machen. Und der arme Mann muss das jetzt auch.

Ich habe zwar erklärt, dass ich fürs Wäsche waschen zuständig bin, aber dass nur in der Form, dass ich sie aus der Wäschekiste heraus in verschiedenen Wäschewannen vorsortiere. Das ist übrigens die einzige heikle Aufgabe beim Wäschewaschen, die ich schon deshalb sehr gerne selber mache, um meine eigene Wäsche nicht einem traurigen Falschwäschetod wegen zu heiß oder zu bunt oder anders falsch gewaschen auszusetzen. Ich stecke die vorsortierte Wäsche dann auch noch nacheinander in die Waschmaschine und von dort in den Trockner, um anschließend die saubere Wäsche in einer Wäschewanne wieder ins Wohnzimmer zu tragen (oder tragen zu lassen), wo sie darauf wartet, dass noch jemand die Socken, Unterhosen und T-Shirts zusammenlegt. Das kann dann manchmal bis zu zwei Wochen dauern. Da ich aber grundsätzlich über den entschieden größeren Unterhosenbestand verfüge als mein Westfalenmann und auch sonst keine gesteigerten Ordnungsansprüche an mein Wohnzimmer stelle, wenn ich eh nicht zu Hause bin, kann ich das immer entspannt abwarten.
Wenn dann noch eine Waschverzögerung dazukommt, weil er seine Unterhosen noch gar nicht in den Wäschekorb getan hat, tja, dann wird es halt schon mal eng für ihn.
(Hemden werden übrigens außer Haus gebügelt, hier wollte ich den Stress nicht auf die Spitze treiben.)

Der Wäschekorb ist aber auch verflixt weit weg, mindestens fünf Meter um die Ecke, bis ins Bad muss er seine Schmutzwäsche tragen, und der Kleiderschrank ist von dem stummen Diener neben dem Bett, auf dem er seine getragene Kleidung sammelt, auch so weit entfernt. Eigentlich braucht er deshalb gar keinen Kleiderschrank - so ein stummer Diener ist schon enorm belastbar - und wenn ich nicht so nölig darauf bestünde, dass er die Schmutzwäsche direkt in die Wäschekiste räumt, wäre alles gut.

Als er also neulich Unterhosen-Mayday meldete, habe ich ihn nur stumm auf den stummen Diener verwiesen, auf dem der Klamottenstapel schon bedenkliche Ausmaße angenommen hatte, und es mir dann natürlich nicht verkniffen, seine Aufräumaktion mit allerlei spitzen Bemerkungen zu kommentieren.

Ich glaube, er findet mich jetzt blöd.

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