anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 4. März 2016
Klappe halten, weitermachen
Mit dieser Grundhaltung kann man prächtig Streit vermeiden.
Und Streit muss dringend vermieden werden, denn Streit ist böse.
Wir wünschen uns den Weltfrieden und dass alle Menschen nett zueinander sind. Dann muss sich keiner streiten und überall ist rosa Zuckerwatte.
Oder eher Pustekuchen?

Zum streiten gehören zwei.

Wenn ich mich nicht streite, kann das folgende Gründe haben:
- Ich bin komplett damit einverstanden, was der andere sagt/meint/tut/macht/will/erwartet oder welches Verb auch immer
- Ich bin nicht damit einverstanden, aber der andere ist zu einem offenen Gespräch bereit und respektiert dabei meine Haltung.
- Wir haben beide eine unterschiedliche Meinung, wir haben offen darüber gesprochen, konnten keine Lösung finden, respektieren aber beide gegenseitig unsere Haltungen und klammern in unserem Umgang miteinander in gegenseitigem Einvernehmen dieses Thema künftig aus
oder:
- Ich habe resigniert, bin eingeknickt, habe aufgegeben

Und wenn keiner dieser Fälle vorliegt - dann streite ich mich. Ich streite mich, weil ich es wage, eine andere Meinung zu haben. Weil ich nicht finde, dass man auf dieses oder jenes oder diesen oder jenen unbedingt Rücksicht nehmen muss.
Ich nehme Rücksicht, wenn ich das will - aber nicht, weil "man" das so tut.

Ich habe sehr häufig eine andere Meinung, ich scheine für mainstream nicht zu taugen.
Ich finde die Forderung, dass alle Menschen nett zueinander sind, ungefähr so realistisch, wie die Erwartung, dass die CSU demnächst für den ungeregelten Zufluss von Flüchtlingen ist. Wenn alle Menschen nett zueinander sein sollen, dann müssen wir auch ungebremst Flüchtlinge hier aufnehmen.
Ich meine, ICH hätte noch nicht mal was dagegen - aber wen interessiert, was ich meine, die Realität wird anders ablaufen.
Deshalb habe ich lieber Meinungen, die grundsätzlich auch realistisch umsetzbar sind. Ich habe einen unleugbaren Hang zum Pragmatismus.
Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass es für den Weltfrieden sehr förderlich wäre, wenn sich jeder zunächst mal um sich selber kümmert.
Da Menschen von Natur aus soziale Bedürfnisse haben, werden sie aus reinem Egoismus, weil es für den einzelnen individuell positiv ist, sich um andere Leute kümmern. Nämlich um die, von denen sie gerne gemocht werden wollen.
Ich finde das alles absolut logisch und sinnvoll, es scheint aber keine mainstream Meinung zu sein.
Die Masse steht auf Gutmensch à la Mutter Theresa oder wertewahrende Haus und Hof Verteidiger im Sinne der AfD. Und diese beiden gegensätzlichen Grundhaltungen schlagen sich dann die Köppe ein.
Herzlichen Glückwunsch.

Ich kann weder mit dem einen noch mit dem anderen, für mich sind beide viel zu sehr auf Außenwirkung bedacht.
Diese wertewahrenden AfD'ler finde ich extrem beängstigend. Sie machen mir so viel Angst wie Kakerlaken oder Ratten. Die besetzen auch mein Haus in der festen und gerechten Überzeugung, es wäre ihres und sie haben einen Anspruch darauf - und mit Reden oder Vernunft ist denen nicht beizukommen.
Um die wieder loszuwerden, muss man schon sehr überlegt und auch sehr geschickt vorgehen, denn die sind intelligent und lassen sich nicht einfach so fangen oder vertreiben.
Aber mindestens genauso gruselig finde ich diese penetranten Gutmenschen. Mit ihrem dauernden Verlangen nach Verständnis und Rücksicht. Wodrauf man Rücksicht nehmen soll und wofür man Verständnis haben soll, das bestimmen selbstverständlich sie. Und wenn man da anderer Meinung ist, dann ist man gleich ein schlechter Mensch und wird ausgeschlossen.
Aus dem Kreis der Gutmenschen.

Ich meine, das macht sie schon fast wieder sympathisch, denn immerhin wird man Gutmenschen wesentlich leichter los als Kakerlaken oder Ratten - aber sie verschwinden nicht ganz, sie stellen sich dann vors Haus und nölen dort rum. Halten jeden auf, der mich besuchen will und erzählen ihm unaufgefordert, was ich für ein schlechter Mensch bin, weil ich nicht so sein will wie sie.
Und - ehrlich- das macht mich dann fast mehr wütend als so ein paar durchgeknallte AfD'ler, die sich die Birne zuknallen und dann pöbeln gehen.
Die AfD'ler haben alle miteinander selber Angst. Die haben eine Scheißangst, dass irgendjemand ihnen ihre paar kleinen Bequemlichkeiten, die sie sich so mühsam als Sozialleistungen erkämpft haben, wieder wegnehmen könnte und sie jemand anderem gibt.
Es ist entsetzlich und es ist traurig, dass es solche Menschen heute noch oder wieder gibt - aber ihre Entstehung kann ich wenigstens nachvollziehen und ich denke, hier ist unsere Gesellschaft gefordert, diesen Menschen ihre Ängste zu nehmen und dann beruhigen die sich auch wieder.
Aber diese Gutmenschen, dieses Gemeindepfarramt, diese wir wünschen uns alle den Weltfrieden und sind grundsätzlich nett zu allen - das sind doch in Riesenmengen Heuchler und falsche Fuffziger. Niemand kann nett zu allen sein, es gibt immer welche, die findet man einfach blöd. Warum weiß man selber gar nicht so genau, ist auch egal, man findet sie eben blöd. Darf man aber nicht, wenn man ein guter Mensche sein will. Dann muss man alle toll finden, auch die, die man blöd findet und auch die, die wirklich blöd sind. Also sagt man, dass man sie toll findet - und wenn sie nicht hingucken, kackt man ihnen aufs Hemd. Und zieht über sie her - hinter ihrem Rücken. Und missachtet den Tanzabstand. Auf das Gröbste, und sagt Sorry, wollte ich nicht, wenn man dem anderen auf die Füße tritt, aber kann ja schon mal passieren.

Ach, geht mir weg mit diesem "streitet euch nicht und vertragt euch wieder". Ich will und werde mich nicht mit Menschen vertragen, die das nur als Vorwand benutzen, um mir sofort wieder auf die Füße zu treten.
Ich streite mich dann nicht.
Ich gebe auf.
Und bleibe einfach weg
Punkt
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