anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 8. Juli 2018
Flohmarkterlebnisse
Zu meiner eigenen Verwunderung habe ich in den letzten Monaten für meine Verhältnisse immer weniger auf Flohmärkten gekauft. Ich bin durchaus noch auf verschiedenen Flohmärkten gewesen, aber die Zeiten, wo ich während eines Flohmarktes dreimal zum Auto gehen musste, um die Einkäufe abzuladen, sind wohl eindeutig vorbei.
Im Moment habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich nichts mehr brauche und auch keine Lust habe, mich mit Neuanschaffungen zu belasten, weil es ja nicht nur mit dem Kaufen getan ist - irgendwo muss der Kram ja anschließend auch untergebracht werden.
Meine Kleiderschränke habe ich in den letzten Monaten immer wieder und jedesmal sehr gründlich aussortiert, säckeweise habe ich Klamotten entfernt, es bleibt das Gefühl, dass man es kaum sieht. Ich habe immer noch viel zu viele Anziehsachen und auch überhaupt keinen Bedarf auf etwas neues. Vielleicht kommt das wieder, aber aktuell finde ich Aussortieren schöner als Einsortieren und wenn ich Kleidungsstücke auf dem Flohmarkt finde, die mir gefallen, dann sind es meist welche, die ich in der Form schon längst habe und dann kann ich auch wirklich schöne Klamotten ungekauft hängen lassen, ich wunder mich dabei über mich selber.
Aber ein bisschen was kaufe ich dann ja doch, allerdings haben sich die Schwerpunkte verschoben, was und vor allem warum ich etwas kaufe, denn was mir im Moment am meisten Spaß macht bei diesen Flohmarktbesuchen sind die Gespräche mit den Verkäufern. Da sind richtig nette Leute bei, mit denen man tolle Gespräche führen kann, das macht viel Spaß und bringt gute Stimmung in den Tag.
Manche Menschen sind aber auch einfach nur skurril, einige sind seltsam zutraulich und fangen einen Plausch mit mir an, bei dem ich jeden Moment erwarte, dass gleich jemand auftaucht und "Hallihallo, versteckte Kamera, schön dass Sie mitgespielt haben" ruft, und einige wenige sind auch rechte Arschlöcher, über die ich mich dann ausführlich aufregen kann.
Ich sammele solche Erlebnisse inzwischen als einzelne Geschichten und weil ich ja regelmäßig auf dieselben Flohmärkte gehe, treffe ich dort auch regelmäßig dieselben Menschen (einige zumindest) und so gibt es auch Fortsetzungsgeschichten.
Heute habe ich zum Beispiel die Frau getroffen, die bei jedem zweiten Teil ihrer sichtbar gebrauchten Dinge immer steif und fest behauptet, das Teil wäre funkelnagelneu, noch nie benutzt, ungetragen, wäre jetzt nur staubig vom Flohmarkt, aber ansonsten eben ungebraucht. Die hatte heute eine Computertasche im Angebot und weil K.s Tasche jetzt so langsam ins Alter kommt und die ersten Auflösungserscheinungen zeigt, fand ich diese Tasche eine gute Ersatzinvestition, weil sie seiner alten sehr ähnlich ist, ganz viel Stauraum und viele Fächer, denn K. schleppt in seiner Computertasche ja außer seinem Laptop auch immer noch sein halbes Büro durch die Gegend.
Sie machte einen sehr stabilen und ordentlichen Eindruck und die Frau versicherte mir mehrfach, dass sie ganz neu und völlig unbenutzt sei, nur eben ein wenig vom Tag heute und dem draußen liegen eingestaubt. Ich habe mir die Tasche gründlich angeschaut und auch in alle Fächer reingeschaut, wobei ich einen Kugelschreiber in einer Seitentasche fand und das kommentierte mit: "Den wird dann wohl der Fabrikarbeiter beim Zusammennähen da drin vergessen haben." Die Verkäuferin antwortete toternst: "Der gehört dazu." - Und so habe ich jetzt für 5 Euro eine funkelnagelneue, sehr stabile, geräumige Computertasche mit Kugelschreiber gekauft und zu Hause dann nur den Staub von außen und die Krümel von innen abgewischt :-)
Letzte Woche war eine Frau auf dem Flohmarkt, die eine große Auswahl an Originalparfumflakons mit "Tester"-Aufkleber verkaufte. Die meisten waren noch fast voll, es fehlte nur die Originalverpackung.
Parfums kaufe ich gerne auf dem Flohmarkt, wenn es Originalparfüms sind, die gibt es allerdings nicht oft, weshalb ich mich über diesen Stand sehr gefreut habe, vor allem weil sie Marken dabei hatte, die ich mag und gerne benutze. Sie hatte zwei verschiedene Kisten, in der einen Kiste kosteten alle Parfüms 8 Euro, in der anderen 20. In der 8-Euro-Kiste waren die eher günstigeren Parfums, die es auch in Drogeriemärkten gibt, in der 20-Euro-Kiste waren die hochwertigeren Marken, insofern war die Unterscheidung gerechtfertigt, aber auch die 20-Euro-Parfums waren ja noch günstig.
Ich habe alle Flaschen sorgfältig durchgeschaut und entdeckte ein teures Parfum, das ich auch noch gerne mag, in der 8-Euro-Kiste und machte die Dame sofort darauf aufmerksam, dass ich dieses Parfum aus der billigen Kiste genommen hätte und dass ich es gerne kaufen möchte, dass ich aber vorher noch eben die 20-Euro-Kiste komplett durchgucken möchte. Ich fand dann noch zwei 20-Euro-Parfums, die ich auch gerne haben wollte und fragte, wie viel ich denn für alle drei Flaschen zusammen bezahlen müsse. Innerlich hatte ich mir vorgenommen, sie mindestens auf 45 Euro runterzuhandeln, aber ich wollte ja erst mal ihren Preis abwarten. Sie überlegte dann länger, schaute alle drei Flaschen genau an, drehte von rechts nach links und sagte dann: "Sind Sie mit 25 Euro einverstanden?"
Ich habe keine Ahnung, was sie sich da zusamengerechnet hat, aber so schnell habe ich selten bezahlt und gemacht, dass ich weiter komme.
Ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich formaljuristisch gar kein Eigentum an diesen Parfums erwerben kann, das wollte ich dann aber lieber nicht weiter beleuchten
.

199 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?