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Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 12. Januar 2019
Kleiderkreisel und aussortieren
Spät war's gestern, oder genauer: früh heute morgen, bis ich wieder zuhause war.
Ich war gestern mal wieder beim Kleiderkreisel - Klamottentausch mit Knöpfen als Währung.
Alle sechs Wochen findet das in Bielefeld statt, mittlerweile ist es ziemlich bekannt und die Zahl der Frauen, die teilnehmen, wird immer größer.
Das Prinzip ist einfach: Man sortiert eigene Kleidung aus, bringt sie mit zum Kleiderkreisel, dort wird die Kleidung in Knöpfe umgerechnet (von 1-3 Knöpfen, also zB ein Knopf für ein T-Shirt oder eine einfache Hose, zwei Knöpfe für eine schicke Bluse, ein Kleid oder eine gute Hose und drei Knöpfe für ein Kostüm oder etwas Vergleichbares) und dann auf den Tischen und Kleiderständern verteilt. Dort schauen sich dann alle die Kleidung an, die die anderen mitgebracht haben(es herrscht zugegeben ein bisschen Wühltisch- und Schlussverkaufsatmosphäre, es ist aber gleichzeitig auch recht lustig) und suchen sich neue Stücke aus, die im hinteren Teil des Raumes in einer großen Sammelumkleide anprobiert werden können. Dabei kommentiert und begutachtet natürlich jeder die Teile, die ein anderer grade anprobiert, es wird viel gelacht und gefrotzelt. Alles, was einem passt und gefällt, kauft man dann mit den Knöpfen, die man vorher für seine eigenen Teile bekommen hat.
Wenn man mehr mitbringt als man selber wieder kaufen will, nimmt man die Knöpfe mit nach Hause und hat beim nächsten Mal schon ein Startguthaben.

Das ganze kostet drei (echte) Euro Eintritt, dafür bekommt man ein Glas Sekt und die Veranstalter zahlen die Raummiete davon, verdienen tut niemand an der Sache, die Veranstalter sind alle ehrenamtlich tätig, weil sie die Idee des Kleidertauschs gutfinden.

Die Kleidungsstücke, die keinen neuen Liebhaber gefunden werden, werden in Säcke geräumt und bis zum nächsten Kleiderkreiseltermin im Keller gelagert, wenn der Kleidungsbestand zu groß wird, werden Teile, die schon mehrfach angeboten wurden, der Kleiderkammer in Bethel gespendet.

Ich finde die Veranstaltung vor allem deshalb gut, weil ich live zusehen kann, wie jemand anderes meine eigene aussortierte Kleidung anprobiert und sich darüber freut, wenn es ihm gut gefällt. An der Kleidung, die ich (und all die anderen Teilnehmerinnen) aussortieren, ist normalerweise kein Mangel, die Teile sind weder kaputt noch aus anderen Gründen unbrauchbar, oft passen sie nur einfach nicht mehr oder man hat sich übergesehen, seinen eigenen Stil geändert oder was weiß ich, auf alle Fälle sind die Sachen zu schade zum Wegwerfen und so werden sie einer perfekten Weiterverwendung zugeführt und gleichzeitig hat man selber die Chance, tolle neue Kleidungsstücke für zu finden, ohne zusätzliches Geld ausgeben zu müssen, die Knopfwährung ist ein perfekter Regulator.
Mit den Knöpfen fühlt man sich unglaublich reich und kann wirklich komplett ungehemmt und nach Herzenslust einkaufen, ohne auf den Preis gucken zu müssen, ein wunderbares Einkaufsgefühl - wenn einem Teile nach dem Einkauf dann doch nicht mehr gefallen, dann bringt man sie beim nächsten Mal eben wieder mit. So kann man noch nicht mal was falsch machen.

Ich habe diesmal ein paar sehr hübsche Teile gefunden: einen schwarzen Designerhosenanzug mit Nadelstreifen, einen langen schwarzen Wollmantel aus Lambswool und Angora (ganz weich und kuschelig), einen ganz weiten langen Seidenrock mit Gummizug (perfekt für Borkum) und ein blaues T-Shirt mit weißen Punkten. (ich habe zugegebenermaßen einen blau-weiß-Tick, aber immerhin sind Punkte jetzt mal was anderes als meine sonst üblichen Streifen). Hat zusammen 10 Knöpfe gekostet und ich habe noch ein dickes Guthaben auf meinem Knopfkonto für die nächsten Male.

Zu diesen Kleiderkreiselveranstaltungen gehe ich fast immer mit meiner Schwester, sie sind damit gleichzeitig ein fester Termin, den man schon lange vorher kennt und sich den Abend freihält. Anschließend sitzen wir meist noch lange zusammen und quatschen - gestern heute früh bin ich erst um halb drei endlich nach Hause gefahren.

Um neun Uhr war ich allerdings schon wieder unterwegs, weil ich beim Optiker einen Termin zur Kontaklinsenanpassung gemacht hatte - ein Kollege trägt seit einiger Zeit Gleitsichtkontaktlinsen und ist sehr davon begeistert, das will ich jetzt auch.

Anschließend habe ich meinen Haushalt aussortiert, J. ist gestern Abend angekommen und nimmt alles mit, was ich loswerden möchte. Sehr feine Sache, das.

Am Nachmittag hatte ich dann einen heftigen Müdigkeitshänger, aber nach zwei Stunden Schläfchen ging es wieder, zum Abendessen gab es Lammfilet und warmen Kartoffelsalat, es war ein rundum gelungener Tag
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