Mittwoch, 24. Juni 2026
Neuer Lesestoff und neue Blogs
anje, 21:54h
In letzter Zeit kommt es immer wieder mal vor, dass ich "freie Zeit" habe, also Zeit, die sich nicht automatisch mit Beschäftigungen füllt, auf die ich entweder grade Lust habe oder die nun mal dringend getan werden mussten.
Das liegt zum einen daran, dass es zwar noch eine Liste mit wichtigen to-dos gibt, aber die aktuellen Todeslinien (Detleins las ich neulich bei Herrn Carsten und freute mich sehr über dieses wunderschöne Wort) also diese Termine der Dringlichkeit liegen zur Zeit in einer überschaubaren Zukunft d.h. ich kann sie schieben, ohne dass sofort die Welt untergeht. Und selbstverständlich wird dann geschoben.
Zum anderen liegt es aber auch daran, dass ich es tatsächlich geschafft habe, bei meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung, nämlich dem Nichtstun, eine gewisse Sättigung erreicht zu haben, ein Umstand mit dem ich so schnell (nur eindreiviertel Jahre nach dem Büro-Ende) nicht gerechnet hätte.
Aber, was soll ich sagen, meine aktiven und meine passiven Zeiten haben sich inzwischen ganz gut eingependelt und wenn nicht grade besondere Aktivitäten mit schlafentziehender Terminierung anstehen, fühle ich mich nach durchschnittlich 8-10 Stunden Schlaf pro Tag in der Regel einigermaßen ausgeschlafen.
Im Umkehrschluss heißt das, dass da ca. 14-16 Stunden pro Tag übrig sind, in denen ich wenigstens so weit wach bin, dass ich es als angenehm empfinde, mich mit irgendwas zu beschäftigen.
Okay, bestimmt 2-4 Stunden davon gehen immer noch locker für Nichtstun drauf, d.h. ich beschäftige auch meinen Kopf nicht, sondern ich sitze oder liege nur irgendwo rum und genieße es, einfach nur so sitzen oder liegen zu können, ohne dass mich jemand oder etwas drängt, etwas zu tun. Der Mensch aus dem berühmten Loriot-Sketch wäre sicherlich sehr neidisch auf mich, aber mein Westfalenmann taugt nicht zur nervigen Ehefrau und seitdem es sich als normal eingebürgert hat, dass er die Hundespaziergänge erledigt, weil ich Spazierengehen hasse, ist auch das Thema vom Tisch.
So im Durchschnitt bleiben dann aber immer noch rund 12 Stunden, die ich in irgendeiner Form mit aktiver Tätigkeit verbringe und da gibt es halt immer mal wieder den einen oder anderen Tag, wo ich tatsächlich überlege, was ich denn jetzt wohl als nächstes tun könnte.
Nicht, dass mir langweilig wäre, davon bin ich wirklich noch sehr weit entfernt, aber ich merke zwischendurch, dass mein intensiver Drang vor allem Nichtstun als Hauptbeschäftigung zu favorisieren, abnimmt.
Meine zweite, absolut immer funktionierende Lieblingsbeschäftigung ist Lesen.
Früher, als es hauptsächlich Bücher als Lesestoff gab, las ich natürlich Bücher, meist vier oder fünf gleichzeitig, die überall deponiert waren, wo ich mich üblicherweise länger als zwei Minuten aufhielt und damit eine Möglichkeit zum Lesen hatte.
Was für die meisten heute das Smartphone ist, waren für mich schon immer Bücher. Ich hatte eigentlich immer eines griffbereit in der Nähe und las oft verdeckt, weil Lesen nur geduldet wurde, wenn sonst keine andere aufmerksamkeitsfordernde Tätigkeit offiziell getan wurde. (Auch hier kein Unterschied zur Smartphonenutzung heutzutage).
In der Schule las ich mein eigenes Buch unterm Tisch, beim Essen halb unter der Serviette, in der Kirche versteckt im Gesangbuch, zum Glück gab es die kleinen gelben Reclambüchlein, die hatten die perfekte Größe, und natürlich auf dem Klo, da konnte ich zwar unversteckt lesen, wurde aber regelmäßig weggescheucht, weil jemand anderes auchdort lesen wollte diese Einrichtung benutzen wollte.
Und natürlich las ich auch früher schon beim Fernsehen parallel immer noch ein Buch, man kann doch nicht nur auf den Bildschirm starren, wo die Geschwindigkeit der Handlung fest vorgegeben ist, wie langweilig ist das denn.
Ich glaube, ich setzte mich vor allem deshalb mit vor den Fernseher, weil mir zum fernsehschauen das längere Aufbleiben offiziell gestattet war und dort konnte ich deutlich bequemer lesen als im Bett mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, was sonst meine abendliche, übliche Lesehaltung war.
Was ich nur sehr wenig las, waren Zeitungen (sozusagen nie, die Texte war immer so langweilig geschrieben und interessierten mich nicht) und Zeitschriften, die kaufte bei uns niemand, die waren nämlich zu teuer.
Beim Kieferorthopäden, wo ich regelmäßig im Wartezimmer Zeit verbrachte, lagen Micky Maus-Hefte aus, die fand ich interessant. Ich hatte sonst keinen Zugriff auf Comics (zu teuer, ich sagte es) und in der Bücherei gab es die nicht.
Im Sommer las ich in meiner Jugend dann allerdings doch ausführlich Zeitschriften, vor allem so etwas wie das Goldene Blatt und ähnliche, denn wenn ich der Oma in der Pension beim Saubermachen der Zimmer half, rettete ich immer die weggeworfenen Zeitschriften der Gäste aus den Papierkörben, so kam ich früh an wichtige Informationen über alle Königshäuser und was man da sonst so daraus lernen konnte.
Meine Mutter kaufte sich ab und zu die Brigitte, die las ich dann auch, aber als ich selber dafür hätte Geld ausgeben müssen, war es mir das meistens nicht wert.
Überhaupt fand ich das Preis-Leistung-Verhältnis von der Menge an Text im Vergleich zum Preis der Zeitschriften schon immer sehr schlecht. Den meisten Platz in Zeitschriften nehmen immer irgendwelche Bilder ein, aber so ein Bild hat man doch mit einmal angucken wegkonsumiert, wieso soll man dafür soviel Geld bezahlen?
Zudem war der Text sehr häufig überraschend schlecht geschrieben.
Dieser Umstand, dass es also stilmäßig oft einen großen Unterschied macht, ob ein Text mit oder ohne Bilder daher kommt, hat mich schon früh fasziniert und ich habe noch nie verstanden, wieso jemand unbedingt Texte schreiben muss, der doch eigentlich gar nicht schreiben kann.
Aber wahrscheinlich ist genau das der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem Schriftsteller. Journalisten setzen andere Schwerpunkte, sie wollen im Zweifel vor allem Aufmerksamkeit verkaufen und dafür braucht es keinen guten Schreibstil.
Die Gründe, weshalb Menschen Journalist geworden sind, sind sicherlich vielfältig, im Zweifel habe ich da wahrscheinlich verkehrte Vorstellungen, dass aber Journalisten zur Berufsausübung gut schreiben können müssen, ist ganz bestimmt keine notwendige Voraussetzung. Das Thema hatte ich neulich schon mal, weil ich mich immer freue, wenn ich dann doch mal Journalisten finde, die richtig gut schreiben können.
Dass es zwischen dem Drang einzelner Menschen, gerne selber unbedingt etwas schreiben zu wollen und der Fähigkeit, etwas zu schreiben, was andere dann auch gerne lesen wollen, dass es zwischen diesen beiden Polen oft keine oder nur eine sehr kleine Schnittmenge gibt, das habe ich schon oft bestaunt.
Ich habe eine Cousine, die träumt davon, Schriftstellerin zu sein. Einen großen Teil ihrer Freizeit verbringt sie mit schreiben und schickt ihre Manuskripte dann an Verlage, die sie allerdings systematisch immer wieder ablehnen. Irgendwann schickte sie mir auch einmal eines ihrer Buchmanusskripte, weil ich beruflich sehr viel mit einem Verlag zu tun hatte und hoffte, dass ich dort für sie ein gutes Wort einlegen könnte.
Ich las ihr Buch und grübelte dann tagelang an einer Formulierung, wie ich ihr so schonend wie möglich, aber auch so klar wie nötig beibringen könnte, dass ich wenig Hoffnung für sie und eine Schriftstellerkarriere sehe, weil sie halt einfach nicht schreiben kann. Das, was sie da als Text fabriziert hatte, war auf dem Niveau einer Fünftklässlerin, der der Lehrer dann eine gut gemeinte 3 für ihren Aufsatz gibt.
Wahrscheinlich ist es mit dem Drang, unbedingt schreiben zu wollen, sich also schriftlich zu verwirklichen, so ähnlich wie mit dem Drang vieler anderer Hobbykünstler, Maler oder Musiker zu sein.
Können und Kunst haben das große K gemeinsam und schon Karl Valentin sagte, Kunst kommt von Können, sonst hieße es Wunst, aber es ist halt immer so eine Sache mit dem Beurteilen der eigenen Fähigkeiten.
Neben dem Impostor-Syndrom gibt es auch den Dunning-Kruger-Effekt und nun ja, für Außenstehende ist es einfacher, jemanden darin zu bestärken, dass er wirklich gut genug ist als ihm zu erklären, dass es bei ihm leider nicht reicht.
Wie bin ich da überhaupt drauf gekommen? Ach so, ich habe in letzter Zeit öfter mal Zeit, in der ich gerne etwas lesen möchte und suche deshalb aktiv nach weiterem Lesestoff.
Richtige Bücher liegen noch in großer Menge auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher), oft will ich aber nur so ein kleines Teil Text lesen, nicht gleich 300 oder mehr zusammenhängende Seiten Text, deshalb lese ich sehr gerne Blogs.
Und in letzter Zeit habe ich öfter mal in neue Blogs reingeschaut, einfach weil ich in letzter Zeit genau dafür gefühlt mehr Zeit habe als früher.
Auf der Suche nach neuen Blogs habe ich Rivva (wieder)entdeckt, dort klicke ich mich immer mal wieder durch die aktuellen Blogs und habe so in den letzten Monaten viele andere Blogs gefunden, in denen ich neugierig gestöbert habe.
Natürlich bewegen sich viele Blogs entweder inhaltlich, einige aber auch stilmäßig in Sphären, die mit meinen Leseerwartungen wenig Berührungspunkte habe, das stellt man aber schnell fest, wenn man sich ein wenig auf dem jeweiligen Blog umschaut und irgendwann überscrollt man diese Blogs dann einfach, egal wie oft sie im aktuellen Feed auftauchen.
Frank Westphal, der Vater von Rivva, ist grade dabei, eine neue Blogsupersuchmaschine zu entwickeln, just heute startete er die Plattform für die interessierten Unterstützer, wo Ideen und Anregungen ausgetauscht werden sollen.
Und auch wenn ich überhaupt keinerlei technisches Verständnis habe, wie so etwas programmiert oder gehostet wird, bin ich doch sehr gerne einfach nur als künftiger Nutzer dabei und freue mich, wenn ich ein so sinnvolles Projekt vielleicht ein ganz klein wenig unterstützen kann
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(Abgelegt in anjemerkt und bisher 52 x anjeklickt)
Das liegt zum einen daran, dass es zwar noch eine Liste mit wichtigen to-dos gibt, aber die aktuellen Todeslinien (Detleins las ich neulich bei Herrn Carsten und freute mich sehr über dieses wunderschöne Wort) also diese Termine der Dringlichkeit liegen zur Zeit in einer überschaubaren Zukunft d.h. ich kann sie schieben, ohne dass sofort die Welt untergeht. Und selbstverständlich wird dann geschoben.
Zum anderen liegt es aber auch daran, dass ich es tatsächlich geschafft habe, bei meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung, nämlich dem Nichtstun, eine gewisse Sättigung erreicht zu haben, ein Umstand mit dem ich so schnell (nur eindreiviertel Jahre nach dem Büro-Ende) nicht gerechnet hätte.
Aber, was soll ich sagen, meine aktiven und meine passiven Zeiten haben sich inzwischen ganz gut eingependelt und wenn nicht grade besondere Aktivitäten mit schlafentziehender Terminierung anstehen, fühle ich mich nach durchschnittlich 8-10 Stunden Schlaf pro Tag in der Regel einigermaßen ausgeschlafen.
Im Umkehrschluss heißt das, dass da ca. 14-16 Stunden pro Tag übrig sind, in denen ich wenigstens so weit wach bin, dass ich es als angenehm empfinde, mich mit irgendwas zu beschäftigen.
Okay, bestimmt 2-4 Stunden davon gehen immer noch locker für Nichtstun drauf, d.h. ich beschäftige auch meinen Kopf nicht, sondern ich sitze oder liege nur irgendwo rum und genieße es, einfach nur so sitzen oder liegen zu können, ohne dass mich jemand oder etwas drängt, etwas zu tun. Der Mensch aus dem berühmten Loriot-Sketch wäre sicherlich sehr neidisch auf mich, aber mein Westfalenmann taugt nicht zur nervigen Ehefrau und seitdem es sich als normal eingebürgert hat, dass er die Hundespaziergänge erledigt, weil ich Spazierengehen hasse, ist auch das Thema vom Tisch.
So im Durchschnitt bleiben dann aber immer noch rund 12 Stunden, die ich in irgendeiner Form mit aktiver Tätigkeit verbringe und da gibt es halt immer mal wieder den einen oder anderen Tag, wo ich tatsächlich überlege, was ich denn jetzt wohl als nächstes tun könnte.
Nicht, dass mir langweilig wäre, davon bin ich wirklich noch sehr weit entfernt, aber ich merke zwischendurch, dass mein intensiver Drang vor allem Nichtstun als Hauptbeschäftigung zu favorisieren, abnimmt.
Meine zweite, absolut immer funktionierende Lieblingsbeschäftigung ist Lesen.
Früher, als es hauptsächlich Bücher als Lesestoff gab, las ich natürlich Bücher, meist vier oder fünf gleichzeitig, die überall deponiert waren, wo ich mich üblicherweise länger als zwei Minuten aufhielt und damit eine Möglichkeit zum Lesen hatte.
Was für die meisten heute das Smartphone ist, waren für mich schon immer Bücher. Ich hatte eigentlich immer eines griffbereit in der Nähe und las oft verdeckt, weil Lesen nur geduldet wurde, wenn sonst keine andere aufmerksamkeitsfordernde Tätigkeit offiziell getan wurde. (Auch hier kein Unterschied zur Smartphonenutzung heutzutage).
In der Schule las ich mein eigenes Buch unterm Tisch, beim Essen halb unter der Serviette, in der Kirche versteckt im Gesangbuch, zum Glück gab es die kleinen gelben Reclambüchlein, die hatten die perfekte Größe, und natürlich auf dem Klo, da konnte ich zwar unversteckt lesen, wurde aber regelmäßig weggescheucht, weil jemand anderes auch
Und natürlich las ich auch früher schon beim Fernsehen parallel immer noch ein Buch, man kann doch nicht nur auf den Bildschirm starren, wo die Geschwindigkeit der Handlung fest vorgegeben ist, wie langweilig ist das denn.
Ich glaube, ich setzte mich vor allem deshalb mit vor den Fernseher, weil mir zum fernsehschauen das längere Aufbleiben offiziell gestattet war und dort konnte ich deutlich bequemer lesen als im Bett mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, was sonst meine abendliche, übliche Lesehaltung war.
Was ich nur sehr wenig las, waren Zeitungen (sozusagen nie, die Texte war immer so langweilig geschrieben und interessierten mich nicht) und Zeitschriften, die kaufte bei uns niemand, die waren nämlich zu teuer.
Beim Kieferorthopäden, wo ich regelmäßig im Wartezimmer Zeit verbrachte, lagen Micky Maus-Hefte aus, die fand ich interessant. Ich hatte sonst keinen Zugriff auf Comics (zu teuer, ich sagte es) und in der Bücherei gab es die nicht.
Im Sommer las ich in meiner Jugend dann allerdings doch ausführlich Zeitschriften, vor allem so etwas wie das Goldene Blatt und ähnliche, denn wenn ich der Oma in der Pension beim Saubermachen der Zimmer half, rettete ich immer die weggeworfenen Zeitschriften der Gäste aus den Papierkörben, so kam ich früh an wichtige Informationen über alle Königshäuser und was man da sonst so daraus lernen konnte.
Meine Mutter kaufte sich ab und zu die Brigitte, die las ich dann auch, aber als ich selber dafür hätte Geld ausgeben müssen, war es mir das meistens nicht wert.
Überhaupt fand ich das Preis-Leistung-Verhältnis von der Menge an Text im Vergleich zum Preis der Zeitschriften schon immer sehr schlecht. Den meisten Platz in Zeitschriften nehmen immer irgendwelche Bilder ein, aber so ein Bild hat man doch mit einmal angucken wegkonsumiert, wieso soll man dafür soviel Geld bezahlen?
Zudem war der Text sehr häufig überraschend schlecht geschrieben.
Dieser Umstand, dass es also stilmäßig oft einen großen Unterschied macht, ob ein Text mit oder ohne Bilder daher kommt, hat mich schon früh fasziniert und ich habe noch nie verstanden, wieso jemand unbedingt Texte schreiben muss, der doch eigentlich gar nicht schreiben kann.
Aber wahrscheinlich ist genau das der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem Schriftsteller. Journalisten setzen andere Schwerpunkte, sie wollen im Zweifel vor allem Aufmerksamkeit verkaufen und dafür braucht es keinen guten Schreibstil.
Die Gründe, weshalb Menschen Journalist geworden sind, sind sicherlich vielfältig, im Zweifel habe ich da wahrscheinlich verkehrte Vorstellungen, dass aber Journalisten zur Berufsausübung gut schreiben können müssen, ist ganz bestimmt keine notwendige Voraussetzung. Das Thema hatte ich neulich schon mal, weil ich mich immer freue, wenn ich dann doch mal Journalisten finde, die richtig gut schreiben können.
Dass es zwischen dem Drang einzelner Menschen, gerne selber unbedingt etwas schreiben zu wollen und der Fähigkeit, etwas zu schreiben, was andere dann auch gerne lesen wollen, dass es zwischen diesen beiden Polen oft keine oder nur eine sehr kleine Schnittmenge gibt, das habe ich schon oft bestaunt.
Ich habe eine Cousine, die träumt davon, Schriftstellerin zu sein. Einen großen Teil ihrer Freizeit verbringt sie mit schreiben und schickt ihre Manuskripte dann an Verlage, die sie allerdings systematisch immer wieder ablehnen. Irgendwann schickte sie mir auch einmal eines ihrer Buchmanusskripte, weil ich beruflich sehr viel mit einem Verlag zu tun hatte und hoffte, dass ich dort für sie ein gutes Wort einlegen könnte.
Ich las ihr Buch und grübelte dann tagelang an einer Formulierung, wie ich ihr so schonend wie möglich, aber auch so klar wie nötig beibringen könnte, dass ich wenig Hoffnung für sie und eine Schriftstellerkarriere sehe, weil sie halt einfach nicht schreiben kann. Das, was sie da als Text fabriziert hatte, war auf dem Niveau einer Fünftklässlerin, der der Lehrer dann eine gut gemeinte 3 für ihren Aufsatz gibt.
Wahrscheinlich ist es mit dem Drang, unbedingt schreiben zu wollen, sich also schriftlich zu verwirklichen, so ähnlich wie mit dem Drang vieler anderer Hobbykünstler, Maler oder Musiker zu sein.
Können und Kunst haben das große K gemeinsam und schon Karl Valentin sagte, Kunst kommt von Können, sonst hieße es Wunst, aber es ist halt immer so eine Sache mit dem Beurteilen der eigenen Fähigkeiten.
Neben dem Impostor-Syndrom gibt es auch den Dunning-Kruger-Effekt und nun ja, für Außenstehende ist es einfacher, jemanden darin zu bestärken, dass er wirklich gut genug ist als ihm zu erklären, dass es bei ihm leider nicht reicht.
Wie bin ich da überhaupt drauf gekommen? Ach so, ich habe in letzter Zeit öfter mal Zeit, in der ich gerne etwas lesen möchte und suche deshalb aktiv nach weiterem Lesestoff.
Richtige Bücher liegen noch in großer Menge auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher), oft will ich aber nur so ein kleines Teil Text lesen, nicht gleich 300 oder mehr zusammenhängende Seiten Text, deshalb lese ich sehr gerne Blogs.
Und in letzter Zeit habe ich öfter mal in neue Blogs reingeschaut, einfach weil ich in letzter Zeit genau dafür gefühlt mehr Zeit habe als früher.
Auf der Suche nach neuen Blogs habe ich Rivva (wieder)entdeckt, dort klicke ich mich immer mal wieder durch die aktuellen Blogs und habe so in den letzten Monaten viele andere Blogs gefunden, in denen ich neugierig gestöbert habe.
Natürlich bewegen sich viele Blogs entweder inhaltlich, einige aber auch stilmäßig in Sphären, die mit meinen Leseerwartungen wenig Berührungspunkte habe, das stellt man aber schnell fest, wenn man sich ein wenig auf dem jeweiligen Blog umschaut und irgendwann überscrollt man diese Blogs dann einfach, egal wie oft sie im aktuellen Feed auftauchen.
Frank Westphal, der Vater von Rivva, ist grade dabei, eine neue Blogsupersuchmaschine zu entwickeln, just heute startete er die Plattform für die interessierten Unterstützer, wo Ideen und Anregungen ausgetauscht werden sollen.
Und auch wenn ich überhaupt keinerlei technisches Verständnis habe, wie so etwas programmiert oder gehostet wird, bin ich doch sehr gerne einfach nur als künftiger Nutzer dabei und freue mich, wenn ich ein so sinnvolles Projekt vielleicht ein ganz klein wenig unterstützen kann
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