anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 28. März 2020
Das Wasserbett
Wochenende - und ich stelle fest, es fühlt sich anders an als ein werktäglicher Homeofficetag, weil ich mit niemandem telefonieren muss, weil keine beruflichen E-Mails reinkommen und weil ich mich auch moralisch nicht verpflichtet fühle, mich mit Arbeitskram zu beschäftigen. Dieses latente Verpflichtungsgefühl, das mir sagt, du wirst für 40 Stunden Arbeit die Woche bezahlt, du kannst hier jetzt nicht einfach blau machen, das ist, glaube ich, das, was mich am meisten stört an der Arbeit und genau deshalb überlege ich mir auch regelmäßig, ob es nicht doch klüger wäre, ich schmeiße einfach hin, verzichte auf die Bezahlung und arbeite nur noch freiwillig und nicht, weil ich Geld dafür bekomme, sondern weil es mir Spaß macht. Das lustige ist nämlich, dass ich in der Vorwoche, als ich offiziell krankgeschrieben war, überhaupt kein Problem damit hatte, dass ich ständig gearbeitet habe. Da mussten halt Dinge erledigt werden und natürlich mache ich das dann, weiß aber eben gleichzeitig, dass ich das freiwillig mache. Ist schon seltsam, wie sehr sich der Bauchkopf hier selbständig macht und man das nicht vernünftig einfangen und abstellen kann.

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Wasserbett:
Wir haben es gestern Nacht dann doch noch geschafft, die Heizung dazu zu überreden, dass sie völlig außer der Reihe und gegen jede Programmierung, nochmal nachts um 1h warmes Wasser produziert, so dass das Bett um 2h dann endlich angenehm temperiert vollständig befüllt und wieder zusammengebaut war und wir uns reinlegen konnten.
Schläft sich sehr gut auf der neuen Matratze, ist wirklich alles ganz prima jetzt.
Heute kam K noch auf die Idee, die alte Matratze einfach aufzuschlitzen, dann kann das Vlies langsam trocknen und das restliche Wasser läuft auch sofort ab, macht das endgültige Raustragen und Entsorgen der Matratze (Sperrmülltermin habe ich heute online beantragt) deutlich leichter.
Sieht jetzt etwas wild aus auf dem Rasen, ist aber egal.



Als ich heute Nacht um 2h dann endlich zufrieden, aber auch etwas überdreht im Bett lag, habe ich mal darüber nachgedacht, wie sich das mit den Wasserbetten in meinem Leben so entwickelt hat.

Das erste Wasserbett habe ich mit CW zusammen am 20. Mai 1991 gekauft und das nur deshalb, weil das Wasserbettgeschäft das einzige Geschäft war, was an diesem Tag geöffnet hatte und wir doch extra zum Einkaufen nach Venlo gefahren waren. Der 20. Mai 1991 war nämlich Pfingstmontag und wir hatten uns eingebildet, die Holländer sind da nicht so streng, da sind bestimmt die Geschäfte geöffnet. Waren sie aber nicht, das einzige Geschäft war, wie gesagt, dieses Wasserbettenstudio und die hatten auch nicht wirklich geöffnet, die hatten formal nur Showtag ohne Beratung, aber naja, das weiß man ja, wie das dann läuft.
Und weil wir sonst nichts zu tun hatten, fanden wir es sehr lustig, uns Wasserbetten anzusehen und uns erklären zu lassen, was es da so gibt. In meinem Kopf war bis dahin Wasserbett irgendwie fest assoziiert mit Lotterbett, so dass ich es auch gleichzeitig noch leicht verrucht fand, mich mit so etwas zu beschäftigen. Aber wir waren ja im Ausland, da fühlt sich sowieso alles anonymer an und außerdem war ich schwanger, da fühlt man sich in Punkto Lotterleben nicht ganz so peinlich entblößt, wenn man als seriöses Paar auftritt und vorgibt, man hätte gehört, Wasserbetten wären gut für Schwangere.
Tatsächlich war es dann allerdings wirklich so: Wasserbetten sind die idealen Betten für Schwangere, ich weiß gar nicht, wie ich meine Schwangerschaften ohne Wasserbett überstanden hätte. Ganz bestimmt nicht so entspannt.

So kam es also, dass wir aus heiterem Himmel, ohne je vorher darüber nachgedacht zu haben und auch ohne überhaupt genau zu wissen, wie man mit so einem Teil umgeht und was da auf uns zukommt*, ein Wasserbett kauften. Mit CW konnte man hervorragend solche Blödsinnssachen machen, das habe ich stets sehr an ihm geliebt.
*Ich gehe davon aus, dass der Verkäufer der Showroomnichtberater uns wahrscheinlich schon versucht hat, zu erklären, wie man mit so einem Wasserbett umgehen sollte und was es für Unterschiede gibt usw. - aber CW hat sich noch nie gerne etwas von anderen sagen lassen, weshalb von dieser Sorte Info nichts bei uns ankam.

Das Wasserbett wurde geliefert und aufgebaut - und das stellte sich im Nachhinein als eines der Probleme der Zukunft heraus, denn weil wir das Teil gebrauchsfertig frei Haus geliefert bekamen, hatten wir echt Null Ahnung, wie man mit so einem Wasserbett umgehen muss und welche Pflege es braucht. Das fiel uns aber erst sehr viel später auf. Die ersten fünf Jahre schliefen wir einfach nur in dem Wasserbett und waren begeistert. Durch großen Zufall hatte es sich ergeben, dass wir alle beide tatsächlich genau die richtigen Schlafgewohnheiten für ein Wasserbett hatten und was soll man sich mit weiteren Details zu einem Thema beschäftigen, das man für sich als perfekt gelöst betrachtet.
Nach fünf Jahren zogen wir allerdings um und das bedeutete, auch das Wasserbett musste ab- und wieder aufgebaut werden. Irgendwie ist das auch gelungen, ich sollte aber vielleicht dazu sagen, dass unser erstes Wasserbett nur 1,60m breit war, nur wenig beruhigt und außerdem die Hardsidevariante. Das ist sozusagen die Einfachversion von Wasserbetten. Damit ist ein Umzug auch für Wasserbettenunkundige noch selber organisierbar. Irgendwo trieben wir leihweise eine Pumpe auf und die Erstbefüllung im neuen Haus erfolgte mit dem Gartenschlauch aus dem Außenhahn, weil das die einzige Stelle war, wo man einen Gartenschlauch anschließen konnte.
Wenn man ein Wasserbett mit kaltem Wasser füllt, dann dauert es ca. 3 Tage, bis das Wasser von der unter der Matratze liegenden Heizung ausreichend aufgewärmt ist und in einem Wasserbett mit kaltem Wasser zu schlafen - nein, das möchte man wirklich nicht. Das kalte Wasser in der Matratze versucht nämlich zwanghaft sich der Umgebungstemperatur anzupassen und das macht es natürlich dann auch dadurch, dass es dem warmen Körper, der auf der Matratze liegt und schlafen will, einfach konstant Wärme klaut. Wenn man überhaupt einschläft, wacht man garantiert arg unterkühlt wieder auf, soviel Wolldeckenisolation kann man gar nicht zwischen sich und dem kalten Wasser in der Matratze legen, dass man das verhindern kann.
Wir lernten das auf die harte Tour.
Abhilfe schafft hier übrigens ein Adapter mit der richtigen Kombination von Innen- und Außengewinde, den man statt Perlator in seinen Wasserhahn am Waschbecken einschraubt und der es mit seinem passenden Außengewinde an der anderen Seite ermöglicht, dort einen Wasserschlauch anzuschließen, durch den man dann auch warmes Wasser ins Bett fließen lassen kann.
Muss man wissen und muss man dann auch kaufen können, ist selbst in gutsortierten Baumärkten nicht einfach zu finden. Habe ich erst später gelernt, gesucht und schließlich besessen.

Wenn man ein Wasserbett mit kaltem Wasser aus einem ganz normalen Gartenschlauch befüllt, dann gelangen so Unmengen an Keimen in das Wasserbett, die dort dann Party feiern und irgendwann beginnt das Ganze zu schimmeln.
Dies umso mehr, wenn man keine Chemie zusätzlich in das Wasserbett kippt, weil man davon nichts weiß. Ich meine, weil man nicht weiß, dass ein Wasserbett nicht nur mit Wasser, sondern auch mit einer ansprechenden Menge an Chemie gefüllt werden muss, eben um u.a. das Schimmeln zu verhindern.
Auch das lernten wir auf die harte Tour. Ich sollte hier vielleicht noch anfügen, dass wir uns aktuell so im Jahr 1998-1999 befinden, als man fehlendes Wissen nicht einfach durch eine Google Suche ergänzen konnte.
Wir fuhren aber irgendwann mal durch Essen und sahen dort auch einen Wasserbettenladen. Ich muss hier vielleicht ergänzen, dass ich bis zu dem Tag keine Idee hatte, wie ich mir weitere Kenntnisse zum Thema Wasserbett aneignen könnte, denn der Wasserbettladen in Venlo hatte inzwischen geschlossen und in Viersen und Umgebung, wo wir damals wohnten, gab es so etwas nicht. Als ich diesen Wasserbettenladen in Essen sah, zwang ich CW zu einer Vollbremsung und Terminverschiebung (wir waren ja eigentlich zu einem beruflichen Termin dort unterwegs) und lernte dann in diesem Laden so einiges über Wasserbetten. Z.B. die Nummer mit dem kalten Wasser, dem Schimmeln und dem dringend nötigen Chemiezusatz bei der Erstbefüllung und auch danach in regelmäßigen Abständen. Außerdem bekamen wir einen neuen Verschluss für unsere Matratze und so gelang es uns, den Schimmel wieder aus unserem Wasserbett zu vertreiben.

Dann zogen wir erneut um, mittlerweile war die Wasserbettmatratze 11 Jahre alt und überlebte diesen Umzug nicht, sie wurde undicht und deshalb entsorgt.
CW kaufte dann eine neue Matratze, diesmal Free Flow, und außerdem rüsteten wir unser Hardside Wasserbett zu einem Softsidewasserbett um. Macht das Sitzen auf dem Bettrand deutlich bequemer und ich lernte endlich den konkreten Unterschied zwischen Hard- und Softsidewasserbetten.

Als ich dann 2008 alleine auszog, stand für mich unverrückbar fest, dass ich ein Wasserbett haben wollte und das einzige Zugeständnis, was ich meinem etwas skeptischen Westfalenmann machte, war, dass ich dann eine Matratze mit ausreichender Beruhigung auswähle.

Da man Wasserbetten sehr gut gebraucht kaufen kann, da es schließlich kein Hygienethema bei benutzen Matratzen gibt, entdeckte ich bei ebay ein 2 Jahre altes Wasserbett in der Größe 2,00m x 2,20m und kaufte es kurzerhand**. Das Bett ist im Vergleich zu dem, was ich bisher gewohnt war, gigantisch groß, die letzten 17 Jahre hatte ich mit CW auf 1,60m x 2,00m geschlafen, aber das Bett war hübsch, ziemlich neu, hatte die richtige Matratzenart (mäßig beruhigt aber mit extra Lendenunterstützung), konnte in Essen abgeholt werden und paste in das neue Schlafzimmer. So what. Ich habe übrigens entdeckt, dass das Ruhrgebiet so eine Art Hotspot für Wasserbettenläden ist, diese Bettenart scheint dort besonders beliebt zu sein.
Deshalb habe ich mir die notwendige Pumpe, die es braucht, um so ein Wasserbett überhaupt abbauen zu können, auch gleich vor Ort in einem Wasserbettenladen in Essen geliehen, allerdings nur die Pumpe und nicht den Absaugstutzen, denn damals wusste ich noch nicht, dass man so etwas braucht, wenn man ein Wasserbett mit Vliesinnenleben leeren will.
**Genaugenommen hat K es für mich bei ebay ersteigert, weil ich ja so schlecht mit den Nerven dabei bin, wenn es darum geht, im richtigen Moment das richtige Gebot abzugeben, mich macht das dann immer so nervös, dass mir nach so einer wichtigen ebay Auktion immer noch drei Stunden später schlecht ist vor Aufregung. Deshalb besteht K natürlich auch darauf, dass wir das Bett nicht hätten, wenn er nicht so gute Nerven hätte. Es sei ihm gegönnt.

Weil ich den passenden Absaugstutzen nicht hatte, gelang es auch nicht, das Wasser maximal gut aus der Matratze zu pumpen - sie war immer noch höllenschwer, als wir beschlossen, leerer geht nicht, aber irgendwie gelang es, das Teil von Essen nach Greven zu schaffen.
In Greven gibt es übrigens auch ein Wasserbettenstudio und dort ging ich dann hin, um mir die Chemie zum Befüllen zu kaufen - und dort erfuhr ich dann auch, dass das gar nicht so einfach ist, mit diesen Wasserbettmatratzen mit Vliesinnenleben, weil, wenn das verrutscht und verklumpt, dann gute Nacht Marie. Dann schläft man künftig, trotz Wasserkern, auf einer Berg- und Talbahn, ein verrutschtes Vlies ist im Grunde der Tod einer Wasserbettmatratze.
Hmm, blöd, so wie wir an dieser höllenschweren, weil nicht wirklich entleerten Matratze rumgezerrt hatten, konnte man sehr sicher davon ausgehen, dass das Vlies verrutscht ist.
War es auch, wir breiteten die Matratze in einem leeren Zimmer einfach mal komplett auf dem Boden aus, da konnte man sofort sehen, dass da was verrutscht war.
Im Internet stand dann aber, dass man das reparieren kann, man müsse nur das Wasser maximal entleeren und anschließend die Matratze mit Luft vollpumpen. Dann könne man das in der Luft freischwingende Vlies grade Schütteln.
Genau das machten wir (Pumpe samt Absaugstutzen diesmal im Grevener Wasserbettenladen geliehen) und es gelang. Anschließend hatte K aber für drei Wochen Rücken.

Seit 2008 haben wir also nun dieses riesengroße Wasserbett in Greven, Monomatratze, mittelberuhigt mit Lendenstütze und schlafen alle beide extrem gerne in diesem Bett.

Im Jahr 2009 bauten wir auf Borkum das Schlafzimmer um - und ich wollte dort dann auch ein Wasserbett haben.
Wir kauften wieder ein gebrauchtes, diesmal nur 1,60m + 2,00m, weil mehr passt in das Schlafzimmer nicht rein, holten es irgendwo im Harz ab und transportierten es nach Borkum. Abholung und Abbau im Harz noch mit geliehener Pumpe, aber damals kam ich dann auf die Idee, dass wir uns grundsätzlich eine eigene Pumpe kaufen sollten, weil einfach praktischer. Dieses Wasserbett hatte zwei Einzelmatratzen à 0,80m x 2,00m, das habe ich genau ein Jahr ertragen, dann hatte ich davon die Nase voll, Einzelmatratzen sind nix für meinen Schlafstil, ich brauche eine einheitliche Matratze ohne Gefälleunterschied, da kann ein Wasserbettverkäufer noch so viel erzählen, dass es besser ist - ich finde es blöd.

Also kaufte ich eine passende Monomatratze in 1,60m x 2,00m (gebraucht natürlich, ich liebe ebay) und beschäftigte mich in dem Zusammenhang einmal gründlich mit den unterschiedlichen Qualitäten im Wasserbettenangebot. Es gibt natürlich Mercedesmatratzen und Nonamematratzen, und wenn ich schon gebraucht kaufe, dann nur Mercedes, auf Borkum haben wir deshalb jetzt eine Tassomatratze mit Schaffell-Topping. Ist sehr komfortabel, aber für neu wäre es mir definitiv immer zu teuer. Die beiden Einzelmatratzen verkaufte ich übrigens auf der Insel weiter, rein finanziell habe ich bei diesem Geschäft sogar Gewinn gemacht und per Saldo nachher noch die deutlich bessere Matratze auf dem eigenen Bett, war eine coole Aktion.

Als nächstes kam N auf die Idee, dass er auch gerne ein Wasserbett hätte, ich sagte ihm, worauf er achten muss, wenn er bei ebay schaut (nicht nur eine verträgliche Entfernung zum Abholen, sondern auch Qualität, Matratzenberuhigung etc.) - er fand ein passendes Bett in 100km Entfernung, wir kauften es, bauten es erst in Greven auf und dann zog er damit um nach Hamburg. Mittlerweile besaßen wir unsere eigene Pumpe, mittlerweile sind wir Profis im Wasserbettenauf- und abbau.

Dann wollte J ein Wasserbett haben, auch das kauften wir bei ebay, kauften ihm ein Jahr später auch noch eine neue Matratze, (wieder ebay, wieder Tasso, diesmal aber Free flow, J ist halt der Sohn seines Vaters) und transportierten es irgendwann nach Borkum, weil J sich dort mehr aufhält als in Greven.

Wenn ich jetzt so rückwärts überlege, wie viele Wasserbetten wir schon ab- und wieder aufgebaut haben, dann ist das schon eine beachtliche Zahl. Inzwischen würde ich auch von uns behaupten, dass wir uns ziemlich gut mit allen Details in diesem Geschäft auskennen und auch zubehörtechnisch inzwischen sehr gut ausgerüstet sind. Man braucht nicht nur eine Pumpe (mit den passenden Anschlüssen und dem Absaugstutzen), sondern auch einen passenden Wasserhahnadapter für die Warmwasserzuleitung, eine Entlüfterpumpe und ganz viel Chemie, die bei jeder Erstbefüllung und dann anschließend alle sechs Monate ins Wasserbettwasser gekippt werden muss. Das habe ich alles so nach und nach gelernt und angeschafft, aber nach nunmehr fast 29 Jahren Wasserbett kann ich nur sagen: es waren schlaftechnisch wirklich wunderbare 29 Jahre, blöd nur, dass ich für normale Matratzen fast komplett versaut bin
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