anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 11. September 2017
Gemischtwarenladen
Bei unserem Shopping Trip am Samstag bin ich unter anderem auch bei Karstadt gewesen. Ich glaube, in so einem großen Gemischtwaren-Kaufhaus bin ich seit mindestens 10, wenn nicht 15 Jahren nicht mehr gewesen. Liegt natürlich vor allem daran, dass ich nur äußerst selten überhaupt in Läden einkaufen gehe und dann meistens keine Zeit in so einem Durcheinander-Kaufhaus vertrödeln möchte. Aber am Samstag war ich da, denn ich wollte Haarspangen kaufen.
Das Angebot, was es in den großen Drogerieketten gibt, finde ich eher eingeschränkt und man hatte mir gesagt, dass Karstadt ein gutes Haarspangen-Angebot hat. Deshalb habe ich am Samstag die Chance genutzt und das vor Ort überprüft.
Richtig ist, dass es dort deutlich mehr verschiedene Haarspangen gab als in einem Drogeriemarkt, aber etwas wirklich tolles gefunden habe ich trotzdem nicht.
Außer vielleicht eine Klemme, mit der man einen lustigen Haarbüschel wie einen Pferdeschwanz am Hinterkopf befestigen kann.
Das sieht tatsächlich nicht schlecht aus und mit meiner neuen Selfie-Technik (vorm Spiegel von hinten) habe ich es mal dokumentiert. Unten links der Anblick ohne Spange


Außer den Haarspangen fand ich aber die anderen Abteilungen (im Erdgeschoss) viel spannender.
Es gab eine Parfum Abteilung, in der sehr viele hochwertige Parfums angeboten wurden, die meisten davon mit einem Tester und weit und breit keine Verkäuferin, die einen daran hinderte, mit diesen Testern wild in der Gegend rum zu sprühen. Nach kurzer Zeit stank ich natürlich wie ein tibetanischer Wanderpuff, es war aber wirklich lustig.
Vergleichbar verkäuferinnenfrei war auch die Handtaschenabteilung. Dementsprechend wild durcheinander gewürfelt lagen die Handtaschen dort auf allen möglichen Wühltischen, wobei die Taschen selber eigentlich gar keine Wühltischware waren, sondern relativ hochwertige Markentaschen zu gehobenen dreistelligen Preisen, aber vielleicht ist das genau das Karstadt Konzept, genaues weiß man nicht, um das System zu verstehen, müsste man wahrscheinlich häufiger als alle 15 Jahre einmal dort einkaufen gehen
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(Abgelegt in anjemacht und bisher 577 x anjeklickt)

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Karstadt ist mein Fachgeschäft für Butterdosen aus Glas und Porzellan. Ich kaufe sogar vor Ort, nicht online (wohoo!). Wobei mir der Weg zu Fuß durch die Stadt bis zum Kaufhaus widerwärtiger in Erinnerung ist als der Weg durch das Kaufhaus in den dritten Stock bis in die Ecke, wo die 'Plastiksachen' wenigstens aus Pressglas sind.

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nun, wenn ich nach diesen Informationen noch mal ein wenig länger darüber nachdenke, dann ist es vielleicht doch eher kein Wunder, dass es auch der letzten verbliebenen Gemischtwarenkaufhauskette finanziell nicht so wirklich gut geht.
Es mag seinerzeit sicherlich auch den Flugreisen von Herrn M. gelegen haben oder an anderen sinnlosen Geldverplempereien, dass Verluste erwirtschaftet wurden, wenn aber die heute angesprochene Zielgruppe jene ist, die nur alle 10-15 Jahre zum Haarspangenkauf oder alternativ zum Erwerb von plastikfreien Butterdosen den Laden ansteuert, dann sehe ich für die Zukunft doch eher schwarz.

 
Naja, ich kauf da deutlich öfter und auch etwas hochpreisiger, aber seit ich nicht mehr in MA wohne, war ich deutlich öfter bei Kaufhof als bei Karstadt, weil mir die Filiale am Graf-Adolf-Platz näher lag als der Wehrhahn. Nachdem der Kaufhof am GAP aber geschlossen ist, lohnt sich der weitere Weg zum Wehrhahn wieder mehr. Sehr nett ist in Düsseldorf auch das Carsch-Haus (der ehemalige Horten?), aber das kennen Sie ja sicherlich auch.

 
Nachdem der Kaufhof am GAP aber geschlossen ist

Ist er? Seit wann das denn? Ich krieg mal wieder nix mit und mir sagt ja auch keiner was.
Zugegeben, dieser Kaufhof war immer deutlich rummeliger und krubbeliger als sein feiner Bruder am Wehrhahn, aber irgendwie war er mir dadurch vielleicht auch immer ein ganzes Stück sympathischer als die Edelvarianten.
Allerdings habe ich ja nun auch ein bekanntes Problem mit der "gehobenen Mittelschicht". Ich kann ganz wunderbar mit Leuten, die für ihr Geld noch wirklich arbeiten müssen und ich komme gut klar mit Millionärs, denen Geld völlig schnuppe ist, aber mit Leuten, die für ein Hemd mit Krokodil drauf das zehnfache bezahlen wie für ein Hemd mit ohne Krokodil drauf, mit denen habe ich ein Problem. Und ich pflege das unverrückbare Vorurteil, dass diese Leute lieber in den vornehmeren Kaufhof gehen....

 
Das werden schon mindestens zwei Jahre sein, dass der GAP-Kaufhof dicht gemacht wurde. Und ja, ich mochte den auch lieber, weil bodenständiger als am Wehrhahn oder gar der an der Kö.

Von den Polohemdchen mit dem Krokodil, die ich früher auch für einen völligen No-Go hielt, habe ich mir in der Zwischenzeit doch ein paar besorgt (nicht zuletzt beim Räumungsverkauf im GAP-Kaufhof). Ich hatte ja mal eins geerbt, und nachdem das legendär lange gehalten hat, finde ich den Aufpreis gar nicht mal mehr soooo übertrieben. Bei den Billigteilen, die ich früher immer kaufte, gab es zwar auch mal Glückstreffer, aber die meisten gingen nach paar mal Waschen völlig aus der Form. Früher mag das anders gewesen ein, aber ich vermute, hier in Meerbusch sind die Lakotz-Shirts schon lange nicht mehr angesagt, hier tragen gewise Kreise eher Camp David und irgendwelche Polohemden von mir unbekannten Herstellern, die mit irgendwelchem Seglerkram bedruckt sind und die wahrscheinlich deutlich dreistellig kosten.

 
wenn du das i bei Verkäuferin groß machst, hast du sogar einen gender-korrekten Text geschrieben!

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na, ich glaube ja, für genderkorrekt braucht es noch mehr als nur große Is beim weiblichen Verkaufspersonal. Für "die Haarspange" bspw. fällt mir zwar spontan keine maskuline Form, wohl aber eine maskuline Verwendung ein, denn als ich die StänderInnen mit all den Haarspangen durchschaute, waren neben mir noch drei männliche KundInnen auf der Suche nach dem ultimativem Frisurenschmuck für ihr Haupthaar, die (bzw. deren Haarspangensuche) mich derart faszinierte, dass ich mich gar nicht mehr richtig auf meinen eigenen Haarspangenbedarf konzentrieren konnte. Der eine dieser drei KundInnen wählte allen Ernstes so kleine Duttkämmchen mit Straßsteinen, die im Paar vierzig Euro kosteten. Ich hatte die vorher schon im Regal gesehen und mich gefragt, welcher Idiot finanziell unbedarfte Schöngeist so einen Ramsch für so viel Geld kauft. Jetzt könnte man vermuten, dass der arme Kerl vor Liebe vernebelt ein tolles Geschenk für seine Freundin suchte, aber warum hat er die Kämmchen dann sorgfältig im eigenen Langhaar anprobiert?
Die anderen beiden kauften gar nichts, wechselten dann aber rüber in die Parfümabteilung, um sich dort mit Testsprühflaschen zu duellieren - eine Aktion, die ich dann wieder sehr gut verstehen konnte. Wo hat man sonst schon die Chance derart ungebremst derart stinkenden Unfug zu treiben?
Unter dem Aspekt der gendercorrectness hätte für die beiden aber sicherlich noch eine dritte, geschlechtsneutrale Form des Begriffs Kunde erfunden werden müssen. Das Kund? Oder wie nennt man einen Kaufhausbesucher, von dem man nicht weiß, ob er weiblich oder männlich ist, der sich vor allem aber dadurch auszeichnet, dass er auch nichts kauft, sondern nur Unsinn macht?

 
Zu verstehen gibt es da, dass sich Karstadt im Zuge der Umwandlung in Arcandor von vielen erfahrenen Mitarbeitern getrennt hat; irgendwie mussten die hohen Aufwendungen für die Privatjet-Pendelflüge von Herrn Middelhoff und die millionenschwere Namensänderung des Konzerns ja kompensiert werden. Wobei mir einfällt, das Thema Karstadt hatte ich ja auch schon mal...

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oh, danke für den Link, eine gute Gelegenheit alte Texte nachzulesen, die in der Zeit meiner Bloggerabstinenz geschrieben wurden.
Ich muss ja sagen, dass ich noch gar nie darüber nachgedacht habe, ob man Karstadt jetzt gut oder schlecht findet, einfach weil ich noch nie gerne in so einem Großkaufhaus rumgelaufen bin, denn ich weiß immer nicht, was ich da überhaupt kaufen soll.
Wenn ich dann durch Zufall doch mal in so einem Kaufhaus lande, laufe ich dort meist recht ziellos durch die Gegend und stelle fest, welche Unmengen an Dingen es gibt, die ich alle nicht brauche.
Diese Erkenntnis, was es für Berge an Kram gibt, der nur deshalb produziert wird, weil es wiederum Leute gibt, die das Zeug tatsächlich kaufen, löst bei mir jedes Mal ungute Gedankenspiralen Richtung "Sinn des Lebens" und "alle irre" aus, die ich gerne vermeide und mich deshalb eben auch nicht unnötig in Situationen begebe, die derartige Trigger bereithalten.
Und so ein Gemischtwarenkaufhaus ist eben der ideale Ort, um sich die gigantische Warenflut in ihrer gesamten Produktbreite auf einen Schlag reinzuziehen - ich finde es schon gruselig, wenn ich jetzt nur drüber nachdenke.
Auf dem Flohmarkt macht mir das übrigens alles gar nichts aus, denn da werden die Dinge ja nicht von Leuten verkauft, die sie extra nur für den Verkauf produziert haben, sondern von Leuten, die sie nicht mehr brauchen, und damit kann ich dann ganz entspannt umgehen.
Außerdem kommt noch dazu, dass ich finde, es gibt keine vernünftige Bekleidung, um in einem großen Warenhaus einzukaufen. Im Sommer ist es drinnen meist zu kühl für die dünne Kleidung, die ich extra wegen der Hitze draußen angezogen habe - und im Winter genau umgekehrt. Da trage ich Schal, Mantel und Mütze und beginne mich totzuschwitzen, wenn ich ein geheiztes Kaufhaus betrete. Das gilt grundsätzlich auch für kleine Läden, aber da läuft man ja nicht so lange drin rum und wenn man dann wirklich etwas länger gucken oder schauen möchte, dann zieht man sich entweder aus oder ein Teil aus dem Laden an und wärmt sich so beim Anprobieren.
Ansonsten gehe ich am liebsten zielgerichtet in einen Verkaufsladen, der eben eine bestimmte Sorte Dinge hat. In einen Drogeriemarkt für Seife und Deo, in einen Elektronikmarkt, für alles, was piept und blinkt, in einen Buchladen, wenn ich etwas zum Lesen kaufen will und in ein Schuhgeschäft für Schuhe und ein Handtaschengeschäft für Handtaschen. Da ich in aller Regel nicht alles gleichzeitig will, (okay, vielleicht außer Schuhe und Handtaschen), brauche ich auch nicht das gesamte Angebot an einer Stelle. Ich gebe zu, es gibt dann Restmengen, für die lohnt sich ein Spezialgeschäft nicht, Haarspangen und Glasbutterdosen, aber ob sich dafür dann gleich ein Riesenkaufhaus lohnt, das habe ich mir ehrlich gesagt noch nie überlegt.
Und deshalb habe ich mir nie überlegt, ob ich Karstadt oder Kaufhof lieber mag. Ich war ja früher viel in Krefeld, da ist der Kaufhof das Kaufhaus, was ich so kenne und in Düsseldorf war der Kaufhof auch dichter an der Altstadt als Karstadt. In Düsseldorf mochte ich den Kaufhof, weil ich da immer geparkt habe und dann musste man ja was für 5 DM kaufen, um den Parkschein gelocht zu bekommen. Und Karstadt war am Wehrhahn. Wer geht schon zum Wehrhahn, wenn er in der Altstadt aus der Straßenbahn gestiegen ist?
Aber über gute oder weniger gute Parkbeziehungen bin ich mit keinem Kaufhaus je gekommen. Das Carschhaus ist viel komplizierter anzufahren als das Kaufhofparkhaus und außerdem hatte ich immer das Gefühl, für das Carschhaus bin ich nicht vornehm genug. Als es noch Horten war, war es noch schlimmer als Mitte der 90er, als es zu einem etwas aufgepeppten Edelkaufhof wurde, die einzige Abteilung in diesem Laden, die mir gut gefällt, ist im Untergeschoss die Freßmall. Dort war ich früher tatsächlich ab und zu und habe Jahre bevor es üblich wurde damals meinen Spaß an einem "Coffee to go" gehabt, man glaubt es ja kaum, aber es war mal etwas ausgefallenes.

 
Das Gefühl von Overkill habe ich schon in der Fußgängerzone, bevor ich auch nur den ersten Laden betrete, sei es ein Fachgeschäft oder ein klassisches Kaufhaus. Im Kaufhaus selber finde ich es nicht so schlimm, wenn sich das Angebot auf mehrere Stockwerke verteilt. Viel schlimmer finde ich irgendwelche flächigen Riesenmärkte wie den Media Markt oder real. Nicht zu reden von der Metro. Als ich klein war, hatte meinen Mutter beruflich bedingt manchmal einen Metro- oder Fegro-Ausweis, dort einzukaufen fand ich immer ganz schaurig.

Ansonsten ist auch klar, das ich für viele Dinge des täglichen Lebens nicht in ein Vollsortimenter-Kaufhaus fahren muss, wenn ich hier in fußläufiger Entfernung einen DM, einen Rossmann, einen Alnatura, einen Denns-Markt und einen Edeka habe.