anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 4. September 2017
Allein
Ich bin heute alleine. K. ist bei einem zweitägigen Seminar und kommt daher heute nicht nach Hause.
Das ist zwar in den letzten Jahren auch ab und zu immer schon mal vorgekommen, aber insgesamt ist es eher selten, dass wir getrennt übernachten und ich bemerke dann jedesmal, wie sehr ich daran gewöhnt bin, dass wir die Abende gemeinsam verbringen und wie verpeilt ich durch den Tag laufe, wenn ich weiß, ich muss mich um mich selber kümmern.

Morgens habe ich dann immer noch große Pläne, was ich alles tolles mit so einem "freien" Tag anfangen möchte, mittags überlege ich aber bereits, ob ich nicht am einfachsten in die Kantine gehen soll, dann hätte ich das Problem mit dem Essen gelöst, nachmittags habe ich meist schon keine Lust mehr, das Büro zu verlassen, denn was soll ich zu Hause? Und wenn ich dann endlich doch nach Hause fahre, dann halte ich unterwegs an irgend einer Frittenbude (heute war es Pizza, die ich eigentlich gar nicht mag und diese war besonders eklig, aber was soll's), ziehe mir also irgendein widerliches Junkfoodzeug rein und gehe früh zu Bett, weil ich keine Lust habe, irgendetwas anderes zu tun.

Wirklich produktiv bin ich also nicht, an solchen "freien" Tagen und wirklich froh, endlich mal Zeit nur für mich alleine zu haben, bin ich auch überhaupt nicht.
Im Gegenteil, wenn ich wirklich alleine bin, weiß ich nichts gescheites mit mir anzufangen.
Dabei ist es längst nicht so, dass wir jeden Abend wirklich etwas zusammen machen, ich bin aber immer komplett zufrieden, wenn er einfach nur zu Hause ist und ich weiß, er sitzt irgendwo und kümmert sich um seine Sachen. Allein das Wissen, dass er da ist, bringt mir ausreichend Gelassenheit, um mich dann durchaus ausführlich nur mit meinen Interessen zu beschäftigen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich seine Anwesenheit schon jemals in irgendeiner Form gestört oder genervt hätte. Deshalb kann ich auch mit einem "freien" Abend nichts sinnvolles anfangen, denn alles, was ich gerne machen möchte, kann ich auch jederzeit tun, wenn K. zu Hause ist. Ich habe also gar keinen Vorteil davon, dass er nicht da ist. Aber wenn er nicht da ist, dann fehlt mir etwas. Ich bin unruhig, unzufrieden und jammerig.

Wenn ich darüber nachdenke, bin ich jedes Mal von mir selber fasziniert, wie unlogisch das ist, denn eigentlich würde ich behaupten, dass ich ein komplett selbstständiger und unabhängiger Mensch bin, aber vielleicht brauche ich dafür tatsächlich K.s Anwesenheit, dann kann ich auch gut loslassen
.

252 x anjeklickt (immerhin schon ein Kommentar)   ... ¿selber was sagen?