anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 10. Januar 2019
Gender, Hacker und smarte Banker
Morgen ist schon wieder Freitag, das ging zum Glück schnell, aber ich hatte Montag ja auch noch Urlaub.

Am Nachmittag war ein Termin mit einem Banker, der sich und seine Bank mal wieder vorstellen und ins Gespräch bringen wollte (wir haben eine Abteilung für Vermögensverwaltung und deshalb sind Banker natürlich immer wild hinterher, mit uns ins Geschäft zu kommen) Normalerweise sind solche Termine schrecklich, weil reine Zeitverschwendung. Die Klinkenputzerbanker, die diese Türöffnerjobs machen, sind üblicherweise mehr Verkäufer als Banker und wissen deshalb, was ihre Bank alles kann, können aber selber nix.
Zu meiner allergrößten Überraschung wusste dieser Bankvertreter aber tatsächlich richtig gut Bescheid und es machte ausgesprochen viel Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. Der Chef erster Ordnung, der bei diesen Terminen natürlich auch immer dabei sein muss, weil die Banker sonst eh keine Ruhe geben würden, bevor sie nicht mit dem obersten Chef gesprochen haben, verkrümelte sich nach einer Weile und ich hätte das Gespräch dann auch problemlos beenden können, aber ich fand den Mensch derart interessant, dass ich sagte, ich hätte noch länger Zeit - und nachher hatte der gesamte Termin über vier Stunden gedauert und es war keine Minute langweilig. Ich glaube allerdings, dass der Banker auch Spaß hatte, nicht nur, weil er seine Bank ins Geschäft bringen kann, sondern weil es wirklich ein rundum gutes Gespräch war. Sowas gibt es manchmal. Nicht oft, aber wenn, dann macht es richtig viel Spaß.

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Ich habe einen interessanten Satz gelesen, zum Thema Gendersprache, die ich eigentlich ziemlich grässlich finde. Ich finde jede Variante, Sprache geschlechtslos zu verwenden, umständlich, lästig, albern, überflüssig, behindernd, insgesamt also ziemlich ätzend, aber ich glaube, ich beginne wenigstens ganz entfernt ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass da tatsächlich ein Problem hinterstecken könnte.
Das generische Maskulinum ist zwar praktisch - aber es macht halt auch Bilder im Kopf. Und welche Macht Bilder im Kopf haben, das weiß ich sehr gut, ich bin schließlich ausreichend hysterisch und bekomme schon eine Ekelgänsehaut, wenn nur jemand das Wort "Bauchnabel" verwendet.
Der Satz steht in dem Beitrag von Mek Wito, der ab sofort nur noch im generischen Femininum schreiben will, was aus meiner Sicht auch keine Lösung ist, aber immerhin ist mir durch diesen Satz bewusst geworden, dass das ganze nicht unbedingt nur ein albernes Thema ist für Menschen, die sonst keine Probleme haben, sondern eventuell ist es tatsächlich ein Problem, über das man mal ernsthaft nachdenken sollte.

Der Satz lautet:
Zwei Fussballer sitzen in der Kabine und reden über ihre Regelschmerzen.

Lautete der Satz:
Zwei Fussballer sitzen in der Kabine und reden über ihre Prostata - würde dieser Satz überhaupt niemandem auffallen. Es ist der Widerspruch der beiden Bilder, der in dem oberen Satz steckt, der ihn so auffällig macht.
Und genau damit macht er deutlich, dass das generische Maskulinum eben nicht automatisch auch Frauen mitmeint- und genau an der Stelle lohnt es sich vielleicht, da doch noch mal weiter drüber nachzudenken.

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Irgendwo las ich heute, der 20jährige Schülerhacker, über dessen Taten gerade so viel berichtet wird, hat die Passwörter von den Promiaccounts gar nicht gehackt, sondern einfach durch Ausprobieren geraten.
Das kann ich mir sehr gut vorstellen und ich finde die Gesamttat sowieso so skurril, dass ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr rauskomme . D.h. Ich finde nicht die Tat skurril, sondern die Reaktionen darauf. Denn wenn ich die Berichte, die ich so mitbekommen habe, richtig verstehe, dann hat der Typ nur ganz normale Alltagsdaten veröffentlich, also Daten wie Name, Anschrift und Telefonnummer. Daten, die jeder, der eine eigene Website betreibt, nach dem Gesetz sowieso von sich selber aus ins Internet stellen muss, weil Impressum und Pflicht und so. Und auch ihre Steuernummer und die Kontonummer müssen unglaublich viele Leute gesetzlich vorgeschrieben öffentlich bekanntgeben - das sind nämlich verpflichtende Angaben auf einer Rechnung und der Unternehmer MUSS das da drauf schreiben.
Außerdem sind viele Daten bis heute von vielen Leuten sowieso öffentlich im Netz abrufbar, denn soweit ich weiß, ist das Telefonbuch immer noch frei zu erreichen.
Wo ist also das Problem bei Daten, die sowieso nicht geheim sind? Ich verstehe das wohl alles nur nicht richtig
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