anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 6. März 2018
Juristenirrsinn
Mein Tag heute bestand aus drei Stationen: Als erstes war ich auf einer Fortbildung der NRW-Bank, in der die Teilnehmer lernten, mit einer von der NRW-Bank entwickelten Excel-Tabelle zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit verschiedener Immobilienlösungen umzugehen. Die NRW-Bank hat diese Excel-Tabelle in Kooperation mit dem Landeswirtschafts- oder -finanzministerium (welches es nun letztlich war, habe ich mir nicht gemerkt, ist aber ja auch egal, auf alle Fälle irgendein passendes Landesministerium) entwickelt, und setzt damit so etwas wie den Goldstandard, wenn es um die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Immobilien geht.
Grundsätzlich war das eine interessante Veranstaltung, ich hatte mich schon vorher mit der Excel-Tabelle beschäftigt und fand die Veranstaltung heute wirklich hilfreich, weil ich ein paar grundsätzliche Verständnisprobleme klären konnte, gleichzeitig fand ich aber die anderen Teilnehmer bei dieser Veranstaltung mal wieder so, wie ich Teilnehmer mit kommunalem Ursprungshintergrund meistens finde: mich schaudert. Wenn ich mir vorstelle, dass diese hilflosen Schmalspurakademiker diese im Grunde sehr fragile Excel-Tabelle fehlerfrei bedienen sollen, dann weiß ich jetzt schon, dass das nur daneben gehen kann. Die Ergebnisse werden derart grottenfalsch sein, dass es besser wäre, sie benutzten lieber gleich eine Glaskugel und ein Kopftuch, dann würde wenigstens jeder kritisch mit den gefundenen Informationen umgehen und die Trefferquote, dass auch mal was Richtiges dabei ist, wäre bestimmt höher.

Wie auch immer, das war Teil 1 meines Tages und immerhin war er im Wesentlichen zufriedenstellend. Ich kann jetzt mit dieser Excel-Tabelle umgehen und muss nun nur noch dafür sorgen, dass die Kollegen im Büro das ebenfalls lernen.

Teil 3 des Tages kann ich schon mal vorziehen, denn der war auch zufriedenstellen, ich war mit K. bei unserem Griechen und außer unserer immer gleichen und superleckeren Standardbestellung (einmal Delphiteller mit Fritten statt Reis und einem doppelten Salat und einem leeren Extrateller, denn wir teilen uns das mit zwei Personen) gab es mal wieder je einen Ouzo vor und nach dem Essen und ein großes Bier, was heißt ich bin jetzt grade im Moment entspannt vollgefressen und leicht angetüdelt.

Aber trotz eines gehobenen Alkoholpegels ist meine Empörung/Aufregung/Schimpftirade zu Punkt 2 des Tages noch nicht abgeklungen, denn am späten Nachmittag bis Abend war ich noch auf einer Veranstaltung der IHK Nord Westfalen, die einen Vortrag zum Thema "Neue Regeln für den Datenschutz: Die EU-Datenschutzgrundverordnung" anbot und als Referentin immerhin eine Juristin aus dem Ressort der Landesdatenschutzbeauftragten aufbot.
So einen gequirlten Juristenschwachsinn habe ich wirklich schon lange nicht mehr gehört, es ist dermaßen unglaublich, dass mir komplett die Worte fehlen.

Mein Westfalenmann, der auch bei dieser IHK-Veranstaltung dabei war, kommentierte den Abend grinsend mit: "Na, da hast du jetzt wenigstens toll was zum Bloggen." - aber ehrlich, ich habe tatsächlich gar nicht zum Bloggen, denn mir fehlen so sehr die Worte, dass ich vor lauter Sprachlosigkeit über diesen Schwachsinn und diese unverschämte Juristenselbstherrlichkeit (Schwerpunkttenor auf alle Fragen: "Nein, das kann man nicht pauschal beantworten, aber so wie Sie das vorschlagen, reicht das sicher nicht aus.") ganz im Ernst nicht weiß, was man dazu noch sagen könnte.
Okay, die DSGVO ist eine neue EU-Verordnung und gilt deshalb pauschal ab Ende Mai ohne dass ein lokaler Politiker da irgendetwas dran ändern könnte bzw. daran Schuld ist - aber von einer Juristin aus dem Büro der Landesdatenschutzbeauftragten (wieso ist das eigentlich ein weiblicher Titel, sind wir schon so weit, dass die weibliche Form auch flächendeckend generell gilt?), egal, also von einer Beamtin aus dem Büro der Kontrollbehörde, die immerhin mit Bußgeldern bis zu 20 Mio. € drohen kann, hätte ich auf einem Vortrag der IHK, zu dem natürlicherweise vorwiegend KMU (klein und mittelständische Unternehmer) gekommen waren, schon etwas mehr Beruhigung und vor allem praktische Anwendbarkeit erwartet, aber stattdessen wurde von der Behörden-Dame nur höchst ausgiebig (und für alle juristisch unverbildeten Menschen im gleichen Maße höchst unverständlich) referiert, was man künftig alles beachten und dokumentieren und vor allem nachweisen müsse, wolle man nicht Opfer dieser mit nicht grade zimperlichen Bußgeldern bewehrten Verordnung werden.
Im Ergebnis habe ich mitgenommen: Man kann es unmöglich schaffen, dass man alles richtig macht, irgendwelche formalen Fehler werden grundsätzlich nachweisbar sein (und sei es, dass man WhatsApp nutzt, was nach der DSGVO verboten ist, weil dabei personenbezogene Daten auf bösartigen verbotenen drittstattlichen Servern gelagert werden.)Im Ergebnis heißt das also, ich kann Verstöße eh nicht verhindern, was für mich wiederum bedeutet, nun, dann ist es ja auch egal und ich lege den Schwerpunkt aller meiner Datenschutzbemühungen lieber darauf, nicht erwischt zu werden.
Ich kann gar nicht beschreiben, wie schwachsinnnig ich derartigen juristischen Irrsinn finde.

Zur Beruhigung musste ich anschließend dringend zum Griechen und ganz viel Ouzo trinken. Das hat dann wunderbar geklappt
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