anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 14. März 2018
Die Hähnchenschenkelkasserolle
Am Sonntag gab es bei uns Hähnchenschenkel. Wir hatten ein großes Paket frische Hähnchenschenkel gekauft und ich habe sie in einer teflonbeschichteten, rechteckigen Kasserolle aus Metall erst mariniert und anschließend in den Ofen geschoben, um sie unter einer Heißluft+Grill Einstellung im Backofen knusprig zu garen.
Zum Schluss habe ich noch ein zusätzliches Stück Butter zu den Hähnchenschenkel gegeben, so dass auch reichlich Soße produziert wurde. Dazu gab es einen großen Topf Salzkartoffeln und Rotkohl.

Ich beschreibe das so genau, damit es sich genau so liest wie es sich für mich auch darstellte, nämlich absolut normal, Alltag, schon oft gemacht, Routine, nichts Besonderes.Es gibt bei uns häufiger mal Hähnchenschenkel.

Diese rechteckige Metall-Kasserolle benutze ich grundsätzlich für Hähnchenschenkel, weil ich sie dafür einfach praktisch finde, durch die Teflonbeschichtung lässt sich auch unterm Grill eingebranntes Fett wunderbar wieder abwischen und sie ist natürlich absolut ofenfest.
Außerdem hat sie eine witzige Geschichte, denn ich habe sie 1995 irgendwann gegen Mitternacht in einem amerikanischen Supermarkt erworben. Wir machten damals Urlaub in Florida und wohnten in einer küchentechnisch schlecht ausgestatteten Ferienwohnung. In Deutschland gab es damals noch das sehr strenge Ladenschlussgesetz, weshalb mich die amerikanischen Supermärkte vor allem zu den für mich ungewöhnlichen nächtlichen Einkaufszeiten magisch anzogen.
Weil ich also deshalb um Mitternacht unbedingt in diesem Supermarkt gehen wollte, musste ich auch irgendetwas kaufen und diese teflonbeschichtete Metall-Kasserolle erschien mir eine sinnvolle Anschaffung, vor allem, weil wir auch gleich Hähnchenschenkel dazu erwarben und ich anschließend sofort und vor Ort, nachts um eins in einer amerikanischen Ferienhausküche feststellte, wie perfekt diese Metall-Kasserolle gerade für Hähnchenschenkel geeignet ist.
Seitdem begleitet mich diese Kasserolle durch mein Leben, denn natürlich nahm ich sie mit nach Hause und bin in den letzten 23 Jahren auch schon mehrfach mit ihr umgezogen, sie hat jede „jetztmusshiermalgründlichausgemistetwerden-Aktion“ überstanden und auch als ich vor 10 Jahren den gemeinsamen Haushalt mit CW verließ, habe ich sie mitgenommen, und mich dabei erfolgreich gegen CW behauptet, der der festen Überzeugung war, es sei seine Kasserolle. Nach einer längeren Diskussion, in der wir beide den gemeinsamen Supermarktausflug im Jahr 1995 noch mal rekonstruierten, musste er dann zugeben, dass tatsächlich ich diejenige war, die damals unbedingt diese Kasserolle haben wollte.
Bei solchen Wertgegenständen finde ich es immer sehr wichtig, die genauen Eigentumsverhältnisse zu erforschen, denn immerhin hat das gute Stück damals 3,99 $ gekostet und da lohnt es sich natürlich, sich dafür einzusetzen.

Es war aber auch wirklich eine gute Investitionen, denn selbst nach 23 Jahren sah die Kasserolle immer noch aus wie neu und das, obwohl ich wirklich oft Hähnchenschenkel damit unterm Grill zubereitet habe.
Aber vielleicht ist dieser fehlende Alterungsprozess jetzt auch der Grund gewesen, der das endgültige Aus für Kasserolle einläutete, denn seit gestern ist sie endgültig für immer aus meinem Haushalt verschwunden.

Von den Hähnchenschenkeln am Sonntag blieb noch die Hälfte übrig, so dass wir am Montagabend das Essen nur kurz warm machen mussten. Das kam mir sehr entgegen, denn am Montagabend wurde ich ja krank. Ich habe also noch etwas gegessen und bin dann direkt im Bett verschwunden, ohne mich in irgendeiner Weise um das Tischabdecken oder das Aufräumen der Küche zu kümmern.
Das machte mein Westfalenmann, ganz allein und ganz selbstständig, so konnte er mir gleich beweisen, dass er selbstverständlich ein moderner und emanzipierter Mann ist und auch solche Tätigkeiten beherrscht.
Er hat die Küche auch wunderbar sauber gemacht, ich war am nächsten Tag sehr beeindruckt. Bis ich meine Kasserolle suchte und nirgendwo finden konnte. Die Küche war wirklich sehr sauber und aufgeräumt, allerdings stand die Kasserolle nicht an dem Platz, wo sie hingehört, nämlich bei den Töpfen, und deshalb habe ich ihn gestern Abend gefragt, wo er die denn hingeräumt habe. Noch ist die Erinnerung frisch, da muss dann später nicht lange suchen.
Er wusste erst gar nicht, was ich meine, weil er mit dem Begriff Kasserolle nichts anfangen konnte, als ich ihm aber die Metallschale beschrieb, in der ich doch immer die Hähnchenschenkel grille, wurde er leicht rot und gab dann zu, dass er die mitsamt den abgenagten Knochen einfach in die Mülltonne geschmissen habe - und die wurde gestern früh dann auch passend geleert.
So räumt es sich natürlich nach dem Essen am allereinfachsten auf, wenn noch Platz in der Mülltonne ist.
Tja nun, das war also die Geschichte meiner Hähnchenschenkelkasserolle - sie hat mir 23 Jahre treu gedient
.

367 x anjeklickt (immerhin schon ein Kommentar)   ... ¿selber was sagen?