anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 8. März 2016
Sehr komplizierte Materie
Normalerweise bin ich ja nicht nur mit einem sehr gesunden Selbstvertrauen ausgestattet, sondern auch mit einer durchaus gehörigen Portion Arroganz, wenn es um die Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenz geht.
Oder kurz: Ich halte mich eigentlich für ziemlich klug.
Jetzt kein Extremüberflieger-Einstein-Niveau, aber auf alle Fälle weit über dem Durchschnitt, wenn ich es vergleiche mit den Menschen, denen ich ansonsten so in meinem Leben begegne.
Ich mache das an einigen ganz realen Sachverhalten fest: Abitur und Studium habe ich sehr entspannt erledigen können, mich wirklich anstrengen oder übermäßig Lernen musste ich noch nie für irgendeine Prüfung und trotzdem waren meine Noten immer im oberen Drittel.
Im Beruf habe ich dann sehr früh schon mit großem Erstaunen festgestellt, was für einen Unsinn manche Menschen produzieren (und ohne schlechtes Gewissen dafür Geld nehmen, aber das ist ein anderes Thema) bzw. wie schwer sich viele Leuten tun, wenn die Sachverhalte nur etwas komplexer werden und sie Dinge tun müssen, die sich nur durch eigenes Denken rausfinden lassen, weil es keinen Vorgang gibt, den man einfach nur stumpf wiederholen könnte.
Bei wirklich kniffligen Sachverhalten bleiben nur noch sehr wenige Menschen über, die in der Lage sind überhaupt damit umzugehen, hier schreien dann die allermeisten Menschen laut nach einem Spezialisten, dem sie dann blind vertrauen müssen, weil sie eben den Sachverhalt in Gänze noch nicht mal mehr nachvollziehen können, geschweige denn selber lösen.
Solche Dinge machen mir aber am meisten Spaß. Ich mag eigentlich nur Dinge, wo ich selber denken muss. Routinearbeit, wo der Vorgang nur noch sorgfältig abgearbeitet werden muss, finde ich entsetzlich langweilig und bin jedes Mal erstaunt, wie viele Leute sich um so eine 08/15 Arbeit reißen, um mir dafür dann die "Entscheidungsvorgänge" auf den Tisch zu knallen.
Ich mag Zahlen und Strukturen und finde es normalerweise gar nicht kompliziert auch ganz verworrene Vorgänge und Probleme zu lösen, man muss das gesamte Thema zunächst mal nur in ganz viele kleine Einzelteilchen zerlegen, die man dann vernünftig strukturiert wieder zusammenfügt - und voilà, schon liegt die Lösung quasi von selbst auf dem Tisch. Mit dieser Technik bin ich bisher sehr erfolgreich durchs Leben gesegelt und beschäftige mich auch regelmäßig mit Dingen, von denen ich im Grunde keine Ahnung habe, aber die kommt dann beim Auseinandernehmen und anschließendem Zusammensetzen der Themen ganz von alleine dazu. Wenn wir am Ende die verschiedenen, denkbaren Lösungsmöglichkeiten diskutieren, kommt normalerweise niemand auf die Idee, dass ich bis vor kurzem noch nie etwas mit diesem Thema zu tun hatte.
Da ich auch eine ungeheuer große, angeborene Neugier als Dauertrigger mit mir rumschleppe, interessiere ich mich für fast jedes Spezialgebiet und versuche überall, wenigstens die Grundstrukturen zu erkennen, einzusortieren und nutzbringend weiterzuverwenden.
Ich mag Sprache, ich mag Logik, ich mag Zahlen und ich mag Technik, eigentlich also eine gute Basis für einen "Allrounder".

Nach diesem ellenlangen Erklärungsausholer fasse ich nochmal kurz zusammen: Ich bin im Grunde überzeugt, dass ich zu den oberen 10% unserer Bevölkerung gehört, was Problemlösungskompetenz angeht, einfach weil ich das in meinem Leben immer wieder so erfahren habe.

Und dann gibt es Dinge, da brauche ich so ewig lange, bis ich endlich begriffen habe, was da alles so hintersteckt, wie das funktioniert und wodrauf man achten muss, dass ich schon fast verzweifle und kurz davor bin aufzugeben und es als "ist kaputt, kannste knicken" abzutun.
Aber, ganz ehrlich? Was mich dann völlig sprachlos macht, sind Menschen, die mit solchen Arbeitsabläufe und Zusammenhängen völlig locker umgehen und es für das alltäglichste der Welt halten, dass man erst den Nippel durch die Lasche, um dann.......
Und das sind nicht die oberen 9%, die einfach noch besser sind als ich, nein, dafür sind es zu viele. Es sind ganz einfache Durchschnittsbürger, die mit hoher Wahrscheinlichkeit weder eine brauchbare Excel-Tabelle programmieren können noch einen Text so schreiben, dass man ihn außerhalb des RTL2-Reality-TVs nutzen könnte.
Bin ich tatsächlich so wahrnehmungsgestört, dass ich nicht mehr mitbekomme, wie zurückgeblieben ich inzwischen bin und bin ich schon so veraltet, dass mir als Metaphern nur noch Lieder aus den frühen 80ern einfallen?
Manchmal mache ich mir ernsthaft Sorgen, was da grade so an mir vorbeiläuft in meinem Leben, von dem ich noch nicht mal eine Ahnung habe, dass es überhaupt existiert.

Beispiel heute: Fortsetzung meiner Payback-Rewe-Number26 Aktion.

Die Grundlagen des Number26-Kontos habe ich inzwischen begriffen: (ich habe nirgendwo eine Zusammenfassung gesehen, aber durch try and error einiges herausgefunden)
Man kann täglich bis zu 999 Euro einzahlen, wobei täglich = innerhalb von 24h bedeutet. (Ich habe gestern Abend um 20.31h den Höchstbetrag eingezahlt, weshalb ich heute bis genau 20.31h warten musste, um überhaupt noch mal einen neuen Einzahlungsauftrag in der App generieren zu können). Ab Mai ist das übrigens schon wieder abgeschafft, da kann man nur noch 100 Euro im Monat kostenfrei einzahlen. Es scheint also viele Leute gegeben zu haben, die Bareinzahlungen attraktiv fanden. Warum wohl?......
Bar eingezahltes Geld kann man erst nach 1-2 Tagen wieder bar abheben, mit der Karte bezahlen kann man aber sofort. (Was ich jetzt noch ausprobieren müsste, ist, ob jemand, dem ich Geld von meinem Konto "beame", was sowas wie eine Instant-SMS-Überweisung ist, das empfangene Geld sofort abheben kann. Dann bräuchte man nur zwei Konten, um nach der Einzahlung sofort wieder abheben zu können.......)
Aber besser bräuchte man sogar drei Konten, denn man kann täglich (innerhalb von 24h) nur 300Euro abheben.
Meine erste Idee, ich zahle täglich 1.000 Euro ein und hebe sie sofort wieder ab, klappt also leider nicht.

Dann zu Payback:
Na, das ist ja vielleicht ein beklopptes System. Das meinte ich übrigens oben, wenn ich feststelle, dass jede Menge Menschen ganz locker und easy mit ihren Payback-Karten umgehen und nur ich mich anstelle, wie der dümmste Vollhonk.
Prinzipiell ist mir Payback sowieso eher unheimlich. Ich mag eigentlich diese gesamten Rabattkarten nicht so sehr, wenn ich mir überlege, was die alles an Daten von mir sammeln, und welchen Unsinn ich mit den Daten anstellen würde, wenn ich sie hätte....
Ich versuche Payback dadurch zu verwirren, dass ich einfach ganz viele Payback-Karten habe. Ich splitte meine Persönlichkeit also auf, dann finden sie auch immer nur einen Teil von mir auf einer Karte.
Aufgrund dieser Aufsplittung kann ich übrigens berichten, dass man tatsächlich unterschiedliche Werbung und unterschiedliche Rabattaktionen angeboten bekommt, je nachdem, welche Umsätze man auf der Karte gemacht hat.
Da ich nicht nur zwei Wohnsitze, sondern auch drei Namen und viel Platz auf dem Klingelschild habe, habe ich meine Persönlichkeit datentechnisch schon vor vielen Jahren atomisiert und mir einfach eine größere Menge Pseudoexistenzen geschaffen, die heute alle (unterschiedliche) Werbepost von den diversesten Rabattkartenanbietern bekommen. (Übrigens auch von der GEZ, was ich wirklich witzig fand!)
Aber zurück zu meinen frischen Erkenntnissen, welche Voraussetzungen es braucht, um überhaupt an diesen Rewe 10fach Punktegutschein zu kommen.
Als erstes muss man sich diesen Coupon schon mal selber an der vor Ort befindlichen "Paybacksäule" ausdrucken. Dazu gibt es eine ausführliche Anleitung, die aber ein paar wesentliche Dinge nicht erwähnt.
Man bekommt diesen 10fach Punktecoupon nämlich nur, wenn man vorher eigene Guthabenpunkte einlöst und damit bei Rewe bezahlt. Mindestens 200 braucht man dafür. Wer also keine 200 Punkte auf seiner Karte hat, bekommt auch keinen Rabattcoupon. Bis ich diese, im Grunde ja ganz einfache Erkenntnis gewonnen hatte, habe ich fast eine halbe Stunde lang auf der Paybacksäule im Rewe rumgetippt und nicht begriffen, warum ich heute mit meiner zweiten Payback-Karte nicht auch so einen 10fach Coupon bekomme, wie gestern, mit der ersten Paybackkarte. Es lag, wenn man es weiß, ganz einfach, daran, dass auf der Karte keine Guthabenpunkte waren und der Automat sie deshalb immer auf der halben Wegstreckte blockierte.
Auf der anderen Paybackkarte waren aber leider auch keine Guthabenpunkte mehr, denn die hatte ich gestern, in meiner Unwissenheit einfach alle eingelöst, statt noch ein paar für einen zweiten Versuch stehen zu lassen. Andererseits fürchte ich ja auch, dass man mit einer Payback-Karte auch nur einmal so einen 10fach Coupon bekommt, deshalb habe ich es heute ja gleich mit der zweiten Karte probiert. Ob dieselbe Karte zweimal funktioniert, weiß ich aber nicht.
Insgesamt habe ich inzwischen verstanden: Ich muss erstmal irgendwie blitzschnell mindestens 200 sofort verfügbare Punkte auf meine zweite Payback-Karte schaufeln, sonst kann ich das Gesamtprojekt eh abblasen. Sofort verfügbar sind aber nur Punkte aus direkten Umsätzen. Also keine Sonderpunkte, die es gibt beim ersten Onlinekauf bei xyz.
Deshalb kam ich auf die Idee, heute noch mal 400 Euro einzuzahlen (mit der zweiten Payback Karte, 2x300 hatte ich ja schon wieder abgehoben, gestern und heute), damit bekäme ich sofort 200 Punkte gutgeschrieben, könnte mir dann noch innerhalb der Frist (die Aktion läuft am 12.3.aus) noch schnell einen 10fach Coupon sichern und ausprobieren, ob es wirklich am Kassensystem des anderen Rewemarktes liegt, dass ich für die Einzahlung gestern nicht auch 10fach Punkte bekommen habe, sondern sogar gemeinerweise gar keine.

Dieses Vorhaben scheiterte dann aber an der 24-Stundensperre und daran, dass ich um 20.31h keine Lust hatte, deshalb extra loszufahren. Mache ich also morgen, sind ja immer noch vier Tage bis zum 12.3.

Und schließlich zu Rewe: Mittlerweile habe ich raus, dass es bei uns in der Gegend zwei konkurrierende Rewegruppen gibt. Rewe-Dortmund und Rewe-Köln.
Bei Rewe-Köln klappte das mit dem Einzahlen und den Payback-Punkten ganz problemlos. Bei Rewe-Dortmund scheint es dagegen ein anderes Bonsystem zu geben und dort werden Bareinzahlungen auch als "Barzahlen.de" gebucht, bekommen ein Sternchen auf dem Bon und die Erklärung, dass es für die Sternchenumsätze leider keine Payback-Punkte gibt.
Bareinzahlung
Der Rewe-Dortmund-Markt hat übrigens auch keine Treupunkte, (mit denen man dann verbilligt Kram, den man eh nicht braucht, kaufen kann), aber der Rewe-Köln hat außer Payback-Punkten auch diese Treuepunkte in Form von Rabattmärkchen. (die ich mir aber nicht mehr habe aushändigen lassen auf meine erste Einzahlung am Samstag, da hielt ich das noch für unmoralisch.)
Ich glaube also, dass ich nur in den richtigen Rewe-Markt fahren muss, mir vorher einen 10fachCoupon löse, den ich aber nur bekomme, wenn ich mir noch mehr vorher noch mal extra Punkte für mein Payback-Konto besorge, so dass der gesamte Plan jetzt lautet:
Morgen zahle ich bei dem Rewe-Köln Markt erst mal 400 Euro ein, dafür müsste ich dann 200 Punkte bekommen (und ich benutze vorsichtshalber die zweite Payback-Karte). Bei dem Rewe-Dortmund hebe ich dann gleich mal wieder 300 Euro ab, mehr geht ja nicht. Dann besorge ich mir noch mal 600 Euro von einem anderen Konto und zahle übermorgen dann wieder 1000 Euro bei dem Rewe-Köln-Markt ein, bei dem ich dann auch den 10fach Coupon einlöse.

K. meinte zu der gesamten Aktion, das wäre ihm alles viel zu umständlich, und insgesamt würde man dann nicht genug daran verdienen (vor allem, wenn man den Sprit, den ich durch das dauernde Hin- und Herfahren zwischen zwei Rewe-Märkten in Münster und Greven ja auch noch berechnen muss, wieder abzieht), ich finde es aber nach wie vor unglaublich witzig und außerdem ist es mittlerweile zu einem battle zwischen mir, Rewe und Payback geworden, wer hier letztlich unterm Strich den anderen am meisten ausgetrickst hat.

Und um den Bogen zu den Anfangsausführungen zu schließen: Bis ich das alles begriffen hatte, was ich hier jetzt so kurz zusammengetragen habe, gab es einige Momente, in denen ich nur noch Fragezeichen Wutgeschrei ausgestoßen habe, weil ich einfach nicht verstehen konnte, warum es einmal klappt und ein zweites Mal nicht. Und um mich herum jede Menge ältere Hausfrauen, die ganz locker und selbstverständlich ihre Payback-Karte an der Paybacksäule scannten, zielsicher und gekonnt irgendwelche Tasten drückten, auf diese Weise blitzschnell einen Bon auswerfen ließen und weiterzogen - und ich daneben, die ich über 30 Minuten vor dieser verdammten Paybacksäule verbrachte und letztlich unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.
Wer hier jetzt gescheit und wer gescheitert ist, möchte ich besser gar nicht mehr weiter hinterfragen
.

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