anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 14. Dezember 2016
Trüb
Blöder Tag heute, überall nur Fehler.

Es ist sehr ermüdend, wenn man den ganzen Tag schwerpunktmäßig damit beschäftigt ist, Fehler zu finden, wo man viel lieber keine finden möchte.
Es ist ebenfalls anstrengend, Leuten zu erklären, warum sie leider wirklich nicht so gut sind, wie sie selber meinen, dass sie doch ganz bestimmt wären.
Mitarbeiter müssen natürlich motiviert und bei Laune gehalten werden, das ist mir durchaus klar, aber es gibt Tage, wo das einfach nur noch anstrengend ist. Wo man die Leute anbrüllen möchte: "Nein, du Idiot, deine Meinung ist nicht nur falsch, sie ist auch noch dumm und jetzt ist Schluss. Halt einfach die Klappe und mach, was man dir sagt, das aber bitte fehlerfrei."
Geht nicht, schon klar, aber immer wieder irgendwelche umständlichen, zigmal so lange dauernden, verschwurbelten Schönfärbereien zu erfinden, nur damit Kollege X nicht mit der Realität konfrontiert wird, die einfach nur bitter für ihn wäre, weil sie in direktem Widerspruch zu seinem eigenen Selbstbild steht, das ist halt mühsam und macht mich regelmäßig unfroh.

K. zitiert immer wieder gern den Spruch von Max Frisch: „Man sollte dem anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen.”
Und ja, dieser Spruch findet sich auch schon in meinem allerersten, handgeschriebenen Sprüchealbum aus den 70ern, damals fand ich das sehr klug und weise und habe das immer gern zitiert.

Direkt dahinter steht aber auch der Ratschlag von Erich Kästner: "Verhindere so tief zu sinken, den Kakao, durch den man dich zieht, auch noch zu trinken."
Und ehrlich - den finde ich mindestens so befolgenswert.

Ich bin es so leid, mit Menschen umzugehen, die sich schlicht weigern, die Wahrheit überhaupt sehen zu wollen, sondern lieber mit einer kaum zu überbietenden Unbekümmertheit und Hurra-Mentalität durchs Leben trampeln, sich dabei selbstverständlich überhaupt keine Mühe machen, anderen nicht auf die Füße zu treten, im Gegenteil, das ständig tun, weil das für sie schlicht der bequemere Weg ist.
In ihrer nie zurechtgestutzten Arroganz suhlen sie sich dabei in einer Selbstherrlichkeit, die jeder rationalen Grundlage entbehrt, und ich bin der festen Überzeugung, dass das freundliche Hinhalten eines Mantels für solche Leute vollkommen vergebene Liebesmüh ist. Die tragen gar keine Mäntel, die leben in einer ausgeleierten Jogginghose und halten das für den dernier cri. Die gucken außerdem SuperRTL und machen sich über Leute lustig, die Dinge wie Moral und Anstand für erstrebenswerte Ideale halten.

Ich mag diesen Leuten die Wahrheit nicht mehr wie einen Mantel zum Hineinschlüpfen hinhalten, denn sie schlüpfen nicht - sie stellen sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf und drehen mir eine lange Nase. Und ziehen mich durch ihren Kakao.
Deshalb: NEIN! ich werde ihren Kakao nicht trinken, und ich hab auch einfach keinen Bock mehr, ihnen den Mantel noch länger wie ein grinsender Lakai hinterherzutragen. Ich schmeiß ihnen den Mantel einfach vor die Füße, sollen sie doch sehen, wie sie damit klarkommen, sind ja alle so oberklug und wichtig.

Ja, manno, an manchen Tagen ist es wirklich schlimm, da kommt es so gehäuft, dass ich abends nur noch spucken kann.
Morgen gehe ich wieder brav und gesittet ins Büro und erkläre allen Mitarbeitern ruhig, freundlich und trotzdem positiv verstärkend, dass ich ihre Arbeit sehr schätze und ungemein zufrieden bin, jetzt müssten sie nur noch aufhören, dauernd Riesenmengen an Fehlern in ihren Exceltabellen unterzubringen, dann wäre mein Glück vollkommen. Ich hatte schließlich Pädagogik Leistungskurs
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